Neuirland

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Dieser Artikel behandelt die Insel Neuirland (New Ireland) – zur gleichnamigen Provinz siehe New Ireland Province.
Neuirland
Karte von Neuirland
Karte von Neuirland
Gewässer Bismarcksee
Inselgruppe Bismarckarchipel
Geographische Lage 4° 5′ S, 152° 46′ OKoordinaten: 4° 5′ S, 152° 46′ O
Neuirland (Papua-Neuguinea)
Neuirland
Fläche 8650 km²
Höchste Erhebung Mount Taron
2379 m
Einwohner 100.000
12 Einw./km²
Hauptort Kavieng
Topographische Karte
Topographische Karte

Neuirland (englisch New Ireland; deutsch ehemals Neumecklenburg)[1] ist eine etwa 8.650 km² große Insel im Bismarck-Archipel in Papua-Neuguinea, auf der rund 110.000 Menschen leben. Sie gehört zusammen mit vielen kleinen vorgelagerten Inseln zur Provinz New Ireland mit der Hauptstadt Kavieng im Norden der Hauptinsel. Ihr Name in der papuanischen Verkehrssprache Tok Pisin lautet Niu Ailan.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neuirland liegt am östlichen Rand des Bismarckarchipels, 5 Grad südlich des Äquators, zwischen dem 149. und 154. Grad östlicher Länge. Die Insel erstreckt sich in nordwestlich-südöstlicher Richtung über 470 Kilometer und ist an ihrer engsten Stelle nur 10 Kilometer breit. An ihre Ostseite grenzt der Pazifik, an ihre Westseite im Norden die Bismarcksee und im Süden des Saint George’s Channel, der die Insel von der westlich benachbarten Insel Neubritannien sowie den vorgelagerten Duke-of-York-Inseln abtrennt.

Das Relief Neuirlands ist gebirgig; die höchste Erhebung bildet der Mount Taron mit 2379 m. ü. M. im südlichen Hans-Meyer-Gebirge. Den Nordteil der Insel durchzieht mittig das Schleinitz-Gebirge. Den nördlichsten Punkt Neuirlands bildet das so genannte Nordkap, den südlichsten Kap St. Georg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühe Besiedelung und indigene Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Malanggan-Masken aus Neuirland (Ethnologisches Museum Berlin-Dahlem)
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Früheste menschliche Spuren reichen über 30.000 Jahre zurück. Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Uli-Figuren aus der Kultur der früheren Einwohner entdeckt. Malanggan ist ein umfangreicher Ritenkomplex und andererseits die traditionelle Kunst auf Neuguinea. Auf Neuirland werden 19 Sprachen gesprochen; alle bis auf eine sind austronesische und miteinander verwandt.

Europäische Entdeckung und erste Kontakte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von europäischer Seite wurde Neuirland erstmals im 16. Jahrhundert von dem Spanier Pedro Fernández de Quirós gesichtet und 1616 von den niederländischen Seefahrern Jakob Le Maire und Willem Schouten wiederentdeckt. Im August 1767 erkannte Philipp Carteret, dass es sich bei dem Eiland um eine selbständige Insel handelte, die nicht mit Neubritannien und Neuhannover durch Landmassen verbunden war, wie man europäischerseits bis dahin angenommen hatte. Carteret gab Neuirland den Namen „Nova Hibernia“, der später im Englischen und Deutschen zu analogen Namensbildungen führte.

In der Frühzeit europäischer Kontakte war der im Süden gelegene Carterethafen wegen seiner Süßwasservorkommen ein beliebter Anlaufpunkt für spanische und niederländische Handelsschiffe. Nach Gründung der britischen Strafgefangenenkolonie Neusüdwales in Australien (1788) gewann er für englische Schiffe an Bedeutung, da der Südzipfel Neuirlands an der sogenannten „inneren Route“ von Sydney nach Hongkong lag. Ab 1830 wurde entlang des St.-Georgs-Kanals auch vermehrt Tauschhandel von US-amerikanischen Walfangschiffen getrieben;[2] und um 1840 siedelte erstmals eine Gruppe von achtzehn Europäern, Deserteuren aus Sydney, im westlich des Kap St. Georg gelegenen Port Praslin. Von passierenden Handelsschiffen waren zuvor schon Europäer gemeldet worden, die als Einzelne bei Einheimischen in Stranddörfern lebten.[3]

Die Europäer bekamen frühzeitig Einblicke in kannibalistische Praktiken der einheimischen Bevölkerung. So berichtet Missionar George Brown von der Wesleyanischen Mission, dass er 1875 bei seinen ersten zaghaften Bekehrungsversuchen dahin gehende Erfahrungen sammelte.[4] Er sah nicht nur umherliegende Knochen von Menschen, vielmehr berichteten Einheimische unumwunden, dass Menschenfleisch verzehrt würde.[5] Anlässlich eines späteren Besuchs überzeugte sich die Mission hiervon dann selbst.[5] Gegen 1900 ließ sich feststellen, dass sogar aus indigener Sicht fortgeschrittene Abkehr vom Kannibalismus zu verzeichnen war.[4]

Marquis-de-Rays-Kolonie in Likiliki, 1880. Tableau in der Sydney Mail vom 30. Oktober d.J., nach einer Fotografie des Rev. G. Brown

Einen verstärkten Zuzug von Europäern verzeichnete die Insel ab dem Januar 1880 wegen des Kolonialschemas Charles Bonaventure du Breils, Marquis de Rays, der nach einem diplomatischen Misserfolg, an der Westküste Australiens einen eigenen Staat zu gründen, den Süden Neuirlands für ein „freies Neufrankreich in der Südsee“ ausgewählt hatte (La Nouvelle France, Colonie Libre du Port Breton, nicht zu verwechseln mit dem französischen Staatsgebiet La Nouvelle-France in Nordamerika). Bis zum Januar 1882 kamen auf insgesamt vier Auswandererschiffen schätzungsweise 500 Siedler französischer, italienischer, deutscher und griechischer Abstammung nach Neuirland, die nach vergeblichen Rodungs- und Ackerbauversuchen in Port Praslin, Likiliki, Irish Cove, Port Breton und Bay Marie entweder nach Nouméa (Neukaledonien) bzw. Sydney (Australien) weiterzogen, oder von den auf Neubritannien und den Duke-of-York-Inseln ansässigen Handelsfirmen angestellt wurden.[6]

Der spätere Hamburger Kaufmann Eduard Hernsheim erkundete im Februar 1880 die Steffenstraße im Norden der Insel, vermaß erstmals den Naturhafen beim Nordkap und gründete auf dem vorgelagerten Hafeneiland Nusa und im Dorf Pakail (heute Kavieng) Stationen für seine Firma Hernsheim & Co. Bis 1881 folgten durch Hernsheims Agenten Friedrich Schulle weitere Stationsgründungen an der neuirischen Ostküste: in Kablaman, Butbut, Navangai, Lamerotte, Lagumbanje, Lauaru und Kapsu. Zugleich wurde ein „Arbeiterverkehr“ zur Hauptniederlassung auf Matupi eingerichtet (Blanchebucht, Neubritannien), wo junge Neuirländer während einer dreimonatigen Lehrzeit in die Kopra-Produktion eingewiesen wurden.[7]

1882/83 wurden diese von Hernsheim & Co etablierten, friedlichen Beziehungen von anderen Handelskapitänen ausgenutzt, um unter Vorspiegelung eines nächsten Arbeitsaufenthaltes auf Matupi rund 1.300 Neuirländer als Hilfskräfte für Kokos- und Zuckerrohrplantagen nach Queensland (Australien), Fidschi und Samoa zu verschleppen.[8] Nach Protesten des britischen Kommissars H.H. Romilly und Eduard Hernsheims folgte englischerseits im März 1884 und deutscherseits im März 1886 ein Verbot dieser Entführungen, des „Blackbirdings“ oder „Schwarzdrosselns“[9]. Das deutsche Gesetz war allerdings auf den Norden Neuirlands beschränkt und wurde auf Betreiben der Neuguinea-Kompagnie im September 1887 wieder aufgehoben.

Deutsche Kolonialherrschaft (1885–1914)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohner zur deutschen Kolonialzeit um 1910

Nach deutschen Flaggenhissungen auf Nusa und in Kapsu (beide 12. November 1884) war Neuirland unter dem Namen „Neu-Mecklenburg“ von 1885 bis 1899 Teil des Schutzgebiets der Neuguinea-Kompagnie, von 1899 bis 1918 Teil des kaiserlich-deutschen Schutzgebiets Deutsch-Neuguinea. Zur Versorgung der Pflanzungen im Nordteil der Insel wurde ab etwa 1900 auf Initiative des Bezirksvorstehers Boluminski an der Nordküste eine Straße angelegt, die heute die Orte Samo, Namatanai, Kanam, Malom, Logia und Mangai mit der Provinzhauptstadt Kavieng verbindet (seit 1975 „Boluminski-Highway“). Zum Bau wurden u. a. verurteilte Kannibalen eingesetzt. Mit Unterstützung der indigenen Oberschicht gelang es einheimische Arbeitskräfte zum Aufbau einer Infrastruktur zu gewinnen, Versuchspflanzungen einzurichten, intensive Feldwirtschaft zu betreiben und den Nusa-Hafen zum Anlaufhafen für Kavieng zu entwickeln.[10]

Erster Weltkrieg und australische Mandatsverwaltung (1914–1975)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Im Zweiten Weltkrieg wurde Neuirland von der japanischen Armee besetzt. Die Kapitulationszeremonie der Japaner auf Neuirland wurde am 18. September 1945 an Bord der HMAS Swan (U74) abgehalten.

Unabhängigkeit und jüngste Geschichte (1975 bis heute)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann J. Hiery (Hrsg.): Die deutsche Südsee 1884–1914. Ein Handbuch. 2., durchgesehene Auflage. Schöningh, Paderborn München Wien Zürich 2002, ISBN 3-506-73912-3 (Rezension von Gerhard Krebs, Uni Hamburg: PDF; 15 kB; 3 Seiten).
  • Simon Haberberger: Kolonialismus und Kannibalismus. Fälle aus Deutsch-Neuguinea und Britisch-Neuguinea 1884-1914. Quellen u. Forschungen zur Südsee. Reihe B. Forschungen 3. Harrassowitz, Wiesbaden 2007. ISBN 3-447-05578-2
  • George Brown: Pioneer-Missionary and Explorer: a narrative of forty-eight years’ residence and travel in Samoa, New Britain, New Ireland, New Guinea, and the Solomon Islands., Hodder & Stoughton, London 1908, Autobiographie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: New Ireland (Neuirland) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lexikoneintrag: Neumecklenburg. In: Heinrich Schnee (Hrsg.): Deutsches Kolonial-Lexikon, Band 2, Quelle und Meyer, Leipzig 1920, S. 633 ff. Abgerufen am 1. August 2013.
  2. Alastair C. Gray: Trading Contacts in the Bismarck Archipelago during the Whaling Era, 1799–1884. (englisch) In: The Journal of Pacific History, Jahrgang 34, Nummer 1, Juni 1999, S. 23–43. Taylor & Francis, Abingdon 1999, S. 23 f. Info: Ursprünglich eine Doktorarbeit von 1989 an der University of Otago in Dunedin, Neuseeland.
  3. Clive Moore: New Guinea: Crossing Boundaries and History. (englisch) University of Hawaii Press, Honolulu 2003, S. 160 (Direktlink zur Seite 160 in der Google-Buchsuche).
  4. a b Simon Haberberger, Kolonialismus und Kannibalismus, S. 67–72 (s. Lit.)
  5. a b George Brown, Autobiography, S. 124 f. und 133 f. (s. Lit.)
  6. Einen knappen Überblick über die Kolonialgründung und ihre Fehlschläge gibt die von Peter Biskup geschriebene Einleitung zu: Jean Baptiste Octave Mouton: The New Guinea Memoirs of Jean Baptiste Octave Mouton, (Pacific History Series, Nr. 7), (englisch) Australian National University Press, Canberra 1974.
  7. Jakob Anderhandt: Eduard Hernsheim, die Südsee und viel Geld. Biographie in 2 Bänden. MV-Wissenschaft, Münster 2012, ISBN 978-3-86991-627-9, hier: Band 1, S. 345–349.
  8. Jakob Anderhandt: Eduard Hernsheim, die Südsee und viel Geld. Biographie in 2 Bänden. MV-Wissenschaft, Münster 2012, ISBN 978-3-86991-627-9, hier: Band 1, S. 102.
  9. Der Begriff des „Schwarzdroßlers“ ist belegt in: Stefan von Kotze: Südsee-Erinnerungen: aus Papuas Kulturmorgen, Berlin 1925, S. 118. (Zitiert nach: Jürgen Römer: „Ein Bild von märchenhaftem Zauber“ – Deutsche in Finschhafen (Neu Guinea) 1885–1888. (PDF; 132 kB), Marburg 1991, S. 17. Abgerufen am 1. August 2013.)
  10. Seiferling: Der Bismarck-Archipel und seine Zukunft. D.i. derselbe an Chef der Admiralität, 2. Dezember 1902, in: Akte betreffend S.M.S. Möwe von October 1902 bis [leergelassen], Bundesarchiv-Militärarchiv, Freiburg im Breisgau, RM3/3115.