Neuburg am Rhein

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Neuburg am Rhein
Neuburg am Rhein
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Neuburg am Rhein hervorgehoben
Koordinaten: 48° 59′ N, 8° 15′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Germersheim
Verbandsgemeinde: Hagenbach
Höhe: 106 m ü. NHN
Fläche: 8,25 km²
Einwohner: 2573 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 312 Einwohner je km²
Postleitzahl: 76776
Vorwahl: 07273
Kfz-Kennzeichen: GER
Gemeindeschlüssel: 07 3 34 021
Adresse der Verbandsverwaltung: Ludwigstraße 20
76767 Hagenbach
Webpräsenz: www.neuburg-am-rhein.de
Ortsbürgermeister: Hermann Knauß (Freie Wähler)
Lage der Ortsgemeinde Neuburg am Rhein im Landkreis Germersheim
Wörth am Rhein Germersheim Zeiskam Ottersheim bei Landau Knittelsheim Bellheim Scheibenhardt Berg (Pfalz) Hagenbach Neuburg am Rhein Jockgrim Neupotz Hatzenbühl Rheinzabern Steinweiler Erlenbach bei Kandel Kandel (Pfalz) Winden (Pfalz) Vollmersweiler Freckenfeld Minfeld Leimersheim Kuhardt Rülzheim Hördt Schwegenheim Lingenfeld Freisbach Weingarten (Pfalz) Westheim (Pfalz) Lustadt Baden-Württemberg Frankreich Speyer Rhein-Pfalz-Kreis Neustadt an der Weinstraße Landkreis Südliche Weinstraße Landau in der PfalzKarte
Über dieses Bild

Neuburg am Rhein ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Germersheim in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Hagenbach an.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt in der südöstlichsten Ecke von Rheinland-Pfalz zwischen Rhein und Lauter. Am gegenüberliegenden Rheinufer liegen die Große Kreisstadt Rheinstetten (Neuburgweier), Au am Rhein (Landkreis Rastatt) und Karlsruhe (Daxlanden).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urkundlich klar belegt ist 1086 die Schenkung einer „Grafschaft Vorechheim“ im Ufgau (heute: Forchheim-Rheinstetten), durch Kaiser Heinrich IV. an den Bischof von Speyer. Dazu gehörte auch das rechtsrheinische, spätere Gebiet von Neuburg. 1102 überließ das Bistum die Länderei als Lehen an die Herren von Eberstein.[2] Diese befestigten um 1250 den strategisch bedeutsamen Platz und nannten ihn „Zer Niuwenburc“. 1259 verpfändete Otto von Eberstein das Dorf „Niwenbure“ (Neuburg) als Heiratsgut seiner Schwester, Adelheid von Eberstein, an deren Mann, Heinrich II. von Lichtenberg.[3] Lehnsherr blieb weiterhin der Bischof von Speyer.[4] Es wurde von den Herren von Eberstein nicht mehr ausgelöst.

Bei der ersten Landesteilung der Herrschaft Lichtenberg, die um 1330 stattfand, wurde Neuburg dem Landesteil der „älteren Linie“, den Nachkommen Heinrich II. von Lichtenberg, zugeordnet.[5] 1337 erhielt Neuburg Stadtrecht, und zwar das von Hagenau.[6] Neuburg diente bei der Heirat der Agnes von Lichtenberg, Tochter von Ludwig II. von Lichtenberg, als Pfand zur Sicherung ihrer Mitgift. Diese wurde 1359 durch eine Geldzahlung abgelöst.[7] 1377 wurde es von der älteren Linie der Lichtenberger an Heinrich IV. von Lichtenberg von der jüngeren Linie übergeben, wobei dieser sich gleichzeitig verpflichtete, Schulden des älteren Linie zu begleichen.[8] Heinrich IV. verpfänden Neuburg 1369 an die Stadt Straßburg und verkaufen es endgültig 1383 an Kurfürst Rupprecht I. von der Pfalz (1309–1390).[9]

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neuburg auf der kurpfälzischen Rheinstromkarte, ca. 1595
Fachwerk in Neuburg

Noch um 1700 lag Neuburg auf der rechten Rheinseite.[10] Die dort bestehende Festungsanlage fiel schon Ende des 16. Jahrhunderts teilweise Verlageungen des Flussbetts des Rheins zum Opfer.[11]

Durch die Verlegung des Ortes auf die linke Stromseite gingen nicht nur große Teile der Gemarkung, sondern auch die Stadtrechte verloren. Aus der Stadt mit einem Blutgericht und einer bedeutenden Lotsen- und Zollstation war ein Schiffer- und Fischerdorf geworden. Der Kampf gegen die Hochwasserfluten des Rheins war aber auch nach der Rheinbegradigung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch nicht beendet. Erst nach dem Hochwasser der Neujahrsnacht 1882/83, das die gesamte Gemarkung überflutete, wurden die Deichbauten verbessert.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn nicht gesondert aufgeführt, ist die Quelle der Daten das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz.[12]

Jahr Einwohner
[13]1802 904
1815 1285
1835 1483
[13]1849 1778
[13]1861 1631
[14]1871 1538
1905 1605
Jahr Einwohner
1939 1977
1950 1958
1965 2612
1970 2605
1975 2617
1980 2617
1985 2545
Jahr Einwohner
1990 2513
1995 2522
2000 2523
2005 2547
2010 2555
2013 2577
2015 2640

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2012 waren 61,9 Prozent der Einwohner evangelisch und 20,6 Prozent römisch-katholisch. Die übrigen gehörten einer anderen Religion an oder waren konfessionslos.[15] Im Jahr 1871 waren von insgesamt 1538 Einwohnern 1340 evangelisch (87 Prozent) und 198 katholisch (13 Prozent).[14]

Während im Umland die römisch-katholische Konfession überwiegt, ist dies in Neuburg genau umgekehrt. 1686 gelang es unter französischer Besetzung, die reformierten Pfarreien aufzuheben und sie der römisch-katholischen Kirche zu übertragen. Doch die Mehrzahl der Neuburger Protestanten machte den Konfessionswechsel nicht mit und erhielt 1701 die Religionsfreiheit zugesichert.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat in Neuburg besteht aus 20 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzenden.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[16]

Wahl SPD CDU WGN Gesamt
2014 8 5 7 20 Sitze
2009 11 4 5 20 Sitze
2004 9 6 5 20 Sitze

Ortsbürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1979–1984: Rudolf Gerber (Wählergruppe)
  • 1984–1994: Erwin Muth (SPD)
  • 1994–2004: Heinz Degitz (SPD)
  • 2004–2014: Thorsten Pfirmann (SPD)
  • seit 2014: Hermann Knauß (Freie Wähler)

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des Wappens lautet: „In Schwarz ein gesenkter silberner Anker, beidseits von einem rotbewehrten und -bezungten goldenen Löwen gehalten“. Es wurde 1968 vom Mainzer Innenministerium genehmigt und geht zurück auf ein Siegel aus dem Jahr 1727.[17]

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Hennickendorf wird eine Partnerschaft gepflegt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Besonderheit ist, dass sich die protestantische und römisch-katholische Kirche direkt gegenüberstehen. In der römisch-katholischen Kirche (St. Remigius) befindet sich die älteste erhaltene Orgel des Orgelbauers Michael Stiehr aus dem Jahre 1786.

Siehe: Liste der Kulturdenkmäler in Neuburg am Rhein

Mundart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Neuburg wird eine sehr eigentümliche Variante des pfälzischen Dialekts gesprochen, welche sich deutlich von den pfälzischen Nachbargemeinden und dem angrenzenden Elsass unterscheidet. Man vermutet, dass dieses Idiom auf die durch Hochwasser und Flusslaufveränderungen immer wieder neu entstandene Insellage im Rhein zurückzuführen ist.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rheinfähre Baden-Pfalz
Haltepunkt Neuburg

Zwischen Neuburg und dem badischen Neuburgweier (Stadt Rheinstetten) besteht eine Autofähre. Neuburg hat einen Haltepunkt an der Bahnstrecke Wörth–Strasbourg.

Feuerwehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Freiwillige Feuerwehr Neuburg besteht aus 30 Mitgliedern. Ihnen stehen drei Fahrzeuge (TSF-W, LF 8 und MZF) sowie ein Rettungsboot (RTB 2) zur Verfügung. Die Feuerwehr rückt jährlich zu etwa 25 bis 30 Einsätzen aus. Die Jugendfeuerwehr zählt 15 Mitglieder.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Neuburg am Rhein – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2014 (Hilfe dazu).
  2. NN: NN. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. Bd. 112 (1964), S. 83, 86f.
  3. Lehmann, Bd. 1, S. 29, Eyer, S. 49, 105. Die lehnsherrliche Zustimmung datiert von 1258 (vgl.: Lehmann, Bd. 1, S. 29).
  4. Eyer, S. 168; Lehmann, Bd. 1, S. 29.
  5. Eyer, S. 79.
  6. Eyer, S. 229.
  7. Eyer, S. 88.
  8. Eyer, S. 93.
  9. Eyer, S. 102f, 168.
  10. Heyberger u.a.: Bavaria, S. 205.
  11. Naturschutzgebiet Altrhein Neuburgweier (PDF-Datei; 1,08 MB) Zum historischen Mäanderdurchbruch des Rheins zwischen Neuburg und Weier
  12. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz: Neuburg
  13. a b c Beamtenverzeichniß und Statistik des Königlich Bayerischen Regierungs-Bezirkes der Pfalz, 1863, S. XXVII des Anhangs
  14. a b Ergebnisse der Volkszählung im Königreiche Bayern vom 1. Dezember 1871 nach einzelnen Gemeinden, 1873, S. 65
  15. Ewois, Stand: 31. Juli 2012
  16. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  17. Karl Heinz Debus: Das große Wappenbuch der Pfalz. Neustadt an der Weinstraße 1988, ISBN 3-9801574-2-3