Neuenburg am Rhein

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Neuenburg am Rhein
Neuenburg am Rhein
Deutschlandkarte, Position der Stadt Neuenburg am Rhein hervorgehoben
47.8147222222227.5619444444444230Koordinaten: 47° 49′ N, 7° 34′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Freiburg
Landkreis: Breisgau-Hochschwarzwald
Höhe: 230 m ü. NHN
Fläche: 44,12 km²
Einwohner: 11.710 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 265 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 79389–79395
Vorwahl: 07631
Kfz-Kennzeichen: FR
Gemeindeschlüssel: 08 3 15 076
Stadtgliederung: 4 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Rathausplatz 5
79395 Neuenburg am Rhein
Webpräsenz: www.neuenburg.de
Bürgermeister: Joachim Schuster (CDU)
Lage der Stadt Neuenburg am Rhein im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald
Frankreich Landkreis Waldshut Landkreis Lörrach Freiburg im Breisgau Landkreis Emmendingen Schwarzwald-Baar-Kreis Landkreis Rottweil Au (Breisgau) Auggen Bad Krozingen Badenweiler Ballrechten-Dottingen Bötzingen Bollschweil Breisach am Rhein Breitnau Buchenbach Buggingen Ebringen Ehrenkirchen Eichstetten am Kaiserstuhl Eisenbach (Hochschwarzwald) Eschbach (Markgräflerland) Feldberg (Schwarzwald) Friedenweiler Glottertal Gottenheim Gundelfingen (Breisgau) Hartheim Heitersheim Heitersheim Heuweiler Hinterzarten Horben Ihringen Kirchzarten Lenzkirch Löffingen March (Breisgau) Merdingen Merzhausen Müllheim (Baden) Müllheim (Baden) Münstertal/Schwarzwald Neuenburg am Rhein Neuenburg am Rhein Oberried (Breisgau) Pfaffenweiler St. Peter (Hochschwarzwald) St. Märgen Schallstadt Schluchsee (Gemeinde) Sölden (Schwarzwald) Staufen im Breisgau Stegen Sulzburg Titisee-Neustadt Umkirch Vogtsburg im Kaiserstuhl Wittnau (Breisgau)Karte
Über dieses Bild

Neuenburg am Rhein (bis 1975 Neuenburg) ist eine Kleinstadt im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald in Baden-Württemberg (Deutschland).

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Neuenburg liegt erhöht am rechten Ufer des Altrheins auf einer Terrasse zwischen Vogesen und Schwarzwald auf halbem Weg zwischen Freiburg im Breisgau und Basel an der früheren Einmündung des Klemmbachs in den Rhein. Hier kreuzt sich ein Weg aus dem Schwarzwald (Todtnau) nach Mülhausen (F), die heutige Bundesstraße 378, mit dem alten Wasserverkehrsweg Rhein. Außerdem befand sich zu Zeiten der Stadtgründung durch die Zähringer hier eine der wenigen Furten über den Rhein. In der Mitte des Altrheins liegt die Staatsgrenze zwischen Deutschland und Frankreich. Parallel zum Altrhein verläuft heute auf der Seite Frankreichs der Rheinseitenkanal.

Ausdehnung des Stadtgebiets[Bearbeiten]

Das Stadtgebiet verläuft entlang des Altrheins und liegt überwiegend auf einem Teil der Rheinebene mit dem Rheinwald sowie der Niederterrasse. Die Gemarkung des Ortsteils Steinenstadt enthält als Exklave zusätzlich einen Weinberg in der Vorbergzone zwischen den Orten Auggen und Schliengen. Darüber hinaus besitzt die Stadt einen Eichwald im Schwarzwald.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Nachbargemeinden sind im Norden Hartheim und Eschbach (Markgräflerland), im Nordosten Heitersheim und Buggingen, im Osten Müllheim (Baden) und Auggen, im Südosten Schliengen und im Süden Bad Bellingen. Westlich des Rheins liegen in der Nachbarschaft im Elsass (F) direkt gegenüber die Gemeinde Chalampé, außerdem Ottmarsheim und Bantzenheim.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Neben dem Kernort Neuenburg (mit dem Wohnplatz Wasserbaumeisterei und der in den 1950er Jahren gegründeten Siedlung Im Stein) hat die Stadt drei Ortsteile: Steinenstadt, Grißheim (mit dem Wohnplatz Rheinwärterhaus), Zienken. Im Stadtteil Steinenstadt liegt die abgegangene Ortschaft Rinken.[2]

Stadtteil Gemarkungs-
fläche
Einwohner
(30. Juni 2010)[3]
Kernort Neuenburg 16,64 km² 8.386
Steinenstadt 7,50 km² 1.376
Grißheim 15,68 km² 1.363
Zienken 4,30 km² 912

Geschichte[Bearbeiten]

Prospect der Statt Newenburg aus der Topographia Alsatiae, &c. Completa von Matthäus Merian, ca. 1660, in: Topographia Germaniae; Rest des vom Rheinhochwasser hinweg gerissenen Münsters: der Chor
Karte Newenburg am Rhein von Matthäus Merian aus der Topographia Germaniae, ca. 1660: Das Badwaßer von Badenweiler läuft durch die Stadt und das Niderthor bei der Mühl in den Rhein; Die Kirch ist vom Rhein ganz eingerissen
Luftbild der Stadt von Westen her von einer Rheinbefliegung der Alliierten 1953: links die Straße nach Chalampe mit Teilen der provisorischen Pontonbrücke über den Rhein, oben links das Wuhrloch; rechts die Eisenbahnlinie von Mülhausen mit Schattenwurf der Eisenbahnbrücke über den Rhein; Bild datiert von vor der Fertigstellung des Rheinseitenkanals

Die Stadt wurde 1175 von Herzog Berthold IV. von Zähringen in der typischen Zähringer-Bauweise in Kreuzform als Sicherung von zwei sich kreuzenden Wegen gegründet. Anlass der Stadtgründung waren Expansionsversuche der Staufer von ihrem Besitz Badenweiler in ihre Besitzungen im benachbarten Elsass. Die Zähringer sicherten damit den Rheinübergang und konnten von den Benutzern Tribut verlangen. Sie starben allerdings 1218 aus.

1219 wurde Neuenburg am Rhein durch Kaiser Friedrich II. zur freien Reichsstadt erklärt. 1274 wurde dies bestätigt. Im Mittelalter erlebte die Stadt eine Blütezeit und gewann aufgrund der Lage an einem Rheinübergang große politische Bedeutung. Zwischen 1272/73 und 1283 war Johannes Brunwart Schultheiß von Neuenburg. Er fand als Brunwart von Ǒghein mit fünf konventionell zu nennenden höfischen Minneliedern Eingang in die Große Heidelberger Liederhandschrift des frühen 14. Jahrhunderts (Codex Manesse, 258v.).

Am 24. Dezember 1292 erhielt die Stadt von König Adolf von Nassau das Adolphinische Privilegium. 1302 zerstörte ein verheerendes Hochwasser des Rheins nahezu die halbe Stadt. 1311 kam die Stadt an die Habsburger und wurde damit ein Teil von Vorderösterreich. 1403 erweiterte König Ruprecht das Stadtrecht. 1525 zerstörte erneut ein Hochwasser die halbe Stadt sowie das ehemals prachtvolle Münster bis auf den Chor.

In den Jahren 1618 bis 1648 fand der Dreißigjährige Krieg statt. Truppen verschiedener Herkunft zogen durch die Stadt ; sie und die gesamte Umgebung mussten verschiedene Besatzungen, viele Plünderungen sowie Zerstörungen erdulden. Der Bevölkerungsverlust war sehr hoch. Auch im Spanischen Erbfolgekrieg geriet Neuenburg in das Kriegsgebiet, besonders vor der Schlacht bei Friedlingen in der Nähe von Basel am 14. Oktober 1702. Nach zwei Jahren französischer Besetzung wurde Neuenburg auf Befehl des französischen Königs Ludwig XIV. im April 1704 vollständig zerstört und die Bevölkerung fand insbesondere Aufnahme im Hoheitsgebiet des Fürstbistums Basel in Schliengen und Steinenstadt. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten fanden weitere Erbfolgekriege statt. Es gab es immer wieder Zusammenstöße zwischen Habsburg auf der rechten Rheinseite und Frankreich auf der linken Rheinseite, dabei wechselte Neuenburg als so genannte Frontstadt je nach Besatzung öfters die Herrschaft.

Nach der Eroberung der rechtsrheinischen Gebiete durch Napoléon Bonaparte und die Neuordnung der Besitzverhältnisse durch ihn verloren die Habsburger die Gebiete Vorderösterreichs. 1806 wurde die Stadt Neuenburg in das 1806 neu gegründete Großherzogtum Baden eingegliedert, das 1871 ein Bundesstaat des Deutschen Reiches wurde.

Nach dem Angriff der Wehrmacht 1940 auf Frankreich geriet Neuenburg als Frontstadt unter Beschuss. Es war die erste deutsche Stadt, die während des Zweiten Weltkrieges vollständig zerstört wurde.[4]

Am 9. Februar 1945 zogen sich nach Kämpfen um den Brückenkopf Elsass die letzten deutschen Truppen über die Brücke von Chalampé nach Neuenburg zurück und sprengten die Brücke um 8 Uhr, womit der Kampf um diesen Brückenkopf endete.[5]

Im April 1945 endete nach der Eroberung durch die französische Armee für Neuenburg der Zweite Weltkrieg. Die Stadt wurde Teil der französischen Besatzungszone und Teil des Landes Baden, das sich 1952 mit Württemberg-Hohenzollern und Württemberg-Baden zum neuen Bundesland Baden-Württemberg vereinigte.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Dezember 1971 wurde Zienken nach Neuenburg eingemeindet. Am 1. Januar 1974 erfolgte die Eingemeindung von Grißheim. Die Gemeinde Steinenstadt wurde am 1. Januar 1975 eingemeindet. Den Namenszusatz am Rhein trägt die Stadt seit dem 18. März 1975.


Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2014[6]
Wahlbeteilig.: 39,4 % (2009: 44,5 %)
 %
50
40
30
20
10
0
43,2 %
36,4 %
20,4 %
n. k.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
+5,6 %p
+3,8 %p
+2,4 %p
-11,8 %p
Rathausplatz

Bürgermeister[Bearbeiten]

Seit 1991, nach Wiederwahlen 1999 und 2007 Joachim Schuster (* 1956), (CDU).

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 ergab folgende Sitzverteilung:

CDU 10 Sitze (± 0)
Freie Wählervereinigung Neuenburg e. V. (FWN) 9 Sitze (+ 1)
SPD 5 Sitze (+ 1)
FDP 0 Sitze (− 3)

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Wappens lautet: „In Rot ein goldener Schrägbalken“, wie in Umkehrung des Wappens Badens.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Landesgartenschau 2022[Bearbeiten]

Die ersten Vorbereitungen zur Ausrichtung der baden-württembergischen Landesgartenschau im Jahr 2022 erfolgten seit Beginn 2011, u. a. durch Anpassungen des betreffenden Flächennutzungsplanes, auch im Zuge des Stadtentwicklungsprojektes Neuenburg zum Rhein sowie der lokalen Umsetzung des Integrierten Rheinprogrammes (IRP) zur Hochwasservorsorge vor allem am Unterlauf des Rheines.[7][8][9]; im Januar 2011 erfolgte der Auftakt des Projekts auch für die Bewohner der Stadt[10].

Die geplante Landesgartenschau wird sich zusammen auf nahezu 40 Hektar ausdehnen: Wuhrlochpark (6,1 ha), neuer Rheinpark (14,2), Rheinauepark (14,6) und im Nordabschnitt der rekultivierten Mülldeponie des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald mit sieben Hektar.[11]

Bei den Vorarbeiten zum IRP und dem damit verbundenen Rheingärten-Projekt zur Landesgartenschau mussten 1,5 Tonnen Kampfmittelreste beseitigt werden;[12] der Spatenstich für die Rheingärten erfolgt am 26. September 2014 durch den baden-württembergischen Umweltminister Franz Untersteller.[13]

Beim jährlichen Empfang zum Auslöffeln der „Narren-Suppe“ am „Schmutzige Dunnschdig“ 2015 präsentierte OB Schuster (CDU) den Oberbürgermeister des nördlich liegenden Freiburgs, Dieter Salomon (Bündnis 90/Die Grünen), als Botschafter für das Neuenburger Vorhaben, er übernahm speziell die Patenschaft auch für einen Spitzahorn: „Dieser zeichne sich durch ein frisches helles Grün, Langlebigkeit und vielfältige Mischfähigkeit aus“. Freiburg war Ausrichterin der Landesgartenschau 1986. Bereits früher hatte Neuenburg den aktuellen baden-württembergischen Umweltminister Franz Untersteller (ebenfalls „Grüne“) sowie den früheren Landtagspräsident und Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2016 Guido Wolf (CDU) als „LGS-2022-Botschafter“ gewinnen können.[14]

Nepomukfest[Bearbeiten]

Das alljährlich abgehaltene Nepomukfest gilt als das älteste Straßenfest Baden-Württembergs.[15]

Stadtmuseum[Bearbeiten]

Neuenburger Stadtmuseum

Im 1828 über der alten Stadtmauer und dem ehemaligen Stadtgraben errichteten Rathaus am Franziskanerplatz befindet sich seit 1988 das Museum für Stadtgeschichte mit seiner stadtgeschichtlichen Sammlung. Das klassizistische Bauwerk ist eines der wenigen Gebäude Neuenburgs, die den Zweiten Weltkrieg überstanden. Das Museum versucht, die Frühgeschichte im Raum Neuenburg darzustellen. Zugleich dokumentiert es die Geschichte der Stadt von der frühesten urkundlichen Erwähnung bis zum Übergang an das Großherzogtum Baden im Jahre 1806. Darüber hinaus zeigt die Sammlung die Bedeutung des Rheines für die Stadt, inklusive der Rheinregulierung durch Tulla und deren Folgen. Weiterer Schwerpunkt ist die Dokumentation der Stadt vor den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg.

Wuhrlochpark[Bearbeiten]

Wuhrloch

Der Wuhrlochpark ist ein Naherholungsgebiet der Stadt. Hier finden sich am Wuhrloch, in welchen der Klemmbach mündet, ein Freizeitsportzentrum, eine Minigolfanlage sowie die Stadtbücherei. Das Wuhrloch entstand als Kolk bei einem Rheinhochwasser 1876; 1908 wurde eine Tiefe von 18 Metern gemessen.[16]

Ab 1940 wurden hier in einer Barackensiedlung die durch Beschuss der Stadt im Zweiten Weltkrieg obdachlos gewordenen Bürger untergebracht. Der damalige Gauleiter und Reichsstatthalter Robert Wagner hatte sie am 15. September 1940 bei einer groß angelegten Kundgebung der NSDAP eröffnet. Die letzten dieser Baracken wurden Ende der 1960er Jahre abgerissen[17], parallel entstand ab dieser Zeit im benachbarten so genannten Mühleköpfle im an die Stadt angrenzenden Tiefgestade teilweise in Selbsthilfe ein neuer Stadtteil.[18]

Religion[Bearbeiten]

Die Bevölkerung der Stadt Neuenburg am Rhein war früher als Teil Vorderösterreichs überwiegend katholisch, mittlerweile hat sich das Zahlenverhältnis zu den Angehörigen des evangelischen Glaubens ausgeglichen.

Erlöserkirche[Bearbeiten]

Liebfrauenkirche (katholisch)

Fünf Jahre nach dem Anschlag Thesen von Martin Luther an der Wittenberger Stadtkirche wurde 1522 ein Prediger der Neuen Lehre auf Beschluss des Stadtrates in Neuenburg aufgenommen. 1524 musste er die Stadt auf Verlangen der Vertreter der österreichischen Städte Breisach, Endingen, Waldkirch sowie Freiburg wieder verlassen. Vor dem Ersten Weltkrieg hatte Neuenburg nur wenig evangelische Einwohner, 1929/1930 lediglich 150. 1927 überwies der Evangelische Oberkirchenrat der Gemeinde 2000 Reichsmark als Zuschuss zur Erbauung einer evangelischen Kirche am Ort; 1927 wurde ein Baugrundstück erworben. 1929 wurde der Grundstein für den Bau des Gotteshauses nach einem Entwurf des Freiburger Architekten Wildmann gelegt; für die künstlerische Ausgestaltung war der aus Triberg stammende Karl Josef Fortwängler beauftragt worden. Der Bau wurde am 14. Juni 1930 eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben. Er überlebte als eines der wenigen Bauwerke Neuenburgs den Feuersturm nach der Bombardierung im Zweiten Weltkrieg am 11. Juli 1940.[19]

Katholische Liebfrauenkirche[Bearbeiten]

Am Standort der heutigen katholische Liebfrauenkirche befanden sich mehrere Vorgängerkirchen. Als erster überlieferter Bau gilt eine Franziskaner-Klosterkirche der Barfüßer aus dem 13. Jahrhundert. Sie wurde im Holländischen Krieg (1675) bis auf den Chor zerstört. Vier Jahre später wurde notdürftig ein Zelt am Chor befestigt, das 1699 einem Notbau wich. 1704 wurde die Kirche im Spanischen Erbfolgekrieg völlig zerstört. 1725 bis 1727 errichtete Baumeister Simon Hüttle eine neue Kirche, deren Chor von 1886 bis 1890 erneuert wurde. Glasfenster schufen Rudolf und Otto Linnemann aus Frankfurt im Jahr 1903, Unterlagen hierzu befinden sich im Linnemann-Archivo Der Turm blieb bestehen und wurde erhöht. Im Zweiten Weltkrieg brannte die Kirche 1940 völlig aus und musste gesprengt werden. Der heutige Bau entstand nach einem Entwurf des Freiburger Architekten Gregor Schröder aus dem Jahr 1953. Der erste Gottesdienst fand hier am 22. November 1953 statt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wasserturm Neuenburgs
Eisenbahn- und Straßenbrücke nach Chalampe über den Rhein (von Westen, 2010) In der Mitte die Staatsgrenze D/F (Schild in deutschen Landesflaggenfarben am Eisenbahntragwerk)
Bahnhof Neuenburg (Baden)

Die Neuenburger Industrie, ihr Gewerbe und Handel sind Arbeitgeber für rund 4.000 Menschen. Zu den größten ansässigen Unternehmen zählen Vibracoustic, Losan, K & U Bäckerei,Rexam, Contura (Vitra), Rheinmetall und Romaco.

Ehemaliger Rheinhafen[Bearbeiten]

In Neuenburg befand sich vor der Rheinkorrektur unter Tulla ein kleiner Hafen; die Reste einer dazugehörenden Kranbahn wurden Ende 2013 im Zuge von Vorarbeiten zur lokalen Umsetzung des integrierten Rheinprogramms (IRP) sowie der in diesem Bereich stattfindenden Landesgartenschau 2022 freigelegt[20] und später abgebrochen.[21]

Verkehr[Bearbeiten]

Schon im frühen Mittelalter befand sich bei Neuenburg eine Furt über den Rhein. Bis heute ist Neuenburg ein Verkehrsknotenpunkt mit direkter Anbindung nach Frankreich. Auf der gegenüberliegenden Rheinseite, im Elsass, befindet sich auf der Höhe von Ottmarsheim der zweitgrößte Containerhafen für die Binnenschifffahrt Frankreichs.

Eisenbahn/ÖPNV[Bearbeiten]

Neuenburg liegt an der eingleisigen Bahnstrecke Müllheim–Mülhausen.
Die Eisenbahnbrücke Neuenburg–Chalampé über den Rhein wurde am 5. Februar 1878 eingeweiht. Am 7. Oktober 1939 wurde sie nur fünf Wochen nach der Anzettelung des Zweiten Weltkrieges durch Deutschland von französischen Truppen gesprengt, ebenso wie die 1872/73 errichtete Schiffbrücke. Nach dem Übertritt deutscher Truppen auf französisches Staatsgebiet wurde Mitte Juni 1940 sofort mit dem Wiederaufbau begonnen. Zuerst wurde das Rheinbett freigemacht, dabei waren das größte Hindernis die Trümmer der zerstörten Brücke. Ein Teil der Brücke, der komplett im Flussbett lag, wurde freigebaggert, durch Tauchkräfte zerlegt, mit einem Hebeschiff gehoben und an Land geborgen. Die noch zu gebrauchenden Teile der Brücke wurde beim Wiederaufbau der Eisenbahnbrücke verwendet. Am 15. August 1941 wurde die Eisenbahnbrücke wieder für den Verkehr freigegeben. Als Ersatz für die zerstörte Schiffbrücke wurde durch Pionierkräfte eine Behelfsbrücke errichtet, die so genannte Schwabenbrücke. Sie wurde nach dem Rückzug der deutschen Truppen abgebrochen und durch eine Pontonbrücke ersetzt. Am 9. Februar 1945 wurde die Brücke von deutschen Resttruppen gemäß einem Führerbefehl erneut gesprengt.[22]
Der Personenverkehr auf der nach dem Krieg wieder errichteten Brücke wurde Mitte der 1970er Jahre eingestellt. Neben Pilgerzügen nach Lourdes und Güterzügen verkehrte auf der Strecke nach Mülhausen in Frankreich bis 2012 lediglich der so genannte Eventverkehr: Dieses im Sommer 2006 gestartete Projekt verband an insgesamt 23 Sonntagen im Jahr, darunter auch die vier Adventswochenenden, die Städte Müllheim, Neuenburg am Rhein und Mülhausen im Elsass. Seit dem 9. Dezember 2012 gibt es täglich bis zu sieben Verbindungen, wobei mindestens ein Zugpaar direkt bis Freiburg (Breisgau) Hbf geführt wird.[23] Zum Einsatz kommen französische X73900.

Seit dem Beginn des Winterfahrplanes am 14. Dezember 2009 verkehren Regionalbahnzüge der Relation Freiburg-Müllheim weiter bis nach Neuenburg (Rhein) und binden so die Stadt an das schienengebunden DB-Netz an. Realisiert wurde ein Zweistundentakt sowohl Montags bis Freitags (mit einzelnen Taktlücken) wie auch am Wochenende.

Ab August 2013 wird je ein TGV-Zugpaar von Freiburg über die Strecke nach Paris geführt werden. Nach der Fertigstellung des dritten und vierten Gleises wäre ein S-Bahn Betrieb von Mulhouse nach Freiburg im Stundentakt möglich.[24][25]

Die Stadt betreibt zusammen mit der SWEG ein eigenes Stadtbussystem innerhalb der Gesamtgemarkung und zum Bahnhof Müllheim. Damit wurde eine vertaktete Anbindung an die Schnellbahnverkehre ab Freiburg und Basel erreicht. Mit weiteren Buslinien ist die Stadt an das überregionale ÖPNV-System angeschlossen und gehört dem Regio-Verkehrsverbund Freiburg an.

Straßen[Bearbeiten]

Die zwischen Stadt und Altrhein gelegene Bundesautobahn 5 (NiederaulaWeil am Rhein) befahren auf Neuenburger Höhe täglich ca. 50.000 Fahrzeuge. Südlich von Neuenburg überqueren täglich ca. 14.000 Pkws von Frankreich kommend den Rhein, sie werden über den Autobahnzoll Ottmarsheim und die Bundesautobahn 862, mit 400 Metern Länge die kürzeste Autobahn Deutschlands, zum Autobahndreieck Neuenburg auf der A 5 geführt.
Die Bundesstraße 378 verbindet als Autobahnzubringer die bei der östlichen Nachbarstadt Müllheim gelegene Bundesstraße 3 mit Neuenburg und der A 5.

Wasserversorgung[Bearbeiten]

Zur besseren Wasserversorgung der Stadt wurde 1901 ein Wasserturm an der Basler Straße errichtet (siehe auch Oberrhein-Aquifer).

Bildung[Bearbeiten]

Nepomukstatue in der Münstergasse

Die Stadt Neuenburg verfolgt beim Thema Bildung einen ganzheitlichen Ansatz im Erlernen von Fremdsprachen. Aufgrund der Nähe zu Frankreich liegt der Schwerpunkt auf deutsch-französischen Angeboten. Der Französisch-Unterricht zieht sich vom Kindergarten über die Grundschule und die weiterführenden Schulen bis hin zur Erwachsenenbildung. So gibt es einen deutsch-französischen Kindergarten und eine grenzüberschreitende Volkshochschule.

Die Zähringer Grund-, Haupt- und Werkrealschule war bereits vor der Einführung von Französisch als erster Fremdsprache ab der ersten Klasse eine Pilotschule, in welcher der Französischunterricht mit Grundschülern erprobt wurde. Auch in der Mathias-von-Neuenburg-Realschule ist Französisch erste Fremdsprache, künftig werden aber die Schüler ab der fünften Klasse mit Englisch und Französisch zwei Fremdsprachen erlernen. Derzeit entwickelt man an der Schule im Rahmen eines Interreg-Projektes ein trinationales Zertifikat für die mittlere Reife, das auch in Frankreich und der Schweiz anerkannt werden soll. 2005 ging das neue dreizügige Kreisgymnasium in Neuenburg am Rhein in Betrieb. Diese Schule ist seit 2006 dreizügig, außerdem beherbergt sie zwei vierte Klassen der Zähringer Grundschule. Schon in der 5. Klasse gibt es die zwei Fremdsprachen Französisch und Englisch, bei der Profilwahl ist auch Spanisch als dritte Fremdsprache möglich.

Kindergärten[Bearbeiten]

  • Städtischer Kindergarten Bierlehof, mit deutsch-französischem Kindergarten in Neuenburg
  • Städtische Kindergärten in Grißheim und Steinenstadt
  • Evangelische Kindergärten in Neuenburg und Zienken
  • Katholische Kindergärten St. Fridolin und St. Josef in Neuenburg

Schulen[Bearbeiten]

Volkshochschule[Bearbeiten]

Die deutsch-französische REGIO Volkshochschule / Université Populaire REGIO ist Mitglied des Volkshochschulverbandes Baden-Württemberg und der Association des Universités Populaires de France. Träger ist ein Verein nach französischem Recht, die Association UP REGIO. Mitglieder sind auf deutscher Seite die Stadt Neuenburg am Rhein sowie auf französischer Seite der Gemeindeverwaltungsverband Communauté de Communes Porte de France Rhin Sud. Die REGIO Volkshochschule ist damit eine deutsch-französische Einrichtung der Erwachsenenbildung, bei der sich sechs französische und eine deutsche Gemeinden in einem gemeinsamen Projekt zusammengeschlossen haben. Viele Kurse und Veranstaltungen sind sowohl für deutsche als auch für französische Teilnehmer konzipiert. Schwerpunkt ist ein bürgernahes Angebot, um die Begegnung der Menschen aus beiden Ländern zu fördern.

Sport[Bearbeiten]

Der Baseballclub der Stadt, die Neuenburg Atomics, spielen 2012 in der 2. Baseball-Bundesliga Süd. Die Spielstätte des Teams, der Atomics Baseball-Park, war im Sommer 2010 einer von drei Austragungsorten der Baseball-Europameisterschaft 2010.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Das Logo für Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Neuenburg am Rhein

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Matthias von Neuenburg (* um 1295, Neuenburg, † um 1364), Kanzler des Bischofs von Straßburg und letzter großer Reichschronist, in Neuenburg geboren
  • Johannes Wannenmacher (* um 1485, Neuenburg, † um 1551, Interlaken (CH)), Komponist
  • Uli Edel (* 1947, Neuenburg), Filmregisseur
  • Ulrike Schäfer (* 1967, Neuenburg), ehem. dt. Fußballerin, Gewinn DFB-Pokal und dt. Meisterschaft mit dem TSV Siegen
  • Mike Jenkins (* 1985, Neuenburg), US-amerikanischer American-Football-Spieler

Persönlichkeiten mit Bezug zur Stadt[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Neuenburg am Rhein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-007174-2. S. 150–153
  3. Informationsbroschüre "Neuenburg am Rhein" A+K Verlag, Freiburg 6. Ausgabe Oktober 2010 S. 21 kostenlose Broschüre der Stadt Neuenburg am Rhein
  4. badische-zeitung.de, Lokales, Neuenburg, 5. Juni 2010, Alexander Anlicker: Machtlos sahen die Bürger zu – Im Juni vor 70 Jahren wurde die Stadt Neuenburg bei einem Artillerieangriff der Franzosen ein weiteres Mal zerstört. (8. Januar 2010)
  5. Steven Zaloga: Operation Nordwind 1945. S.86
  6. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg
  7. badische-zeitung.de, Lokales, Neuenburg, 5. Februar 2011, Andrea Drescher: Neuenburg verändert sein Gesicht (5. August 2011)
  8. badische-zeitung.de, Lokales, Neuenburg, 11. Mai 2011, Andrea Drescher: Vorarbeit für die Landesgartenschau 2022 in Neuenburg (5. August 2011)
  9. badische-zeitung.de, Lokales, Neuenburg, 4. August 2011, ad: Rheingärten statt Gewerbepark (5. August 2011)
  10. badische-zeitung.de, Lokales, Neuenburg, 17. Januar 2011, mps: Hainbuchen als Vorzeichen der Landesgartenschau (5. August 2011)
  11. Andrea Drescher: Stadt, Land, Fluss. in: badische-zeitung.de, Lokales, Neuenburg, 31. August 2011 (15. September 2011)
  12. Julia Jacob: badische-zeitung.de: Bauarbeiter beseitigen 1,5 Tonnen Kampfmittel am Rheinufer. Badische Zeitung, 25. September 2014
  13. Julia Jacob: badische-zeitung.de: Infobox: IRP-BAUSTELLE. Badische Zeitung, 25. September 2014
  14. Badische Zeitung, 13. Februar 2015, Julia Jacob, badische-zeitung.de: Freiburgs OB wird Botschafter für die Landesgartenschau 2022
  15. badische-zeitung.de, Lokales, Neuenburg, 9. Juli 2011, Volker Münch: Landtagspräsident schwelgt in Erinnerungen (5. August 2011)
  16. Robert Lauterborn: 50 Jahre Rheinforschung. Lebensgang und Schaffen eines deutschen Naturforschers. Lavori, Freiburg 2009, ISBN 978-3-935737-04-3, S. 277.
  17. Winfried Studer: Viele Neuenburger lebten vor 60 Jahren in Baracken: badische-zeitung.de, Lokales, Neuenburg, 9. August 2012 (12. August 2012)
  18. Winfried Studer: Siedler bauen am eigenen Glück: badische-zeitung.de, Lokales, Neuenburg, 14. Juli 2012 (12. August 2012)
  19. badische-zeitung.de, Lokales, Neuenburg, 12. Juni 2010, Winfried Studer: Mit Wucht und Wut ausgestaltet (8. Januar 2011)
  20. Badische Zeitung, 19. Dezember 2013: badische-zeitung.de: Reste des Rheinhafens
  21. Badische Zeitung, 15. Februar 2014, Julia Jacob: badische-zeitung.de: Runter an den Rhein (15. Februar 2014)
  22. badische-zeitung.de, Lokales, Neuenburg, 7. Oktober 2009, Winfried Studer: Die Zerstörung der Eisenbahnbrücke 1939
  23. Badisch-elsässische Verbundenheit in Badische Zeitung, 10.Dezember 2012
  24. BZ: Bahnstrecke Freiburg-Mulhouse nimmt Betrieb wieder auf
  25. BZ: Südbaden und Freiburg profitieren von TGV-Offensive