Nentershausen (Hessen)
| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
|
Koordinaten: 51° 1′ N, 9° 56′ O | ||
| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Hessen | |
| Regierungsbezirk: | Kassel | |
| Landkreis: | Hersfeld-Rotenburg | |
| Höhe: | 299 m ü. NHN | |
| Fläche: | 57,06 km2 | |
| Einwohner: | 2566 (31. Dez. 2019)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 45 Einwohner je km2 | |
| Postleitzahlen: | 36214, 36208 (Bellers), 36219 (Menglers) | |
| Vorwahlen: | 06627, 05653 (Mönchhosbach) | |
| Kfz-Kennzeichen: | HEF, ROF | |
| Gemeindeschlüssel: | 06 6 32 013 | |
| Gemeindegliederung: | 6 Ortsteile | |
| Adresse der Gemeindeverwaltung: |
Burgstraße 2 36214 Nentershausen | |
| Website: | ||
| Bürgermeister: | Ralf Hilmes (SPD) | |
| Lage der Gemeinde Nentershausen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg | ||
Nentershausen ist eine Gemeinde im Landkreis Hersfeld-Rotenburg im Nordosten von Hessen in Deutschland.
Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Die Gemeinde liegt im Landkreis Hersfeld-Rotenburg im osthessischen Bergland. Dort befindet sie sich im Zentrum des Richelsdorfer Gebirges, zwischen der Fulda im Westen und der Werra im Osten. Das Gemeindegebiet liegt im Einzugsbereich der Hasel, die bei Sontra in den Fluss Sontra mündet.
Die nächstgelegenen größeren Städte sind Bad Hersfeld (etwa 25 km südwestlich), Eisenach (etwa 30 km östlich) und Eschwege (etwa 25 km nördlich).
Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Nentershausen grenzt im Norden und Osten an die Stadt Sontra (im Werra-Meißner-Kreis), im Südosten an die Gemeinde Wildeck, im Süden an die Gemeinde Ronshausen sowie im Westen an die Stadt Bebra und die Gemeinde Cornberg (alle im Landkreis Hersfeld-Rotenburg).
Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Die Gemeinde besteht neben Nentershausen aus den Ortsteilen Bauhaus, Dens, Mönchhosbach, Süß und Weißenhasel.
Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Die erste schriftliche Erwähnung eines der Ortsteile stammt aus dem Zinsregister des Klosters Helmershausen (gehört heute zur Einheitsgemeinde Rhönblick). Hier wurde im Jahre 1120 Hasels als Hasolo in Thuringia erwähnt. Tense folgte im Jahre 1195 und Susse im Jahre 1267, das Hermann von Trott als Lauterbergisches Lehen erhalten hatte. Die anderen Orte folgen im Laufe des 14. Jahrhunderts.
Um 1300 erbaute Ludwig I. von Baumbach die Burg Tannenberg, die Lehnsburg der Abtei Hersfeld war. Der Ort Nentershausen wurde 1323 erstmals in einer Urkunde des Klosters Blankenheim, einem hersfeldischen Tochterkloster, erwähnt. Schon 1365 hatten die Herren von Baumbach in Nentershausen vom Kloster Hersfeld zahlreiche Güter zu Lehen.[2] Sie besaßen in Nentershausen und den umliegenden Dörfern die Hohe und Niedere Gerichtsbarkeit. 1578 mussten die Baumbach die Hohe Gerichtsbarkeit an den Landgrafen von Hessen abgeben, und seitdem wurde der Gerichtsbezirk verwaltungstechnisch dem Amt Sontra angegliedert. Die niedere Gerichtsbarkeit behielten die Herren von Baumbach bis 1806.[3]
Um 1771 gehörten zum Amt oder Gericht Nentershausen: Nentershausen, Dens, Blankenbach, Machtlos, Weißenhasel, Süß, Bosserode, Raßdorf, die drei Höfe Tannenberg, Bellers und Bauhaus. Während der französischen Besatzung, bzw. der Zeit des Königreichs Westphalen von 1807 bis 1813 war Nentershausen Hauptort des Kantons Nentershausen. Ab 1821 gehörte der Ort zum Landkreis Rotenburg (Fulda), der seit 1972 Teil des Landkreises Hersfeld-Rotenburg ist.
Bis 2011 war der Ort ein staatlich anerkannter Luftkurort.[4]
Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Im Zuge der Gebietsreform schlossen sich die bis dahin selbständigen Gemeinden Bauhaus, Dens, Mönchhosbach, Nentershausen, Süß und Weißenhasel am 31. Dezember 1971 zur neuen Großgemeinde Nentershausen zusammen.[5]
Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Gemeindevertretung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Die Kommunalwahl am 6. März 2016 lieferte folgendes Ergebnis,[6] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:[7][8]
| Parteien und Wählergemeinschaften | % 2016 |
Sitze 2016 |
% 2011 |
Sitze 2011 |
% 2006 |
Sitze 2006 |
% 2001 |
Sitze 2001 | ||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| SPD | Sozialdemokratische Partei Deutschlands | 66,1 | 10 | 63,3 | 9 | 63,5 | 15 | 63,6 | 15 | |
| CDU | Christlich Demokratische Union Deutschlands | 33,9 | 5 | 36,7 | 6 | 36,5 | 8 | 36,4 | 8 | |
| gesamt | 100,0 | 15 | 100,0 | 15 | 100,0 | 23 | 100,0 | 23 | ||
| Wahlbeteiligung in % | 63,3 | 63,6 | 61,9 | 67,1 | ||||||
Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Der ehemalige Bürgermeister Lothar Schmidt (SPD) wurde am 10. September 2000 mit einem Stimmenanteil von 90,6 % in seine vierte Amtszeit gewählt. Die erste Wahl von Lothar Schmidt erfolgte am 17. Dezember 1982, für die am 1. Januar 1983 beginnende Amtszeit. Am 3. September 2006 wurde Ralf Hilmes (SPD) mit einem Stimmenanteil von 71,7 % gewählt und löste damit am 1. Januar 2007 Lothar Schmidt als Bürgermeister ab.
Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Blasonierung: Das Wappen zeigt unter silbernem Schildhaupt im von Grün und Silber zu sechs Zinnen zinnengeteilte Schilde, oben drei grüne Tannen im Tannenschnitt, unten einen mit goldenem Schlegel und Eisen belegten grünen Dreiberg im Schildfuß.
Das Wappen wurde der Gemeinde am 4. November 1981 durch den Hessischen Minister des Inneren verliehen.
Beschreibung: Die Tannen im oberen Teil des Schildes weisen auf den Waldreichtum der Gemeinde hin. Die sechs Zinnen versinnbildlichen die sechs Ortsteile und die Burg Tannenberg. Schlegel und Eisen weisen auf die Bergbauvergangenheit hin. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts wurde in Nentershausen Kupferschiefer abgebaut.
Interkommunale Zusammenarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Zusammen mit den Nachbargemeinden Herleshausen und der Stadt Sontra (beide Werra-Meißner-Kreis) wurde am 14. Oktober 2006 der Zweckverband Interkommunale Zusammenarbeit gegründet. Hieraus entwickelt sich eine enge Kooperation dieser drei Gemeinden mit teilweise bereits übergeordneter Erledigung in Eigenverantwortung von gemeinsamen Aufgaben aus den Bereichen Wirtschaft, Kultur (Bildung), Freizeitgestaltung (Tourismus) und Landwirtschaft.
Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Ligueil (Département Indre-et-Loire in Frankreich, seit 1990)
- Brotterode-Trusetal (Thüringen, seit 1990)
- Bezirk Steglitz-Zehlendorf von Berlin (ursprünglich Bezirk Steglitz, seit 1966)
Eine Patenschaft bestand zur 4. Kompanie des Panzeraufklärungsbataillons 5 in Sontra. Diese Patenschaft wurde am 31. Dezember 2007 durch die Auflösung des Panzeraufklärungsbataillons 5 beendet.
Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Heimat- und Bergbaumuseum (mit Schwerpunkt Kupferschiefer und Schwerspat Bergbau) im ehemaligen Amtsgericht
Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Burg Tannenberg (im 13. Jahrhundert im gotischen Stil erbaut, seit 1360 im Besitz der Familie von Baumbach)
- Evangelische Kirche Nentershausen (1696 bis 1706 im Stil des Barock umgebaut)
- Fachwerkrathaus in Nentershausen
Jüdische Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Synagoge: Der um 1810 errichtete Fachwerkbau wurde 1938 verwüstet und im Jahre 1987 abgetragen, um im Hessenpark bei Neu-Anspach wiederaufgebaut zu werden. Teile des alten Thoraschreins stehen heute im Holocaust-Museum von Washington. Nach dem Neubau der Mikwe, des Ritualbads, konnte der Bau und die Inneneinrichtung einschließlich der Emporen bis zum Jahre 1996 fertiggestellt werden.
- Jüdischer Friedhof: Der Friedhof wurde um die Mitte des 19. Jahrhunderts eingerichtet und bis in die 1930er Jahre belegt.
Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
In Nentershausen gibt es eine etwa 600 Jahre alte geschützte Dorf- bzw. Gerichtslinde.
Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Denser Seefest
- Burgfest auf Burg Tannenberg
Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Ernst Wilhelm von Baumbach (1791–1860), württembergischer Generalleutnant und Gouverneur von Stuttgart
- Henriette Dorothea (Dortchen) Wild (heiratete 1825 Wilhelm Grimm)
- Jost von Trott zu Solz (1944–2009), deutscher Jurist
Persönlichkeiten, die in der Gemeinde gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Adolph Knigge (1752–1796), Schriftsteller und Aufklärer. Er heiratete 1773 Henriette von Baumbach, deren Güter und Burg Tannenberg hier liegen. Er wohnte zeitweise auch hier.
- Philippine von Reden (1775–1841), Schriftstellerin und Übersetzerin, Tochter von Adolph Knigge
- Franz Brandl (1926–2008), Bergmann. Theodor Heuss verlieh ihm 1951 das erste Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.[9]
Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Ludwig Büff: Zur Geschichte von Nentershausen. Blücher Verlag, Merzhausen 2004, ISBN 3-934249-06-X
- Karl-Heinz Berndt: Der Judenpfad: Ein Beitrag zur Geschichte der Juden in Nentershausen. Books on Demand, 9. Oktober 2007, ISBN 978-3-8334-8239-7
- Der Gemeindevorstand der Gemeinde Nentershausen: Nentershausen Bilder aus vergangenen Tagen. Geiger-Verlag, Horb am Neckar 1992, ISBN 3-89264-733-X
- Der Gemeindevorstand der Gemeinde Nentershausen: Süß – das Dorf und seine Menschen. Hoehl-Druck, Bad Hersfeld 2005
Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- ↑ Hessisches Statistisches Landesamt: Bevölkerungsstand am 31.12.2019 (Landkreise und kreisfreie Städte sowie Gemeinden, Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
- ↑ „Nentershausen, Landkreis Hersfeld-Rotenburg“. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 11. Dezember 2015). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
- ↑ Homepage von Nentershausen
- ↑ 77. Sitzung des Fachausschusses für Kurorte Erholungsorte und Heilbrunnen in Hessen vom 17. November 2011. In: Staatszeiger für das Land Hessen. Nr. 7, 2012, ISSN 0724-7885, S. 221.
- ↑ Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 406.
- ↑ Ergebnis der Gemeindewahl am 6. März 2016. Hessisches Statistisches Landesamt, abgerufen im April 2016.
- ↑ Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011
- ↑ Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 26. März 2006
- ↑ Foto im Bundesarchiv
Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- „Nentershausen, Landkreis Hersfeld-Rotenburg“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
- Literatur über Nentershausen in der Hessischen Bibliographie
- Luftbildvideo Nentershausen (vom Hessischen Rundfunk)
