Neuheim ZG

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ZG ist das Kürzel für den Kanton Zug in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Neuheimf zu vermeiden.
Neuheim
Wappen von Neuheim
Staat: Schweiz
Kanton: Zug (ZG)
Bezirk: (Der Kanton Zug kennt keine Bezirke.)w
BFS-Nr.: 1705i1f3f4
Postleitzahl: 6345
Koordinaten: 686303 / 22907047.206948.577783666Koordinaten: 47° 12′ 25″ N, 8° 34′ 40″ O; CH1903: 686303 / 229070
Höhe: 666 m ü. M.
Fläche: 7.90 km²
Einwohner: 2024 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 256 Einw. pro km²
Website: www.neuheim.ch
Karte
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Neuheim ist eine politische Gemeinde des Kantons Zug in der Schweiz, die mit der Kantonsverfassung von 1848, die der Kanton Zug in einer liberaleren Form aufgrund der Niederlage im Sonderbundskrieg ausarbeiten musste, losgelöst von Menzingen ZG als eigene Gemeinde existiert.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Trennung von Menzingen[Bearbeiten]

In der Schweiz erreichten die politischen Unruhen der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Bürgerkrieg von 1847 ihren traurigen Höhepunkt. Der konservative Sonderbund, dem auch Zug angehörte, unterlag den Truppen General Dufours. Der Weg für die Schaffung eines Schweizerischen Bundesstaates, wie er in der Bundesverfassung von 1848 grundgelegt wurde, war damit geebnet. Der Kanton Zug hatte bereits am 21./22. November 1847 kapituliert und war sofort militärisch besetzt worden. Eine ausserordentliche Landsgemeinde berief am 5. Dezember die bisherigen Behörden ab, wählte eine provisorische Regierung und bestätigte den Antrag auf Totalrevision der kantonalen Verfassung. Demzufolge wurde am 13. Dezember ein mehrheitlich liberaler Verfassungsrat eingesetzt.

Diese Zeit des völligen Umbruchs bot einem Teil der Neuheimer die offenbar schon mehrmals erwünschte Gelegenheit zur politischen Trennung von Menzingen, mit dem zusammen man seit Jahrhunderten eine der drei Gemeinden des äusseren Amtes gebildet hatte. Am 21. Dezember 1847 beschloss die Kirchgemeinde Neuheim mit Stimmenmehrheit, der provisorischen Regierung des Standes Zug im Zusammenhang mit der Verfassungsrevision die Bildung einer eigenen politischen Gemeinde Neuheim vorzuschlagen: Nicht nur seien die beiden Dörfer eine gute Stunde, also recht weit, voneinander entfernt, Neuheim sei ja auch heute schon in mehrerer Hinsicht von Menzingen geschieden - so zum Beispiel seit 1675 im Kirchenwesen.

Die an der Kirchgemeindeversammlung unterlegene Minderheit wandte sich später ebenfalls an die Regierung und bat, unter allen Umständen bei Menzingen bleiben zu dürfen und nicht unter eine Gemeinde gezwungen zu werden, zu welcher sie «weder Liebe noch Neigung und Vertrauen» hätten, seien doch ihrer Ansicht nach die wirtschaftlichen Voraussetzungen für die politische Verselbständigung Neuheims unzureichend. Am 28. Dezember forderte die provisorische Regierung die Kirchgemeinde Menzingen auf, zum Gesuch der Neuheimer innerhalb von drei Tagen, Stellung zu nehmen. Der Menzinger Kirchenrat reagierte prompt und ausgesprochen vornehm.

Den Vorwurf, die Neuheimer stiefmütterlich und als Minderheit behandelt zu haben, wies man ruhig zurück und erlaubte sich auch kein Urteil darüber, ob Neuheim für die Bildung einer eigenen politischen Gemeinde die nötigen geistigen und materiellen Mittel besitze. «Will der Kirchgang Neuheim mit uns Freud und Leid in gemeinsamer Haushaltung, wie seit Jahrhunderten, teilen, so fühlen wir uns mit Freuden angezogen, sie in Zukunft wie in der Vergangenheit mit gleicher uneigennütziger Rücksicht zu behandeln; glaubt er aber in der Trennung sein künftiges Glück zu finden, so nehmen wir zu viel Teilnahme an allem, was Neuheim berührt, als dass wir gegen dessen vermeintliches Glück sein könnten. Ungezwungen sei der Wille, welcher mit uns sich vereinigen will; frei sei aber auch jener Wille, der von uns scheiden will.»

Mit Entschiedenheit verwandte man sich indes für jene Neuheimer, die bei Menzingen bleiben wollten, seien sie doch «ein lebendiges Monument, dass es immer noch Männer gibt, welche die Handlungsweise von Menzingen gegenüber Neuheim zu würdigen wissen». Die vorberatende Kommission des Verfassungsrates sprach sich einstimmig dafür aus, Neuheim von Menzingen abzutrennen und als elfte politische Gemeinde des Kantons Zug in die Verfassung aufzunehmen. Der Verfassungsrat selbst schloss sich am 7. Januar 1848 mit 37 gegen 7 Stimmen dieser Meinung an, lehnte es jedoch ab, auf den Wunsch einzelner Neuheimer, bei Menzingen verbleiben zu können, einzutreten. Am 16. Januar 1848 wurde die neue Kantonsverfassung bei massiger Stimmbeteiligung vom Souverän angenommen. Neuheim war damit als eigene politische Gemeinde anerkannt.

Schon am 19. Januar, also bloss vier Wochen, nachdem man die Loslösung von Menzingen erstmals öffentlich gefordert hatte, wählte die Neuheimer Gemeindeversammlung die ersten gemeindlichen Beamten und bestellte ihre Behörden. Die «separatistischen» Neuheimer hatten also ihren politischen Willen in kürzester Zeit durchsetzen können. Das eigentliche Teilungswerk war damit aber noch keineswegs abgeschlossen. Wohl war der territoriale Umfang der neuen Gemeinde einigermassen klar: er umfasste das Gebiet des alten Kirchgangs Neuheim. Eine exakte Grenzlinie zwischen Menzingen und Neuheim soll allerdings damals noch nicht bestanden haben; angeblich wusste man bloss, ob ein Haus da oder dorthin gehörte! Ungelöst war indes die Ausscheidung der bis dato gemeinsamen Besitzungen und Verpflichtungen, desgleichen die Frage, wer denn nun künftig in welcher Gemeinde heimatberechtigt sei. Eine aus Vertretern der zwei Gemeinden gemischte Teilungskommission machte sich unter ständiger Rückversicherung bei den beiden Gemeinderäten bzw. -Versammlungen an die schwierige Arbeit.

Trotz gelegentlicher Rückschläge bleibt anzuerkennen, dass der freundschaftliche und loyale Geist, wie ihn der Menzinger Gemeindepräsident und mehrfach wiedergewählte Landammann Franz Josef Hegglin in der ersten Kommissionssitzung beschworen hatte, im grossen und ganzen durchgehalten wurde:

«Menzingen und Neuheim haben während Jahrhunderten Freud und Leid in heiteren und trüben Tagen auf eine echt familiäre Weise getragen; kein Ereignis vermochte ihr gutes Verständnis zu stören. Wolle und möge die Teilung selbst diesem echten Brudergeist die geistliche Weihe geben, indem das Wenige, welches zu verteilen ist, im Frieden und in Liebe, fern von jeder Eigennützigkeit geteilt wird, um so auch für die Zukunft zwischen beiden Gemeinden als zwei Schwestergemeinden ein gutes Verhältnis zu bewahren.»[2]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Die Babenwaag war früher die wichtigste Verbindung zwischen Zürich und Zug/Gotthard

Neuheim ist seit der Einführung der Stadtbahn Zug am 12. Dezember 2004 mit der ZVB Linie 31 (von Baar nach Neuheim) erreichbar. Neuheim hat eine direkte Hauptstrassenverbindung mit Sihlbrugg (Gemeinde Baar), Edlibach (Gemeinde Menzingen ZG) und Baar ZG. Zürich und Luzern sind mit dem Auto in je einer halben Stunde erreichbar.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Von den 2120 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2013) sind 76,1 % Schweizer und 23,9 % ausländische Staatsangehörige. In der Gemeinde Neuheim leben 1142 Männer und 978 Frauen.

56,4 % der Bevölkerung sind römisch-katholisch, 14,4 % evangelisch-reformiert und 19,8 % konfessionslos, hinzu kommen 9,4 % übrige Religionen.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Zusammen mit den Kantonsratswahlen erfolgte am 5. Oktober 2014 die Gesamterneuerungswahl des Gemeinderats der Gemeinde Neuheim. Als Gemeindepräsident wurde Roger Bosshart, FDP, gewählt, der sich neben dem Präsidialen für Sicherheit, Wirtschaft und Verkehr verantwortlich zeichnet. Die weiteren vier der insgesamt fünf Ämter wurden an Monika Ulrich-Meier[3], Ressort Bildung, CVP, Franz Keiser, Ressort Soziales, parteilos, Marcel Güttinger[4], Ressort Finanzen, FDP, und an Daniel Schillig, Ressort Bauten und Umwelt, CVP, verteilt.

Marcel Güttinger und Daniel Schillig sind seit 2015 neu im Gemeinderat. Der einzige Sitz der SVP, den sie durch Richard Schubnell bis anhin inne gehabt hatte, konnte auch mit einem weiteren SVP-Kandidaten nicht gehalten werden, obwohl dieser das absolute Mehr erreicht hatte, aber als überzählig aus dem Rennen schied.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Linus Birchler: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zug, Band I: Einleitung und Zug-Land. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 5). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1934.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Neuheim ZG – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Onlineportal Gemeinde Neuheim, Geschichte von Neuheim, Titel «Die Trennung von Menzingen»: Die Trennung von Menzingen, abgerufen am 9. Februar 2015
  3. Steckbrief Gemeinderätin Monika Ulrich-Meier, CVP: Steckbrief Monika Ulrich-Meier, abgerufen am 9. Februar 2015
  4. Steckbrief Gemeinderat Marcel Güttinger, FDP: Steckbrief Marcel Güttinger, abgerufen am 9. Februar 2015
  5. Luzerner Zeitung zu den Neuheimer Wahlen: «Neuheim: CVP mit Sitzgewinn auf Kosten der SVP», Artikel vom 5. Oktober 2014, abgerufen 9. Februar 2015