Bad Neualbenreuth

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Bad Neualbenreuth
Bad Neualbenreuth
Deutschlandkarte, Position des Marktes Bad Neualbenreuth hervorgehoben

Koordinaten: 49° 59′ N, 12° 27′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberpfalz
Landkreis: Tirschenreuth
Höhe: 547 m ü. NHN
Fläche: 50,14 km2
Einwohner: 1325 (31. Dez. 2020)[1]
Bevölkerungsdichte: 26 Einwohner je km2
Postleitzahl: 95698
Vorwahl: 09638
Kfz-Kennzeichen: TIR, KEM
Gemeindeschlüssel: 09 3 77 142
Marktgliederung: 23 Gemeindeteile
Adresse der
Marktverwaltung:
Marktplatz 5
95698 Bad Neualbenreuth
Website: www.neualbenreuth.de
Erster Bürgermeister: Klaus Meyer (CSU)
Lage des Marktes Bad Neualbenreuth im Landkreis Tirschenreuth
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Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Markt
Ortsansicht von Bad Neualbenreuth

Bad Neualbenreuth (bairisch: Neialwaraad) ist ein Markt im Osten des oberpfälzischen Landkreises Tirschenreuth. Er grenzt an Tschechien und ist ein staatlich anerkanntes Heilbad.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine kreisrunde Struktur von 300 m Durchmesser auf dem Gemeindegebiet wird von Geologen als Rest eines ehemaligen Vulkans angesehen; Bohrungen im April 2015 bestätigten ein vermutetes Alter von 200.000 Jahren und die These, dass es sich um den jüngsten Vulkan Bayerns handelt. Ein monogenetischer Vulkanausbruch erzeugte ein Maar, welches sich mit Wasser füllte und dann nach Verlandung das Bad Neualbenreuther Hochmoor bildete.[2][3] Nicht weit entfernt liegt auf tschechischem Gebiet der Vulkan Eisenbühl und das Maar bei Mýtina (Altalbenreuth).

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die benachbarten Städte und Gemeinden in Deutschland sind (im Uhrzeigersinn): Mähring, Tirschenreuth, Leonberg und Waldsassen.

Wappen von Waldsassen
Waldsassen
10 km
Wappen von Leonberg
Leonberg
12 km
Nachbargemeinden
Wappen von Tirschenreuth
Tirschenreuth
14 km
Wappen von Mähring
Mähring
10 km

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde hat 23 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):[4][5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schutzhütte am Grenzübergang nach Tschechien

Überblick zur historischen Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gäste-Information am Marktplatz

Die erste gesicherte Nennung des Siedlungsnamens erfolgte im Jahr 1318, als er als „Alwernrevt“ erwähnt wurde.[6] Im Jahr 1349 wurde er als „Albernreutt“ bezeichnet, 1360 als „... zu Newen Albernreut“, 1395 als „Albernrewt daz newe“, 1453 als „... in dem Neuen Albenreut“, 1782 bis 1787 als „Neu-Albenreith“ und 1867 schließlich in der heute gültigen Schreibweise des Ortsnamens. Dessen Grundwort geht auf die mittelhochdeutsche Bezeichnung „riute“ zurück, was so viel wie „Rodung“ bzw. „gerodetes Land“ bedeutete. Dem Bestimmungswort des Ortsnamens liegt der Personenname „Albero“ zugrunde. Der Namenszusatz „Neu-“ basiert auf dem mittelhochdeutschen Begriff „niuwe“ und wurde verwendet, um Neualbenreuth vom Dorf „Altalbenreuth“ (dem heutigen Mýtina) unterscheiden zu können.

Seit der Entstehung von Neualbenreuth bestand zwischen dem heute tschechischen, fast desolaten Nachbarort Altalbenreuth eine jahrhundertelange historische Verbindung. Denn vom Mittelalter bis kurz nach der Mitte des 19. Jahrhunderts war der Ort ein Teil der sogenannten „Fraisch“ oder „Frais“, einem Gebiet, das der gemeinsamen Gerichtsbarkeit der Stadt Eger und des Stiftes Waldsassen unterstand.[7] Das Dorf gehörte in diesem Gebiet zu den sogenannten „gemengten“ Ortschaften, was bedeutete, dass in diesem Ort sowohl Untertanen der Stadt Eger, als auch des Stiftes Waldsassen lebten. Mitte des 14. Jahrhunderts wurde auch Neualbenreuth dem Magistrat der Stadt Eger (tschechisch: Cheb) erbuntertänig, zinste (fraiste) und robotete, nachdem das Kloster Waldsassen den Ort mit seinen Einkünften an die Stadt Eger verkauft hatte, ein im Gebiet der Frais übliches Verhalten. Nach wenigen Jahren kam Neualbenreuth wieder in den Besitz des Klosters Waldsassen zurück und wurde als Pfarr- und Schulort ausgebaut. Vom 16. bis ins 19. Jahrhundert wechselte die Gerichtsbarkeit jährlich zwischen dem Kloster Waldsassen und der Stadt Eger. Das Gebiet der Albenreuther Fraisch überdauerte auch die Säkularisation in Bayern, die Rechtsnachfolge des Stiftes Waldsassen trat dabei das Königreich Bayern an. Erst als das Königreich und das Kaisertum Österreich 1862 den Wiener Vertrag abschlossen, endete die Existenz dieses Kondominiums.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. April 1971 die Gemeinde Wernersreuth und am 1. Juli 1972 die Gemeinde Ottengrün eingegliedert.[8]

Sibyllenbad[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Jahr 1989 entwickelte sich der Gemeindeteil Sibyllenbad zu einem Gesundheitszentrum mit Kurmittelhaus, Kurpark, dem Badehaus Maiersreuth, einem sogenannten Bade-Tempel und einem Therapiepfad, dessen staatliche Anerkennung als Heilquellen-Kurbetrieb im Jahr 1998 erfolgte. Neualbenreuth durfte sich von da an staatlich anerkannter Erholungsort nennen. Am 13. November 2019 wurde Neualbenreuth als zweites Heilbad in der Oberpfalz anerkannt und darf seitdem den Titel Heilbad sowie den Namen Bad Neualbenreuth führen.[9][10]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1988 und 2018 sank die Einwohnerzahl von 1458 auf 1343 um 115 bzw. um 7,9 %.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rathaus

Erster Bürgermeister ist seit der Kommunalwahl von 16. März 2014 der Bankbetriebswirt und vormalige Zweite Bürgermeister Klaus Meyer (CSU). Der Gemeinderat hat zwölf Mitglieder. Sitzverteilung in der Wahlperiode 2014 bis 2020:

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DEU Neualbenreuth COA.svg
Blasonierung:Geteilt von Silber und Rot; oben ein geflügelter roter Drache, unten ein aus schräg gekreuzten silbernen Leisten gebildetes Gitter.“[11]

Wappengeschichte: Der rote Drache ist seit dem 15. Jahrhundert das auf die Stifterfamilie, die Diepoldinger Markgrafen von Cham-Vohburg, verweisende Hauptwappen der Zisterzienserabtei Waldsassen. Neualbenreuth ist erstmals 1284 in einer Leuchtenberger Schenkung an Waldsassen historisch nachweisbar; ein Teil des alten Dorfes unterstand der Klosterherrschaft bis zur Säkularisation 1803. Das Leistengitter in der unteren Schildhälfte ist dem Wappen der Reichsstadt Eger entnommen, deren Gerichtsbarkeit Neualbenreuth seit dem Mittelalter zum Teil unterstand. Von 1591 bis Mitte des 19. Jahrhunderts übten Pfalz und Böhmen im sogenannten Fraisbezirk, einem waldsassisch-egrischen Kondominium, die hohe Gerichtsbarkeit im jährlichen Wechsel aus. Neualbenreuth wurde 1930 zum Markt erhoben und erhielt gleichzeitig das heutige Wappen.[11]

Wappenbegründung: Bei der Ausgestaltung des Wappenbildes war die Verbindung von Neualbenreuth zu der Stadt Eger und dem Kloster Waldsassen heraldisch symbolgebend. Im Wappenbild weist in der oberen Hälfte der rote Drache auf das Geschlecht der Diepoldinger-Rapotonen, Markgrafen im Nordgau (Bayern) und Gründer des Klosters Waldsassen hin. In der unteren Hälfte des Wappenbildes symbolisiert ein weißes Schräggitter die Beziehung zu der ehemaligen Reichsstadt Eger, dem heutigen Cheb in Tschechien

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Laurentius und Marktplatz
  • Bad Neualbenreuth liegt in der hügeligen Landschaft um den 939 Meter hohen Tillenberg, der einst als Mittelpunkt Europas errechnet wurde. Im Ort fallen die eindrucksvoll gestalteten Fachwerkhäuser im Egerländer Fachwerkhausstil auf, die den Marktplatz zu einem sehenswerten Platz der Ortsarchitektur in der Oberpfalz machen. Diesen Baustil gibt es auch in weiteren Orten des Egerlandes und des ehemaligen Stiftlandes
  • Die katholische Pfarrkirche St. Laurentius aus dem 18. Jahrhundert
  • Der vom Weidener Bildhauer Günter Mauermann gestaltete Sagenbrunnen vor dem Rathaus am Marktplatz. Zentrales Thema des Kunstobjektes ist der nahegelegene Tillenberg an der Grenze zu Tschechien. Die vielfach durchbrochene Steinskulptur enthält acht verschiedenen Sagen- und Märchengestalten: neben der sagenhaften Wahrsagerin Sibylle von Prag (Namensgeberin des örtlichen Heilbades), Zwerge, Berggeister auch verschiedene andere Motive aus der regionalen Sagenwelt, beispielsweise die geheimnisvolle Tillenstadt.
  • Schloss Hardeck, einer der ehemaligen Sommersitze der Äbte des Klosters Waldsassen
Allerheiligenkirche

Umgebung des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Gebiet der Gemeinde Bad Neualbenreuth liegt der 634 Hektar große Egerer Stadtwald, ein Besitz der Stadt Eger aus der Zeit des ehemaligen Fraisgebietes, auf den die Nachfolgestadt Cheb in Tschechien Rechtsansprüche geltend macht. Im zuständigen Grundbuch in Tirschenreuth ist die „Stadt Eger“ als Eigentümer eingetragen. Von 1965 bis 2012 verwaltete eine Institution der Bundesrepublik Deutschland treuhänderisch dieses Waldgebiet. Einen Überblick zur Rechtssituation in: Jürgen Massopust: Die Rechtsprechung des Bayerischen Obersten Landesgerichts zur Frage des Eigentums am Egerer Stadtwald, Inaugural-Dissertation der Universität Würzburg, 1977. Eine Rückgabe an die Stadt Cheb wird kontrovers diskutiert. Es besteht eine Stiftung zur Verwaltung des Stadtwaldes.[12]

Bodendenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freizeit und Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wanderziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Morgendlicher Marktplatz

In den ausgedehnten Wäldern des Oberpfälzer Waldes, der bei Bad Neualbenreuth beginnt, befinden sich viele sehenswerte Wanderziele:

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Nähe von Ottengrün und Sibyllenbad liegt der Golfplatz des GC Stiftland e. V.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bad Neualbenreuth liegt auf dem Radfernweg Euregio Egrensis.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johannes III. von Elbogen (vor 1300–1323), Abt des Klosters Waldsassen, verbrachte seinen Lebensabend auf Schloss Hardeck
  • Alois Schmaus (1901–1970), in Maiersreuth geborener Slawist, Balkanologe und Hochschullehrer
  • Alfons Söllner (* 1947), in Hardeck geborener Politikwissenschaftler
  • Reiner Meier (* 1953), in Altmugl geborener Politiker (CSU), Mitglied des Bundestages
  • Klaus Rustler (* 1964), in Neualbenreuth geborener Musiker, Komponist und Musikverleger

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Neualbenreuth – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Genesis Online-Datenbank des Bayerischen Landesamtes für Statistik Tabelle 12411-001 Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. André Jahnke: Vulkanausbruch in der Oberpfalz nicht lange her. Welt online, 9. April 2015, abgerufen am 9. April 2015.
  3. Geo-Newsletter Bayern Nr 28 / LfU-Bohrung bestätigt jüngsten Vulkanismus in Nordostbayern. (PDF) Bayerisches Landesamt für UmweltWelt, 29. August 2015, abgerufen am 31. August 2018.
  4. Gemeinde Neualbenreuth in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek
  5. Gemeinde Bad Neualbenreuth, Liste der amtlichen Gemeindeteile/Ortsteile im BayernPortal des Bayerischen Staatsministerium für Digitales, abgerufen am 22. April 2021.
  6. Wolf-Armin Frhr. v. Reitzenstein: Lexikon bayerischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung. Oberbayern, Niederbayern, Oberpfalz. München 2006, Seite 175.
  7. Geschichte der Fraisch auf der Webseite von Markt Bad Neualbenreuth
  8. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 580.
  9. Martin Maier: Neualbenreuth wird zu Bad Neualbenreuth. In: Oberpfalz. 13. November 2019. Auf ONetz.de, abgerufen am 8. Dezember 2019.
  10. Landesamt für Statistik (Hrsg.): Bayern in Zahlen. Band 2019, Nr. 12, S. 736 (PDF). Namensänderung in Bad Neualbenreuth zum 20. September 2019
  11. a b Eintrag zum Wappen von Bad Neualbenreuth in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
  12. http://www.br.de/nachrichten/oberpfalz/egerer-stadtwald-100.html (Memento vom 7. Dezember 2012 im Internet Archive) Bayerischer Rundfunk