Neues Rathaus (Düsseldorf)

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Neues Rathaus, Vorderansicht
zwei erhalten gebliebene Säulen vom Rathausturm

Das Neue Rathaus in Düsseldorf wurde von 1884 bis 1888 nach Entwürfen des damaligen Stadtbaumeisters Eberhard Westhofen im historistischen Stil der Neurenaissance errichtet und schloss sich im rechten Winkel an das Alte Rathaus an. Den Mittelpunkt des Hauses bildete ein stattliches Treppenhaus und ein Sitzungssaal, der mit Gemälden von Albert Baur, Friedrich Klein-Chevalier und Fritz Neuhaus geschmückt war. Um den Saal gruppierten sich 35 weitere Geschäftsräume. Um die Jahrhundertwende wurde der mächtigen Turm, aufgrund statischer Probleme, niedergelegt. Im Zweiten Weltkrieg beschädigt wurde der historistische Prachtbau in der Nachkriegszeit nicht rekonstruiert. Die monumentalen Wandgemälde gelten als Totalverlust. Schließlich gestaltet man in den 1960er Jahren den Wilhelminischen Bau am Marktplatz 2 gänzlich um, wobei das ehemalige Wohnhaus Grupellos am Marktplatz 3 in den Baukomplex mit einbezogen wurde.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude war als dreigeschossiger Ziegelbau mit auffälliger Hausteingliederung gearbeitet worden. Bemerkenswert war der monumentale Turm, der den südlichen Abschluss des Neubaus bildete und dadurch zum Eckturm wurde. Er hatte „eine, die Dimensionen sprengende, neobarocke Mächtigkeit mit den doppelten Kolossalsäulen an seiner Frontseite, dem breiten Giebel vor seinem hohen, geschieferten Helm und der oberen Laterne“.[1]

Die Planung sah vor, das Bautenkonglomerat rund um den Marktplatz in diesen Neubau zu integrieren: „Möglicherweise war bei der Konzeption des allzu wuchtigen Turmes die Vorstellung lebendig, dem gesamten Platz eine Aufgipfelung und dem Reiterstandbild des Jan Wellem einen passenden Hintergrund zu geben“.[1] Geplant war ein langer Bau, wobei der Monumentalturm in der Mittelachse stehen sollte; nach dem Vorbild des Hamburger Rathauses – „Vielleicht sollte der Eckturm ein Mittelturm werden, so wie das alte Rathaus einen Mittelturm hat?“.[1] So blieb das neue Düsseldorfer Rathaus lediglich ein Torso, das bei den Bürgern Aufsehen erregte – das „neue Rathaus, wie die Leute es nannten, war mit seinem unmöglichen Turm und seiner grotesken Säulen- und Figurenarchitektur das Tollste, was die Baukunst sich in Düsseldorf geleistet hat“.[1] Die monumentalen Figuren, zwei weibliche und zwei männliche, auf dem Dach des Gebäudes oberhalb der Säulen, hatte der Bildhauer Anton Josef Reiss gefertigt.[2]

Ab den 1960er Jahren erfolgte eine Umgestaltung des Baus von Eberhard Westhofen, wobei Gebäudeschmuck und zahlreiche Gebäudeteile des Ursprungsbaus in den städtischen Bauhof eingelagert wurden.

Im Rathausinnenhof mit Zugang Marktplatz 3 hat sich verschiedener Bauschmuck erhalten. Dort befindet sich eine Gedenktafel mit folgendem Inhalt:

„Architekturteile der […] wilhelminischen Fassade des Rathauses am Marktplatz (erbaut 1884/85 von Architekt E.Westhofen)“

Die dort befindlichen Säulen vom Rathausturm mit korinthischen Kapitell bestehen aus Oberkirchener Sandstein und stammten ursprünglich aus der Fassade des Neuen Rathauses. Angebracht an der Kopfwand aus Ziegel im Innenhof befinden sich Spolien von Köpfen, welche die jeweils fünf Fenster des ersten und zweiten Stockwerks der Schaufassade des Wilhelminischen Rathaus schmückten, so wie zwei Säulen mit Büsten. Des weiteren an dieser Wand befestigt eine Arbeit von Leo Müsch, welche sich ehemalig am Portal der Alten Kunsthalle befand.

Aufgrund des Beschlusses des Kulturausschusses aus dem Jahre 1984 wurde in der südlichen Altstadt eine der Rathaussäulen aufgestellt. Diese befindet sich in der Liefergasse und wird seit 2008 im Rahmen des städtischen Lichtmasterplans am Abend beleuchtet.[3]

Ein Säulenfragment, genannt der „Liesegangstein“, wurde im Jahre 1989 durch das Städtische Hochbauamt an der Liesegangstraße aufgestellt. Es dient der Erinnerung an den Landschaftsmaler Helmuth Liesegang (1858–1945), Cornelius-Preisträger 1943.[4]

Teile des Wilhelminischen Rathauses (so der „Frauenkopf “), sowie die „Marktsäule“, das „Kindertor“, das „Tor Kapeller Feld“ und der „Grundstein“ wurden die Fassadenteile im Zuge der Wohnumfeldverbesserung Garath Süd-Ost an der Fritz-Erler-Straße aufgestellt.

Wandgemälde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im großen Sitzungssaal des Neuen Rathauses befanden sich Gemälde von Albert Baur „Besitzergreifung Düsseldorfs durch die Brandenburger 1609“, Friedrich Klein-Chevalier (1861–1931) „Jan Wellem besichtigt die Pläne zum Schloßbau in der Neustadt“ und Fritz Neuhaus (1852–1922) „Festspiel vor Kaiser Wilhelm I. im Malkasten am 6. September 1877“.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Architekten- und Ingenieur-Verein zu Düsseldorf (Hrsg.): Düsseldorf und seine Bauten. L. Schwann, Düsseldorf 1904, S. 190.
  • Roland Kanz, Jürgen Wiener (Hrsg.): Architekturführer Düsseldorf. Dietrich Reimer, Berlin 2001, S. 11, Objektnr. 13 [Rathaus, Marktplatz, 1570/73, 1749, 1884, Heinrich Tußmann / Johann Joseph Couven / Eberhard Westhofen / Friedrich Tamms, H. Heyne]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rathaus Düsseldorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Eduard Trier, Willy Weyres (Hrsg.): Kunst des 19. Jahrhunderts im Rheinland. Band 2. Architektur: II, Profane Bauten und Städtebau. Schwann, Düsseldorf 1980, ISBN 3-590-30252-6, S. 41.
  2. Helga Becker: Anton Josef Reiss (1835–1900). Leben und Werk. Marburg 2017, ISBN 978-3-8288-3861-1, S. 108–109
  3. Bild: Säule mit Kapitell
  4. „Liesegangstein“ an der Liesegangstraße, Düsseldorf
  5. Verkehrsverein Düsseldorf (Hrsg.): Führer durch Düsseldorf am Rhein und seine Umgebung. Düsseldorfer Verl.-Anst., Düsseldorf 1904, S. 63 [II. Teil Sehenswürdigkeiten 1. Rundgang durch die Stadt.]

Koordinaten: 51° 13′ 33″ N, 6° 46′ 18″ O