Neues Gera

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Neues Gera ist ein lokales Anzeigenblatt des Verlags Dr. Frank mit Sitz in Gera.[1] Seit 1993 erscheint es wöchentlich bis zweiwöchentlich in einer Druckauflage von 56.000 Exemplaren[2] und finanziert sich überwiegend aus Anzeigen und beigelegter Haushaltswerbung. Die politische Grundhaltung des Blatts ist nationalkonservativ bis rechtspopulistisch.[3]

Inhalte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inhalt von Neues Gera sind Bekanntmachungen aus der Stadt Gera, Mitteilungen der im Stadtrat vertretenen Parteien, Berichte über lokale Ereignisse und ehrenamtliches Engagement in Gera. In der Rubrik „Aus fremden Federn“ werden in dem Blatt Texte von Publizisten wie zum Beispiel Vera Lengsfeld abgedruckt, die der Neuen Rechten zuzuordnen sind. Unregelmäßig werden Wiederabdrucke veröffentlicht, die zuvor in Publikationen wie dem Magazin Tumult, Sezession oder eigentümlich frei erschienen sind und klar der Neuen Rechten zugeordnet werden.[4]

Verleger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 1992 gegründete Verlag Dr. Frank GmbH verlegt neben dem Neuen Gera Kalender, Broschüren und heimatkundliche Bücher über Ostthüringen. Geschäftsführer ist Dr. Harald Frank.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritisiert wird am Anzeigenblatt Neues Gera, dass Dr. Harald Frank, Fraktionsvorsitzender der AfD im Geraer Stadtrat, das Anzeigeblatt für lokalpolitische Zwecke einsetzt.[5] Als Vorsitzender der AfD-Fraktion im Stadtrat von Gera und Herausgeber eines „zwischen Nationalkonservatismus und Rechtspopulismus“ zu verortendem Anzeigenblattes kommen vorrangig Autoren zu Wort, deren Texte fremdenfeindliche Parolen enthalten, teils offenkundig Fehlinformationen verbreiten oder sich als islamophob deuten lassen. Im Rahmen der Demonstrationen gegen Coronamaßnahmen veröffentlichte Neues Gera die private Anschrift des Oberbürgermeisters der Stadt Gera, woraufhin Tausende Demonstranten vor sein Privathaus zogen.

Das Anzeigenblatt Neues Gera ist in keinem Mitgliedsverband des Deutschen Presserates vertreten und nimmt somit nicht an der freiwilligen Selbstkontrolle der Printmedien teil.

Gegenaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Briefkasten Aufkleber Neues Gera.jpg

Das Aktionsbündnis Gera gegen Rechts hat 2021 und 2022 mit verschiedenen öffentlichen Aktionen zum Beispiel Fernsehinterviews, Pressemitteilungen und Informationsbriefen an die Anzeigenkunden des Verlages auf die hochproblematischen Inhalte im Neuen Gera hingewiesen. Auch tausende Briefkastenaufkleber wurden durch die Aktivisten an Geraer Haushalte verteilt. Nachdem Parteien, Sportvereine, Lokal- und Landespolitiker sowie Gewerkschaften beschlossen hatten, keine Inhalte mehr im Neuen Gera zu veröffentlichten, sah auch die Stadtverwaltung davon ab, das Geraer Amtsblatt im Neuen Gera abzudrucken zu lassen.[6] Probleme, Anzeigenkunden zu gewinnen, hat das Anzeigenblatt, seitdem die Funke Logistik GmbH den Ende 2022 ausgelaufenen Vertrag mit dem Verlag Dr. Harald Frank über die Verteilung in die Haushalte nicht verlängerte und sich auch kein anderer Dienstleister fand.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Neues Gera : Impressum. Abgerufen am 7. Februar 2021.
  2. Neues Gera : Mediaservice / Allgemeine Angaben. Abgerufen am 7. Februar 2021.
  3. Komrex Zentrum für Rechtsextremismusforschung, Demokratiebildung und gesellschaftliche Integration: Analyse des politisch-programmatischen Profils der Lokalzeitung Neues Gera. Hrsg.: Friedrich-Schiller Universität Jena. Jena 2021.
  4. Lokalredaktion: Analyse des politisch-programmatischen Profils der Lokalzeitung Neues Gera – gera nazifrei. Abgerufen am 7. Februar 2021 (deutsch).
  5. Michael Bartsch: Anzeigenblatt als rechtes Medium: Ganz unauffällig. In: Die Tageszeitung: taz. 5. Januar 2021, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 7. Februar 2021]).
  6. Aktionsbündnis Gera gegen Rechts, aufgerufen am 28. Januar 2023.