Neumagen

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Neumagen
Neumagen mit Gusseisenbrücke in Staufen

Neumagen mit Gusseisenbrücke in Staufen

Daten
Gewässerkennzahl DE: 23364
Lage Baden-Württemberg, Deutschland
Flusssystem Rhein
Abfluss über Möhlin → Rhein → Nordsee
Quellgebiet Beim Weiler Stohren auf dem Gebiet von Münstertal
Mündung Zwischen Biengen und Hausen an der Möhlin in die MöhlinKoordinaten: 47° 56′ 58″ N, 7° 40′ 21″ O
47° 56′ 58″ N, 7° 40′ 21″ O
Mündungshöhe 221 m ü. NN
Länge 26 km
Einzugsgebiet 84,1 km²[1]
Abfluss am Pegel Untermünstertal[2] [1]
AEo: 66,29 km²
Lage: 13,62 km oberhalb der Mündung
NNQ (27.08.2003)
MNQ 1981–2013
MQ 1981–2013
Mq 1981–2013
MHQ 1981–2013
HHQ (18.09.2006)
120 l/s
310 l/s
1,72 m³/s
25,9 l/(s km²)
19,8 m³/s
110 m³/s
Abfluss an der Mündung [1]
AEo: 84,1 km²
MNQ
MQ
Mq
MHQ
HHQ
348 l/s
1,88 m³/s
22,4 l/(s km²)
21,8 m³/s
111 m³/s

Der Neumagen ist ein 26 Kilometer langer Nebenfluss der Möhlin im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald. Von seinen höchstgelegenen Quellen bis zur Mündung beträgt das Gesamtgefälle gut 1000 Meter. Von den Flüssen auf der Westseite des Südschwarzwalds weist er den höchsten Gefällegradienten auf.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name ist wie beispielsweise der von Nijmegen (lat. Ulpia Noviomagus Batavorum) keltischen Ursprungs. Er geht zurück auf das keltische Wort magos für „Feld“, „Ebene“, dann „Markt“ und das keltische Adjektiv noviios für neu. Die Endung wurde von -os zu -us latinisiert. Am Unterlauf des Neumagen sind verschiedene römische Siedlungsstellen archäologisch belegt.

Verlauf und Tallandschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberlauf im Stohrental

Das Tal des Neumagen im Schwarzwald wird Münstertal genannt und ist Namengeber für die heutige Gemeinde Münstertal/Schwarzwald.

Der Neumagen entspringt südwestlich des Schauinsland in hochgelegenen Wiesentälern beim Weiler Stohren und nimmt dann, zunächst in steilen, bewaldeten Kerben hinabstürzend, eine generell südwestliche Richtung auf. Ab der Einmündung des kaum kleineren Hörhalderbaches durchfließt der Bach eine breitere Talsohle mit Wiesen. An der Mündung des wiederum kaum kleineren Stampfebaches von Süden bei Spielweg („Wegegabel“) trifft das Tal auf die dichter besiedelte Talschaft Obermünstertal. Mit dieser erreicht der Neumagen unterhalb des Klosters St. Trudpert an der Stelle der ehemaligen Bergbaustadt Münster die Talschaft Untermünstertal und mit ihr den fast ebenbürtigen Talbach. Er stürzt von den bis zu 1000 Meter aufragenden Nordosthängen des Belchenmassivs herab. Das von nun an nordwestwärts gerichtete, breite Tal ist auf den folgenden 5 Kilometern auffallend geradlinig begrenzt und tritt bei der Kleinstadt Staufen im Breisgau in die Rheinebene aus. Die Talsohle geht dort in ein ausgedehntes Binnendelta über, das der Fluss über niedrige Hügel der Vorbergzone hinweg und in die Rheinebene hinaus geschüttet hat.

Das Bett des Neumagen ist bis zur Mündung in die Möhlin auf dem Gebiet der Gemeinde Bad Krozingen seit dem 18. Jahrhundert begradigt, zunächst veranlasst durch die zwischen 1708 und 1748 nachweisbare Flößerei, später vor allem zum Schutz vor Hochwasser. Die ehemaligen Stromrinnen des Flusses gliedern wie auch das heutige Bett mit ihren Gehölzsäumen die weiträumige, von Ackerflächen geprägte Ebene.

Nutzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der heute idyllische Lauf im Münstertal lässt kaum noch erkennen, wie stark die Wasserkraft des Neumagen bereits im Mittelalter durch Seitenkanäle für den Bergbau und die Weiterverarbeitung des Erzes genutzt wurde. Als Folge dieser Nutzung weisen heute Sedimente oder vom Fluss angeschwemmte Böden eine erhöhte Konzentration von Schwermetallen auf.[3]

Auf dem Gebiet der Stadt Staufen ist die Errichtung eines Wasserkraftwerks geplant, womit an die mittelalterliche und neuzeitliche Nutzung (Gewerbekanal in Staufen mit ehemals zahlreichen Wassermühlen) des Flusses angeknüpft wird.

Wasserführung und Abflussmerkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusammenfluss von Möhlin (links) und Neumagen

Der Neumagen erreicht die Möhlin nach Verzweigungen und mit verminderter Wasserführung durch die (besonders im Sommer sichtbaren) Versickerungsverluste in den sandig-kiesigen Untergrund seines Schwemmfächers. Die Möhlin erschien so vor der Kanalisierung trotz ihrer weit geringeren Wasserführung als der Hauptfluss, zumal ihr zuvor am Fuß des Neumagen-Schwemmfächers auch versickertes Wasser des Neumagen zutritt. Der Neumagen hat an der Mündungsstelle eine mittlere Wasserführung von 1,88 m³/s, die Möhlin eine von 0,85 m³/s.[1]

Durch die Versickerungen in den Schottern der breiten Talsohle und besonders in der Oberrheinebene kann die sommerliche Niedrigwasserführung extrem gering sein (bis hinunter zu 0,1 m³/s) im Untermünstertal; ab Oberkrozingen kann es zum vollständigen Austrocknen kommen wie in den Jahren 1976, 1983, 1989, 1990, 2003, 2011 und 2015. Dagegen kann der Neumagen aufgrund des geringen Speichervermögens der Gebirgsböden und der Steilheit der Hänge in seinem Einzugsgebiet nach Gewitterniederschlägen oder im Zusammenhang mit der Schneeschmelze gefährlich schnell über die Ufer treten. Die höchsten Abflüsse wurden im Mai 1994 mit 44,1 m³/s und im September 2006 mit 111 m³/s gemessen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Geoportal Baden-Württemberg: LUBW-Dienst Fließgewässer – Abfluss-Kennwerte, Stand: 18. September 2016
  2. Hochwasservorhersagezentrale, Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg
  3. Korinna Thiem: Die historische Landschaftsanalyse als Methode für Fließgewässerbewertung am Beispiel des Münstertals im Schwarzwald /, Dissertation, Institut für Landespflege, Freiburg im Breisgau 2006, ISBN 3-933390-33-8, online [1]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Neumagen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien