Neukieritzsch

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Neukieritzsch
Neukieritzsch
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Neukieritzsch hervorgehoben
Koordinaten: 51° 9′ N, 12° 25′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Leipzig
Höhe: 143 m ü. NHN
Fläche: 56,96 km²
Einwohner: 6879 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 121 Einwohner je km²
Postleitzahl: 04575
Vorwahlen: 03433, 034342
Kfz-Kennzeichen: L, BNA, GHA, GRM, MTL, WUR
Gemeindeschlüssel: 14 7 29 320
Gemeindegliederung: 6 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Schulplatz 3[2]
04575 Neukieritzsch
Webpräsenz: www.neukieritzsch.de
Bürgermeister: Thomas Hellriegel
Lage der Gemeinde Neukieritzsch im Landkreis Leipzig
Sachsen-Anhalt Thüringen Landkreis Mittelsachsen Landkreis Nordsachsen Leipzig Bennewitz Böhlen (Sachsen) Borna Borsdorf Brandis Colditz Frohburg Grimma Groitzsch Großpösna Kitzscher Kohren-Sahlis Lossatal Machern Markkleeberg Markranstädt Neukieritzsch Neukieritzsch Thallwitz Trebsen/Mulde Bad Lausick Otterwisch Geithain Narsdorf Belgershain Naunhof Parthenstein Elstertrebnitz Pegau Pegau Regis-Breitingen Wurzen Zwenkau RöthaKarte
Über dieses Bild

Neukieritzsch ist eine Gemeinde im Landkreis Leipzig in Sachsen.

Geographie und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neukieritzsch liegt in der Leipziger Tieflandsbucht etwa 25 km südlich von Leipzig und 9 km nordwestlich der Kreisstadt Borna. Zwischen dem Leipziger Neuseenland im Osten und dem Tagebau Vereinigtes Schleenhain im Westen gelegen, wird sie von der Pleiße durchflossen. Die B 176 und die Bahnstrecke Leipzig–Hof führen durch die Gemeinde. Auf dieser verkehren aktuell die Linien S 5 und S 5X der S-Bahn Mitteldeutschland. Es fahren halbstündlich S-Bahnen nach Leipzig und darüber hinaus teilweise bis Halle und in der Gegenrichtung bis Zwickau. Außerdem beginnt hier die Bahnstrecke Neukieritzsch–Chemnitz. Auf dieser verkehrt aktuell die Linie S 3 der S-Bahn Mitteldeutschland. Es fahren halbstündlich S-Bahnen nach Leipzig und darüber hinaus teilweise bis Halle-Trotha und in der Gegenrichtung bis Borna sowie stündlich bis Geithain.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angrenzende Gemeinden sind Böhlen, Rötha, Borna, Regis-Breitingen, Groitzsch und Zwenkau.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche in Kieritzsch
Katharina-von-Bora-Kirche in Neukieritzsch

Zur Gemeinde gehören neben dem eigentlichen Ort Neukieritzsch die Ortsteile Lippendorf und Kieritzsch sowie Deutzen, Lobstädt, Kahnsdorf und Großzössen.

Durch den Braunkohleabbau in der Region wurden einige Orte abgebrochen. Deren Fluren kamen zu verschiedenen Zeiten durch Eingemeindung nach Neukieritzsch oder in einen seiner Ortsteile zum Gemeindegebiet hinzu. Folgende Orte waren betroffen:

Ehemaliger Ort Grund und Zeit des Abbruchs
Bergisdorf 1951 durch Tagebau Deutzen abgebrochen
Breunsdorf 1988–1994 ausgesiedelt, 1999 durch Tagebau Vereinigtes Schleenhain überbaggert
Alt-Deutzen 1961–1966 durch Tagebau Borna-West schrittweise abgebrochen
Hain 1968–1971 durch Tagebau Witznitz II abgebrochen
Kleinzössen 1968–1971 durch Tagebau Witznitz II abgebrochen
Lippendorf 1960 abgebrochen und mit Anlagen des Kraftwerks Lippendorf überbaut, Name ging auf Ortsteil Medewitzsch über
Peres 1982–1983 durch Tagebau Peres abgebrochen
Piegel 1976–1978 durch Tagebau Peres abgebrochen
Pulgar 1971 schrittweise durch Tagebau Peres abgebrochen bzw. Flur mit Anlagen des Kraftwerks Lippendorf überbaut
Röthigen 1957–1958 durch Tagebau Deutzen abgebrochen
Spahnsdorf 1960 abgebrochen und mit Anlagen des Kraftwerks Lippendorf überbaut

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während die eingemeindeten Ortsteile zum Teil auf eine mehr als 500-jährige Geschichte zurückblicken, ist die Geschichte des Ortes Neukieritzsch eng mit dem Bau der Sächsisch-Bayerischen Eisenbahn verbunden. Diese eröffnete im Jahr 1842 ihren ersten Streckenabschnitt Leipzig–Altenburg, an dem der heutige Bahnhof Neukieritzsch zunächst der einzige Zwischenhalt war. Dieser Bahnhof lag zu dieser Zeit auf freiem Feld, jeweils etwa drei Kilometer von den Dörfern Kieritzsch, Pürsten und Breunsdorf entfernt. Obwohl das Gebiet des Bahnhofs noch zur Gemarkung von Pürsten gehörte,[3] erhielt der Bahnhof die Bezeichnung Kieritzsch, da Pürsten und Kahnsdorf eine Bezeichnung nach ihrem Ort ablehnten. Von diesem Bahnhof aus wurden 1867 die Anschlussstrecken nach Borna (1872 bis Chemnitz verlängert) und 1909 nach Pegau errichtet. Mit dieser Stellung als Bahnknoten wuchs die neu entstandene Siedlung um den inzwischen mit einem neuen Bahnhofsgebäude ausgestatteten Bahnhof rasch. Auch die in unmittelbarer Umgebung neu entstandenen Fabriken, so z. B. eine Zuckerrübenfabrik, die um 1850 gebaut wurde und aus der 1864 eine Wollwäscherei wurde, sowie die 1901 gegründete Braunkohlegewerkschaft Breunsdorf mit ihrem Hauptsitz südlich des Bahnhofs, trugen zu dieser Entwicklung bei.

Ortseingang von Neukieritzsch mit Tagebaufundstücken

Da nach dem Ersten Weltkrieg auf Grund des Versailler Vertrags das Ruhrgebiet unter französischer Besatzung stand und damit die Versorgung Deutschlands mit Steinkohle stark beeinträchtigt war, wurde nun vom Staat der Braunkohlenbergbau gefördert, was besonders dem Mitteldeutschen Braunkohlerevier zugutekam. Neben neu entstandenen Siedlungen für die Bergarbeiter wurde der Bahnhof Kieritzsch zu einem bedeutenden Rangierbahnhof ausgebaut.

Nachdem sich 1934 die östlich der Bahnlinie gelegenen Orte Kahnsdorf, Pürsten und Zöpen zur neuen Gemeinde Kahnsdorf zusammengeschlossen hatten, entstand auch der Bedarf für eine administrative Neugliederung der inzwischen hauptsächlich westlich des Bahnhofs kräftig gewachsenen Siedlung. Daraufhin bestimmte der NS-Reichsstatthalter für Sachsen, Martin Mutschmann, am 1. November 1935 die Bildung der neuen Gemeinde Neukieritzsch. 1936 nahm auch der Bahnhof den Namen des neuen Orts an.

In den Folgejahren sowohl während als auch nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden in der Umgebung neue Industriebetriebe, so 1941/1942 das Ferrolegierungswerk Lippendorf und ab 1963 das Kraftwerk Lippendorf. Auch vergrößerten sich die Chemischen Werke Böhlen (heute zu Dow Chemical gehörend). Dadurch entstand Bedarf nach neuem Wohnraum, einerseits für die neuen Arbeitskräfte, andererseits für die bis dahin auf dem Gelände der neuen Betriebe wohnenden Menschen. Dies hatte zur Folge, dass in den 1960er Jahren im Süden und Norden des Ortes neue Wohngebiete entstanden. Der östliche Bereich von Neukieritzsch fiel zwischen 1952 und 1957 dem Braunkohleabbau durch den Tagebau Witznitz II zur Opfer. Von der Umsiedlung waren 190 Einwohner betroffen.[4] 1958 wurde die Verbindungsstraße nach Kahnsdorf gekappt. Kahnsdorf, Zöpen und Pürsten wurden kurz zuvor auch bezüglich der Verwaltung von Neukieritzsch mit der Siedlung am Bahnhof getrennt und bildeten ab dem 1. Januar 1957 wieder eine eigenständige Gemeinde Kahnsdorf,[5] die über die Eingemeindung nach Lobstädt 1994 und deren Eingemeindung nach Neukieritzsch im Jahr 2008 wieder Ortsteil von Neukieritzsch wurde.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Breunsdorf wurde am 1. Januar 1994 eingemeindet. Am 1. Juli 1996 folgte Lippendorf-Kieritzsch.[6] Am 1. April 2008 kam Lobstädt hinzu.[7] Am 1. Juli 2014 wurde Deutzen eingemeindet.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl (jeweils zum 31. Dezember des Jahres):

  • 1998: 4418
  • 1999: 4183
  • 2000: 3908
  • 2001: 3740
  • 2002: 3700
  • 2003: 3651
  • 2004: 3384
  • 2007: 5938
  • 2009: 5740
  • 2012: 5406
  • 2013: 5327
  • 2014: 6897
Datenquelle: Statistisches Landesamt Sachsen

Gedenkstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wahlbeteiligung: 50,1 %
 %
60
50
40
30
20
10
0
50,6 %
21,4 %
16,2 %
12,1 %
FWN S b
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
-0,8 %p
+4,2 %p
+1,1 %p
-1,5 %p
FWN S b
Anmerkungen:
b FWN Sport
Expression-Fehler: Unerwartete schließende eckige Klammer

Seit der Gemeinderatswahl am 25. Mai 2014 verteilen sich die 18 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

  • CDU: 9 Sitze
  • Freie Wählergemeinschaft Neukieritzsch Sport (FWN): 4 Sitze
  • LINKE: 3 Sitze
  • SPD: 2 Sitze

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Neukieritzsch liegt an der Bahnstrecke Leipzig–Hof (Sächsisch-Bayerische Eisenbahn), Bahnstrecke Neukieritzsch–Chemnitz sowie der ehemaligen Bahnstrecke Neukieritzsch–Pegau. Nachdem dort der Reiseverkehr 1997 eingestellt wurde, wurde sie 1999 endgültig stillgelegt.

Auf den anderen beiden Strecken verkehren die Linien S4, S5 und S5X der S-Bahn Mitteldeutschland, wobei letztere aufgrund ihres „Expresscharakters“ das Gemeindegebiet ohne Halt passiert. Die S4 hält in Neukieritzsch und Lobstädt halbstündlich und verkehrt nach Borna/Geithain und Hoyerswerda, die S5 hält stündlich in Neukieritzsch und Deutzen und verkehrt nach Altenburg/Zwickau und Flughafen Leipzig/Halle.

Ferner liegt Neukieritzsch an der Bundesstraße 176.

Wirtschaftlich wird die Gemeinde von der Braunkohle dominiert: Im Ortsteil Lippendorf befindet sich ein Braunkohlekraftwerk, westlich der Gemeinde der Tagebau Vereinigtes Schleenhain, welcher u. a. über ein 14 km langes Förderband das Kraftwerk in Lippendorf versorgt.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundschule

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Markt mit Lutherdenkmal
Aussichtspunkt bei Neukieritzsch in den Tagebau
  • Lutherdenkmal aus dem Jahr 1884 auf dem Markt, umgesetzt aus der Wüstung Zölsdorf, Luther hat dort 1540 seiner Frau Katharina einen Witwensitz gekauft.
  • Die Kirche in Kieritzsch mit Medaillons von Martin und Katharina Luther ist eine Luthergedenkstätte.
  • Gedenktafel in Lippendorf, dem Geburtsort von Katharina von Bora, an der Katharina-Luther-Kapelle
  • Die Katharina-von-Bora-Kirche in Neukieritzsch wurde 1998 geweiht.
  • Der Pleiße-Radweg und der Lutherweg Sachsen führen durch die Gemeinde.
  • In Deutzen, in der Nähe des Bahnhofes, gibt es einen Aussichtspunkt in den westlich gelegenen Tagebau Schleenhain.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sportvereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Musikverein Neukieritzsch-Regis e. V.
  • Gemischter Chor Neukieritzsch e. V. (seit 1889)

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Neukieritzsch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2015 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Impressum. In: Neukieritzsch.de. Abgerufen am 21. April 2016.
  3. Kieritzsch, Am Bahnhof im Historischen Ortsverzeichnis Sachsen
  4. Der Tagebau Witznitz mit Karte auf der Webseite der LMBV
  5. Kahnsdorf auf gov.genealogy.net
  6. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1996
  7. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2008
  8. Gemeinderatswahl 2014. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, abgerufen am 24. September 2014.