Netze (Waldeck)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Netze
Stadt Waldeck
Wappen von Netze
Koordinaten: 51° 13′ 25″ N, 9° 5′ 39″ O
Höhe: 315 m ü. NHN
Fläche: 16,01 km²[1]
Einwohner: 610 (30. Sep. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 38 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Oktober 1971
Postleitzahl: 34513
Vorwahl: 05634
Netze von Südosten

Netze ist der nach Einwohnerzahl fünftgrößte Stadtteil von Waldeck im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der zwischen Waldeck, Freienhagen und Bad Wildungen an der Bundesstraße 485 gelegene Ort ist ein Haufendorf und war bis 1914 größer als die heutige Kernstadt Waldeck. Noch heute befinden sich in dem am Bach Netze gelegenen Ortskern zahlreiche gut erhaltene Fachwerkhäuser.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort lag im Grenzbereich zwischen den Sprachgebieten Niederdeutsch und Mitteldeutsch.

Der Name Netze wird erstmals 1216 urkundlich, nach dem gleichnamigen Geschlecht „derer von Netze“ erwähnt; ein Andreas von Netze ist Zeuge in einer Urkunde. Das Geschlecht war über Jahrhunderte in Netze ansässig und reich begütert. Als Ministerialen- und Zehntfreie standen sie in den Diensten der Grafen von Waldeck. Es finden sich Hinweise, dass sie bereits vor der Klostergründung (1228), in der Zeit der ersten romanischen Kirche, als Ministeriale der Grafen von Schwalenberg ansässig waren.[2] Die letzte Erwähnung des Geschlechts findet sich 1577: der Knappe Heinrich von Netze begleitete Graf Daniel von Waldeck auf dessen Rückkehr von einem Feldzug in Frankreich. Es ist anzunehmen, dass das Geschlecht danach im Mannesstamm ausstarb.

1228 gründeten die Brüder Volkwin IV. von Schwalenberg und Adolf I. von Waldeck das Zisterzienser-Nonnenkloster „Marienthal - Im Thal der heiligen Maria“. Es wurde das Hauskloster und die Begräbnisstätte der Waldecker Grafen.

Frühzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wegen seiner günstigen Lage in einem geschützten Tal mit genügend Wasserläufen (die Netze, die bei Mehlen in die Eder mündet, die Fombach und der Meierbach) ist anzunehmen, dass hier schon in vorgeschichtlicher Zeit Menschen lebten. Diese These belegen einige prähistorische Funde von 6000 bis 7000 Jahre alten Steinbeilen und Steinklingen.

Zwischen 1350 und 1400 wurden südlich von Netze, wie auch in Bad Wildungen, Weinberge angelegt. Später wurden diese Anlagen wieder aufgeforstet, aber bis heute hat sich die Bezeichnung „Weinberge“ gehalten.

Dreißigjähriger und Siebenjähriger Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) traf den Ort aufgrund seiner strategischen Lage hart. Von 72 Wohnstätten im Jahre 1618 waren bei Kriegsende nur noch 22 bewohnbar, und nur noch 13 Männer lebten im Ort.

Der Siebenjährige Krieg war für Netze noch verheerender. Im März 1761 fand ein Gefecht zwischen französischen einerseits und schwedischen und britischen Truppen andererseits an den „Schanzen am Tiergarten“ statt.[3] Im Anschluss zerstörten mehr als 2000 Franzosen nahezu das gesamte Dorf.

Jagdschloss Friedrichsthal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1701 ließ Graf Friedrich Anton Ulrich von Waldeck und Pyrmont am nordwestlichen Rand des Netzer Tiergartens auf den Resten einer wohl zu dieser Zeit abgebrochenen Wasserburg das Jagdschloss Friedrichsthal erbauen. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das dazugehörige Gut in eine Domäne umgewandelt. Bei deren Aufteilung und Neubesiedlung im Jahre 1922 entstand das kleine Dorf Selbach. Das einstige Jagdschloss, das als Gutshaus und später auch als Ferienhof gedient hatte, befindet sich heute in Privatbesitz und wird seit 2008 saniert und renoviert.[4]

Eingemeindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Oktober 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Netze in die Stadt Waldeck eingegliedert.[5]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die ehemalige Klosterkirche „St. Maria und die Vier Gekrönten“ mit einer der ältesten noch heute in Deutschland geläuteten Glocken
  • Der dreiteilige Flügelaltar in der ehemaligen Klosterkirche, entstanden um 1370.[6][7]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Netze lag an der Bahnstrecke Wabern–Brilon Wald, die in diesem Bereich stillgelegt ist.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen. 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. 3. Auflage. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-228-6, S. 133.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Netze (Waldeck) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Der Ort im Internetauftritt der Stadt Waldeck, abgerufen im Februar 2016
  2. Kloster Netze (Memento vom 20. März 2013 im Internet Archive) (PDF; 81 kB)
  3. Großer Generalstab: Geschichte des Siebenjährigen Kriegs (S. 120)
  4. Eine Reise in die Vergangenheit, Waldeckische Landeszeitung, 28. Mai 2011 (PDF; 2,4 MB)
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 408.
  6. Der gotische Flügelaltar in der Klosterkirche Netze
  7. Der Netzer Altar / Das Herz der Kirche