Netze (Waldeck)

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Netze
Stadt Waldeck
Wappen von Netze
Koordinaten: 51° 13′ 25″ N, 9° 5′ 39″ O
Höhe: 315 m ü. NHN
Fläche: 16,01 km²[1]
Einwohner: 597 (30. Jun. 2020)[1]
Bevölkerungsdichte: 37 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Oktober 1971
Postleitzahl: 34513
Vorwahl: 05634
Netze von Südosten
Netze von Südosten

Netze ist der nach Einwohnerzahl fünftgrößte Stadtteil von Waldeck im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der zwischen Waldeck, Freienhagen und Bad Wildungen an der Bundesstraße 485 gelegene Ort ist ein Haufendorf und war bis 1914 größer als die heutige Kernstadt Waldeck. Noch heute befinden sich in dem am Bach Netze gelegenen Ortskern zahlreiche gut erhaltene Fachwerkhäuser.

Frühzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wegen seiner günstigen Lage in einem geschützten Tal mit genügend Wasserläufen (die Netze, die bei Mehlen in die Eder mündet, die Fombach und der Meierbach) ist anzunehmen, dass hier schon in vorgeschichtlicher Zeit Menschen lebten. Diese These belegen einige prähistorische Funde von 6000 bis 7000 Jahre alten Steinbeilen und Steinklingen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Netze erfolgte unter dem Namen in Nezehe in einer Urkunde des Erzbistums Mainz wird in die Zeit 1118–1137 datiert.[2]

Im Jahr 1216 wird ein Geschlecht „derer von Netze“ erwähnt; ein Andreas von Netze ist Zeuge in einer Urkunde. Das Geschlecht war über Jahrhunderte in Netze ansässig und reich begütert. Als Ministerialen- und Zehntfreie standen sie in den Diensten der Grafen von Waldeck. Es finden sich Hinweise, dass sie bereits vor der Klostergründung (1228), in der Zeit der ersten romanischen Kirche, als Ministeriale der Grafen von Schwalenberg ansässig waren.[3] Die letzte Erwähnung des Geschlechts findet sich 1577: der Knappe Heinrich von Netze begleitete Graf Daniel von Waldeck auf dessen Rückkehr von einem Feldzug in Frankreich. Es ist anzunehmen, dass das Geschlecht danach im Mannesstamm ausstarb.

1228 gründeten die Brüder Volkwin IV. von Schwalenberg und Adolf I. von Waldeck das Zisterzienser-Nonnenkloster „Marienthal - Im Thal der heiligen Maria“. Es wurde das Hauskloster und die Begräbnisstätte der Waldecker Grafen.

Zwischen 1350 und 1400 wurden südlich von Netze, wie auch in Bad Wildungen, Weinberge angelegt. Später wurden diese Anlagen wieder aufgeforstet, aber bis heute hat sich die Bezeichnung „Weinberge“ gehalten.

Dreißigjähriger und Siebenjähriger Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) traf den Ort aufgrund seiner strategischen Lage hart. Von 72 Wohnstätten im Jahre 1618 waren bei Kriegsende nur noch 22 bewohnbar, und nur noch 13 Männer lebten im Ort.

Der Siebenjährige Krieg war für Netze noch verheerender. Im März 1761 fand ein Gefecht zwischen französischen einerseits und schwedischen und britischen Truppen andererseits an den „Schanzen am Tiergarten“ statt.[4] Im Anschluss zerstörten mehr als 2000 Franzosen nahezu das gesamte Dorf.

Jagdschloss Friedrichsthal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1701 ließ Graf Friedrich Anton Ulrich von Waldeck und Pyrmont am nordwestlichen Rand des Netzer Tiergartens auf den Resten einer wohl zu dieser Zeit abgebrochenen Wasserburg das Jagdschloss Friedrichsthal erbauen. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das dazugehörige Gut in eine Domäne umgewandelt. Bei deren Aufteilung und Neubesiedlung im Jahre 1922 entstand das kleine Dorf Selbach. Das einstige Jagdschloss, das als Gutshaus und später auch als Ferienhof gedient hatte, befindet sich heute in Privatbesitz und wird seit 2008 saniert und renoviert.[5]

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierten zum 1. Oktober 1971 die bis dahin selbständigen Gemeinden Alraft, Höringhausen, Netze und Nieder-Werbe sowie die beiden Städte Sachsenhausen und Waldeck auf freiwilliger Basis zur neuen Stadt Waldeck.[6][7] Für alle eingegliederten, ehemals eigenständigen, Gemeinden von Waldeck wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.[8]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Netze lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[2][9]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung

 Quelle: Historisches Ortslexikon[2]

  • 1556: 63 Wohnhäuser, 198 Einwohner, im Kloster 34 Personen
  • 1620: 72 Häuser
  • 1650: 20 Häuser
  • 1738: 46 Häuser
  • 1770: 53 Häuser, 323 Einwohner
Netze: Einwohnerzahlen von 1770 bis 2020
Jahr  Einwohner
1770
  
323
1800
  
?
1834
  
490
1840
  
529
1846
  
588
1852
  
593
1858
  
568
1864
  
567
1871
  
581
1875
  
539
1885
  
535
1895
  
538
1905
  
522
1910
  
620
1925
  
553
1939
  
585
1946
  
943
1950
  
939
1956
  
808
1961
  
748
1967
  
770
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2011
  
639
2015
  
610
2020
  
597
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: Stadt Waldeck:[10]; Zensus 2011[11]

Religionszugehörigkeit

• 1895: 534 evangelische (= 99,26 %), 4 jüdische (= 0,74 %) Einwohner
• 1961: 637 evangelische (= 85,16 %), 96 katholische (= 20,83 %) Einwohner[2]

Sehenswürdigkeiten und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die ehemalige Klosterkirche „St. Maria und die Vier Gekrönten“ mit einer der ältesten noch heute in Deutschland geläuteten Glocken
  • Der dreiteilige Flügelaltar in der ehemaligen Klosterkirche, entstanden um 1370.[12][13]
  • Der Ort liegt im Grenzbereich zwischen den Sprachgebieten Niederdeutsch und Mitteldeutsch.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Netze lag an der Bahnstrecke Wabern–Brilon Wald, die in diesem Bereich stillgelegt ist.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Netze – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Stadtteil Netze.. In: Webauftritt der Stadt Waldeck, abgerufen im April 2021.
  2. a b c d Netze, Landkreis Waldeck-Frankenberg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. August 2019). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  3. Kloster Netze (Memento vom 20. März 2013 im Internet Archive) (PDF; 81 kB)
  4. Großer Generalstab: Geschichte des Siebenjährigen Kriegs (S. 120)
  5. Eine Reise in die Vergangenheit, Waldeckische Landeszeitung, 28. Mai 2011 (Memento des Originals vom 14. April 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.baubuero-luck.de (PDF; 2,4 MB)
  6. Gemeindegebietsreform in Hessen: Zusammenschlüsse und Eingliederungen von Gemeinden vom 17. September 1971. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1971 Nr. 39, S. 1603, Punkt 1320; Abs. 8. (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 9,2 MB]).
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 408, 409.
  8. Hauptsatzung. (PDF; 33 kB) § 6. In: Webauftritt. Stadt Waldeck, abgerufen im Dezember 2020.
  9. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  10. Netze. In: Webauftritt. Stadt Waldeck, archiviert vom Original; abgerufen im Februar 2016.
  11. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,1 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt;
  12. Der gotische Flügelaltar in der Klosterkirche Netze
  13. Der Netzer Altar / Das Herz der Kirche