Neufundland

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Dieser Artikel behandelt die Insel Neufundland. Für weitere Bedeutungen siehe Neufundland (Begriffsklärung).

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Neufundland
Gewässer Atlantischer Ozean
Geographische Lage 48° 34′ N, 55° 47′ W48.566294444444-55.777297222222814Koordinaten: 48° 34′ N, 55° 47′ W
Neufundland (Kanada)
Neufundland
Fläche 108.860 km²
Höchste Erhebung The Cabox
814 m
Einwohner 479.105 (2005)
4,4 Einw./km²
Hauptort St. John’s
Karte von Neufundland
Karte von Neufundland

Die Insel Neufundland (englisch Newfoundland, französisch Terre-Neuve) ist eine Insel vor der Nordostküste Nordamerikas im Atlantischen Ozean. Sie ist der am dichtesten besiedelte Teil der kanadischen Provinz Neufundland und Labrador.

Geographie[Bearbeiten]

Von Labrador ist Neufundland durch die Belle-Isle-Straße getrennt, von der Kap-Breton-Insel durch die Cabotstraße. Die Insel hat eine Fläche von 108.860 km² (mit allen vorgelagerten Inseln wie Twillingate, Fogo und Bell Island insgesamt 111.390 km²) und wird von etwas weniger als 500.000 Einwohnern bewohnt.

Die Provinzhauptstadt St. John’s befindet sich ganz im Südosten auf der Halbinsel Avalon. Der Stadt vorgelagert ist Cape Spear, das nicht nur der östlichste Punkt der Insel, sondern auch des gesamten nordamerikanischen Kontinents ohne Grönland ist. Etwa 25 km südlich von Neufundland liegt die Inselgruppe Saint-Pierre und Miquelon, ein französisches Überseegebiet (collectivité d’outre-mer, offiziell mit COM abgekürzt).

Höchster Punkt der Insel ist der 814 m hohe Berg The Cabox in den Long Range Mountains an der Westküste bei Corner Brook. Längster Fluss ist der 322 km lange Exploits River, der vom Red Indian Lake aus nach Nordosten fließt.

Geschichte[Bearbeiten]

Ur- und Frühgeschichte[Bearbeiten]

Die ersten Bewohner Labradors waren wohl die maritimen archaischen Indianer, die in der Zeitspanne zwischen 8000 bis 3500 v. Chr. in Nordamerika lebten (vgl. Geschichte der First Nations). Ausgrabungen an der L’Anse Amour Site an der Ostküste Labradors sind auf ca. 7500 v. Chr. datierbar. Spätestens um 4000 v. Chr. kamen diese Indianer auch an die Küste Neufundlands. Zwischen 3500 und 2500 v. Chr. hatten sich daraus wahrscheinlich die „Intermediate Indians“ entwickelt, die auch im Landesinneren lebten. In Port au Choix an der Westküste Neufundlands werden Indianerfriedhöfe aus verschiedenen Epochen seit langem ausgegraben.

Um 4000 v. Chr. bis 2000 v. Chr. verdrängten bzw. übernahmen die Prä-Dorset-Inuit die Siedlungsgebiete der archaischen Indianer. Um 2400 v. Chr. kamen dann die Prä-Dorset-Inuit aus dem Nordosten nach Labrador und Neufundland. Allerdings verschwanden sie ungeklärterweise wieder von der Insel. Um 1400 v. Chr. wanderte die dritte Welle von Inuit, die Thule, von Alaska her ein. Ab ca. 1700 v. Chr. bis in die moderne Zeit waren verschiedene Gruppen von Indianern auf der Insel verbreitet. Die wichtigsten Gruppen waren bzw. sind die Beothuk und die Micmac. Die letzte Beothuk, Shanawdithit, starb 1829 in St. John’s. Die Micmac sind die letzten „Native Indians“ in Neufundland; in Labrador leben die Inuit, die Nachfahren der Thule-Inuit.

Ungesichert sind die Theorien, dass Brendan, ein irischer Mönch, im sechsten Jahrhundert Neufundland erreicht hat. Sicher hingegen ist, dass die Wikinger (Bjarni Herjólfsson, Thorvald Eiriksson, Leif Eriksson) auf mehreren Fahrten um 1000 n. Chr. nach Neufundland und Labrador kamen. 1961 entdeckte Helge Ingstad eine Wikingersiedlung im äußersten Norden der Insel. L’Anse aux Meadows steht heute auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Wahrscheinlich ist, dass dies das Vinland (nicht Weinland, sondern Grasland) der Wikinger ist. Es wurde schon im Jahre 1076 von Adam von Bremen beschrieben.

15. bis 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Karte von Neufundland von James Cook und Michael Lane

Seit dem 15. Jahrhundert kamen immer öfter portugiesische Seefahrer (João Cortes Real) und baskische Fischer auf die Neufundlandbänke zum Fischen. Erst am 24. Juni 1497 sah nachweislich der erste Europäer – John Cabot (anglisiert; italienisch Giovanni Caboto), ein italienischer Seefahrer in Diensten des englischen Königs, der von Bristol kam - das amerikanische Festland in Labrador, nachdem er auf der gleichen Reise schon in Bonavista auf Neufundland gelandet war. Der Name Neufundland leitet sich von Cabots Bezeichnung newe founde islande ab (deutsch neu gefundene Insel). 1583 nahm England die Insel offiziell in Besitz.

Im 17. Jahrhundert konkurrierten England und Frankreich um die Insel; damals erreichte der Kabeljaufang durch baskische und französische Fischer seinen Höhepunkt. Beide Seiten setzten Gouverneure ein und förderten die Ansiedlung ihrer Landsleute. Durch den Frieden von Utrecht 1713 fiel Neufundland endgültig an England. 1832 erhielt Neufundland eine regionale Vertreterversammlung.

Im 19. Jahrhundert setzte eine weitere Einwanderungswelle ein, vor allem aus Irland, aber auch aus Schottland und Skandinavien. Die Insel prosperierte.

Im Juni 1882 wurde die erste Eisenbahnlinie über die Insel gebaut. Die ersten Passagiere wurden aber erst 1898 mit dem Zug befördert, der wegen seiner Geschwindigkeit „Newfie Bullet“ genannt wurde.

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Bis zur Fertigstellung des Trans-Canada-Highway (TCH) im Jahr 1967 war die Bahnlinie die einzige Überlandverbindung von Port aux Basques im Westen zur Provinzhauptstadt St. John’s im Osten. Kurz nach Fertigstellung des TCH, am 2. Juli 1969, wurde der letzte Passagier befördert. Ganz eingestellt wurde die Eisenbahn am 1. September 1988, nachdem die Bundesregierung den weiteren Ausbau des TCH zugesichert hatte. Heutzutage ist man dabei, die gesamte Strecke für den Tourismus zugänglich zu machen, indem man sie in den Newfoundland T'Railway Provincial Park umwandelt.

Im Juni 1919 führten John Alcock und Arthur Whitten Brown von Neufundland aus den ersten Non-Stop-Flug über den Atlantik durch.

Neufundland (engl. Dominion of Newfoundland) existierte von 1907 bis 1934 als eigenständiges Dominion innerhalb des Britischen Reiches.

Siehe zur Geschichte auch:

Naturparks[Bearbeiten]

Im Westen der Insel Neufundland befindet sich der Gros-Morne-Nationalpark, welcher für naturgeschichtliche Attraktionen wie den Fjord Western Brook Pond als auch die Tablelands bekannt ist. Dieser Nationalpark wurde 1973 gegründet. Im Jahr 1987 wurde er in die Liste der World Heritage Sites der UNESCO aufgenommen. Durch den Terra-Nova-Nationalpark kommt man auf dem Highway No. 1 auf dem Weg von St. John’s nach Gander mit einem wichtigen Luftdrehkreuz. Verteilt über die gesamte Insel findet man etliche Reservate zum Schutz einzigartiger Pflanzen und Tiere, wie Cape St. Mary’s oder Witless Bay.

Tourismus[Bearbeiten]

Ein Fischerei-Outport.

Durch die abgeschiedene Lage der Insel gibt es relativ wenig Tourismus, davon kaum Pauschaltourismus. Vor allem Jäger und Individualisten besuchen die Insel, meist mit dem Campingmobil vom Festland oder den USA aus. Seit kurzem haben aber auch immer mehr Touristen aus Europa Neufundland für sich entdeckt. St. John’s an der Ost- und Corner Brook an der Westküste sind (in den Sommermonaten) außerdem beliebte Anlaufhäfen für Kreuzfahrtschiffe.

Die Neufundländer haben jedoch erkannt, dass der Tourismus, neben dem Erdöl im Hibernia-Ölfeld und dem Terra-Nova-Ölfeld, ein Wirtschaftszweig mit Zukunft ist, insbesondere nachdem der Zusammenbruch der Kabeljau-Fischerei – in den 1990er Jahren – die Insel in eine existentielle Krise gestürzt hat (teilweise über 20 Prozent Arbeitslosigkeit). Zusätzlich müssen sich die Fischer mit den alljährlichen Protesten gegen die Ende März beginnende Robbenjagd auseinandersetzen.

Mittlerweile gibt es ein breites Angebot an Adventure-Touren und Winterurlaub. Während der Atlantik für die meisten Badeurlauber zu kalt ist, erreichen die unzähligen Seen im Sommer durchaus Badetemperaturen.

Größte Orte[Bearbeiten]

(Einwohnerzahlen von 2006)

  1. St. John’s (106.172)
  2. Mount Pearl (24.671)
  3. Conception Bay South (21.966)
  4. Corner Brook (20.083)
  5. Grand Falls-Windsor (13.558)
  6. Paradise (12.584)
  7. Gander (9951)
  8. Stephenville (6588)
  9. Torbay (6281)
  10. Portugal Cove-St. Philip’s (5575)

Sonstiges[Bearbeiten]

Durch die abgeschiedene Lage einiger Kommunen entlang der Küste hat sich dort teilweise die Sprache der jeweiligen Siedler erhalten (meistens Shakespeare-Englisch, Französisch, Irisch, Portugiesisch etc.). Erst nach dem Anschluss von Neufundland an Kanada 1949 und dem damit verbundenen Ausbau von Infrastruktur, Radio[1] und Fernsehen kam die Moderne in diese weltabgelegenen Dörfer und verdrängte diese Sprachen. Heutzutage ist Neufundland eine der Regionen mit der prozentual höchsten Verbreitung des Internets. 2009 hatten fast 70 % der Einwohner Internetzugang (einschl. Labrador).[2]

Über die Mentalität der „Newfies“, wie Neufundländer in Kanada oft bezeichnet werden, gibt der Roman The Shipping News (dt. Schiffsmeldungen) von Annie Proulx, einen kleinen Eindruck. Dieses Buch wurde mit der Auflage verfilmt, die Aufnahmen in Neufundland zu machen. Die Neufundländer dankten es, indem sie einen Küstenstrich nach dem Helden „Quoyles Land“ nannten. Der gleichnamige Film wurde 2001 mit den Darstellern Kevin Spacey und Julianne Moore in der Nähe von Trinity (Bonavista Bay) gedreht.

Die „Newfies“ sind, wenn man sich an Witzen orientiert, die „Ostfriesen Nordamerikas“, wobei die meisten Newfie-Witze von den Newfies selbst stammen und oftmals die Umständlichkeit anderer Leute (z. B. der Begriff Torontonians, der für „Leute aus Toronto und vom Festland“ steht) darstellen (vgl. Ostfriesenwitz).[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Newfoundland and Labrador Tourism (Hrsg.): Newfoundland & Labrador: Travel Guide, jährlich
  • Bernard D. Fardy: John Cabot - The Discovery of Newfoundland, Creative Book Publishing, 1994
  • Bernice Morgan: Am Ende des Meeres, dtv, München, 1998 (org. Waiting for time)
  • Bernice Morgan: Die Farben des Meeres, btb Goldmann, München, 1998 (org. Random Passage)
  • Bob Tulk: Newfie Jokes, Newfie Jokes, Corner Brook, 1971 ff.
  • Daniel Woodley Prowse: A History of Newfoundland (Neuausgabe), Boulder Publications Ltd., Portugal Cove, 2002
  • E. Annie Proulx: Schiffsmeldungen, List, München, 1995 (org. Shipping News)
  • Farley Mowat: A Whale For The Killing, McClelland & Stewart, Toronto, 1972
  • Farley Mowat: The Farfarers, Key Porter Books, Toronto 1998
  • Farley Mowat: The Boat Who Wouldn't Float, McClelland & Stewart, Toronto, 1969
  • Farley Mowat: Westviking, McClelland & Stewart, Toronto, 1965
  • Howard Norman: Das Fresko, Fischer Taschenbuch, Frankfurt, 1997 (org. The Bird Artist)
  • Margaret Elphinstone: Der Weg nach Vinland, List, München, 2002 (org. The Sea Road)
  • Mark Kurlansky: Der Fisch, der die Welt veränderte, Claassen, München, 1997 (org. Cod. A Biography of the Fish That Changed the World)
  • Story, Kirwin und Widdowson: Dictionary of Newfoundland English, University of Toronto Press, Toronto, 1982
  • Wayne Johnston: Die Kolonie der unerfüllten Träume, Hoffmann und Campe, Hamburg 1999 (orig. The Colony of unrequieted dreams)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Neufundland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Broadcasting Corporation of Newfoundland war schon 1939 gegründet worden und ging 1949 in der Canadian Broadcasting Corporation auf; vgl. Jeff A. Webb, The Voice of Newfoundland: A Social History of the Broadcasting Corporation of Newfoundland, University of Toronto Press, 2008. ISBN 978-0802095534
  2. Statistics Canada, abgerufen am 4. September 2013
  3. https://www.uclouvain.be/cps/ucl/doc/psyreli/documents/gug_2008_4_S28.pdf Wiseman, Untersuchungen zu Psychologie des Lachens, S. 30; Peter Ludwig Berger, Erlösendes Lachen, Berlin: de Gruyter 1998, S. 62