Neobyzantinische Architektur

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Das Neue Athos-Kloster Nowy Afon
Der Dom von Helsinki orientiert sich an russischen Vorbildern

Die neobyzantinische Architektur ist eine Stilrichtung im Historismus die an die byzantinische Architektur anknüpft. Sie wird in die Zeit zwischen dem Ende des 18. und dem Anfang des 20. Jahrhunderts eingeordnet. Der neobyzantinische Baustil prägte das Aussehen vieler sakraler Bauwerke aber auch Regierungs- und andere öffentliche Gebäude nicht nur in Ländern, in denen die byzantinische Architektur ein Bestandteil ihrer Identität stellt, wie in Russland, Bulgarien, Rumänien, Serbien, Griechenland, Italien oder Georgien, sondern darüber hinaus auch in Deutschland, Österreich, Frankreich und Großbritannien und sie dadurch zu einem universellen künstlerischen Thema werden ließ.

Ursprung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der neobyzantinische Baustil vereint Elemente klassischer byzantinischer Bauwerke mit nationalen Elementen. Zum Korpus neobyzantinischer Architektur zählen Bauwerke die in bestimmten Formen Reminiszenzen an die Byzantinische Architektur stellen, die sich insbesondere in der Bevorzugung von Kuppeln, des Rundbogens, der gebänderten Fassadengestaltung sowie im Zufügen des byzantinischen Kapitells mit Kämpfer (Byzantinisches Kämpferkapitell) sowie bei sakraler Architektur in der Nutzung des Typus der Kreuzkuppelkirche mit eingeschriebenen- oder Griechischem Kreuz erkennen lässt. Im Gesamteindruck dominieren sphärische und kubische Gewölbe der byzantinische Architektur, wie es Kuppeln, Halbkuppeln sind, daneben sind Elemente dekorativer Plastik an Pendentifs, Arkaden, Säulen, Kapitellen, Bögen, Portalen, Nischen und Lisenen mit einfachen Ornamenten kennzeichnend. Allgemein sind ein eher gedrungener Bau und spärlicher Einsatz dekorativer Plastik. Die Bauwerke gliedern sich äußerlich jedoch zumeist durch Sockel, Korpus und Nischen von Arkaden sowie dekorative Portale, Zierleisten und anderer Details aus Elementen der byzantinischen Kunst.

Der neobyzantinische Baustil war früh vor allem in Osteuropa und dort insbesondere in Russland unter Zar Alexander II. Hier waren es Grigory Grigorievich Gagarin, Direktor der Imperialen Akademie, der sich der neobyzantinischen- und neorussischen Strömung verpflichtete und viele Anhänger fand. In neobyzantinischer Manier entstanden die Wladimirkathedrale von Kiev, die Nikolaus-Kathedrale in Kronstadt (gehört zu St. Petersburg), die Alexander Newski Kathedrale in Sofia, das Neue Athos-Kloster Nowy Afon (georgisch: ახალი ათონი/Achali Atoni) bei Sochumi und die Markuskirche in Belgrad.

Ein weiterer wichtiger Vertreter des Neobyzantinismus war der Franzose Pierre Bossan. In Deutschland wurde München einem ersten Zentrum der neobyzantinischen Architektur. Leo von Klenzes Allerheiligen-Hofkirche ist in Anlehnung an die Capella Palatina die erste Neobyzantinische Kirche die in Europa erbaut wurde.[1] Davon inspiriert ließ Ludwig II. der Thronsaal im Schloss Neuschwanstein als überkuppelte Doppelkapelle im neubyzantinischen Stil mit Goldfresken und Marmorverkleidung ausschmücken. In der Österreichischen Kunst ist der Einfluss insbesondere auch in Gemälden Gustav Klimts wie in „Der Kuss“ durch abstrakte Gestensprache und Goldhintergrund von der byzantinischen Kunst inspiriert. Als Architekt wirkte Theophil von Hansen auch mit Werken im neobyzantinischen Stil wie der Griechenkirche zur Heiligen Dreifaltigkeit in Wien. Jedoch war Hansen insbesondere in der Übernahme des Rundbogenstils in die imperiale Architektur Österreich-Ungarns stilbildend für die weitere Entwicklung der neobyzantinischen Architektur in Mittel- und Südosteuropa.[2][3] Neben dem Mittelbau des Waffenmuseums im Arsenal in Wien sind die Evangelische Christuskirche in Matzleinsdorf sowie das ehemalige Invalidenhaus in Lemberg die wichtigsten Arbeiten Hansens im neobyzantinischen Stil. Neobyzantinische Elemente hat in Wien auch die von Otto Wagner im Jugendstil erbaute Kirche am Steinhof. Nachdem Serbien 1903 durch eine neue Dynastie regierte wurde, die 1909 in Oplenac eine dynastische Grabeskirche bestellte, wurde die weitere Sakralarchitektur des Landes von diesem Beispiel geprägt.[4] In der Zwischenkriegszeit wuchs die neobyzantinische Architekturströmung in repräsentativen Bauten der jugoslawischen Metropole Belgrad, in der König Alexander I. wichtigster Förderer der Neobyzantinischen Architektur wurde.[5] Hier waren es neben Aleksander Deroko und Momir Korunović sowie unter den zahlreichen russischen Emigranten insbesondere Nikola Krasnov (eigentlich Никола́й Петро́вич Красно́в) die darunter das Königliche Schloss auf dem Dedinje oder die Kirche des Heiligen Sava im neobyzantinische Stil erbauen ließen.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der neobyzantinische Baustil wird, genau wie der klassische byzantinische Baustil, von Rundbögen, Gewölben und Kuppelbauten dominiert. Wände wurden mit Sichtmauerwerk oder Stuckverzierungen hergestellt, Böden wurden häufig mit Mosaik ausgelegt.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Neobyzantinische Architektur – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stefanie Lieb: Rezension von: J. B. Bullen: Byzantium Rediscovered. Phaidon Verlag, Berlin 2003. In: Kunstform. 6, Nr. 3, 2005. arthistoricum.net
  2. Theophil Hansen – big player im Wiener Baubusiness Biographisches Lexikon der Österreichischen Akademie
  3. Aleksandar Kadijević: Byzantine architecture as inspiration for serbian new age architects. Katalog der SANU anlässlich des Byzantinologischen Weltkongresses 2016 und der Begleitausstellung in der Galerie der Wissenschaften und Technik in der Serbischen Akademie der Wissenschaften und Künste. Serbian Committee for Byzantine Studies, Belgrad 2016, ISBN 978-86-7025-694-1, S. 32–35.
  4. Aleksandar Kadijević: Byzantine architecture as inspiration for serbian new age architects. Katalog der SANU anlässlich des Byzantinologischen Weltkongresses 2016 und der Begleitausstellung in der Galerie der Wissenschaften und Technik in der Serbischen Akademie der Wissenschaften und Künste. Serbian Committee for Byzantine Studies, Belgrade 2016, ISBN 978-86-7025-694-1, S. 87.
  5. Aleksandar Kadijević: Byzantine architecture as inspiration for serbian new age architects. Katalog der SANU anlässlich des Byzantinologischen Weltkongresses 2016 und der Begleitausstellung in der Galerie der Wissenschaften und Technik in der Serbischen Akademie der Wissenschaften und Künste. Serbian Committee for Byzantine Studies, Belgrade 2016, ISBN 978-86-7025-694-1, S. 62.