Neues Rathaus (Düsseldorf)

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Neues Rathaus, 1904.[1]

Das Neue Rathaus in Düsseldorf wurde von 1884 bis 1888 nach Entwürfen des damaligen Stadtbaumeisters Eberhard Westhofen im historistischen Stil der Neurenaissance errichtet. Westhofen schloss den Erweiterungsbau im nahezu rechten Winkel an das Alte Rathaus an. Den Mittelpunkt des Gebäudes bildete ein stattliches Treppenhaus und ein großer Sitzungssaal mit einer prachtvollen Kassettendecke. Der repräsentative Raum war mit Ölgemälden im Großformat von Albert Baur, Friedrich Klein-Chevalier und Fritz Neuhaus geschmückt. Um diesen Saal gruppierten sich 35 Geschäftsräume.[2]

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund statischer Probleme(Quelle?) ließ man den mächtigen und kunstvoll gestalteten Turmhelm mit Ziergiebel um die Jahrhundertwende kappen. 1911 wurde der erste Wettbewerb ausgeschrieben, um den Bau zu vollenden, doch endete er ohne Erfolg.[3] Im Zweiten Weltkrieg beschädigt, wurde der historistische Prachtbau in der Nachkriegszeit nicht rekonstruiert.[4] Die monumentalen Wandgemälde gelten als Totalverlust. Schließlich gestaltete man in den 1960er Jahren den wilhelminischen Bau am Marktplatz 2 gänzlich um, wobei das ehemalige Wohnhaus Grupello am Marktplatz 3 in den Baukomplex mit einbezogen wurde. Ein Ende 1960 beschlossener dritter und letzter Wettbewerb[5] für den Neubau eines vollkommen anderen und modernistischen Rathauses versandete ebenso ergebnislos wie zuvor.[3]

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude war als dreigeschossiger Ziegelbau mit auffälliger Hausteingliederung gearbeitet worden. Bemerkenswert war der monumentale Turm, der den südlichen Abschluss des Neubaus bildete und dadurch zum Eckturm wurde. Er hatte „eine, die Dimensionen sprengende, neobarocke Mächtigkeit mit den doppelten Kolossalsäulen an seiner Frontseite, dem breiten Giebel vor seinem hohen, geschieferten Helm und der oberen Laterne“.[6]

Die Planung sah vor, das Bautenkonglomerat rund um den Marktplatz in diesen Neubau zu integrieren: „Möglicherweise war bei der Konzeption des allzu wuchtigen Turmes die Vorstellung lebendig, dem gesamten Platz eine Aufgipfelung und dem Reiterstandbild des Jan Wellem einen passenden Hintergrund zu geben“.[6] Geplant war ein langer Bau, wobei der Monumentalturm in der Mittelachse stehen sollte, nach dem Vorbild des Hamburger Rathauses: „Vielleicht sollte der Eckturm ein Mittelturm werden, so wie das alte Rathaus einen Mittelturm hat?“[6] So blieb das neue Düsseldorfer Rathaus lediglich ein Torso, das bei den Bürgern Aufsehen erregte – das „neue Rathaus, wie die Leute es nannten, war mit seinem unmöglichen Turm und seiner grotesken Säulen- und Figurenarchitektur das Tollste, was die Baukunst sich in Düsseldorf geleistet hat“.[6] Die monumentalen Figuren, zwei weibliche und zwei männliche, auf dem Dach des Gebäudes oberhalb der Säulen, hatte der Bildhauer Anton Josef Reiss gefertigt.[7]

Wandgemälde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im großen Sitzungssaal des Neuen Rathauses hingen drei wandgroße Gemälde von Albert Baur „Besitzergreifung Düsseldorfs durch die Brandenburger 1609“, Friedrich Klein-Chevalier (1861–1931) „Jan Wellem besichtigt die Pläne zum Schloßbau in der Neustadt“ und Fritz Neuhaus (1852–1922) „Festspiel vor Kaiser Wilhelm I. im Malkasten am 6. September 1877“.[10]

Verbleib der Gebäudeteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei erhalten gebliebene Säulen vom Rathausturm (Rathausinnenhof)

Ab den 1960er Jahren erfolgte eine Umgestaltung des Baus von Eberhard Westhofen, wobei Gebäudeschmuck und zahlreiche Gebäudeteile des Ursprungsbaus in den städtischen Bauhof eingelagert wurden. Im Rathausinnenhof mit Zugang Marktplatz 3 hat sich verschiedener Bauschmuck erhalten. Dort befindet sich eine Gedenktafel mit folgendem Inhalt:

„Architekturteile der […] wilhelminischen Fassade des Rathauses am Marktplatz (erbaut 1884/85 von Architekt E. Westhofen)“

Die dort befindlichen Säulen vom Rathausturm mit korinthischen Kapitell bestehen aus Oberkirchener Sandstein und stammten ursprünglich aus der Fassade des Neuen Rathauses. Angebracht an der Kopfwand aus Ziegel im Innenhof befinden sich Spolien von Köpfen, welche die jeweils fünf Fenster des ersten und zweiten Stockwerks der Schaufassade des Wilhelminischen Rathaus schmückten, sowie zwei Säulen mit Büsten. Des Weiteren an dieser Wand befestigt eine Arbeit von Leo Müsch, welche sich ehemalig am Portal der Alten Kunsthalle befand.

Aufgrund des Beschlusses des Kulturausschusses aus dem Jahre 1984 wurde in der südlichen Altstadt eine der Rathaussäulen aufgestellt. Diese befindet sich in der Liefergasse und wird seit 2008 im Rahmen des städtischen Lichtmasterplans am Abend beleuchtet.[11]

Ein Säulenfragment, genannt der „Liesegangstein“, wurde im Jahre 1989 durch das Städtische Hochbauamt an der Liesegangstraße aufgestellt. Es dient der Erinnerung an den Landschaftsmaler Helmuth Liesegang (1858–1945), Cornelius-Preis­träger 1943.[12]

Auf dem Platz im Innenbereich der kleinen Wohnsiedlung auf dem Jagenberg-Gelände wurde nach 1994 eine der vier Säulen des Wilhelminischen Rathauses zur „Kletterlandschaft“. Der Architekt Peter Müller hatte hier die zehn Meter hohe Säule in ihre Bestandteile zerlegt und so von der Basis mit dem Kopf der Germania (drei Teile), über die Säulentrommel (drei Teile), bis zum Kapitell, „einen Säulensturz inszeniert“.[13]

Teile des Wilhelminischen Rathauses (so der „Frauenkopf“), sowie die „Marktsäule“, das „Kindertor“, das „Tor Kapeller Feld“ und der „Grundstein“ wurden die Fassadenteile im Zuge der Wohnumfeldverbesserung Garath Süd-Ost an der Fritz-Erler-Straße aufgestellt.


Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Neues Rathaus Düsseldorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Foto entnommen aus Ludwig Fettweis: 11. Das Rathaus. In: Düsseldorf und seine Bauten. L. Schwann, Düsseldorf 1904, S. 191.
  2. Ludwig Fettweis: 11. Das Rathaus. In: Architekten- und Ingenieur-Verein zu Düsseldorf (Hrsg.), Düsseldorf und seine Bauten. L. Schwann, Düsseldorf 1904, S. 189–192, Digitalisat von Google Bücher.
  3. a b Rainer Kurlemann: Das Unvollendete. In: Vivid Magazin, 8. November 2019, Heft 4.
  4. karlheinz (Foto): »Düsseldorfer Rathaus«. Düsseldorf im Mai 1965: Rathaus mit Marktplatz. In diesem Monat kamen die englische Königin Elisabeth und Prinz Philip zu Besuch nach Düsseldorf. In: DigIt. Ein Projekt des WDR.
  5. Amt 65 – Hochbauamt: „Die Entwurfsabteilung des Hochbauamtes führte die Planungsarbeiten […] für die nachstehenden Neu- und Umbauten durch“, [...] „(b) die am Ende der Berichtszeit in Bearbeitung waren.“ [...] „Wettbewerbe: Schauspielhaus, Kunsthalle, Sporthalle, neues Rathaus“. In: Verwaltungsbericht der Landeshauptstadt Düsseldorf vom 1. April 1959 bis zum 31. Dezember 1960, S. 268, Digitalisat der ULB Düsseldorf.
  6. a b c d Eduard Trier, Willy Weyres (Hrsg.): Kunst des 19. Jahrhunderts im Rheinland. Band 2. Architektur: II, Profane Bauten und Städtebau. Schwann, Düsseldorf 1980, ISBN 3-590-30252-6, S. 41.
  7. Helga Becker: Anton Josef Reiss (1835–1900). Leben und Werk. Marburg 2017, ISBN 978-3-8288-3861-1, S. 108–109.
  8. Foto: Rathaus im Jahr 1889. In: Stadt Düsseldorf, aufgerufen am 24. März 2021.
  9. Foto entnommen aus Ludwig Fettweis: 11. Das Rathaus. In: Düsseldorf und seine Bauten. L. Schwann, Düsseldorf 1904, S. 193.
  10. Verkehrsverein Düsseldorf (Hrsg.): Führer durch Düsseldorf am Rhein und seine Umgebung. Düsseldorfer Verlags-Anstalt, Düsseldorf 1904, S. 63; [II. Teil Sehenswürdigkeiten 1. Rundgang durch die Stadt]; eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche.
  11. Foto: Säule mit Kapitell. In: Kulturamt der Landeshauptstadt Düsseldorf.
  12. Foto: Liesegangstein an der Liesegangstraße, Düsseldorf. In: Kulturamt der Landeshauptstadt Düsseldorf.
  13. Wolfgang Funken: Ars Publica Düsseldorf, Band 2, Klartext-Verlag Essen, 2012, ISBN 978-3-8375-0874-1, S. 914.
  14. Ulrich Bücholdt (Liste): Ludwig Fettweis. In: Historisches Architektenregister, aufgerufen am 29. November 2020.
  15. NRW-Architekturdatenbank: Heyne, Herbert. In: TU Dortmund, aufgerufen am 24. März 2021.

Koordinaten: 51° 13′ 33,4″ N, 6° 46′ 18″ O