Neuhausen/Erzgeb.

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Neuhausen/Erzgeb.
Neuhausen/Erzgeb.
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Neuhausen/Erzgeb. hervorgehoben

Koordinaten: 50° 41′ N, 13° 28′ O

Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Mittelsachsen
Höhe: 661 m ü. NHN
Fläche: 48,09 km2
Einwohner: 2555 (31. Dez. 2020)[1]
Bevölkerungsdichte: 53 Einwohner je km2
Postleitzahl: 09544
Vorwahlen: 037361, 037327
Kfz-Kennzeichen: FG, BED, DL, FLÖ, HC, MW, RL
Gemeindeschlüssel: 14 5 22 400
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Bahnhofstr. 12
09544 Neuhausen/Erzgeb.
Website: www.neuhausen.de
Bürgermeister: Peter Haustein (parteilos)
Lage der Gemeinde Neuhausen/Erzgeb. im Landkreis Mittelsachsen
AltmittweidaAugustusburgBobritzsch-HilbersdorfBrand-ErbisdorfBurgstädtClaußnitzDöbelnDorfchemnitzEppendorfErlau (Sachsen)FlöhaFrankenberg/Sa.Frauenstein (Erzgebirge)FreibergGeringswaldeGroßhartmannsdorfGroßschirmaGroßweitzschenHainichenHalsbrückeHarthaHartmannsdorf (bei Chemnitz)Königsfeld (Sachsen)Königshain-WiederauKriebsteinLeisnigLeubsdorf (Sachsen)Lichtenau (Sachsen)Lichtenberg/Erzgeb.LunzenauMittweidaMühlau (Sachsen)Mulda/Sa.Neuhausen/Erzgeb.NiederwiesaOberschönaOederanOstrau (Landkreis Mittelsachsen)PenigRechenberg-BienenmühleReinsberg (Sachsen)RochlitzRossau (Sachsen)RoßweinSaydaSeelitzStriegistalTauraWaldheimWechselburgWeißenborn/Erzgeb.ZettlitzZschaitz-OttewigSachsenKarte
Über dieses Bild

Neuhausen/Erzgeb. ist eine Gemeinde im Erzgebirge. Die knapp 2700 Einwohner zählende Gemeinde liegt im Süden des Landkreises Mittelsachsen und ist für das Schloss Purschenstein, als Wintersportort und durch das Nussknackermuseum bekannt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neuhausen (Erzgeb.), Willkommenstafel

Die Gemeinde Neuhausen/Erzgeb. befindet sich im Übergangsgebiet vom Osterzgebirge zum Mittleren Erzgebirge, eingebettet im oberen Flöhatal. Das Gebiet erstreckt sich zwischen der Talsperre Rauschenbach, dem 837 m hohen Kohlberg, dem 834 m hohen Klugehübel sowie dem 789 m hohen Schwartenberg und befindet sich im Naturpark Erzgebirge/Vogtland.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde befindet sich auf kristallinen Schiefern und Gneis. Sind im Ost-Erzgebirge meist Graugneise vorherrschend, so finden sich hier verstärkt grobkörnige Rotgneise. Im Bereich des Flöhatals liegt eine sehr alte, tektonisch mobile Zone, die Ost- und Mittelerzgebirge trennt. Erdgeschichtlich spielt die „Flöha-Zone“ wahrscheinlich bei der Erzgebirgshebung eine Rolle.[2]

Ortsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortsteile der Gemeinde Neuhausen/Erzgebirge sind:

Neuhausen/Erzgebirge, Cämmerswalde, Deutschgeorgenthal, Dittersbach, Frauenbach, Heidelbach, Neuwernsdorf und Rauschenbach.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab etwa der Mitte des 19. Jahrhunderts nahm Neuhausen die Entwicklung zu einem Zentrum der Möbelindustrie im Erzgebirge mit dem Schwerpunkt Stuhlbau. Aus dieser Entwicklung heraus entstanden Fabriken, Wohnungen, Geschäfte, das Rathaus und das Postamt. Am 1. Oktober 1895 erhielt die Gemeinde auch den Anschluss an das sächsische Eisenbahnnetz, als die Bahnstrecke zwischen Olbernhau und Neuhausen eröffnet wurde. Damit hatte Neuhausen erstmals eine direkte Verbindung zu den Industriegebieten von Chemnitz und Umgebung.

Am 1. Juli 1950 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Dittersbach b. Sayda eingegliedert.

Wahrzeichen des Ortes ist das Schloss Purschenstein. Im Jahr 1989 wurde das Schloss durch einen Dachgeschossbrand großteils zerstört. Der Außenbau konnte wiederhergestellt werden. Einige Innenräume wurden komplett, einige teilweise wiederhergerichtet. Im Jahr 2005 wurde das Schloss an einen niederländischen Investor verkauft, der dieses zu einem Schlosshotel umbaute.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerzahlen beziehen sich ab 1982 auf den 31. Dezember des voranstehenden Jahres mit Gebietsstand Januar 2007:

bis 1899 1900 bis 1945 1946 bis 1989 1990 bis 1999 2000 bis 2009 ab 2010
1551/52: ca. 170
(25 besessene Mann, 66 Inwohner)
1910: 2875 1946: 3243 1990: 3676 2000: 3447 2010: 3003
1925: 2863 1971: 3184 1991: 3635 2001: 3392 2011: 2890
1764: ca. 220
(24 besessene Mann, 18 Häusler)
1939: 3039 1982: 4100 1992: 3598 2002: 3366 2012: 2829
1983: 4055 1993: 3712 2003: 3346 2013: 2771
1834: 1072 1984: 3983 1994: 3674 2004: 3310 2014: 2730
1871: 1492 1985: 3919 1995: 3615 2005: 3266 2015: 2678
1890: 1701 1986: 3874 1996: 3581 2006: 3204 2019: 2592
1987: 3836 1997: 3565 2007: 3130
1988: 3846 1998: 3545 2008: 3108
1989: 3773 1999: 3487 2009: 3054

(Quellen: Akademie der Wissenschaften der DDR 1985, Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen)

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2019[3]
Wahlbeteiligung: 63,6 %
 %
70
60
50
40
30
20
10
0
61,9 %
28,5 %
9,7 %
n. k. %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2014
 %p
 16
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
-14
-16
-18
-20
+15,5 %p
−18,7 %p
+9,7 %p
−6,4 %p

Seit der Gemeinderatswahl am 26. Mai 2019 verteilen sich die 14 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1. Januar 1994 – 31. Juli 1994 Siegfried Morgenstern
1. August 1994 – 31. Juli 2001 Wolfgang Wagner
seit 1. August 2001 Peter Haustein

Partnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kultur & Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Europas erstes Nussknackermuseum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weltbekannt ist das erste und größte Nussknackermuseum Europas mit rund 6151 Exemplaren aus 30 Ländern (Stand September 2020[4]). Besondere Attraktion ist der größte funktionsfähige Nussknacker der Welt mit 10,10 m Höhe, der am 9. August 2008 den bisherigen 5,87 Meter großen im Eingangsbereich stehenden Rekordhalter (Guinness-Buch der Rekorde) ablöste. Außerdem steht vor dem Museum die weltgrößte Spieldose.

Glashüttenmuseum des Erzgebirges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Glashüttenmuseum des Erzgebirges befindet sich in der ehemaligen Fronfeste von Schloss Purschenstein und zeigt unter anderem eine Glashütte aus der Zeit von Georgius Agricola, eine Werkstattstube und weitere Schrift- und Sachzeugen der erzgebirgischen Glasmacherei sowie der Geschichte Neuhausens bzw. Purschensteins. Das im Mai 1996 eröffnete Museum beherbergt Zeugnisse vom einstigen Glasmachen im Erzgebirge, die bis in die Besiedlungszeit um 1200 zurückreichen und bereits für das Mittelalter den Begriff „Glasland“ für die Region des sächsischen und böhmischen Erzgebirges rechtfertigen.

Technisches Museum „Alte Stuhlfabrik“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Technische Museum „Alte Stuhlfabrik“ gibt die Geschichte des Stuhlbaus in Neuhausen wieder.

Schauflugzeuge Cämmerswalde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Cämmerswalde stehen zwei ausrangierte Flugzeuge, eine Interflug Il-14 und das Jagdflugzeug MiG-21, zur Besichtigung. Die Il-14 wurde auf Antrag der damaligen Gemeinde Cämmerswalde 1973 dort aufgestellt, die MiG-21 aus Beständen der Nationalen Volksarmee der DDR folgte 2001 und im August 2006 ein Mi-2-Hubschrauber der sowjetischen Fluggesellschaft Aeroflot.

Motorradausstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der ehemaligen Berufsschule befindet sich die Motorradausstellung Neuhausen/Erzgeb. mit der kompletten Sammlung aller in der DDR produzierten und importierten Motorradmodelle der Jahre 1945 bis 1989.

Gedenkstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grabstätte und Gedenkstein für 23 KZ-Häftlinge aus Frankreich, Ungarn, Polen und der Sowjetunion, die in einer Kolonne aus dem Außenlager Neu-Stassfurt des KZ Buchenwald kommend, durch den Ort getrieben und von SS-Männern ermordet wurden.
  • Gedenkkreuz (geweiht 1957) für die Opfer beider Weltkriege auf dem Friedhof an der Kirche in Cämmerswalde. Am 22. Juli 2007, zum 800. Ortsjubiläum, wurden vom Heimatverein Cämmerswalde zwei Tafeln mit den Namen der Gefallenen angebracht und vom Pfarrer geweiht.
  • Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges, errichtet 1923 vor der Schule in Cämmerswalde. 1945 wurde der Adler als vermeintliches Nazi-Symbol entfernt, er ging verloren. 1973 wurde das Denkmal auf den Friedhof umgesetzt, weil vor der Schule ein Brunnen errichtet wurde.
  • Grabstätte auf dem Friedhof in Cämmerswalde für einen namentlich bekannten sowjetischen Bürger, der während des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland verschleppt und ein Opfer von Zwangsarbeit wurde.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Neuhausen (Erzgeb) ist die Endstation der Bahnstrecke Pockau-Lengefeld–Neuhausen. Der Güterverkehr wurde 1994 eingestellt, der Personenverkehr 2001. Ab Olbernhau-Grünthal verkehrt die Linie RB 81 der Erzgebirgsbahn nach Chemnitz Hauptbahnhof.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Erholungsort bietet die Gemeinde den Gästen neben dem Freibad und dem Schwartenbergstadion zahlreiche Anlagen des Wintersports, im Winter sind über 30 km Langlaufloipen gespurt. Traditioneller Wintersportort ist die Gemeinde spätestens mit den seit 1923 jährlich stattfindenden Langlaufwettkämpfen des Schwartenberglaufs. Im Sommer ist die Region auch ein für den Flugsport genutztes Gebiet.

SSV Blau-Weiß Neuhausen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sächsische Sportvereinigung Blau-Weiß Neuhausen wurde am 15. August 1990 gegründet, ist Nachfolger der am 6. April 1970 gebildeten Industriesportgemeinschaft ISG Neuhausen. Unabhängig von der Fußballer-Fusion bestehen Abteilungen im Wintersport und Tischtennis in der SSV Blau-Weiß Neuhausen.

FV Neuhausen-Cämmerswalde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 26. März 2007 fusionierte die Fußball-Abteilung mit der des SV Eintracht Cämmerswalde zum FV Neuhausen-Cämmerswalde. Dem Fußballverein gehören 100 Mitglieder aus beiden Orten an. Die Männer spielen im Neuhausener Schwartenbergstadion und auf dem Cämmerswalder Sportplatz neben dem „Haus des Gastes“.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Neuhausen bei Purschenstein. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 7. Band. Schumann, Zwickau 1820, S. 59–65.
  • Um Olbernhau und Seiffen (= Werte unserer Heimat. Band 43). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1985.
  • Richard Steche: Neuhausen. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 3. Heft: Amtshauptmannschaft Freiberg. C. C. Meinhold, Dresden 1884, S. 111.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Neuhausen/Erzgeb. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung des Freistaates Sachsen nach Gemeinden am 31. Dezember 2020 (Hilfe dazu).
  2. Naturführer Grüne Liga Osterzgebirge – Band 3 – Naturkundliche Wanderziele im Osterzgebirge. S. 47, 56.
  3. Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2019
  4. Erstes Nussknackermuseum auf Instagram: „Gestern Nachmittag haben wir von unserem guten alten Sammlerfreund Ronald Geisler, einen Nussknacker, gebaut nach seinem Ebenbild geschenkt…“ Abgerufen am 22. September 2020.