Neuer Marstall

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Neuer Marstall in Berlin – Schloßplatzseite. Nach dem Zweiten Weltkrieg notdürftig ohne Giebelbekrönung und Figurenschmuck wiederaufgebaut.

Der Neue Marstall auf der Spreeinsel in Berlin-Mitte ist ein neobarocker Bau, der nach Entwürfen von Ernst von Ihne zwischen 1897 und 1901 am Schloßplatz gegenüber dem Stadtschloss direkt an der Spree errichtet wurde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neuer Marstall am Schloßplatz, im Vordergrund der Neptunbrunnen, um 1900

Der Königliche Marstall diente zur Unterbringung der 300 Pferde sowie der Kutschen und Schlitten des kaiserlichen Hofes. Er entstand als eine Erweiterung des Alten Marstalls von 1669 in der Breiten Straße unter Überbauung einiger Bürgerhäuser am Schloßplatz. Das viergeschossige Bauwerk enthielt einen doppelstöckigen Pferdestall und einen Saal mit historischen bzw. noch genutzten Fahrzeugen, der öffentlich zugänglich war.[1] Ihnes Sandsteinfassade orientierte sich an älteren Plänen von Jean de Bodt und Jean Baptiste Broebes und bezog sich auf die Proportionen des gegenüberliegenden Schlossflügels von Andreas Schlüter.[2] Die unteren zwei Geschosse fasste er zu einem rustizierten Sockel, die oberen zwei Geschosse zu einer Kolossalordnung zusammen. Der reiche bildhauerische Schmuck, von dem noch die Rossebändiger auf der Spreeseite und das Giebelrelief erhalten sind, stammt von Otto Lessing. Während der Novemberrevolution 1918 war in dem Gebäude die Volksmarinedivision untergebracht, und ab 1920 die Berliner Stadtbibliothek. Die alten Pferdeställe an der Spreeseite des Gebäudes wurden hierfür zu Büchermagazinen umgebaut.

Nach Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg wurde der Komplex mit vereinfachtem Äußeren wiederaufgebaut, wobei man die Westfassade an der Breiten Straße 1952 um zwei Fensterachsen verlängerte, im Falle der Ostfassade an der Spree jedoch die Dreiecksgiebel und Attikafiguren der Eckrisalite entfernte. Die Hauptfassade zum durch den Abriss des Schlosses entstandenen Marx-Engels-Platz verlor ihr ursprüngliches Erscheinungsbild. Hier beseitigte man den Dreiecksgiebel des Mittelrisalits, sämtliche Attikafiguren sowie die beiden Wandbrunnen „Prometheus mit den Okeaniden“ und „Perseus und Andromeda“ von Otto Lessing. An ihren Stellen befinden sich seit 1988 zwei Karl Marx und Karl Liebknecht gewidmete Bronzereliefs von Gerhard Rommel.[3] Bis zur Wende nutzte die Akademie der Künste der DDR das Gebäude als Ausstellungsraum.

Gegenwärtige Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude wird von der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“, der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) sowie dem Verein für die Geschichte Berlins[4] genutzt.

Zugleich wurde in einem ersten, inzwischen abgeschlossenen Bauabschnitt die Fassade restauriert. Die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung geht davon aus, dass das Bauwerk nach Abschluss des zweiten Bauabschnittes und nach dem bereits erfolgten Rückbau des Palastes der Republik mit der Wiedererstehung des historischen Schloßplatzes nach dem Wiederaufbau des Stadtschlosses wieder eine angemessene Bedeutung erhalten wird.

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Markus Sebastian Braun (Herausgeber): Berlin – Der Architekturführer. Verlagsgruppe Econ Ullstein List, München 2001, ISBN 3-88679-355-9, S. 81.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Neuer Marstall – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Baedekers Nordost-Deutschland nebst Dänemark. Leipzig 1914, S. 12; die Bestände des Wagenmuseums gelangten 1920 ins Schloss Monbijou und werden (nach Kriegsverlusten) seit 2006 in Paretz gezeigt, Information der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg zur Schlossremise Paretz.
  2. Oliver Sander: Ernst von Ihne (1847–1917) und seine Berliner Bauten. In: Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz. Bd. XXXV. Gebr. Mann, Berlin 1999, ISBN 3-7861-2312-8, S. 95–139, hier S. 103 f.
  3. Liste, Karte, Datenbank / Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt - Berlin. Abgerufen am 10. Juni 2017 (deutsch).
  4. Siehe http://diegeschichteberlins.de/kontakt.html

Koordinaten: 52° 30′ 59″ N, 13° 24′ 15″ O