Neuer Börneplatz

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Neuer Börneplatz
Wappen Frankfurt am Main.svg
Platz in Frankfurt am Main
Neuer Börneplatz
Teilansicht des Neuen Börneplatzes von Südwesten
Basisdaten
Ort Frankfurt am Main
Ortsteil Innenstadt
Angelegt 1996
Bauwerke Stein-Kubus Mahnmal Judengasse

Als Neuer Börneplatz hat die Stadt Frankfurt am Main einen Mitte der 1990er Jahre neu entstandenen Platz bezeichnet, der nördlich an die Rechneigrabenstraße anschließt, jedoch nur für Fußgänger zugänglich ist.

Planung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Platz wurde von der Stadt Frankfurt am Main ab 1984 geplant und in einem Architekturwettbewerb ausgeschrieben. Sieben namhafte Architekturbüros beteiligten sich an dem Wettbewerb, als Sieger ging der Schweizer Architekt Ernst Gisel hervor. Ursprünglich hatten Stadtverwaltung und Entwürfe lediglich einen sehr kleinen Platz mit Gedenktafel für die ehemalige orthodoxe Synagoge vorgesehen, Oberbürgermeister Walter Wallmann ließ dann in letzter Minute noch eine Gedenkstätte einarbeiten, für die der Platz vergrößert wurde, so dass einige der geplanten Wohnhäuser an der Ostseite des Platzes gestrichen werden mussten.[1]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Neue Börneplatz liegt direkt an der Rechneigrabenstraße und grenzt an das ummauerte Areal des mittelalterlichen jüdischen Friedhofes Frankfurts an.

Funktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 16. Juni 1996 dient der Platz als Teil der dem Antisemitismus gewidmeten Gedenkstätte Neuer Börneplatz.[2][3][4][5][6]

Gestaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem überwiegend mit Schotter bedeckten Platz wurden in acht Reihen sechzig Platanen eingepflanzt, in deren Zentrum ein steinerner Kubus errichtet wurde. Zwischen den Baumreihen wurden vier Leuchten montiert. Fünf Sitzbänke und eine aus vier Lagen von Steinblöcken errichtete Mauer schließen den Platz nach Osten hin zu angrenzenden Wohnhäusern ab, im Norden begrenzt die Friedhofsmauer das Areal. Im Westen ragt das südöstliche spitzwinklige Ende des Kundenzentrum-Komplexes in den Platz hinein. Nach Nordwesten hin führt ein Fußweg an diesem Komplex und der Friedhofsmauer entlang und mündet auf der Höhe der Stoltzestraße in die verkehrsreiche Battonnstraße. Die vollständig offene südliche Seite wird durch einen Bürgersteig und Pfosten zur relativ ruhigen Rechneigrabenstraße hin begrenzt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1872: Ehemalige Häuserzeile auf dem heutigen Neuen Börneplatz, links Krankenhaus der Israelitischen Männer- und Frauen-Krankenkassen

Historisch ist das Areal des Neuen Börneplatzes nicht Teil des ab Ende des 18. Jahrhunderts trockengelegten ehemaligen Fischerfeldes, das außerhalb der Stadtmauer des 14. Jahrhunderts um die so genannte Neustadt lag und südlich des Platzes beginnt. Stattdessen befand es sich noch innerhalb der alten Stadtbefestigungen im so genannten Judeneck und war mindestens ab dem 18. Jahrhundert bebaut. Die Grundmauern dieser Gebäude liegen unterhalb des heutigen Platzes.

Überliefert ist eine aus fünf Häusern bestehende Häuserzeile, welcher nach Süden hin der größere Gebäudekomplex des 1829 von der Familie Rothschild erbauten Krankenhauses der Israelitischen Männer- und Frauen-Krankenkassen in der Rechneigrabenstraße 20–28 vorgelagert war. Zeitgleich oder kurz nach dem 1881 begonnenen Bau der orthodoxen Horovitzsynagoge am Judenmarkt entstand auf dem heutigen Areal des Neuen Börneplatzes ein weiteres Gebäude, das direkt an die Rückseite der Synagoge anschloss.[7][8][9][10]

Die Synagoge wurde während des Novemberpogroms am 9. November 1938 in Brand gesteckt und zerstört. Bereits 1935 war der Börneplatz in Bezug auf das gegenüberliegende Dominikanerkloster in Dominikanerplatz umbenannt worden, um die Erinnerung an die lange jüdische Geschichte des Orts auszulöschen. Das Krankenhaus der Israelitischen Männer- und Frauen-Krankenkassen war 1942 Sammelpunkt jüdischer Frankfurter für die Deportationen zu Vernichtungslagern. Das Krankenhaus und die Häuserzeile fielen den Luftangriffen auf Frankfurt am Main während des Zweiten Weltkrieges zum Opfer.

In der gesamten Nachkriegszeit bis zum Baubeginn des Kundenzentrums der ehemaligen Frankfurter Stadtwerke ab Mitte der 1980er Jahre war das Areal des heutigen Neuen Börneplatzes Teil des Brachlandes Dominikanerplatz/Börneplatz, eine unansehnliche staubige Fläche, die von den Bürgern als wilder Parkplatz nahe dem Stadtzentrum genutzt wurde. Über vier Jahrzehnte hatte die Stadt kein Konzept für dieses geschichtsträchtige Gelände, das über Jahrhunderte als Judenmarkt den Mittelpunkt jüdischen Lebens der Stadt bildete. Mit der teilweisen Überbauung der Synagogen-Grundmauern und des Platzes endete die Geschichte des Judenmarktes bzw. Börneplatzes, an dessen Name und Lage jedoch noch durch entsprechend bezeichnete Bus- und Straßenbahn-Haltestellen erinnert wird. Der Neue Börneplatz hingegen ist der Frankfurter Bevölkerung aufgrund seiner versteckten Lage und der fehlenden Funktion im Verkehrsnetz weitgehend unbekannt.

Der Neue Börneplatz ist nominell Nachfolger des historischen Börneplatzes, des ehemaligen Judenmarktes. Das Zentrum und der weitaus größte Teil des alten Börneplatzes bzw. früheren Judenmarktes lag jedoch weiter südwestlich und ist seit den 1950er Jahren von der Kurt-Schumacher-Straße überbaut. Stattdessen repräsentiert der Neue Börneplatz teilweise das nordöstliche Eck des historischen Börneplatzes bzw. Judenmarktes.

Am südwestlichen Ende des Areals des jüdischen Friedhofes entstand bereits im Mittelalter ein kleiner Platz, als die ab 1333 entstandene neue Stadtmauer um die Neustadt den Friedhof erstmals in das Stadtgebiet einschloss. Zwischen 1462 und 1796 war dieser Platz das Zentrum des jüdischen Lebens in Frankfurt am Main, direkt an der Schnittstelle zwischen Judengasse und jüdischem Friedhof. Ab dem 16. Jahrhundert wurde dort der so bezeichnete Judenmarkt abgehalten. Im Zuge der Trockenlegung des ursprünglich außerhalb der Stadtmauern gelegenen Fischerfeldes zwischen Friedhof und Main, der dortigen Errichtung des als Neue Anlage bezeichneten Wohnviertels ab 1793 und der Schleifung der Stadtbefestigungen wurde dieser Platz erheblich vergrößert und 1885, nach dem Bau der orthodoxen Synagoge, zum Börneplatz. Der Börneplatz war daher der historisch wesentliche Bezugspunkt dieses durch Diskriminierung und Ghettoisierung jüdisch geprägten Stadtviertels, da der Platz eine Historie von mehreren Jahrhunderten umfasste.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Individualverkehr ist der Neue Börneplatz direkt über die Rechneigrabenstraße zu erreichen, mit dem öffentlichen Personennahverkehr mit der Straßenbahn Frankfurt am Main (Linien 11, 12) und Bus (Linien 30, 36) über die Haltestelle Börneplatz. Die nächstgelegenen Stationen der U-Bahn Frankfurt und der S-Bahn Rhein-Main heißen Dom/Römer (U4, U5) und Konstablerwache (U4, U5, U6, U7 + S-Bahn-Linien).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Otto Schembs: Der Börneplatz in Frankfurt am Main. Ein Spiegelbild jüdischer Geschichte. Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1987, ISBN 3-7829-0344-7
  • Stadt Frankfurt am Main (Hrsg.), Gedenkstätte am Neuen Börneplatz für die von Nationalsozialisten vernichtete dritte jüdische Gemeinde in Frankfurt. Red. Klaus Kemp, Sigmaringen 1996
  • Janine Burnicki: Steine der Erinnerung. Der Konflikt um den Frankfurter Börneplatz und die „Gedenkstätte am Neuen Börneplatz für die von Nationalsozialisten vernichtete dritte jüdische Gemeinde in Frankfurt am Main“. Magisterarbeit, Johann-Wolfgang-Goethe-Universität, Frankfurt am Main 2000
  • Stadt Frankfurt am Main (Hrsg.): Gedenkstätte Neuer Börneplatz Frankfurt am Main. Jan Thorbecke Verlag, Stuttgart 2001, ISBN 3-7995-2323-5

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Abgeschoben in den Hinterhof, in: Die Zeit, 5. September 1986 auf: zeit.de
  2. Foto: Neuer Börneplatz, Frankfurt am Main auf: ffmhist.de
  3. Gedenkstätte Neuer Börneplatz (Memento des Originals vom 10. Januar 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.stadtgeschichte-ffm.de auf: stadtgeschichte-ffm.de
  4. Mahnmal Neuer Börneplatz auf: kunst-im-oeffentlichen-raum-frankfurt.de
  5. Die Einrichtung der Gedenkstätte Neuer Börneplatz auf: fffmhist.de
  6. Gedenkstätte Neuer Börneplatz auf: hlz.tu-darmstadt.de
  7. Foto um 1900: Blick aus nordöstlicher Richtung von der Schnurgasse (Teilstück heißt heute Battonnstraße) auf den mittelalterlichen jüdischen Friedhof mit orthodoxer Synagoge und Häuserzeile an Stelle des heutigen Neuen Börneplatzes, rechts Dom St. Bartholomäus und Dominikanerkloster mit Heiliggeistkirche auf: lilit.de
  8. Foto: Modell der Judengasse mit Judenmarkt, Israelitischem Hospital, mittelalterlichem jüdischen Friedhof und Krankenhaus der Israelitischen Männer- und Frauen-Krankenkassen, Bildmitte links Dominikanerkloster auf: lilit.de
  9. Foto: Modell der Judengasse, roter Pfeil weist auf Steinernes Haus mit Mikwe, darüber mittelalterlicher jüdischer Friedhof mit Israelitischem Hospital. Häuserzeile und Israelitische Krankenkasse an der Stelle des heutigen Neuen Börneplatzes auf: lilibit.de
  10. Satellitenfoto: Neuer Börneplatz auf: lilit.de

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 50° 6′ 42″ N, 8° 41′ 23,4″ O