Nettgau

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Nettgau
Gemeinde Jübar
Wappen von Nettgau
Koordinaten: 52° 38′ 34″ N, 10° 54′ 24″ O
Höhe: 73 m ü. NHN
Fläche: 20,86 km²
Einwohner: 134 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 6 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Postleitzahl: 38489
Vorwahl: 039003
Nettgau (Sachsen-Anhalt)
Nettgau
Nettgau
Lage von Nettgau in Sachsen-Anhalt

Nettgau ist ein Ortsteil von Jübar im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das altmärkische Dorf Nettgau liegt fünf Kilometer südlich von Jübar und 29 Kilometer südwestlich der Kreisstadt Salzwedel. Im Norden fließt der Poetzgraben in die Ohre, die westlich des Dorfes die Grenze zu Niedersachsen bildet.[2] Im Westen und Norden liegen die Naturschutzgebiete Ohreaue und Mittlere Ohreaue.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsmitte mit Storchennest

Im Jahre 1529 werden Wiesen in den wüsten Dörfern Nettgau und Petzenow erwähnt als die wischen in den wusten dorppen tho Nethow und petzenow die Fritz von der Schulenburg auf Brome dem Kloster Diesdorf verschreibt.[3]

Fritz von der Schulenburg ließ zwischen 1529 und 1548 auf der wüsten Dorfstelle Nettgau acht Kolonisten siedeln.[4] 1548 verkaufte er den Ort an Georg von der Wense und Dietrich Behr.

Durch den Permutationsvertrag von Wallstawe kam Nettgau 1692 vom Gericht Brome im Herzogtum Lüneburg[5] zur Voigtei Steimke und später zum Salzwedelischen Kreis im Kurfürstentum Brandenburg.

Bei der Bodenreform wurden 1946 wurden 215 Hektar enteignet, davon wurden 187,4 ha auf 49 Siedler aufgeteilt. Im Jahre 1948 gab es aus der Bodenreform 37 Erwerber, davon 5 Neusiedler. Bereits 1953 entstand die erste Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft vom Typ III, die LPG „Helmut Just“. Im gleichen Jahr entstand kurz darauf zweite, die LPG „Fortschritt“ (auch vom Typ III), die sich 1956 mit der LPG Wendischbrome und Gladdenstedt zu einer LPG zusammen.[6]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 25. Juli 1952 wurde die Gemeinde Nettgau vom Landkreis Salzwedel in den Kreis Klötze umgegliedert. Die Gemeinden Gladdenstedt und Wendischbrome wurden am 1. Juli 1973 aus dem Kreis Klötze nach Nettgau eingemeindet. Am 1. Juli 1994 kam die Gemeinde Nettgau zum Altmarkkreis Salzwedel.[7]

Durch einen Gebietsänderungsvertrag beschlossen die Gemeinderäte der Gemeinden Bornsen (am 25. Mai 2009), Hanum (am 3. Juni 2009), Jübar (am 3. Juni 2009), Lüdelsen (am 13. Mai 2009) und Nettgau (am 4. Juni 2009), dass ihre Gemeinden aufgelöst und zu einer neuen Gemeinde mit dem Namen Jübar vereinigt werden. Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Januar 2010 in Kraft.[8]

So kamen am 1. Januar 2010 die drei Ortsteile Nettgau, Gladdenstedt und Wendischbrome zur Gemeinde Jübar.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1734 64
1774 63
1789 45
1798 65
1801 69
1818 68
Jahr Einwohner
1840 128
1864 148
1871 149
1885 178
1892 192
1895 205
Jahr Einwohner
1900 222
1905 217
1910 228
1925 245
1939 248
1946 283
Jahr Einwohner
1964 206
1971 209
1981 403
1993 367
2006 340
2008 345
Jahr Einwohner
2015 131
2018 134

Quellen:[6][9][1] und andere

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelischen Christen aus Nettgau waren ursprünglich in Brome und Altendorf im Lüneburgischen im Konsistorialbezirk Ilfeld eingekircht. Im Jahre 1982 wurden die Kapellengemeinden Nettgau und Wendischbrome in den Kirchenkreis Beetzendorf eingegliedert und 1984 mit dem Kirchspiel Jübar verbunden.[6] Heute gehören sie zum Pfarrbereich Rohrberg[10] des Kirchenkreises Salzwedel im Propstsprengel Stendal-Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Letzter Bürgermeister war Roland Klingler.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde am 10. Dezember 2009 durch den Landkreis genehmigt.

Blasonierung: „In Silber auf erhöhtem grünen Schildfuß drei Eichen mit schwarzen Stämmen und ineinander übergehenden grünen Kronen, im Schildfuß ein natürliches silbernes Hünengrab.“[11][12]

Die Hauptfarben des Wappens sind – abgeleitet von Hauptwappenmotiven (Eichen) und der Schildfarbe – Grün – Silber (Weiß).

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Großsteingrab Nettgau liegt nördlich des Dorfes bei Gladdenstedt.
  • Das 1920 errichtete Kriegerdenkmal im Ortszentrum erinnert an die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges, ein Sandstein-Obelisk mit davor angebrachter Namenstafel aus Granit.[13]
  • Der Friedhof liegt im Osten des Dorfes.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werk Nettgau der Sonae Arauco Deutschland

Größter Arbeitgeber ist das Werk Nettgau der Sonae Arauco Deutschland, in dem vom Unternehmen selbst und der Logistiktochter des Unternehmens rund 360 Mitarbeiter beschäftigt werden. Außerdem gibt eine Biogasanlage, eine Milchviehanlage, eine Kunstschmiede und weitere Kleingewerbe.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Annett Zeisler: Chronik Nettgau. Aus der Chronik der Gemeinde Nettgau, überarbeitet und zusammengefasst von Annett Zeisler. (juebar.eu [PDF]).
  • Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-2235-5, S. 1540–1542.
  • Wilhelm Zahn: Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, G.m.b.H., Salzwedel 1928, DNB 578458357, S. 148.
  • J. A. F. Hermes, M. J. Weigelt: Historisch-geographisch-statistisch-topographisches Handbuch vom Regierungsbezirke Magdeburg. Topographischer Teil. Hrsg.: Verlag Heinrichshofen. Band 2, 1842, S. 341–419, 119. Nettgau (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3DHB4_AAAAcAAJ%26pg%3DPA341~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf: Einwohner der Ortsteile am 31. Dezember für die Jahre 2015 und 2018. 6. Juni 2019.
  2. Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)
  3. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis: Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Hauptteil 1. Band 22. Berlin 1862, S. 338 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10001038~SZ%3D00346~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  4. Jens Winter: Neuigkeiten zur Wiederbesiedlung von Wendischbrome und Nettgau. In: Jahresberichte des Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte. 85. Jahresbericht, 2015, S. 63–68 (altmark-geschichte.de [PDF]).
  5. Jens Winter: Grenzverläufe und Grenzmarkierungen im Bereich Brome seit 1543. In: Jahresberichte des Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte. 85. Jahresbericht, 2015, S. 74 (altmark-geschichte.de [PDF]).
  6. a b c Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-2235-5, S. 1540–1542.
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7, S. 359, 361, 363.
  8. Amtsblatt des Landkreis Nr. 7/2009 S. 180–183 (Memento vom 20. Januar 2016 im Internet Archive) (PDF-Datei; 1,9 MB)
  9. Wilhelm Zahn: Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, G.m.b.H., Salzwedel 1928, DNB 578458357, S. 148.
  10. Pfarrbereich Rohrberg. Abgerufen am 3. März 2018.
  11. Amtsblatt des Landkreises Nr. 13/2009 Seite 325 (Memento vom 31. Dezember 2015 im Internet Archive) (PDF-Datei; 414 kB)
  12. StBA: Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2010
  13. Onlineprojekt Gefallendenkmäler. In: Nettgau auf www.denkmalprojekt.org. 1. April 2018, abgerufen am 13. Juni 2019.