Neues Lusthaus Stuttgart

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Modell des Neuen Lusthauses im Stadtmuseum Stuttgart
Brand des Hoftheaters
Ruine des Lusthauses (2015) im Mittleren Schlossgarten
Fragment des Neuen Lusthauses

Das Neue Lusthaus zu Stuttgart gilt als eines der bedeutendsten Bauwerke deutscher Renaissance und diente als Ort höfischer Feste und Feiern. Der Stuttgarter Chronist und Denkmalpfleger Gustav Wais beschrieb den ursprünglichen Bau 1954 als „eine der edelsten Schöpfungen deutscher Renaissance, die, wenn wir sie heute noch besäßen, die Hauptsehenswürdigkeit Stuttgarts wäre“. Sowohl die Baugeschichte, als auch das Aussehen sind aufgrund der zahlreichen Überlieferungen gut bekannt. 1584 bis 1593 wurde das Neue Lusthaus im Auftrag Herzog Ludwigs durch dessen Hofbaumeister Georg Beer inmitten des Lustgartens, an der Stelle des heutigen Kunstgebäudes errichtet. Das Lusthaus war wegen des darin enthaltenen imposanten Festsaals berühmt, der 200 × 70 × 50 Fuß (57 × 20 × 14 Meter) maß und von einer freitragenden, bemalten Tonnendecke überspannt war. Es wurde weitgehend während des Umbaus von 1844/45 zum Hoftheater vernichtet: die oberen Stockwerke wurden abgebrochen, nur das Erdgeschoss wurde in den Theaterneubau integriert. Das Hoftheater wurde 1902 durch einen Brand zerstört. In diesem Brand wurde auch das noch verbliebene Erdgeschoss des Lusthauses zerstört. Verblieben ist nur der charakteristische Aufgang – die doppelläufige Freitreppe samt dem dahinterliegenden Arkadengang, der 1904 in den mittleren Schlossgarten versetzt wurde.

Umbauten zum Opernhaus und Königlichen Hoftheater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1750 erfolgte unter Herzog Carl Eugen von Württemberg der Umbau zum Opernhaus durch Leopoldo Retti, wobei die Innenausstattung des Festsaals vollständig zerstört wurde. Auch danach erfolgten Umbauten, in deren Verlauf immer mehr Teile der originalen Bausubstanz verloren gingen und das Gebäude mit Anbauten entstellt wurde. So führte Philippe de La Guêpière 1752 eine Erweiterung und 1757 eine Renovierung durch.

1811 erfolgte durch Nikolaus Friedrich von Thouret der Umbau zum Hoftheater. Der Giebel auf der Nordseite wurde weggerissen und – außer an der Ostfassade – an allen Seiten angebaut, so dass nur noch der obere Teil des Giebels an der Südseite an das ehemals prächtige Lusthaus erinnerte. Eröffnet wurde das Haus nach dem Umbau 1812 mit der Uraufführung von Conradin Kreutzers Oper Conradin von Schwaben. Der Komponist wurde anschließend zum Hofkapellmeister ernannt, in welcher Funktion er bis 1816 wirkte.

1845 erfolgte ein erneuter Umbau bei dem die nunmehr verbliebenen Reste des Lusthauses (die Umfassungsmauern, die Gewölbehalle im Erdgeschoss und die Treppenanlagen) gänzlich unter dem Neubau verschwanden. Dem Architekten Carl Friedrich Beisbarth gelang es damals, eine umfassende Dokumentation der verbliebenen Teile des Lusthauses anzulegen und abgerissene Bauteile zu sichern.

Am 19/20. Januar 1902 brannte das Hoftheater ab und die wenigen verbliebenen Reste des ursprünglichen Lusthauses wurden endgültig abgetragen.

Verbliebene Fragmente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der westliche Arkadengang mit zwei Treppenläufen gelangte 1904 in den Mittleren Schlossgarten, wo er noch heute als Lusthausruine steht (Standort). Die inzwischen durch Stahl- und Holzgerüste gestützte Ruine soll nach einem Beschluss des Landesfinanzministeriums soweit instand gesetzt werden, dass die Gerüste und der die Ruine umgebende Zaun entfernt werden können.[1]

Weitere Fragmente befinden sich im Park der Villa Berg in Stuttgart, auf Schloss Lichtenstein und im Städtischen Lapidarium Stuttgart (Sem Schlör und Georg Beer).

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lusthaus-Ruine wird doch gerettet (Memento vom 21. Juni 2009 im Internet Archive), stuttgarter-zeitung.de, 17. Juni 2009

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Monika Will: Das Stuttgarter Lusthaus in den Zeichnungen und Kommentaren des Architekten Carl Friedrich Beisbart (1808–1878). Ein Beitrag zur Denkmalpflege im 19. Jahrhundert, Universität Stuttgart, Institut für Kunstgeschichte
  • Ulrike Weber-Karge: „…einem irdischen Paradeiß zu vergleichen…“. Das neue Lusthaus in Stuttgart: Untersuchungen zu einer Bauaufgabe der deutschen Renaissance, Sigmaringen : Thorbecke 1989
  • Karl Walcher: Die schönsten Porträt-Büsten des Stuttgarter Lusthauses in Lichtdruckbildern, Stuttgart : Kohlhammer 1887–1891
  • Nikolai Ziegler, Ulrike Plate, Thomas Kreißl, Albert Kieferle: Lusthausruine im Stuttgarter Schlossgarten. Das Schicksal eines besonderen Denkmals. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 45. Jg. 2016, Heft 2, S. 90–96. (PDF; 6,5 MB)
  • Nikolai Ziegler (Bearb.): „Eine der edelsten Schöpfungen deutscher Renaissance“. Das Neue Lusthaus zu Stuttgart. Begleitbuch zur Ausstellung im Hauptstaatsarchiv Stuttgart [mit Beiträgen weiterer Autoren]. Stuttgart 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Neues Lusthaus Stuttgart – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 48° 46′ 46″ N, 9° 10′ 52″ O