Neue Friedrichstraße

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Die Neue Friedrichstraße 1925 in Süd-Nord-Richtung (senkrecht) mit allen Querstraßen

Die Neue Friedrichstraße (heute: Anna-Louisa-Karsch-Straße und Littenstraße sowie ein Teil der Rochstraße) war eine Straße in Alt-Berlin im heutigen Bezirk Mitte zwischen der Friedrichsbrücke im Westen und der Waisenbrücke im Süden.

Der Straßenzug ist einer der ältesten Berlins, der die damaligen Stadtviertel Heilig-Geist-Viertel, Marienviertel und Klosterviertel durchquerte und mehrfach umbenannt wurde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Straßenzug ist schon auf dem Stadtplan von Johann Georg Memhardt um 1652 zu erkennen. Bekannt sind aus der Zeit um 1700 die Straßenabschnitte mit den Namen Am Walle, Garnison-Kirchen-Straße (1760) bzw. Am Königswall, Am Stralauer Thor (17. Jahrhundert bis vor 1778), Bei der Pomeranzenbrücke (um 1700 bis vor 1778), Gouverneursstraße (um 1700 bis vor 1778), Hinter den Baraquen und Casernen (um 1700 bis vor 1778).

Um 1778 entstand die Neue Friedrichstraße in ihrer gesamten Länge zum größten Teil erst nach der Abtragung des Walls der Festung Berlin um 1746. Ihren Namen erhielt sie nach dem preußischen König Friedrich II. Sie umschloss mit dem parallel hinter ihr befindlichen ehemaligen Festungsgraben das eigentliche Alt-Berlin an der nördlichen und östlichen Seite und reichte von der großen Pomeranzenbrücke (heute: Friedrichsbrücke) bis an die Spandauer Brücke, dann weiter bis zur Königsbrücke und danach bis an die Waisenbrücke (nahe der heutigen Jannowitzbrücke).

Im Jahr 1900 beantragte die Continentale Gesellschaft für elektrische Unternehmungen die Verlängerung der Straßenbahn Berlin–Hohenschönhausen von der Waßmannstraße über Alexanderplatz, Neue Friedrichstraße und Wallstraße zum Spittelmarkt. Das Vorhaben wurde jedoch wegen der geringen Breite der Neuen Friedrichstraße abgewiesen.[1]

Am 10. Mai 1951 erhielt die Neue Friedrichstraße den Namen Littenstraße zu Ehren des Juristen Hans Litten. Durch den Neubau des Stadtzentrums in den Jahren 1965–1969 wurde die Littenstraße zwischen Grunerstraße und An der Spandauer Brücke aufgehoben und überbaut, sodass zwei voneinander getrennte Straßenverläufe entstanden. Der Teil zwischen Friedrichsbrücke und Spandauer Straße wurde 1978 der Burgstraße zugeordnet und erhielt am 15. Januar 2001 den Namen Anna-Louisa-Karsch-Straße (nach der Dichterin Anna Louisa Karsch). Der östlich angrenzende Teil von der Straße „An der Spandauer Brücke“ bis zur Rochstraße wurde 1978 in die Rochstraße einbezogen.

Gebäude an der Neuen Friedrichstraße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • An der Burg- Ecke Neue Friedrichstraße (heute: Anna-Louisa-Karsch-Straße) befand sich von 1765 bis 1857 das Palais Itzig. 1859–1864 wurde an dieser Stelle von Friedrich Hitzig die Berliner Börse errichtet. Während des Zweiten Weltkrieges wurde sie 1945 zerstört.
  • An der Spandauer /Ecke Neue Friedrichstraße (heute: Anna-Louisa-Karsch-Straße) stand die 1701–1703 unter dem Baumeister Martin Grünberg erbaute Garnisonkirche. Sie wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt und 1962 abgerissen.
  • Die Zentralmarkthalle entstand 1886 in der Nähe des Alexanderplatzes. Als Ersatz für das Ende der 1960er Jahre im Zuge der Neugestaltung der historischen Mitte Berlins abgerissene Gebäude wurde 1969 an der Ecke zur Karl-Liebknecht-Straße eine neue Markthalle in moderner Architektur errichtet, die in den 1990er Jahren innen und außen völlig umgestaltet wurde.
  • In der Neuen Friedrichstraße 13 (heute Littenstraße 13–17) befand sich von 1779 bis 1878 die nicht mehr vorhandene ehemalige preußische Kadettenanstalt. Das Militär zog 1878 in die Preußische Hauptkadettenanstalt in Groß-Lichterfelde. Heute befindet sich an dieser Stelle das imposante Justizgebäude des Landgerichts Berlin, in dem derzeit die Berufungskammern des Landgerichts Berlin sowie das Amtsgericht Mitte untergebracht sind. Der Gebäudekomplex war zur Zeit seiner Errichtung 1896–1904 der zweitgrößte Bau der Stadt Berlin (nach dem Stadtschloss). Er wurde im Zuge der Verbreiterung der Grunerstraße in den 1960er Jahren durch Abriss um ca. 1/3 des Gebäudevolumens reduziert. Während der Teilung Berlins war im Landgerichtsgebäude neben dem Stadtgericht (Ost-)Berlin und den Stadtbezirksgerichten Mitte, Prenzlauer Berg und Friedrichshain auch das Oberste Gericht und die Generalstaatsanwaltschaft der DDR untergebracht.
  • Im Jahr 1250 wurde mit dem Bau einer Klosterkirche im frühgotischen Stil für das Graue Kloster der Franziskaner begonnen, die während des Zweiten Weltkrieges am 3. April 1945 zerstört worden ist. Ab 1950 wurden die Trümmer entfernt und die Ruine von 1959 bis 1963 gesichert. Die übrigen, ebenfalls ruinös erhaltenen, Klostergebäude wurden vollständig abgetragen. Die Umgebung der Kirchenruine wurde als Grünanlage gestaltet.
  • Ende des 17. Jahrhunderts entstand an der Kreuzung mit der Stralauer Straße das Große Friedrich-Hospital. Martin Grünberg hatte die Baupläne erstellt; das Gebäude wurde jedoch 1906 abgerissen. An dessen Stelle entstand 1906–1909 ein viergeschossiger Neubau, der ab 1910 Verwaltungssitz der Städtischen Gaswerke (heute: GASAG Berliner Gaswerke AG) wurde (Littenstraße 109). Das von Ludwig Hoffmann im Stil der Neorenaissance entworfene Gebäude steht unter Denkmalschutz. Es wird derzeit (Stand: 2013) von der BEST-Sabel-Hochschule Berlin genutzt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Berlin um 1723, Stadtplan von Abraham Guibert Dusableau.
  • Berlin um 1850, Stadtplan von Reimer.
  • Berlin in der Tasche, Stadtatlas Ullsteinverlag Berlin um 1960.
  • Berlin 1968, Stadtplan von SenBauWohn.
  • Berlin Atlas, VEB Tourist Verlag, 4. Aufl. 1988.
  • Städteatlas Berlin, RV-Verlag, 73751 Ostfildern, ISBN 3-575-11467-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Autorenkollektiv: Straßenbahn Archiv 5. Berlin und Umgebung. transpress, Berlin 1987, ISBN 3-344-00172-8, S. 112–115.

Koordinaten: 52° 31′ 15,6″ N, 13° 24′ 6″ O