Nesselnbach

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Nesselnbach
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Bremgarten
Einwohnergemeinde: Niederwili2w1
Postleitzahl: 5524
Koordinaten: 664307 / 248959Koordinaten: 47° 23′ 18″ N, 8° 17′ 25″ O; CH1903: 664307 / 248959
Höhe: 390 m ü. M.
Ansicht von Nesselnbach

Ansicht von Nesselnbach

Karte
Nesselnbach (Schweiz)
Nesselnbach
www
Gemeindestand vor der Fusion am 1. Januar 1901

Nesselnbach ist ein Dorf im Kanton Aargau in der Schweiz. Es liegt am linken Rand des Reusstals am Osthang des Wagenrains und zählt rund 500 Einwohner. Bis 1901 war Nesselnbach eine eigenständige Einwohnergemeinde und gehört seither zur Gemeinde Niederwil.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf entstand vermutlich in der Mitte des 8. Jahrhunderts als alemannische Siedlung. Die erste urkundliche Erwähnung von Nezelinispah erfolgte im Jahr 893. In einer Klageschrift des Fraumünsters in Zürich wurde vermerkt, in welchen Orten abgabepflichtige Personen lebten und wie sich diese ihrer Abgabepflicht entzogen hatten. Im Mittelalter übten die Habsburger die Blutgerichtsbarkeit aus. Die niedere Gerichtsbarkeit lag zunächst bei den Rittern von Hedingen, bis Johann von Hedingen diese im Jahr 1297 an das auf Gemeindegebiet liegende Klosters Gnadenthal verkaufte.

1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau und Nesselnbach gehörte zum Amt Niederwil in den Freien Ämtern, einer gemeinen Herrschaft. 1529 traten sämtliche Einwohner zur Reformation über, mussten aber zwei Jahre später nach dem Zweiten Kappelerkrieg wieder die katholische Konfession annehmen. Ab 1670 war Nesselnbach ein Mannlehen der Zuger Ratsherrendynastie Zurlauben, bis die Rechte 1726 wieder an das Kloster zurückfielen. Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Nesselnbach bildete nun eine Gemeinde im kurzlebigen Kanton Baden. 1803 kam Nesselnbach zum neu geschaffenen Kanton Aargau.

Nachdem das Kloster Gnadenthal bereits von 1841 bis 1843 infolge des Aargauer Klosterstreits geschlossen gewesen war, wurde es 1876 während des Kulturkampfes durch einen Beschluss des Aargauer Grossen Rates endgültig aufgehoben. Einige Jahre dienten die Räumlichkeiten als Tabakfabrik, seit 1894 ist dort ein Pflegeheim eingerichtet. Am 17. Oktober 1900 beschloss der Grosse Rat gegen den Willen beider Gemeindeversammlungen die Fusion von Nesselnbach mit Niederwil. Diese Massnahme trat am 1. Januar 1901 in Kraft. Kirchlich gehörte Nesselnbach seit jeher zur Pfarrei Niederwil. Ein Gesuch verschiedener Einwohner Nesselnbachs um Lostrennung von Niederwil lehnte der Regierungsrat 1910 ab.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heiligkreuz-Kapelle

Am westlichen Dorfrand befindet sich die Heiligkreuz-Kapelle, die 1957 in einem avantgardistischen Stil erbaut wurde und ein baufälliges Vorgängergebäude ersetzte. Die Kapelle besteht aus roten Backsteinmauern auf einem Betonsockel und verfügt über farbige Glasfassaden. Darüber spannt sich ein zeltartiges Dach aus Moselschiefer. Überragt wird die Kapelle von einem wuchtigen, freistehenden Betonkreuz.[1]

Etwa einen Kilometer östlich des Dorfes liegt an der Reuss das ehemalige Zisterzienserinnenkloster Gnadenthal. Dem Kloster mit spätbarocker Kirche und Kreuzgang ist ein Pflegeheim angegliedert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Felder: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Band IV: Der Bezirk Bremgarten. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 54). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1967, ISBN 978-3-906131-07-8.
  • Felix Müller: Niederwil im Freiamt. Hrsg.: Einwohnergemeinde Niederwil. Niederwil 1993.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Nesselnbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Andreas C. Müller: Künstlerische Avantgarde lockte Heiratswillige. Horizonte, abgerufen am 22. Dezember 2010.