Neue Religionen in Japan

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Shinshūkyō (jap. 新宗教) sind Neue Religiöse Bewegungen in Japan.

Demonstration für den Frieden: Nipponzan-Myōhōji

Sie sind in Japan auch als Shinkō shūkyō (新興宗教) bekannt, ein Wort, das weniger als wissenschaftlicher Fachausdruck gebraucht wird, sondern "vielmehr als ein Wort, das eine bestimmte gesellschaftliche Bewertung zum Ausdruck bringt (und meistens ein Gefühl der Verachtung einschließt)"[1]. Japanische Religionswissenschaftler klassifizieren alle seit Mitte des 19. Jahrhunderts gegründeten religiösen Organisationen in Japan als Shinshūkyō, selbst dann wenn sie einer der traditionellen Schulen des Buddhismus organisatorisch zugeordnet sind. So umfasst der Begriff eine große Vielfalt und Zahl von Organisationen. Die meisten von ihnen entstanden Mitte des 20. Jahrhunderts und sind von älteren traditionellen Religionen, vor allem Shintō und Buddhismus aber auch Hinduismus und Christentum beeinflusst. Einige sind synkretistisch, andere weisen fundamentalistische Züge auf, und viele beanspruchen für sich, dass sie nicht durch andere Religionen beeinflusst seien.

Kritiker verwenden den Begriff Shinshūkyō im negativen Sinne (Sekten) und warnen, sich ihnen anzuschließen, da sie Bedenken gegen ihren Glauben, ihre Methoden und Ziele sowie deren Missionierungsmethoden haben. Ein für diese Ansicht oft angeführtes Beispiel ist die Ōmu Shinrikyō, die international für ihren Giftgasanschlag auf die Tokioter U-Bahn 1995 bekannt wurde. Bei der häufig von Vertretern der traditionellen, monastisch orientierten, buddhistischen Schulen vorgetragenen Kritik, sollte man jedoch berücksichtigen, daß sie auch durch die massive Abwanderung ihrer Laienanhänger motiviert sein könnte. Aktuelle religionswissenschaftliche Studien bemühen sich zunehmend darum, Bewertungen des Glaubens und der Ausübung religiöser Gemeinschaften zu vermeiden. Während dieser Ansatz in wissenschaftlichen Veröffentlichungen über etablierte Religionen als Norm gilt, wird er auf neue religiöse Organisationen bisher noch nicht konsequent angewendet. [2]

Shinshūkyō vor dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

In den 1860ern war Japan von großen sozialen Umwälzungen und rascher Verwestlichung gekennzeichnet. Soziale Konflikte kamen auf und mit ihnen einige neue religiöse Bewegungen, unter ihnen Tenrikyō, Kurozumikyō und Ōmoto. Manchmal werden diese drei Nihon Sandai Shinkōshūkyō (wörtl. „Japans drei große Shinshūkyō“) genannt und sind stark von Shintō und Schamanismus beeinflusst.

Der Meiji-tennō erhob den Shintō zum Staatskult (s. Staats-Shintō). Im Verlauf dieser politischen Umwälzung entstanden die wichtigen auf Shintō basierenden Neuen Religionen (vgl. auch Sektenshintō). Gleichzeitig wurde das 250 Jahre alte Verbot des Christentums aufgehoben und christliche Missionare stimulierten andere religiöse Bewegungen.

Verschiedene buddhistisch beeinflusste Laienbewegungen erschienen während dieser Zeit. Diese nahmen verschiedene traditionelle Schulrichtungen des japanischen Buddhismus auf und einige kombinierten sie auch mit neuem Gedankengut. Die japanische Regierung befand diese Bewegungen als verdächtig und versuchte sie zu unterdrücken. Diese Unterdrückung war vor allem im frühen 20.Jahrhundert ausgeprägt, als Staats-Shintō eng in den japanischen Nationalismus eingebunden war und das Ansehen des als fremdländisch, abergläubisch und rückständig angesehenen Buddhismus bei den Eliten einen Tiefpunkt erreichte.


Statistiken[Bearbeiten]

Es gibt keine zuverlässigen Daten über die Anzahl von Mitgliedern der jeweiligen Organisationen. Der Grund dafür ist die generelle Problematik, sichere Zahlen zu erheben, da viele Organisationen keine feste Mitgliedschaft anbieten und/oder diese Zahlen nicht offen einsehbar machen. Zahlen basieren somit oft auf der Selbstauskunft der Organisationen.

Einige wichtige Shinshūkyō[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter B. Clarke (Hrsg.): Bibliography of Japanese New Religions with Annotations and an Introduction to Japanese New Religions at Home and Abroad. Plus an Appendix on Aum Shinrikyō. Japan Library, Richmond, 1999. ISBN 1-873410-80-8
  • Clarke, Peter B., Somers, Jeffrey, editors (1994). Japanese New Religions in the West, Japan Library/Curzon Press, Kent, UK. ISBN 1-873410-24-7

Clarke, Peter B. (2000). Japanese New Religions: In Global Perspective. Richmond : Curzon. ISBN 0700711856

  • Inoue Nobutaka/Johannes Laube (Hrsg.): Neureligionen: Stand ihrer Erforschung in Japan. Ein Handbuch. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden, 1995. ISBN 3-447-03508-0.
  • Lukas Pokorny: Neue religiöse Bewegungen in Japan heute: Ein Überblick. In Hans Gerald Hödl, Veronica Futterknecht (Hrsg.) Religionen nach der Säkularisierung. Festschrift für Johann Figl zum 65. Geburtstag. LIT, Münster u.a., 2011, pp. 177-199. ISBN 978-3-643-50278-0
  • Birgit Staemmler, Ulrich Dehn (Hrsg.): Establishing the Revolutionary: An Introduction to New Religions in Japan. LIT, Münster u.a., 2011. ISBN 978-3-643-90152-1

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Inoue Nobutaka/Johannes Laube (Hrsg.): Neureligionen: Stand ihrer Erforschung in Japan. Ein Handbuch. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden, 1995, S. 12. ISBN 3-447-03508-0
  2. James R. Lewis, Sect-Bashing in the Guise of Scholarship: A Critical Appraisal of Select Studies of Soka Gakkai, Marburg Journal of Religion: Volume 5, No. 1, p.1-2 (2000) Digitalisat (PDF; 137 kB)

Weblinks[Bearbeiten]