Neudorf-Platendorf

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Neudorf-Platendorf
Gemeinde Sassenburg
Wappen von Neudorf-Platendorf
Koordinaten: 52° 32′ 11″ N, 10° 36′ 12″ O
Höhe: 54 m ü. NN
Einwohner: 2760 (Nov. 2004)
Eingemeindung: 1. März 1974
Postleitzahl: 38524
Vorwahl: 05378
Karte
Neudorf-Platendorf ist Teil der Gemeinde Sassenburg im Landkreis Gifhorn
Siedlungsgrundstücke hinter Graben an der kilometerlangen, schnurgeraden Dorfstraße
Siedlungsgrundstücke hinter Graben an der kilometerlangen, schnurgeraden Dorfstraße

Neudorf-Platendorf ist ein Ortsteil der Gemeinde Sassenburg im niedersächsischen Landkreis Gifhorn. Kennzeichnend für das Straßendorf ist die sechs Kilometer lange und gerade Dorfstraße.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsteil liegt östlich der Ise und des Staatsforstes Dragen. Südlich liegt die Aller. Die Gemarkung erstreckt sich langgezogen von Südwest nach Nordost. Im Norden und Osten geht sie in das Große Moor über.

Die sechs Kilometer lange Dorfstraße ist die längste gerade Ortsdurchfahrt in Niedersachsen. Charakteristisch für das Ortsbild sind auch heute noch die Brücken, die jedes einzelne Grundstück mit der Dorfstraße verbinden.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemarkung war ursprünglich komplett von Hochmoor des Großen Moores bedeckt, das heutzutage nahezu abgetorft ist. Reste im Norden des Ortes bilden seit den 1980er Jahren das rund 2.700 Hektar große Naturschutzgebiet Großes Moor.

Nachbarorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Benachbart sind die Sassenburger Ortsteile Triangel im Süden und Westerbeck im Osten, die Gemeinde Wahrenholz im Norden und der Gifhorner Ortsteil Gamsen im Westen. Nächstgelegene Städte sind die Kreisstadt Gifhorn sowie Wolfsburg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsplan 1872 (Ausschnitt)

Der Ort ging aus den beiden Moorkolonien Neu Dorf und Platendorf hervor, die 1796 auf Veranlassung der Regierung des damaligen Kurfürstentums Hannover zur Urbarmachung des Großen Moores gegründet worden waren. 1795 ließen sich die ersten Siedlerfamilien in dem Gebiet nieder, das zum Amt Gifhorn und ab 1885 zum Landkreis Gifhorn gehörte. Bei der Siedlungsanlage wurde ein breiter Kanal ausgehoben, der das nördlich gelegene Große Moor nach Süden zur Aller hin entwässert. Auf ihm wurde auf Schiffen Torf abtransportiert.

Entlang des künstlichen Wasserwegs wurden beiderseitig Straßendämme aufgeschüttet. Sie waren von seitlichen, so genannten Brückgräben, flankiert. Diesen Namen erhielten sie, da über sie Brücken zu den Parzellen der „Kolonisten“ genannten Neusiedler führen. Der Hauptkanal verfügte im Gegensatz dazu über keinerlei Übergänge, da Brückenkonstruktionen wegen des Schiffsverkehrs zu aufwändig gewesen wären. Dadurch entstanden die zwei räumlich voneinander getrennten Siedlungen Neu Dorf und Platendorf.

Entlang des westlichen Straßendammes entstand die Siedlung Platendorf, entlang des östlichen die Siedlung Neudorf. Platendorf ist nach dem Gifhorner Oberamtmann Plate benannt worden. Jedem Kolonisten wurde ein rund 100 Meter breiter und knapp ein Kilometer (nach Ost oder West reichender) langer Streifen Land zugewiesen. Erst als man in den 1830er Jahren der mittlere Hauptkanal nicht mehr zur Entwässerung benötigte, wurde er mit dem Material des westlichen Straßendammes aufgefüllt. Dieser Streifen Ödland wird seitdem Barwe oder Berbe genannt. Seither gibt es nur noch den östlichen Damm, den beide Dorfhälften als Hauptstraße benutzen. Sie liegt heute rund drei Meter höher als die inzwischen abgetorften Grundstücke und Ländereien der Siedler.

1802 lebten in beiden Orten 162 Einwohner. Anfang des 19. Jahrhunderts gab es Dorferweiterungen in Richtung Süden, wodurch beidseitig des Kanals Klein Platendorf und Klein Neudorf entstanden. Die bereits zur Gründung angelegte Siedlungsstruktur von Neudorf-Platendorf als Straßendorf hat sich bis heute erhalten.

Noch heute gibt es in Neudorf-Platendorf einige häufige Familiennamen, die auf die Siedlungszeit zurückgehen, beispielsweise Wulfes, Wolpers und Steinmetz.

Dorfstraße

Seit dem 1. März 1974 gehört Neudorf-Platendorf zur Gemeinde Sassenburg.[1]

Im Sommer 1975 hatte sich nördlich und östlich des Ortes ein großflächiger Wald- und Moorbrand im Rahmen des Brandes in der Lüneburger Heide entwickelt. Der Ortsname war für Tage lang Teil der Hauptmeldung deutscher Zeitungen und Fernsehstationen. Das Dorf selbst war in Rauchschwaden gehüllt und wurde, außer für Bewohner, Feuerwehr und Bundeswehr, gesperrt. Ein Übergreifen des Feuers auf die Häuser konnte allerdings verhindert werden.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thomaskirche

Das ursprünglich zur evangelischen St.-Nicolai-Gemeinde in Gifhorn gehörende Dorf verfügt seit 1964 über die evangelische Thomaskirche. Für die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) wurde bereits 1894 ein Gotteshaus eingeweiht und später erweitert. Dessen Neubau vollendete die Gemeinde im Jahr 2011. Für die aus katholisch geprägten Gebieten zugezogenen Einwohner wurde 1929 die katholische Kapelle Maria im Moor errichtet, sie wurde vom Pfarrer aus Gifhorn betreut. 1947 wurde sie wieder abgerissen, heute gehört Neudorf-Platendorf zur katholischen Pfarrgemeinde St. Altfrid in Gifhorn.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsrat und Ortsbürgermeister/in[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im fünfköpfigen Ortsrat von Neudorf-Platendorf sind seit der Kommunalwahl folgende Parteien und Wählergemeinschaften vertreten:

Die CDU verlor bei der Kommunalwahl 2016 erstmals die absolute Mehrheit im Ortsrat.

Sitzverteilung: CDU 2, SPD 1, BIG 1, LiSa 1.

Neue Ortsbürgermeisterin ist Astrid Schulz (CDU).[2]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Entwurf des Wappens von Neudorf-Platendorf stammt von dem in Isernhagen geborenen und später in Hannover lebenden Heraldiker und Wappenmaler Gustav Völker, der schon die Wappen von Großburgwedel, Mellendorf, Wunstorf und vielen anderen Ortschaften in der Region Hannover entworfen hat.[3] Die Genehmigung des Wappens wurde am 16. Dezember 1950 durch den Niedersächsischen Minister des Innern Richard Borowski erteilt.[4]

Wappen von Neudorf-Platendorf
Wappenbeschreibung: „In Grün zwei unterschiedliche, schräggekreuzte, golden gestielte, silberne Moorspaten.“
Wappenbegründung: Das Wappen symbolisiert die Pionierleistung, die vor fast zweihundert Jahren hier vollbracht wurde. Die Abbildung der Moorspaten sind somit ein Denkmal für die Urbarmachung der Moorlandschaft. Die verschieden geformten Arbeitsgeräte erinnern daran, dass hier in mühseliger Arbeit Kulturland geschaffen wurde. Der grüne Schild weist auf die Wiesen und Äcker hin, die nun die einstige Moorlandschaft bedecken.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptverkehrsader und Ortsdurchfahrt ist die Kreisstraße 31/1, die aus südlicher Richtung von der B 188 kommend durch den Ortsteil in Richtung Wittingen führt.

Neudorf-Platendorf hat einen Haltepunkt an der Bahnstrecke Braunschweig–Wieren. Die Nebenstrecke der Deutschen Bahn führt westlich am Ort vorbei. Betrieben wird der Zugverkehr auf der Nebenstrecke seit Dezember 2014 von Bahnunternehmen Erixx.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Landkreis Gifhorn. Die Landkreise in Niedersachsen, Bd. 26. Hrsg. von Niedersächsischen Landesverwaltungsamt, Bremen 1972, ISBN 3-87172-327-4.
  • Cornelia Thömmes-Wittig: Kolonien. In: Historische Bauten im Raum Gifhorn-Wolfsburg. Gifhorn 1992
  • Karsten Eggeling: Neudorf-Platendorf und das „Große Moor“. Sassenburg 1996.
  • Hermann Schrader: Neudorf-Platendorf in Bildern nacherlebt. Gifhorn 1998.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Neudorf-Platendorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 226.
  2. Aller-Zeitung vom 24. November 2016
  3. Landkreis Hannover: Wappenbuch Landkreis Hannover. Im Selbstverlag des Autors veröffentlicht, Hannover 1985
  4. Arnold Rabbow: Braunschweigisches Wappenbuch - Mit Gandersheim, Gifhorn, Goslar, Helmstedt, Peine, Salzgitter, Wolfenbüttel und Wolfsburg. Verlag: Eckensberger & Co, Braunschweig 1977