Neu-Berich

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Neu-Berich
Koordinaten: 51° 23′ 10″ N, 9° 4′ 51″ O
Höhe: 234 (225–270) m ü. NHN
Fläche: 2,18 km²[1]
Einwohner: 189 (16. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 87 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 34454
Vorwahl: 05691
Die von Berich nach Neu-Berich translozierte Kirche
Die von Berich nach Neu-Berich translozierte Kirche

Neu-Berich ist ein Ortsteil von Bad Arolsen in Hessen (Deutschland) mit etwa 190 Einwohnern, bei dem es sich um das 1912 umgesiedelte Berich handelt, das heute auf dem Grund des Edersees liegt.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf liegt im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg am Nordende des Langen Walds, etwa 5 km östlich der Kernstadt von Bad Arolsen bzw. rund 1,25 km östlich vom Staudamm des Twistesees. Zu den Nachbardörfern gehören Külte (1,9 km nördlich) und Lütersheim (2,8 km südöstlich; beides Volkmarsener Stadtteile) sowie Wetterburg (1,4 km westlich; Arolsener Stadtteil; jeweils Luftlinie).

Neu-Berich breitet sich auf einer leicht nach Norden hin abfallenden und unbewaldeten Hochfläche auf 225 bis 270 m ü. NN zwischen den Tälern von Twiste im Westen und Watter im Osten aus; letzteres Fließgewässer mündet etwa 2 km nordöstlich der Ortschaft in das erstere. Vom Dorf reicht der Blick unter anderem nach Nordosten zur bei der Volkmarsener Kernstadt befindlichen Kugelsburg; noch weiter in dieser Richtung sieht man eine Autobahnbrücke der A 44.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neu-Berich ist ein verhältnismäßig junger Ort mit einzigartiger und kaum vergleichbarer Vergangenheit. Als zwischen 1908 und 1914 etwa 22 km (Luftlinie) weiter südlich die Edertalsperre gebaut wurde, war sicher, dass das im Edertal gelegene Dorf Berich im neu entstehenden Edersee versinken werde. Von 1908 an suchten die Bewohner eine neue Bleibe.

Insgesamt 150 Familien mit 900 Menschen in den waldeckischen Dörfern Bringhausen und Berich sowie im preußischen Asel mussten ihre Gehöfte aufgeben und wurden umgesiedelt. Die meisten fanden Platz oberhalb des künftigen Edersees. Für die anderen hatte die fürstliche Landwirtschaftsverwaltung die Übersiedlung auf die fürstliche Domäne Büllinghausen bei Arolsen vorgeschlagen. Karl Meyer, Architekt und Hochbautechniker der Weserstrombauverwaltung in Hannover, entwarf die Siedlung Neu-Berich, in der dann acht Bauernfamilien aus Berich und neun aus Bringhausen angesiedelt wurden. Zusätzlich kamen fünf Handwerker, ein Gastwirt, ein Tagelöhner, der Gemeindediener (Polizeidiener, Hirte und Totengräber) und ein Lehrer aus dem Edertal hinzu. 1910 begannen die baulichen Vorbereitungen für Neu-Berich, 1911 wurde das neue Dorf zumeist aus eigener Kraft und im fränkischen Stil gebaut. Am 13. Juli 1912 wurde es festlich eingeweiht.

Die Bericher nahmen mit der Kirche aus dem 13. Jahrhundert (zuvor Teil des Klosters Berich) ein Stück ihrer alten Heimat mit nach Neu-Berich, indem das Bauwerk transloziert wurde. Bei der Dorfeinweihung legte man den Grundstein für die Kirche, die – um zwei Joche verkürzt – in Neu-Berich wieder aufgebaut wurde. Die Türen und Fenster, die Steine um Fenster und Portal, der Fußboden, die Orgel und der Altar wurden auf Pferde- oder Ochsenwagen aus Berich herbeigeschafft. Unter Einbeziehung mittelalterlicher Scheiben wurden die künstlerischen Verglasung in den drei mittleren Chorfenstern 1914 von der in Marburg tätigen Glasmalerei-Werkstatt K.J. Schultz-Söhne geschaffen.[2]

Am 31. Dezember 1971 wurde Neu-Berich in die Stadt Arolsen eingegliedert.[3]

Mit dem 1977 eingeweihten Stausee Twistesee entstand in Dorfnähe ein attraktives Naherholungsgebiet.

Kirche in Neu-Berich
Altar, Kirche Neu-Berich

Weitere Ortsumsiedelungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben Berich wurden auch die ursprünglich im Tal der Eder liegenden Dörfer Asel und Bringhausen sowie drei Einzelgehöfte umgesiedelt und an höher gelegenen Stellen oberhalb des damals entstehenden Edersees neu errichtet.

Sehenswertes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Sehenswürdigkeiten in der Umgebung von Neu-Berich gehören:

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Pressemappe der Stadt Bad Arolsen, PDF-Dokument, abgerufen im Mai 2016
  2. Götz J. Pfeiffer: „an die letzten Ausläufer der alten Tradition angeknüpft“. Die Marburger Glasmalerei-Werkstatt K.J. Schultz seit 1850. In: Hessische Heimat. 68. Jg., Heft 1, S. 10–16.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 408.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Neu-Berich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien