Neue Mittelschule

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Neue Mittelschule (NMS)
Schulformen
Staat Österreich
Schultyp (allgemein) Schule der Sekundarstufe I
ISCED-Ebene 2
Klassifikation (national) Allgemein bildende Schule/Allgemein bildende mittlere Schule/Allgemein bildende mittlere Schule (12.1)[1]
Voraussetzung Volksschule oder andere entsprechende Schule
Dauer 4 Jahre
Stufen: 5.–8. Schulstufe (1.–4. Klasse)
Regelalter 10–14
Schulabschluss keiner
Schulformen (Lehrpläne) Normalform, Musik-NMS, Sport-NMS, Schi-NMS, mit Schulstufenauflösung, mit ungarischer/slowenischer/kroatischer Unterrichtssprache
Anzahl 323 –  (2011/12)[2][S 1]
Schüler 34.324 –  (2011/12)[3]
Modellversuche im Bereich der 10- bis 14-Jährigen (Code 12.1), ersetzt bis 2015/16–2018/19 die Hauptschule

Die Neue Mittelschule ist ein Schultyp der mittleren Bildung im österreichischen Bildungssystem und wird seit Herbst 2012 als Regelschule geführt. Mit dem Schuljahr 2015/16 wurden alle Hauptschulen mittels Stufenplan zu Neuen Mittelschulen umgewandelt.

Vom Schulversuch zur Regelschule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entfernung der Nennung Hauptschule. Mit dem kommenden Schuljahr 2015/2016 gilt in Österreich generell die Nennung Neue Mittelschule.

Ursprünglich sollte die Neue Mittelschule langfristig als Gesamtschule die AHS-Unterstufe und die Hauptschule ersetzen. Dadurch sollten in absehbarer Zukunft die Schüler, wie in vielen anderen europäischen Ländern auch, in der Sekundarbildung Unterstufe gemeinsam lernen und erst danach verschiedene weiterführende Schulen besuchen. Überlegungen dazu gab es bereits seit einigen Jahrzehnten, diese waren aber politisch vor allem aufgrund des Widerstandes der ÖVP nicht durchsetzbar.

Im Schuljahr 2008/2009 startete österreichweit der Schulversuch Neue Mittelschule, hauptsächlich an bisherigen Hauptschul-Standorten (Eingeführt im § 7a Schulorganisationsgesetz – SchOG). Dieser darf nur umgesetzt werden, wenn zwei Drittel der Lehrer und Erziehungsberechtigten der Schüler grundsätzlich zustimmen.[4] Dort gab es neben den 2., 3. und 4. Hauptschulklassen in diesem Schuljahr eben auch eine 1. Klasse der Neuen Mittelschule, in den Folgejahren läuft der Hauptschulbetrieb nach und nach aus.

Ursprünglich hieß es offiziell: „Grundsätzlich werden an der Neuen Mittelschule nur die besten und – aufgrund der Freiwilligkeit – auch motiviertesten LehrerInnen unterrichten.“[5] Während dies zum Teil auch zutrifft, ging man (zumindest im Bundesland Burgenland) davon ab, wie Ende Juni 2010 bekannt wurde.[6] Tatsächlich sprach auch das Bildungsministerium mittlerweile nicht mehr von Freiwilligkeit.[7]

In relativ kleinen Klassen mit einer Teilungsziffer von 26 werden neue Lehr- und Lernformen angewendet, die Betreuung durch zwei Pädagogen in den Hauptfächern soll einen individualisierten und differenzierten Unterricht garantieren. Es gilt der Lehrplan der AHS-Unterstufe (5./6. und 7.8. Schulstufe, weitgehend dem eines Realgymnasiums entsprechend), und die Bildungsziele der Hauptschule oder der Allgemein bildenden höheren Schule.[8] Generell gilt, dass das Vermitteln von Techniken für das eigenständige Lernen vorrangig ist, ebenso die Fähigkeit zur Präsentation des angeeigneten Wissens. Lernstärkere Kinder sollen ihren lernschwächeren Mitschülern helfen und dadurch zusätzliche Kompetenzen erwerben.
In den Gegenständen Deutsch, Mathematik, Englisch, manchmal auch in Biologie bzw. Geografie sollten zur Unterstützung akademisch ausgebildete Lehrer aus dem BMHS- bzw. AHS-Bereich eingesetzt werden. Allerdings unterrichten laut Bildungsministerium im Schuljahr 2010/11 an 22 Prozent der Neuen Mittelschulen weiterhin ausschließlich Pflichtschullehrer.[9]

Mit Ende des Schuljahres 2011/12 lief der Schulversuch aus. Stattdessen wird seit Herbst 2012 die Neue Mittelschule als Regelschule geführt.[10] Die dazu notwendigen Rechtsgrundlagen wurden mit einer aktualisierten Fassung von § 3 SchOG und den neuen § 21a-g SchOG geschaffen. Im Oktober 2011 wurde bekannt gegeben, dass bis 2015/16, spätestens 2018/19, alle Hauptschulen Schritt für Schritt durch Neue Mittelschulen ersetzt werden.[11][12]

Die neue Schulform soll die – kritisch gesehene – frühe Weichenstellung im Bildungsweg mit 10 aufheben. Damit soll der klassische Pflichtschulbildungsweg Volksschule – Hauptschule – Polytechnische Schule – Lehre, oder aber weiterführender Schulbesuch, durchbrochen werden.[13] Gemeinsam mit Maßnahmen wie der geplanten Mittleren Reife, die man mit Abschluss der NMS und der AHS-Unterstufe erhalten soll, soll erst im Verlauf der Mittelstufe die schulische Laufbahn eines Schülers beurteilt werden können. Da im Zuge der Professionalisierung im Lehrerberuf seit 2001 auch die Qualifikation der HS/BMS-Lehrer und der Lehrer höherer Schulen angeglichen wird, soll die neue Mittelschule eine im Vergleich zur Hauptschule insgesamt in den Bildungsinhalten und -methoden modernere und elastischere Schulform darstellen. Zugleich stellt sie auch eine Harmonisierung mit ausländischen Bildungssystemen im Kontext der Lissabon-Strategie und der Kohäsions- und Freizügigkeitsanliegen in der EU dar.
Zum anderen soll die Schulform – in Kombination mit dem Konzept Kooperative Mittelschule zwischen einer HS und AHS – bei den weiterhin sinkenden Schülerzahlen der 2. Pillenknick-Generation das Anpassen der Schulstandorte an den geänderten Bedarf ermöglichen.

Lehrpläne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lehrpläne sind ident mit jenen der AHS-Unterstufe.[14] Sie können im Rahmen der Schulautonomie aber auch abgeändert werden. Ein Abändern geschieht dabei wesentlich häufiger als in der AHS-Unterstufe, wo zumeist nur die Lehrpläne der Oberstufe geändert werden. Dadurch kann bereits in der Unterstufe die Ausbildung individueller Schwerpunkte erfolgen.

Neben der Normalform (Neue Mittelschule, geregelt nach §21b SchOG) gibt es bisher auch einige spezielle Lehrpläne (Schulformen):[1]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Standorte, neuemittelschule.at (aktueller Bestand)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Österreichische Schulformensystematik, Stand 2013/14, pdf, bmukk.gv.at, S. 6–7
  2. Schulen im Schuljahr 2010/11 nach Schultypen, Statistik Austria
  3. Schülerinnen und Schüler 2010/11 nach detaillierten Ausbildungsarten und Geschlecht, Statistik Austria (pdf)
  4. § 7a SchOG Z.2
  5. 25 Fragen zur NMS (alte Version), Frage 22 (PDF; 40 kB) Website des Bildungsministeriums, abgerufen am 8. Jänner 2011
  6. Kommentar der Anderen: Reformmodell Zwangsbeglueckung. Gastkommentar in Der Standard, Printausgabe 26./27. Juni 2010, abgerufen am 8. Jänner 2011
  7. 25 Fragen zur NMS (neue Version), Frage 22 Website des Bildungsministeriums, abgerufen am 8. Jänner 2011
  8. § 7a SchOG Z.5
  9. Neue Mittelschule oft nur unzulaenglich umgesetzt. In: Die Presse, Printausgabe 12. Jänner 2011. Abgerufen am 13. Jänner 2011.
  10. Neue Mittelschule: Sieben Notenstufen sollen "Nicht genügend" verringern. 2. März 2012, abgerufen am 2. März 2012.
  11. Fahrplan für Neue Mittelschule fixiert. Abgerufen am 25. Oktober 2011.
  12. Kurzinformation zur NMS, neuemittelschule.at
  13. Corinna Geppert: SchülerInnen an der Bildungsübertrittsschwelle zur Sekundarstufe I. Übertritts- und Verlaufsmuster im Kontext der Neuen Mittelschule in Österreich. Budrich UniPress, Leverkusen 2017, ISBN 978-3-86388-745-2.
  14. https://www.bmbf.gv.at/schulen/unterricht/lp/lp_nms.html