Neue Hakeburg

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Hakeburg
Die Neue Hakeburg

Die Neue Hakeburg

Daten
Ort Kleinmachnow
Baujahr 1906–1908
Koordinaten 52° 23′ 56″ N, 13° 13′ 10″ OKoordinaten: 52° 23′ 56″ N, 13° 13′ 10″ O

Die Neue Hakeburg ist ein großes burgähnliches Herrenhaus in Kleinmachnow, einem Ort südlich von Berlin. Sie liegt auf dem Seeberg an der Nordseite des Machnower Sees in der Nähe der Teltowkanal-Schleuse Kleinmachnow und bietet einen Blick über das Naturschutzgebiet Bäketal.

Das Adelsgeschlecht von Hake[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen derer von Hake

Besitzer des Ritterguts und der später an anderem Ort errichteten Neuen Hakeburg war die Familie von Hake. Die bekanntesten Personen des Geschlechts von Hake waren:

Die Alte Hakeburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Kleinmachnow befand sich bereits Anfang des 14. Jahrhunderts eine feste Burg. Damals waren die Familie von Löwenberg und der Münzmeister Thile Brügge und nach diesen die Familie von Quast Eigentümer des kleinen märkischen Dorfes. Anfang des 15. Jahrhunderts ging der Lehnsbesitz der Güter Kleinmachnow und Stahnsdorf an die Familie von Hake über, die schon bald selbst auf dem Rittergut ansässig werden sollte. Das Rittergut liegt hinter einer Wassermühle (laut Inschrift erbaut 1695 von Ernst Ludwig von Hake und erneuert 1856 durch die Gebrüder von Hake); hier befand sich beim Eingang rechts von der Dorfstraße die alte Burg, von der nur noch Reste der Grundmauern erhalten sind. Unmittelbar neben der Burg Machnow ließen die Hakes 1803 durch David Gilly ein neues Herrenhaus im klassizistischen Barockstil erbauen, welches ebenso wie die Alte Hakeburg 1943 ausgebrannt ist und 1950 abgerissen wurde.

Das Grabgewölbe der Familie von Hake in der nahegelegenen Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem alten Rittergut gegenüber liegt die von Bäumen beschattete Dorfkirche, ein beachtenswerter gotischer Backsteinbau aus dem 16. Jahrhundert, mit starkem Turm und Kreuzgewölbe. Im Innern verschiedene Erinnerungsstücke an die Familie von Hake: Reste von zehn Fahnen, die Ernst Ludwig von Hake (1651–1713) seinen in den Türkenkriegen gefallenen Brüdern gewidmet hat, ein Denkstein, den derselbe dem Andenken seiner Eltern errichtete, und darüber ein Degen und zwei Sporen, die dem im Zweikampf gefallenen Herrn von Schlabrendorf gehörten. Ferner findet sich das Epitaph des Generals Friedrich von Hake (verstorben 1743) und mehrere Wappentafeln. Unter der Kirche liegt das Grabgewölbe der Familie von Hake.

Zur alten Burg, zum Gut und zur Wassermühle siehe: Hake’scher Gutshof mit Burg und Schloss

Die Neue Hakeburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neue Hakeburg

In einiger Entfernung vom alten Rittergut auf dem Seeberg der anderen Seite des Machnower Sees befindet sich die sogenannte Neue Hakeburg. Sie wurde 1906 bis 1908 für Dietloff von Hake, den Vetter des damaligen Gutsherrn, vom Architekten Bodo Ebhardt im neuromanischen Burgenstil erbaut.

Wegen finanzieller Probleme wurde das Gebäude inklusive 44 Hektar Land 1936 an die Reichspost verkauft, die es 1938 zum Wohnsitz des Reichspostministers Wilhelm Ohnesorge umbaute und das Gelände als Forschungs- und Versuchszentrum für verschiedene Arten von Flugzeugen, speziell Nurflügler, Funkmessanlagen, Sendeeinheiten, Steuergeräte, Breitbandkabel, allgemeine Funk- und Fernsehgeräte nutzte. Geleitet wurden diese Projekte vom Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt (WVHA) der SS.

Am 2. Dezember 1943 wurde ein britischer Lancaster-Bomber abgeschossen und stürzte in der Nähe der Neuen Hakeburg ab. Beim Absturz kam auch der norwegische Schriftsteller Nordahl Grieg ums Leben.

In der SBZ und später in der DDR diente das Schloss seit 1948 als Parteihochschule der SED, Dozenten waren u. a. Wolfgang Leonhard und Carola Stern.[1] Später war die Neue Hakeburg zeitweilig Sitz des Intelligenzclubs Joliot-Curie und wurde anschließend zu einem Gästehaus der SED umfunktioniert. Hier residierten Staatsmänner wie Nikita Chruschtschow, Fidel Castro, Jassir Arafat und Michail Gorbatschow.

Nach der friedlichen Revolution gründete sich im Mai 1990 der Hotelbetrieb Hakeburg GmbH. Wie die Unabhängige Kommission zur Überprüfung des Vermögens der Parteien und Massenorganisationen der DDR (UKVP) ermittelte, erhielt dieser von der PDS im Zuge ihrer illegalen Vermögensverschiebungen 1990 ein Betriebsdarlehen von 50.000 D-Mark. Das Geld musste später zurückgezahlt werden. Nach der Wiedervereinigung wurde die Deutsche Telekom Eigentümerin der Immobilie. Der spätere Eigentümer ORCO Germany S.A. plante eine Nutzung der Neuen Hakeburg als Hotel, dazu den Bau eines Bettenhauses und einer Tiefgarage, was der 2010 beschlossene Bebauungsplan der Gemeinde festschrieb. Da sich kein seriöser Hotelbetreiber fand, wird seit 2012 eine neue Nutzung durch Einbau von 16 Eigentumswohnungen angestrebt.[2]

2004 und 2005 war die Neue Hakeburg Drehort der von ProSieben ausgestrahlten Fernsehserie 18 – Allein unter Mädchen. Das ZDF drehte von Sommer 2005 bis August 2006 auf dem Gelände der Neuen Hakeburg für die Telenovela Wege zum Glück. Die Neue Hakeburg diente hierbei als Außenmotiv der Villa Gravenberg.

Seit Oktober 1999 wird die Neue Hakeburg von der selbsternannten Exilregierung der Mikronation Sealand beansprucht, weil sie diese (angeblich) für 99 Jahre gepachtet habe.[3]

Über den Zustand der leer stehenden Immobilie berichtete im Oktober 2016 die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung in dem Beitrag Eingestiegen in Ruinen.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Empfangsräume des Reichspostministeriums in der Hakeburg. In: Der Baumeister 36, Heft 10, 1938, S. 305–326.(Digitalisat)
  • Hubert Faensen: Geheimnisträger Hakeburg. Beispiel eines Funktionswandels: Herrensitz, Ministerresidenz, Forschungsanstalt, SED-Parteischule. Brandenburgische Landeszentrale für Politische Bildung, Potsdam 1997, ISBN 3-932502-00-0 (Digitalisat).
  • Hubert Faensen: Hightech für Hitler. Die Hakeburg – Vom Forschungszentrum zur Kaderschmiede. Verlag Ch. Links, Berlin 2001, ISBN 3-86153-252-2.
  • Nicola Bröcker, Celina Kress: südwestlich siedeln. Kleinmachnow bei Berlin - von der Villenkolonie zur Bürgerhaussiedlung. Lukas-Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-936872-30-9.
  • Hubert Faensen: Die Neue Hakeburg. Wilhelminischer Prachtbau, Hitlers Forschungszentrum, SED-Kaderschmiede. Ch. Links Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-96289-029-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johanna Lutteroth: Hakeburg Kleinmachnow - Hochburg zweier Diktaturen. In: Spiegel (Onlineausgabe, Rubrik „einestages“). 27. Oktober 2012, abgerufen am 27. Oktober 2012.
  2. Privatadresse Hakeburg geplant.
  3. Jan von Flocken: Schrulle: Vorsicht, Glücksritter!, Focus Nr. 45, 2000.
  4. Link zum Artikel.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hakeburg, Kleinmachnow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien