Neptunbrunnen (Berlin)

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Neptunbrunnen
Gesamtansicht des Neptunbrunnens mit der Elbe-Figur (links)
Gesamtansicht des Neptunbrunnens mit der Elbe-Figur (links)
Ort Berlin-Mitte
Land Deutschland Deutschland
Verwendung Brunnen
Bauzeit 1888–1891
Architekt Reinhold Begas
Baustil Neobarock
Technische Daten
Höhe 10 m
Durchmesser 18 m
Grundfläche 250 m²
Baustoff Granit, Bronzefiguren
Koordinaten
Lage Koordinaten: 52° 31′ 11″ N, 13° 24′ 24″ O52° 31′ 11″ N, 13° 24′ 24″ O

Der Neptunbrunnen von Berlin (anfangs Kaiserbrunnen, dann Schloßbrunnen, oder auch nach seinem Schöpfer Reinhold Begas Begasbrunnen genannt) ist ein Ende des 19. Jahrhunderts geschaffener Springbrunnen. Er hat eine Grundfläche ähnlich einem vierblättrigen Kleeblatt, ist mit fünf allegorischen Figuren ausgestattet und gilt als einer der prächtigsten Brunnen der Stadt.

Der Originalstandort des Neptunbrunnens befand sich vor dem Berliner Stadtschloss auf dem historischen Schloßplatz. Seit 1969 steht er auf der zu DDR-Zeiten geschaffenen Freifläche zwischen Marienkirche und Rotem Rathaus im zentralen Berliner Ortsteil Mitte.

Allegorie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teilansicht mit allegorischer Figur Der Rhein

Aus einer Grundschale auf einem dreistufigen Unterbau erhebt sich die kraftvolle Gestalt des antiken römischen Meergottes Neptun. Das Zeichen seiner Macht, den wogenstillenden Dreizack, hat er über die linke Schulter geworfen, den rechten Arm auf den Schenkel gestemmt. Neptun wird von vier mächtigen Tritonen nach Art der Zentauren auf einer riesigen Muschel getragen, umringt von sprudelndem Leben in Gestalt von Kindern, die mit dem nassen Element spielen. Eine Verkörperung der aufsprühenden und rollenden Wellen sind Wassertiere wie Hummer, Krebse, Fische und Polypen sowie wasserspeiende Meer- und Flusstiere: Seeschildkröte, Seehund, Krokodil und Schlange. Am Rande der Schale sitzen vier Frauengestalten, die die Personifikation von vier Strömen darstellen, ergänzt durch Charakteristika der von ihnen durchflossenen Landschaften:

  • Rhein (Fischnetz und Weintrauben),
  • Weichsel (Holzklötze, Symbol für Wälder),
  • Oder (Ziege und Fell) und
  • Elbe (Ähren und Früchte).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglicher Standort vor dem Schloss am Portal II des Schloßplatzflügels
Architekturmodell des städtebaulichen Ensembles vom Fernsehturm mit seinen Wasserspielen bis zum Neptunbrunnen

Sein Bau geht auf einen Vorschlag Karl Friedrich Schinkels zurück, auf dem Schloßplatz zwischen dem Berliner Stadtschloss und dem Marstall einen Monumentalbrunnen zu errichten. Auf diesem Areal befand sich zuvor die Turnieranlage der Stechbahn und nach deren Beseitigung ein Teil des später danach benannten Straßenzug An der bzw. Neue Stechbahn. Der junge Reinhold Begas griff nach einer Italienreise diese Idee auf und entwarf mehrere Versionen, deren letzte aber erst 1888 zur Ausführung kam. Der Brunnen war ein Geschenk des Berliner Magistrats an Kaiser Wilhelm II. und wurde am 1. November 1891 eingeweiht. Der Standort neben dem Stadtschloss wurde ursprünglich als „Omphalos“ und „Mittelpunkt Berlins“ ausgewählt.[1]

Begas ist durch diese zu den größten bildkünstlerischen Brunnenanlagen der Welt zählende Arbeit berühmt geworden. Bei der Ausführung unterstützten ihn sein Bruder Karl Begas (1845–1916) sowie seine (ehemaligen) Meisterschüler, die Bildhauer Karl Albert Bergmeier (1856–1897), Karl Bernewitz (1858–1934) und Johann Götz (1865–1934).[2]

Eingemauerter Neptunbrunnen, den der US-amerikanische Präsident Truman bei einer Stadtrundfahrt im offenen Wagen am 16. Juli 1945 passiert
Ansicht kurz vor der Abtragung des Brunnens, 1951

Den Zweiten Weltkrieg hatte der 1942 eingemauerte Brunnen unbeschadet überstanden. Im Jahr 1946 freigelegt, beschädigten Buntmetall­diebe die Figuren. Nach der Sprengung des Schlosses wurden die Figuren 1951 eingelagert und die bis dahin wie ein Spiegel wirkende Brunnenschale aus poliertem, roten, schwedischen Marmor zerstört.[3]

Der Neptunbrunnen wurde 1969 auf der großen Freifläche zwischen Marienkirche und Rotem Rathaus, begrenzt von der Spandauer Straße und dem ehemaligen Teilstück der heute verkürzten Jüdenstraße, im Schnittpunkt der Achsen zwischen Fernsehturm und Rathaus wiederaufgestellt. Bis zur Zerstörung des Stadtgebietes im Zuge des Weltkriegs an dieser Stelle, bestand hier eine Bebauung mit Wohn- und Geschäftshäusern. Nach Beseitigung der Bausubstanz entstand diese Freifläche, deren Neugestaltung mit dem Bau des Berliner Fernsehturms als Dominante und der Schaffung eines Ensembles um ihn herum stattfand.[4]

Bereits ab 1967 führte die Kunst- und Glockengießerei Lauchhammer eine Restaurierung der Figuren aus.[5] Die neue Brunnenschale besteht aus rotem „Jawlensker Granit“ (Region Transbaikalien), die Außenstufen aus grauem Granit.

Abmessungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der breiteste Durchmesser der Brunnenschale beträgt 18 Meter; die Höhe des Mittelteils bis zum Scheitel Neptuns 8,50 Meter und bis zum Dreizack 10 Meter.

Diskussionen um die Zukunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Planungen für das Humboldtforum begannen die Diskussionen, den Brunnen an seinen ursprünglichen Standort auf dem Schloßplatz zurückzuführen. Die Befürworter dessen wollen so das ursprünglich bestehende Ensemble Schloßplatz zwischen Schloss, Marstall, Rathausbrücke, Staatsratsgebäude mit Schlossportal und Breite Straße soweit möglich wiederherstellen.[6] Zur Re-Translozierung des Neptunbrunnens an seinen historischen Standort gab der Bund Haushaltsmittel in Höhe von zehn Millionen Euro frei.[7]

Der Berliner Senat argumentiert dagegen mit der stadtgestaltenden Aufgabe, die der Brunnen zurzeit auf dem namenlosen Platz (umgangssprachlich/Arbeitstitel: Rathausforum)[8] zwischen Fernsehturm und Spandauer Straße einnimmt und votiert bislang für einen Verbleib am jetzigen Standort.[9]

Laut einer repräsentativen Umfrage von infratest dimap im Mai 2017 sind 47 % der Berliner (bundesweit 49 %) für eine Rückkehr des Neptunbrunnens auf den Schloßplatz. Nur 37 % befürworten einen Verbleib am heutigen Standort zwischen Spree und Stadtbahn.[10]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Berliner nannten den Brunnen anfangs scherzhaft For(c)kenbecken, in Anspielung auf den damaligen Bürgermeister Forckenbeck und die „Forke“ des Neptun.
  • Die vier Frauengestalten auf dem Brunnenrand, die vier große deutsche Ströme allegorisch darstellen, sind angeblich die einzigen Berlinerinnen, die im Berliner Volksmund „den Rand (mundartlich für Mund) halten“ können. „Begas, Begas, hast een wahret Wunder vollbracht, hast de ersten Berlinerinnen jeschaffen, die den Rand halten […]“[11]
  • Im Phantasialand bei Brühl stand bis 2008 eine Nachbildung des Neptunbrunnens im Maßstab 1:2.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Neptunbrunnen (Berlin) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Omphalos und der Neptunbrunnen, Förderverein Berliner Schloss e. V., 14. September 2016
  2. Der Neptunbrunnen. (PDF; 5,9 MB) Gesellschaft Berliner Schloss e. V.; abgerufen am 25. Dezember 2012
  3. Esther Sophia Sünderhauf (Hrsg.): Begas. Monumente für das Kaiserreich. Eine Ausstellung zum 100. Todestag von Reinhold Begas (1831–1911). Sandstein, Dresden 2010, ISBN 978-3-942422-15-4, S. 225
  4. Thomas Topfstedt: Städtebau in der DDR 1955–1971. VEB E. A. Seemann Verlag, Leipzig 1988, ISBN 978-3-363-00364-2, S. 78.
  5. Esther Sophia Sünderhauf (Hrsg.): Begas. Monumente für das Kaiserreich. Eine Ausstellung zum 100. Todestag von Reinhold Begas (1831–1911). Sandstein, Dresden 2010, ISBN 978-3-942422-15-4, S. 366
  6. Manfred Rettig: Der Neptunbrunnen gehört vor das Schloss, Polemik des Fördervereins Berliner Schloss; abgerufen am 30. Juni 2015.
  7. Isabell Jürgens: Bund stellt Mittel bereit: Neptunbrunnen soll wieder vor dem Stadtschloss stehen. In:morgenpost.de, 13. November 2015, abgerufen am 5. März 2016
  8. Rathausforum. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, abgerufen am 13. Dezember 2013.
  9. Christiane Peitz, Nicola Kuhn: Warum es neue Architektur in Berlin so schwer hat. Interview mit Senatsbaudirektorin Regula Lüscher im Tagesspiegel, 11. Juli 2014; abgerufen am 30. Juni 2015.
  10. Umfrage: Hälfte der Berliner ist gegen Einheitsdenkmal. (bz-berlin.de [abgerufen am 4. Juni 2017]).
  11. Gisela Heller: Neuer märkischer Bilderbogen: Reporterin zwischen Havel und Oder. Verlag der Nation, Berlin 1986, ISBN 978-3-373-00113-3, S. 358.