Nettelbeck (Putlitz)

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Nettelbeck
Stadt Putlitz
Koordinaten: 53° 17′ 12″ N, 12° 2′ 53″ O
Eingemeindung: 31. Dezember 2001
Postleitzahl: 16949
Vorwahl: 033981
Nettelbeck (Brandenburg)
Nettelbeck

Lage von Nettelbeck in Brandenburg

Dorfkirche Nettelbeck (2014)
Dorfkirche Nettelbeck (2014)

Nettelbeck ist ein Ortsteil der Stadt Putlitz im Landkreis Prignitz in Brandenburg. Der Ort liegt nördlich der Kernstadt Putlitz an der Kreisstraße K 7024. Nördlich verläuft die A 24, südlich verläuft die Landesstraße L 13. Südöstlich fließt die Stepenitz, ein rechter Nebenfluss der Elbe, ebenso die Mündung des kleinen Sabelbaches.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inmitten von Forschungen zur frühen Historie fand das Potsdamer Institut für Frühgeschichte vor einigen Jahrzehnten in der Prignitz Zeugnisse einer spätbronzezeitlichen Gemeinschaft, die als Siedlungshinterlassenschaften in der Umgegend der Stepenitz auf eine ursprünglich frühe Besiedlung insbesondere in Nettelbeck hinweisen.[2] Ersterwähnt werden der Ort Nettelbeck mit Weitgendorf aber formell erst 1492 in alten Schriften[3] des Bistums Havelberg.

Gutsdorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nettelbeck ist in der frühen Prägung ein klassisches altes Gutsdorf mit verschiedenen Besitzern. Von 1492 bis 1799 gehörte Nettelbeck dem für die Prignitz und der Mark Brandenburg einflussreichen Adelsgeschlecht der Edlen Herren Gans zu Putlitz.[4] Einer früher Vertreter des Hauses Putlitz ist Stephan Gans zu Putlitz-Wolfshagen, zugleich Kommandant von Küstrin. Einige Generationen danach vertritt Friedrich Leopold[5] Gans zu Putlitz, seines Zeichens Altmärkischer Quartalsgerichts,- und Kammergerichts-Rath, die Interessen in Nettelbeck.[6] Über die Hochzeit mit Sophie Margarete Eleonore Gans Edle Herrin zu Putlitz, als Majoratsherrin auf Nettelbeck mit Krumbeck und Weitgendorf, gelangt die Besitzung, sicherlich der größte Teil der Ortsgemarkung, an Karl Friedrich von Jena-Döbbernitz (1770–1838). Jena begann seine Karriere auf der Ritterakademie zu Brandenburg, einem extra für die märkische Ritterschaft gegründeten Adelsinternat. Zuletzt mit dem Dienstrang Major ausgestattet starb er in Neapel.[7] Es bildete sich dann eine eigene Familienlinie von Jena-Nettelbeck heraus. Nachfolger als Gutsherr wurde Karl von Jena mit seiner Frau Amalie von Eckardstein (1801–1837). Karl von Jena trug den Ehrentitel Königlich Preußischer Kammerherr und er bildete zur Sicherung der Besitzungen einen Familienfideikommiss Nettelbeck.[8] Die von Jena gehören urkundlich zum Briefadel, stammen aus einer Patrizierfamilie, welche in der alten Pfännerschaft von Halle an der Saale mit Hinne von Jena 1350 erwähnt werden. Mitte des 19. Jahrhunderts beteiligt sich die Familie von Jena-Nettelbeck an Schürfungen und weiteren Untersuchungen zum Braunkohlevorkommen in der Heimatregion.[9] Der Freiherrentitel in Anspruch nimmt der Major Karl von Jena-Nettelbeck (1823–1864). Schon zu dieser Phase war die Gutsbesitzerfamilie karitativ tätig und gründete Die von Jenasche milde Stiftung in Nettelbeck.[10]

Im Jahre 1879 wird erstmals ein Generaladressbuch der Rittergutsbesitzer für das Königreich Preußen veröffentlicht. Für Nettelbeck mit Weitgendorf und Krumbeck stehen gesamt 1742 ha zu Buche.[11] Der Sohn Waldemar von Jena, geboren 1854 in Venedig, verstorben in Nettelbeck 1933, ist Erbe auf Nettelbeck mit den Nebengütern.[12] Er war Rittmeister und Rechtsritter des Johanniterordens. Waldemar von Jena zeigt auch heraldisches und genealogisches Interesse und ist Mitglied im Berliner Verein Herold.[13] Kurz vor der großen Wirtschaftskrise 1929 umfasste der Besitz der Familie von Jena mit dem Rittergut Nettelbeck 713 ha, zum Rittergut Krumbeck 535 ha und für das Rittergut Weitgendorf 645 ha Land.[14] Woldemar von Jena hatte mit seiner Frau Carola von Sydow vier Söhne, von denen zwei Offiziere wurden. Ernstwaldemar von Jena (1885–1919) gründete als Rittmeister ein Freikorps, Axel wurde Oberstleutnant der Luftwaffe. Hans von Jena besaß später u. a. eine Chemiefabrik. Der älteste Sohn Chlodwig Freiherr von Jena dagegen schlug zunächst eine diplomatische Laufbahn ein und war Vizekonsul in Südafrika. Nach einer Internierung in England wurde er 1915 wieder ausgeliefert und ging als Oberleutnant in den Krieg. Dann folgte eine Berufung zur Gesandtschaft in Kopenhagen, 1920 die Versetzung an das Auswärtige Amt mit der Dienststellung Legationsrat. Später wurde er Landwirt in Krumbeck auf dem Gut seines Vaters. Im Ehrenamt führte er den Kreislandbund Ostprignitz und wurde zum Stifthauptmann von Kloster Marienfließ bestimmt.[15] Chlodwig von Jena wird in der weiterführenden Literatur nicht mehr als Herr auf Nettelbeck bezeichnet. Er lebte nach 1930 größtenteils mit seiner Familie in Berlin.[16]

Das Gutshaus Nettelbeck als ehemaliger alter Rittersitz geht als Gründung auf ein Festes Haus zurück, den Vorgängerbauten der späteren Guts- und Herrenhäuser.[17]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 31. Dezember 2001 wurde Nettelbeck in die Stadt Putlitz eingemeindet.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Nettelbeck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Albrecht Greule unter Mitarbeit von Sabine Hackl-Rößler: Deutsches Gewässernamenbuch. Etymologie der Gewässernamen und der dazugehörigen Gebiets-, Siedlungs- und Flurnamen. 2. Auflage. Original von 1942. De Gruyter, Berlin, Boston 2014, ISBN 978-3-11-019039-7, S. 457 (google.de [abgerufen am 5. November 2021]).
  2. Untersuchung einer spätbronzezeitlichen Grabhügelfeldes der Seddiner Gruppe bei Nettelbeck Kr. Pritzwalk. In: Museum für Ur-und Frühgeschichte Potsdam (Hrsg.): Veröffentlichungen des Museums für Ur- und Frühgeschichte Potsdam. Ausgabe 17, Untersuchung einer spätbronzezeitlichen Grabhügelfeldes der Seddiner Gruppe bei Nettelbeck Kr. Pritzwalk. Deutscher Verlag für Wissenschaften, Berlin, Potsdam 1983, S. 49–68 (google.de [abgerufen am 5. November 2021]).
  3. Gottfried Wentz: Das Bistum Havelberg. In: Im Auftrag des Kaiser-Wilhelm-Instituts für dt. Geschichte (Hrsg.): Germania Sacra. Reprint 2019 der Ausgabe 1933 Auflage. Abteilung 1. Band 2, Rom Dezember 1932 P. Kehr. De Gruyter, Berlin, Boston 2020, ISBN 978-3-11-123905-7, S. 105 (google.de [abgerufen am 5. November 2021]).
  4. Leopold Freiherr von Ledebur: Adelslexicon der Preussischen Monarchie. In: Standardwerk der Genealogie. Zweiter Band. L - S, P. Verlag von Ludwig Rauh, Berlin, Leipzig 1856, S. 236–237 (uni-duesseldorf.de [abgerufen am 4. November 2021]).
  5. Lieselott Enders: Die Prignitz. Geschichte einer kurmärkischen Landschaft vom 12. bis zum 18. Jahrhundert. Hrsg.: Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. 1. Auflage. Verlag für Berlin - Brandenburg, Potsdam 2020, ISBN 978-3-8305-4252-0, S. 1036 (google.de [abgerufen am 5. November 2021]).
  6. Stammtafeln der Familie Gans Edle Herren zu Putlitz, von ihrem ersten urkundlichen Auftreten bis zur Gegenwart. In: B. Ragotzky, Ad. W. Hildebrandt (Hrsg.): Stammchronik in Tafelformat. Nachkommen Joachims, ältere Linie bis zum Aussterben der älteren Zweige, Generation VI.-XII. Gedruckt bei Julius Sittenfeld, Berlin, Potsdam, Putlitz 1887, S. Tafel 5a (uni-duesseldorf.de [abgerufen am 4. November 2021]).
  7. Walter von Leers: Die Zöglinge der Ritterakademie zu Brandenburg a. H. 1705-1913. In: Verein der ehemaligen Zöglinge der Ritterakademie zu Brandenburg a. H. (Hrsg.): Schülerverzeichnis. I von IV, Karl Friedrich v. Jena-Zögling-RA-No.: 656. Selbstverlag. Gedruckt in der Buchdruckerei P. Riemann, Belzig, Ludwigslust 1913, S. 124–125 (d-nb.info [abgerufen am 4. November 2021]).
  8. Hans Friedrich v. Ehrenkrook, Otto Reichert, Friedrich Wilhelm Freiherr v. Lyncker u. Ehrenkrook: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser / B (Briefadel/ nach 1400 nobilitiert) 1956. In: Ausschuss für adelsrechtliche Fragen der deutschen Adelsverbände in Gemeinschaft mit dem Deutschen Adelsarchiv (Hrsg.): Handbuch des Adels, von 1951 bis 2014. Band II, Nr. 12. C. A. Starke, 1956, ISSN 0435-2408, S. 144–147 (d-nb.info [abgerufen am 4. November 2021]).
  9. Hermann Cramer: Die Kreise Angermünde, Prenzlau, Templin, Ruppin, West-und Ostpriegnitz, Niederbarnim. In: Geschichte des Bergbaus in der Provinz Brandenburg. V. Reprint Becker, Beiträge. Achtes Heft. Kreis Ostpriegnitz. Braunkohle. Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses, Halle an der Saale, Potsdam 1885, ISBN 978-3-88372-004-3, S. 89 (google.de [abgerufen am 5. November 2021]).
  10. Die von Jenasche milde Stiftung in Nettelbeck 1868-1874 (Akte). In: Brandenburgisches Landeshauptarchiv (Hrsg.): BLHA. Rep., 2A II OP 1464. Nettelbeck, Potsdam 1874, S. 1 f. (brandenburg.de [abgerufen am 5. November 2021]).
  11. P. Ellerholz, H. Lodemann, H. von Wedell: General-Adressbuch der Ritterguts- und Gutsbesitzer im Deutschen Reiche. 1. Band: Das Königreich Preussen, Lfg. 1: Die Provinz Brandenburg. Nicolaische Verlags-Buchhandlung R. Stricker, Berlin 1879, S. 130–131, doi:10.18452/377 (hu-berlin.de [abgerufen am 4. November 2021]).
  12. Hans Friedrich v. Ehrenkrook, Carola v. Ehrenkrook geb. v. Hagen, Wilhelm v. Blaschek, Friedrich Wilhelm Euler, Jürgen v. Flotow: Genealogisches Handbuch der Freiherrlichen Häuser / B (Briefadel) 1963. In: Deutsches Adelsarchiv (Hrsg.): GHdA, Vorgänger des GGH seit 2015. Band III, Nr. 31. C. A. Starke, 1963, ISSN 0435-2408, S. 217–219 (d-nb.info [abgerufen am 4. November 2021]).
  13. Verzeichnis der Mitglieder des Vereins Herold zu Berlin 1904. Ordentliche und außerordentliche Mitglieder, Nr. 367. C. A. Starke, Görlitz 18. Mai 1904, S. 24 (uni-duesseldorf.de [abgerufen am 4. November 2021]).
  14. Ernst Seyfert, Hans Wehner, Alexander Haußknecht, GF Hogrefe: Niekammer`s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbücher. Band VII. Landwirtschaftliches Adreßbuch der Rittergüter, Güter und Höfe der Provinz Brandenburg 1929. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und Höfe von ca. 20 ha aufwärts. In: Mit Unterstützung von Staats-und Kommunalbehörden, sowie des Brandenburgischen Landbundes zu Berlin, sowie der Kreislandbünde. 4. Auflage. Letzte Ausgabe eines Güter-Adressbuch für die Provinz Brandenburg. Verlag Niekammer`s Adreßbüchern G.m.b.H., Leipzig 1929, S. 75 (martin-opitz-bibliothek.de [abgerufen am 4. November 2021]).
  15. Walter von Leers: Die Zöglinge der Ritterakademie zu Brandenburg a. H. Fortsetzung und Ergänzungen 1913-1929. Hrsg.: Verein der ehemaligen Zöglinge der Ritterakademie zu Brandenburg a. H. Chlodwig v. Jena-Zögling-RA-No.: 1623. Selbstverlag, Belzig, Ludwigslust 1929, S. 50 (kit.edu [abgerufen am 5. November 2021]).
  16. DAG (Hrsg.): Anschriftenbuch der Deutschen Adelsgenossenschaft 1940. Liste des in der Deutschen Adelsgenossenschaft zusammengeschlossenen reinblütigen Deutschen Adels. Schlieffen-Verlag, Berlin 1940, S. 91 (d-nb.info [abgerufen am 5. November 2021]).
  17. Torsten Foelsch: Adel, Schlösser und Herrenhäuser in der Prignitz. Ein Beitrag zur Kunst- und Kulturgeschichte einer märkischen Landschaft. In: Landratsamt Prignitz (Hrsg.): Buchreihe des Kulturamtes. 1. Auflage. Nr. 5. Design to Print, Perleberg, Leipzig 1997, S. 106 (kit.edu [abgerufen am 4. November 2021]).