Neue Politische Literatur

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Neue Politische Literatur

Beschreibung Fachzeitschrift
Fachgebiet Geschichte und Politik
Sprache deutsch
Verlag Peter Lang Verlag (Deutschland)
Erstausgabe 1956
Erscheinungsweise dreimal jährlich
Weblink www.neue-politische-literatur.tu-darmstadt.de
ISSN

Die Neue Politische Literatur (NPL) ist eine seit 1956 erscheinende wissenschaftliche Rezensionszeitschrift. Jährlich werden drei Ausgaben herausgegeben. Entsprechend den thematischen und fachlichen Schwerpunkten der Zeitschrift besprechen vor allem Wissenschaftler aus der Geschichts- und Politikwissenschaft aktueller Bücher und kommentieren die Forschungsdiskussion. Neben Einzelrezensionen neu erschienener Monographien und Sammelbände werden in Essays und Rezensionsaufsätzen aktuelle Forschungsschwerpunkte und laufende wissenschaftliche Debatten aufgegriffen.

Die „Neue Politische Literatur“ erscheint in der Peter Lang Verlagsgruppe; ihre Redaktion ist am Institut für Geschichte der Technischen Universität Darmstadt angesiedelt. Herausgegeben wird die Zeitschrift von Claudia Derichs, Christof Dipper, Jens Ivo Engels (geschäftsführend), Angelika Epple, Dirk Jörke, Peter Niesen, Alexander Nützenadel, Jürgen Osterhammel, Lutz Raphael, Emanuel Richter, Wolfgang Schieder, Ute Schneider und Peter Steinbach. Frühere Herausgeber waren unter anderen Karl Otmar Freiherr von Aretin, Helmut Böhme, Karl Dietrich Bracher, Eugen Kogon und Michael Th. Greven.

Leitbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die „Neue Politische Literatur“ berichtet über Forschungen zur deutschen, europäischen und außereuropäischen Geschichte der Moderne (19.–20. Jahrhundert) sowie über Forschungen aus der theoriegeleiteten und historisch orientierten Politikwissenschaft. Besondere Aufmerksamkeit gilt Macht und Herrschaft, Formen der Ungleichheit sowie autoritären beziehungsweise diktatorischen Regimen. Die „Neue Politische Literatur“ beschäftigt sich mit Fragen der Demokratie in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Seit ihrer Gründung 1956 reflektiert die „Neue Politische Literatur“ kritisch die wissenschaftliche Forschung über Geschichte und Politik. In ihren Anfängen dezidiert politisch konzipiert, ist sie mittlerweile vorrangig der wissenschaftlichen Auseinandersetzung verpflichtet. Namhafte Vertreter aus Geschichts- und Politikwissenschaft kommentieren aktuelle Ergebnisse und Kontroversen der Forschung. Die „Neue Politische Literatur“ hat den Anspruch, das führende deutsche Rezensions- und Besprechungsorgan im Bereich der Geschichte der Moderne zu sein und darüber hinaus eine bedeutende Stellung innerhalb der Politikwissenschaft einzunehmen. Ein hochkarätig besetztes Herausgebergremium aus Repräsentanten der Geschichts- und Politikwissenschaft garantiert die Qualität dieser Zeitschrift. „Die Neue Politische Literatur“ trägt zur Orientierung in der Fülle der wissenschaftlichen Neuerscheinungen und damit zur Qualitätssicherung in der Wissenschaft bei. Dies geschieht durch die kritische Bewertung einzelner Forschungsarbeiten, von Forschungsfeldern und von Forschungstrends. Die Qualität der „Neuen Politischen Literatur“ wird gewährleistet durch die aktive Einwerbung der Beiträge von ausgewiesenen Autoren, durch peer reviewing der Besprechungsaufsätze und durch die intensive redaktionelle Betreuung der Beiträge.

Die „Neue Politische Literatur“ identifiziert etablierte sowie im Entstehen befindliche Forschungsfelder. Sie veröffentlicht Essaybesprechungen zentraler Werke. Einzelbesprechungen der aktuellen Literatur bilden die Vielfalt der Forschung ab. Markenzeichen der „Neuen Politischen Literatur“ sind ausführliche Besprechungsaufsätze, die nicht nur einen Überblick über ein Forschungsgebiet geben, sondern auch einen eigenen Beitrag zur Debatte liefern. Hinzu kommen Essays zu emerging fields. Sie würdigen kritisch das Potenzial von im Entstehen begriffenen Themengebieten und berücksichtigen neben Büchern auch Aufsätze. In lockerer Folge werden Interviews mit bedeutenden Forscherpersönlichkeiten veröffentlicht.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Denn darüber besteht bei Einsichtigen im Grunde kein Zweifel mehr: Solange die politische Wissenschaft nicht an Hochschulen, Schulen und den Einrichtungen des öffentlichen Lebens in Deutschland festen Fuß fasst, wird das deutsche Volk, das so oft durch Lässigkeit oder Blindheit sein Dasein gefährdet hat, neuen und schweren Schaden nehmen.“

Das sind die einleitenden Worte des Mitherausgebers Ernst Wilhelm Meyer zur Erstausgabe der Zeitschrift „Politische Literatur. Berichte über das internationale Schrifttum zur Politik“ (PL) aus dem Jahre 1952. Die Zeitschrift sollte für die kommenden vier Jahre monatlich im Bollwerk-Verlag erscheinen. Das Projekt entstand unter der Leitung von Helmut Röhr am Institut für Politische Wissenschaft der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Ziel war die politische Bildung der bundesdeutschen Bevölkerung, die Miteinbeziehung der Öffentlichkeit in die Mitgestaltung der noch jungen Demokratie. Man suchte nach Erklärungsversuchen für die (jüngste) Vergangenheit des Landes und nahm die Mitgestaltung der Zukunft als Herausforderung an. Von Beginn an wurde eine Öffnung der Leserschaft angestrebt. Nicht nur das Fachpublikum sollte angesprochen werden, sondern auch die breite Öffentlichkeit im In- und Ausland.

In einem damals immer stärker anwachsenden Literaturmarkt bot die „Politische Literatur“ von nun an zu Themen der Politikwissenschaft Überblicksdarstellungen und bibliographische Orientierung. Damit ging eine kritische Reflexion von Wissenschaft und Methodik einher. Die Herausgeber setzten dabei auf die Veröffentlichung von Rezensionen und kleineren Aufsätzen.

„Wir dürften zuversichtlicher in die Zukunft blicken, wenn es dieser Zeitschrift gelänge, sich einen breiten Kreis von Lesern und Freunden zu schaffen!“ Hermann Ehlers, Präsident des Deutschen Bundestages

Leider bewahrheiteten sich die Worte Ehlers nicht. Insbesondere aufgrund mangelnder Subventionierung musste die Zeitschrift im Jahre 1955/56 eingestellt werden. An ihre Stelle trat im Juli 1956 die „Neue Politische Literatur“ (NPL). Mit wenigen personellen Änderungen erschienen im Bollwerk-Verlag von nun an monatlich Berichte über das internationale Schrifttum. Die Redaktion blieb unter Friedrich A. Krummacher zunächst noch in Frankfurt am Main. Die Zielsetzungen der „Politischen Literatur“ wurden von der „Neuen Politischen Literatur“ weitgehend übernommen. Doch schon durch den Untertitel wurde eine neue thematische Öffnung deutlich. Neben den Politikwissenschaften behandelte man seither auch Inhalte der Geschichts- und Sozialwissenschaften. Der Umfang der Zeitschrift wuchs stetig an.

In den 1960er Jahren durchlebte die „Neue Politische Literatur“ zahlreiche Veränderungen. Ab 1960 erschien sie im Ring-Verlag, ab 1965 erstmals mit dem heutigen Design in der Europäischen Verlagsanstalt. Im gleichen Jahr wechselte die Redaktion auf Initiative des Mitherausgebers Eugen Kogons und unter der Leitung von Erwin Viefhaus an die TH Darmstadt. Von diesem Zeitpunkt an erschien die Zeitschrift vierteljährlich. 1972 kam es zu einem erneuten Verlagswechsel. Bis 1990 erschien die „Neue Politische Literatur“ nun im Franz-Steiner-Verlag – später schließlich beim Peter-Lang-Verlag. Seit dem Jahre 1985 wird die „Neue Politische Literatur“ dreimal jährlich herausgegeben.

Schon früh öffnete sich die Zeitschrift den neuen Medien. Erste Bemühungen um einen Internetauftritt gab es im Jahre 1996, seit der Ausgabe 1/2010 ist die „Neue Politische Literatur“ auch digital zu beziehen. Seit einigen Jahren versucht man zudem, den wissenschaftlichen Nachwuchs gezielter zu fördern. Auch das Thema Qualitätssicherung nimmt einen immer höheren Stellenwert ein. Die „Neue Politische Literatur“ wird stetig internationaler – fremdsprachige Texte nehmen zu. Neben der Besprechung von aktuellen Publikationen, werden heute auch vermehrt Kontroversen und Desiderate in Aufsätzen diskutiert. Eine Essay-Reihe zur aktuellen Geschichtspolitik ist hier nur ein Beispiel. In loser Abfolge erscheinen nun zudem Interviews mit bedeutenden Persönlichkeiten der Lehre und Forschung.

Seit nunmehr sechzig Jahren begleitet die „Politische Literatur“ beziehungsweise die „Neue Politische Literatur“ die wechselhafte Geschichte der Bundesrepublik Deutschland – fortwährend mit dem Ziel, sowohl das Fachpublikum als auch die breite Öffentlichkeit an der kritischen Reflexion der wissenschaftlichen Forschung in der Politik und der Geschichte der Moderne teilhaben zu lassen und immer mit dem Bemühen, aktuelle Entwicklungen und Ereignisse aufzugreifen. Schon früh stellte man sich etwa der Aufarbeitung der Zeit des Nationalsozialismus. Vom Kalten Krieg über den Mauerfall bis heute – stets scheute man sich auch nicht vor heiklen Themen. Damals wie heute war und ist das Ziel, eine Orientierungshilfe in der Flut der zahlreichen wissenschaftlichen Neuerscheinungen im Bereich der Geschichts- und Politikwissenschaften zu bieten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jens Ivo Engels/Anja Pinkowsky: Aretin als Herausgeber der NPL. In: Christof Dipper/Jens Ivo Engels (Hg.): Karl Otmar von Aretin. Historiker und Zeitgenosse. Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien 2015.
  • Jens Ivo Engels/Anja Pinkowsky: Die Frühgeschichte der „(Neuen) Politischen Literatur“, 1952–1970. In: Neue Politische Literatur 60 (2015), H. 3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.neue-politische-literatur.tu-darmstadt.de/index.php?id=3316