Neumark (Landschaft)

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Die Mark Brandenburg im Spätmittelalter mit der Neumark östlich der Uckermark und der Mittelmark

Die Neumark (poln. Nowa Marchia) ist eine östlich der Oder gelegene historische Landschaft, die heute größtenteils (mit Ausnahme u. a. von Arnswalde, Königsberg (Neumark), Soldin und der bei Deutschland verbliebenen Teile) der polnischen Woiwodschaft Lebus angegliedert ist. Die Neumark bildete neben der Kurmark bis 1815 einen der beiden Landesteile der Mark Brandenburg. Anschließend gehörte sie bis 1945 zur preußischen Provinz Brandenburg (Regierungsbezirk Frankfurt).

Ursprüngliches Kerngebiet der Neumark auf einer Landkarte von 1905: Östlich der Oder zwischen Küstrin und Stettin, nördlich der Flüsse Warthe und Netze sowie westlich der Drage. Die nördliche Grenze zu Pommern liegt etwa auf der Linie Reetz-Stargard-Stettin.

Die Neumark entwickelte sich ab der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts prozesshaft im „Kräftespiel“[1] zwischen den Herzögen von Pommern, Großpolen und Schlesien sowie den Markgrafen von Brandenburg. Im Verlauf dieses Prozesses wurde die Waldregion zwischen Oder (im Westen), Warthe und Netze (im Süden) und Drage (im Osten) (später die Kreise Königsberg/Nm., Landsberg und Soldin) um weitere Kleinlandschaften (terrae) erweitert, bis sie 1535 unter Markgraf Johann von Küstrin ihren größten Umfang erreichte, einschließlich des Gebietes um Cottbus in der Niederlausitz (nun also auch diesseits der Oder, bis zur Oberspree).

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Neumark war im Westen und Süden von der Oder begrenzt, im Norden grenzte sie an die Provinz Pommern und im Osten an Polen bzw. von 1815 bis 1920 an die preußische Provinz Posen. Neben der Oder beherrschten die Flüsse Warthe und Netze mit ihren weiten Sumpfgebieten die Landschaft. Zur Zeit ihrer größten Ausdehnung (Ende des 17. Jahrhunderts) umfasste die Neumark die Kreise Königsberg Nm., Soldin, Landsberg (Warthe), Friedeberg Nm., Arnswalde, Dramburg, Schivelbein, Sternberg, den vormals schlesischen Kreis Crossen und den historisch-geographisch zur Niederlausitz gehörenden Kreis Cottbus.

Da nach der Oderregulierung im 18. Jahrhundert der Grenzverlauf im Westen nicht geändert wurde, erstreckte sich die Neumark seitdem auch auf das heutige westliche Oderufer. Diese im späteren Landkreis Königsberg Nm. gelegenen Orte [2] (unter anderem die Gemeinden Bralitz, Altglietzen, Schiffmühle, Neutornow, Gabow, Neuenhagen, Hohenwutzen, Neurüdnitz, Altreetz, Adlig Reetz, Königlich Reetz, Altwustrow, Neuwustrow, Croustillier, Neuküstrinchen, Neuranft, Karlsbiese, Karlshof, Alt und Neu Bleyen, die Gemeindeteile Neulietzegöricke, Zäckericker Loose, Zelliner Loose, Drewitz Ausbau, Güstebieser Loose, Schaumburg) sowie die westlich der Oder gelegenen Gemeindeteile der Stadt Küstrin und der im Landkreis Weststernberg gelegenen Gemeinden Aurith und Kunitz (Kunitz-Loose) verblieben als Reste der Neumark nach 1945 bei Brandenburg.

Geschichte bis 1320[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eroberungen und Gebiete im Fokus des Expansionsinteresses polnischer Herzöge zwischen 1102 und 1138. Die dunkelrosa markierte Fläche zwischen Pommern (hellrosa) im Norden und Großpolen sowie Schlesien im Süden kennzeichnet ein Gebiet, aus dem zu nicht unerheblichen Teilen später die brandenburgische Neumark entstand.

Das Herzogtum Polen hatte noch zur Zeit Kaiser Ottos III. unter der Oberhoheit des deutsch-römischen Reichs gestanden. Nach dem unverhofften Tod Ottos III. 1002 bemühte sich Boleslaw Chrobry, Herzog von Polen, die günstige Gelegenheit nutzend, sein Herrschaftsgebiet nach Westen hin auszudehnen. Er brach in die obere Lausitz ein und brachte die gesamte Mark Geros unter seine Kontrolle, Bautzen und Strehlen wurden genommen und nach stärkerem Widerstand auch Meißen. Bis zur Weißen Elster und zur Saale dehnte er seine Herrschaft aus. Nachdem Kaiser Heinrich II. die Nachfolge Ottos III. angetreten hatte, erschien Boleslaw vor ihm auf dem Reichstag zu Merseburg und bemühte sich, die eroberten Gebiete vom König als Lehen zu erhalten. Er musste jedoch Meißen herausgeben, die Lausitz und das Land der Milzener verblieben ihm.[3] 1025 wurde er König von Polen.

Unter anderem auch durch Druck von außen und infolge von Erbrivalitäten der Söhne und Enkel der Herrscher zerfiel die zentrale Macht des Herzogtums Polen. Bolesław III. Schiefmund gelang es noch einmal, von 1102 bis 1138 eine zentrale Herrschaft aufzubauen, die aber ebenso wieder in sechs unabhängige Herzogtümer zerfiel. Das Augenmerk der Herzöge von Pommern, Großpolen und Schlesien richtete sich nun auf die nur schwach besiedelte Waldregion zwischen Oder, Netze, Warthe und Drage. Sie beschenkten die größten und bedeutendsten internationalen Orden (Templer, Johanniter, Zisterzienser) und auch Bistümer und Adelsgeschlechter (Wedel, Liebenow und Uchtenhagen) mit umfangreichem Hufenbesitz zur Besiedlung der Region. Die Gründe waren einerseits religiöser Natur, anderseits verbarg sich dahinter aber auch die Absicht, aus Sicherheitsgründen eine Pufferzone gegenüber den Herrschaftsgebieten der Rivalen zu schaffen.[4] Die Forschungen Christian Gahlbecks (2002)[5] haben ergeben, dass die Ritterorden ihr Siedlungswerk gar nicht erst in vollem Umfang begonnen haben und dass die Zisterzienser die Besiedlung ablehnten, solange nicht die Machtfrage geklärt war. Diese zögerliche Haltung der großen Orden gab den Adelsfamilien Wedel, Liebenow, Uchtenhagen und Behr die Chance, eigenen Besitz und Einfluss zu mehren.

Die machtpolitische Schwäche Polens nutzten die seinerzeit etwa 25 Jahre alten brandenburgischen Markgrafenbrüder Johann I. und Otto III. („die Städtegründer“) zu ihren Gunsten. Im Teltowkrieg 1239–1245 hatten sie die wettinischen Markgrafen von Meißen aus Köpenick und dem östlichen Barnim und Teltow vertrieben. In diesem Streit wurden die Erzbischöfe von Magdeburg als Schiedsrichter eingesetzt. Deren Neutralität wurde jedoch angezweifelt, da sie selber dringend die umstrittenen Gebiete als Zugang zum Bistum Lebus benötigten, das ihnen vom Kaiser versprochen worden war. Sie unterstützten zunächst die Wettiner, da ihnen die Askanier gefährlicher erschienen. Als die Askanier sich jedoch als Sieger abzeichneten, paktierten sie mit diesen, um ihre Ansprüche auf das 1225 gegründete Bistum Lebus durchzusetzen, das sich auf beiden Seiten der Oder erstreckte.

Nach dem Tode Herzogs Heinrich II. in der Schlacht bei Liegnitz 1241 wuchs zunächst der Magdeburger Einfluss. Bei der Teilung des Piastenherzogtums Schlesien durch dessen Sohn Boleslaus II. im Jahre 1248 verlor dieser das Land Lebus, das zum Kondominium des Erzbistums Magdeburg und der Askanier wurde, aber schon 1252 geteilt wurde. 1287 wurden schließlich die Markgrafen von Brandenburg durch die Verpfändung des Magdeburger Anteils Alleinherrscher der Burg und des Landes Lebus. Sein Gebiet reichte über die Oder und Küstrin hinaus bis zum Fluss Mietzel.

Schon im 12. Jahrhundert begegneten sich Pommern und (Groß-)Polen mit ihren territorialen Ansprüchen östlich der Oder im unteren Wartheraum, und zwar an den strategisch wichtigen Übergängen über die Netze, die eine Zeitlang die Grenze bildete, in Zehden, Zantoch und Driesen. Im strategischen Kräftespiel fanden in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts die großzügigen Landschenkungen an die Orden, Bistümer und Ritter statt. Die angeworbenen Neusiedler kamen vor allem aus dem Stammesherzogtum Sachsen.

Nach der Beseitigung auch der Magdeburger Konkurrenz 1252 konnten auf dieser Grundlage die „Städtegründer“ Johann I. und Otto III. erfolgreich aufbauen. Der zunehmende Fernhandelsverkehr erforderte bessere Straßen mit leichteren Flussübergängen. Der erste Schritt war die Gründung Frankfurts an der Oder 1253 in Konkurrenz zur polnisch-schlesischen Gründung Lebus. 1257 folgte die netzeaufwärts gelegene Stadt Landsberg, ebenfalls verkehrsgünstiger gelegen als die alte Kastellanei Zantoch auf einem Hochufer. Danach kamen Soldin (nach 1261), Arnswalde (vor 1269), Berlinchen (1278), Schievelbein (um 1292), Dramburg (1297) u. a. hinzu. Die geistlichen Ritterorden wurden aus dem Westteil dieser neuen „terra transoderana“ oder „marchia nova“ verdrängt und billig abgefunden. Die Bezeichnung Neumark (neuwe Mark obir Oder) wurde erstmals 1397 gebraucht.

Bei den als Netzeübergänge in umstrittener Grenzlage gelegenen Kastellaneien Zantoch und Driesen waren sowohl auf dem nördlichen, pommerschen Ufer als auch auf den gegenüberliegenden (groß)polnischen Ufer Burgen zur gegenseitigen Kontrolle errichtet worden. Um 1300 waren die Burgen Zantoch und Driesen in askanischem Besitz, ebenso die Stadt Meseritz mit dem Kloster Paradies.

Die Soldiner Burg war von den Tempelrittern 1234 erworben worden, die sie 1261 an die Markgrafen von Brandenburg verkauften. 1270 wurde ihr die wichtige Kastellanei Zantoch übereignet. Die bereits seit 1228 in Soldin mit einer Terminei vertretenen Dominikaner errichteten 1275 ein Kloster. Die Kollegiatstiftskirche SS. Peter und Paul an der Soldiner Pfarrkirche (1298) machte die Stadt auch zum geistlichen Zentrum, wodurch Soldin so viel Bedeutung erlangte, dass es zur Hauptstadt der Neumark (in den damaligen Grenzen) wurde, bis es diese Funktion 1548 an Küstrin verlor, die Residenz des Kurfürsten Johann (Brandenburg-Küstrin). [6]

Vom Aussterben der Askanier bis zur Reformation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Aussterben der Askanier 1320 ließ das Interesse der jeweiligen Herrscher Brandenburgs an der Neumark spürbar nach. Weder die Wittelsbacher (1323–1373) noch die Luxemburger Herrschaftshäuser kümmerten sich um die Weiterentwicklung ihrer östlich der Oder gelegenen Gebiete. Dieser Stillstand verbesserte vorübergehend die Position der polnischen Seite im politischen Kräftespiel. 1402 wurde die Neumark vom Luxemburger Sigismund an den Deutschen Ritterorden verpfändet, 1429 ging sie in dessen Besitz über, doch ließ auch der Orden das Land weiter verfallen. Im Jahre 1433 wurden Teile der Neumark von Hussiten schwer zerstört. Anfang Juni begann der Einmarsch von Hussiten und Polen, am 4. Juni wurde Zantoch erobert, vom 9. bis 15. Juni Landsberg belagert. Währenddessen wurde in weitem Umkreis alles verwüstet, zahlreiche Dörfer wurden niedergebrannt. Am 15. Dezember 1433 schlossen der Deutsche Orden und der König von Polen einen Frieden auf zwölf Jahre, er sah unter anderem vor, dass der Orden den Bischöfen von Polen den Besitz aller Güter, Dörfer und Besitzungen, die ihnen von alters her gehört hatten, wieder einräumen sollte.

Die eigene Misswirtschaft zwang den Orden, die Neumark bereits 1454 wieder an den brandenburgischen Kurfürsten Friedrich II. aus dem Hause Hohenzollern zu verpfänden. Nachdem Friedrich II. die Neumark 1463 für 40.000 Gulden endgültig erworben hatte, gehörte die Neumark mit Ausnahme der Zeit zwischen 1535 und 1571 auf Dauer zu Brandenburg. 1535 machte Markgraf Hans von Küstrin die Neumark zeitweise zu einem selbständigen Staatsgebilde und leitete die Konsolidierung des Landes ein. Dabei wirkten sich die Folgen der 1537 eingeführten Reformation günstig aus, denn der gesamte Stifts- und Klosterbesitz mit seinen reichen Einnahmen wurde in landesherrliches Eigentum überführt.

Die Neumark von der Reformation bis zum Wiener Kongress 1815[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1548 wurde der Regierungssitz von Soldin nach Küstrin verlegt. Mit dem Tode von Hans von Küstrin sowie von dessen Bruder 1571 gab es keine erbberechtigten männlichen Nachkommen und die Neumark wurde wieder mit dem Kurfürstentum Brandenburg vereinigt. Die Neumark wurde in der Folge von den Landvögten Detlof von Winterfeld, Komtur zu Schievelbein, und später von dessen Sohn Georg von Winterfeld, Herrenmeister des Johanniterordens, ebenfalls Komtur zu Schievelbein, verwaltet. Der Dreißigjährige Krieg machte der Neumark schwer zu schaffen. Schwedische wie kaiserliche Truppen zogen plündernd und brandschatzend durch das Land, die Pestepidemien der Jahre 1626 und 1631 rafften die Bevölkerung dahin. Während der schwedischen Besetzung musste die Neumark 60.000 Taler und 10.000 Wispel Roggen an Stationierungskosten aufbringen.

Mit der Gründung des preußischen Staates 1701 begann sich die Situation der Neumark wieder zu verbessern. Bereits unter König Friedrich I. setzte eine neue Kolonisationswelle ein. Zu den neuen Einwanderern zählten auch zahlreiche reformierte Franzosen, die ihres Glaubens wegen ihre Heimat verlassen mussten. Zielgerichtet wurde in der Neumark das Tuchmacherhandwerk angesiedelt. Einen erneuten Rückschlag für das wirtschaftliche Leben brachte der Siebenjährige Krieg mit sich, als erneut hohe Kontributionen aufgebracht werden mussten. Erheblicher Landgewinn und wirtschaftliche Konsolidierung kam durch das Trockenlegungsprogramm von Friedrich dem Großen für das Warthe- und Netzebruch ab 1770 für die Neumark zum Tragen.

Die Neumark von 1815 bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwaltungsgliederung der Neumark ab 1897

Die Neugliederung Preußens auf Grund der territorialen Veränderungen durch den Wiener Kongress 1815 veränderte auch die politische Gliederung der Neumark. Die Kreise Dramburg und Schivelbein sowie die nördlichen Teile des Kreises Arnswalde mit der Stadt Nörenberg wurden der Provinz Pommern zugeschlagen. Das verbliebene Gebiet der Neumark mit den Kreisen Landkreis Königsberg/Nm., Soldin, Arnswalde, Friedeberg, Landsberg (Warthe), Sternberg (1873 geteilt in Weststernberg (Reppen) und Oststernberg (Zielenzig)), Züllichau-Schwiebus und Crossen wurde in den neu geschaffenen Regierungsbezirk Frankfurt der Provinz Brandenburg eingegliedert. Zum 1. Januar 1836 wurde der Kreis Küstrin aufgelöst und auf die Kreise Königsberg/Nm., Landsberg (Warthe) und Lebus aufgeteilt. Als 1938 die Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen aufgelöst wurde, wurde die Neumark um die Kreise Schwerin (Warthe) sowie Teile der Kreise Meseritz und Landkreis Bomst erweitert, im Gegenzug gingen aber die Kreise Arnswalde und Friedeberg an die Provinz Pommern.

Die Rote Armee erreichte die Neumark Ende Januar 1945. Von den 645.000 Einwohnern (Volkszählung 1939) waren noch rund 400.000 im Lande.[7] Von ihnen kamen in den darauffolgenden Wochen bis Kriegsende viele ums Leben.

Die Neumark in Polen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Frühjahr 1945 unterstellte die Sowjetunion die rechts von Oder und Neiße gelegenen Gebiete der Neumark der polnischen Zivilverwaltung. Durch die Übereinkünfte der Potsdamer Konferenz (Potsdamer Abkommen) vom Juli/August 1945 wurde das Gebiet vorläufig und vorbehaltlich einer friedensvertraglichen Regelung unter polnische Verwaltung gestellt. Die ansässige Bevölkerung wurde dann jedoch bis 1947 unter Missachtung der Atlantik-Charta fast vollständig von den örtlichen polnischen Verwaltungsbehörden vertrieben und per Dekret vom 6. März 1946 enteignet. Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung, zumeist Spezialisten wie Techniker für Wasserwerke, wurde zurückgehalten und musste Zwangsarbeit leisten. Diese Personengruppe durfte Ostbrandenburg Anfang der 1950er-Jahre verlassen.

An die Stelle der deutschen Bevölkerung traten zu etwa zwei Dritteln Zuwanderer aus Zentralpolen sowie zu ca. einem Drittel ehemalige Angehörige polnischer und ukrainischer Minderheiten aus Gebieten östlich der Curzon-Linie. Die betreffenden Gebiete östlich der Curzon-Linie waren nach dem Ersten Weltkrieg im Polnisch-Sowjetischen Krieg (1919–1921) unter Missachtung der Curzon-Linie erobert worden und mussten nach dem Zweiten Weltkrieg an die Sowjetunion abgetreten werden. Angehörige von Minderheiten in diesen Gebieten waren nach Ende des Zweiten Weltkriegs vor die Wahl gestellt worden, entweder eine neue Staatsangehörigkeit zu akzeptieren oder auszusiedeln.

1975–1998 war die Neumark den Woiwodschaften Gorzów Wielkopolski (Landsberg/Warthe) und Zielona Góra (Grünberg) angegliedert; nur ein kleiner Teil um Chojna (Königsberg Nm.) lag in der Woiwodschaft Szczecin (Stettin). Die völkerrechtliche Zugehörigkeit zu Polen wurde 1990 mit Abschluss des deutsch-polnischen Grenzvertrags bestätigt.

Mit der Neugliederung Polens nach der Demokratisierung kam der größte Teil der Neumark zur Woiwodschaft Lebus, deren Kernland sie nun bildet. Ein kleiner Teil (z. B. Soldin) gehört zur Woiwodschaft Westpommern.

Infrastruktur der Neumark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet der Neumark war von jeher von der Land- und Forstwirtschaft geprägt. Auch die mittelgroßen Siedlungen waren zumeist Ackerbürgerstädte. Vom 19. Jahrhundert an gewann das Tuchmachergewerbe an Bedeutung. Mit dem Bau der modernen Verkehrswege, die Reichsstraße 1 BerlinKönigsberg und die Ostbahn durchquerten die Neumark, wurde auch die Voraussetzung für industrielle Ansiedelungen geschaffen. Sie waren hauptsächlich auf die Bedürfnisse der Landwirtschaft ausgerichtet und konzentrierten sich auf die beiden großen Städte Landsberg und Küstrin.

Schlösser und Gärten in der Neumark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Neumark ist reich an bau- und kunstgeschichtlich wertvollen und interessanten Burgen, Schlössern und Herrenhäusern aus unterschiedlichen Stilepochen. Der Forschungsstand zu diesen Bauten und ihren wertvollen Park- und Gartenanlagen ist unterschiedlich. Während sich von den Inventarbänden der Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg, die zwischen 1902 und 1945 erschienen sind, immerhin sechs von insgesamt elf ehemaligen ostbrandenburgischen Kreisen den dort vorhandenen Schlössern und Herrenhäusern in differenziertem Umfang widmen, fanden insgesamt 29 Anlagen erstmals schon zuvor in dem 1857–1883 erschienenen populären Tafelwerk des Berliner Verlegers Alexander Duncker über „die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der ritterschaftlichen Grundbesitzer in der preußischen Monarchie nebst den königlichen Familien-, Haus-, Fideicommiss- und Schatullgütern“ mit zeitgenössischen Abbildungen und Text Aufnahme und dadurch Beachtung über die Kreisgrenzen hinaus. In dem Buch von Hans Joachim Helmigk über märkische Herrenhäuser aus alter Zeit (1929) werden 25 Bauten in der Neumark erwähnt und in dem Inventar über die alten Gärten und ländlichen Parke in der Mark Brandenburg von Paul Ortwin Rave (1939) sind bereits 64 Schloss- und Gutsparks beschrieben. Neuere polnische Inventare gehen für die historische Region der Neumark von ca. 90 bemerkenswerten Anlagen aus.

Der Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark in der Deutschen Gesellschaft e. V. widmet seit 2005 eine eigene Schriftenreihe mit Einzelmonographien den Schlössern und Gärten der Neumark, die zweisprachig in deutsch und polnisch in Kooperation mit der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit herausgegeben wird und damit ein Novum in der deutschen Kunstgeschichtsschreibung darstellen dürfte. Die Texte erarbeiten polnische und deutsche Kunsthistoriker und Historiker. Bisher erschienen die Hefte Sonnenburg, Tamsel, Küstrin, Wildenbruch, Lagow, Mergenthin, Charlottenhof, Gleissen, Pförten und Hanseberg. Weitere sind in Vorbereitung.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Ludwig Quandt: Das Land an der Netze nebst der Neumark, wie sie von Pommern besessen und verloren wurden. In: Baltische Studien, Band 15, Stettin 1857, S. 165–204.
  • Johannes Voigt: Die Erwerbung der Neumark, Ziel und Erfolg der Brandenburgischen Politik unter den Kurfürsten Fredrich I. und Friedrich II 1402–1457. Nach archivalischen Quellen. Berlin 1863 (E-Kopie).
  • Karl Kletke: Regestae Historiae Neomarchicae. Die Urkunden zur Geschichte der Neumark und des Landes Sternberg.
    • Band 1. In: Märkische Forschungen. Band 10, Berlin 1867 (E-Kopie).
    • Band 2. In: Märkische Forschungen. Band 12, Berlin 1868 (E-Kopie).
    • Band 3: Markgraf Johann (Hans) von Cüstrin 1513–1571. In: Märkische Forschungen, Band 13, Berlin 1876.
  • Adolph Friedrich Johann Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis. Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Geschichtsquellen für die Geschichte der Mark Brandenburg und ihrer Regenten. Band 18, Berlin 1859 (E-Kopie).
  • Heinrich Berghaus: Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafentums Nieder-Lausitz in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Band 3, Brandenburg 1856, § 63: Territorial-Geschichte der Neumark (E-Kopie).
  • Georg Wilhelm von Raumer (Hrsg.): Die Neumark Brandenburg im Jahre 1337 oder Markgraf Ludwig's des Aelteren Neumärkisches Landbuch aus dieser Zeit. Nicolaische Buchhandlung, Berlin 1837 (E-Kopie).
  • Anton Friedrich Büsching: Neue Erdbeschreibung. Band 9, Schaffhausen 1771, S. 1935–1956.
  • Eduard Ludwig Wedekind: Sternbergische Kreis-Chronik. Geschichte der Städte, Flecken, Dörfer, Kolonien, Schlösser etc. dieses Landestheiles von der frühesten Vergangenheit bis auf die Gegenwart. Zielenzig 1855 (E-Kopie).
  • Friedrich Wilhelm August Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. Band 3: Die Neumark Brandenburg. Berlin 1809, (E-Kopie)
  • Alexander Duncker (Hrsg.): Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der ritterschaftlichen Grundbesitzer in der preußischen Monarchie nebst den königlichen Familien-, Haus-, Fideicommiss- und Schatullgütern in naturgetreuen, künstlerisch ausgeführten, farbigen Darstellungen nebst begleitendem Text, Berlin 1857–1883, Band 1-16
  • Peter-Michael Hahn / Hellmut Lorenz (Hrsg.): Herrenhäuser in Brandenburg und der Niederlausitz. Kommentierte Neuausgabe des Ansichtenwerks von Alexander Duncker (1857–1883), Berlin 2000, 2 Bände
  • Markus Jager: Schlösser und Gärten der Neumark. Ein Überblick über die Entwicklung vom 16. bis zum 20. Jahrhundert. In: Schlösser und Gärten der Mark. Festgabe für Sibylle Badstübner-Gröger. Herausgegeben von Markus Jager für den Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark. Berlin 2006
  • Erich Blunck (Hg.): Die Kunstdenkmäler des Kreises Königsberg (Neumark). Geographisch geologische Übersicht / Die Stadt Königsberg / Die nördlichen Orte / Die Stadt Cüstrin / Die südlichen Orte (Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg, 7 T. 1). Vossische Buchhandlung, Berlin 1927–1929.
  • Gerd Heinrich: Berlin und Brandenburg. Mit Neumark und Grenzmark Posen-Westpreußen (Kröners Taschenausgabe, 311). Alfred Kröner Verlag, Stuttgart ³1995, ISBN 3-520-31103-8. – Mit einigen Beiträgen von Johannes Schultze zu Orten der Neumark.
  • Jörg Lüderitz: Die Neumark entdecken. 3. Auflage. Berlin 2003, ISBN 3-89794-019-1.
  • Jörg Lüderitz (Hrsg): Neumärkisches Lesebuch. Landschaften und Menschen im östlichen Brandenburg. Berlin 2004, ISBN 3-89794-043-4.
  • Paweł Rutkowski (Hg.): Streifzüge zwischen Oder und Drage. Begegnungen mit der Neumark. Deutsches Kulturforum östliches Europa, Potsdam 2012. ISBN 978-3-936168-44-0.
  • Bernd Vogenbeck, Juliane Tomann, Ziemia Lubuska: Almanach Terra Transoderana. Zwischen Neumark und Ziemia Lubuska. Berlin 2008, ISBN 978-3-937233-50-5.
  • Veröffentlichungen des Vereins für Geschichte der Neumark.
  • Felix Escher: Neumark. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 6, Artemis & Winkler, München/Zürich 1993, ISBN 3-7608-8906-9, Sp. 1101–1102.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jürgen Petersohn: Der südliche Ostseeraum im kirchlich-politischen Kräftespiel des Reichs, Polens und Dänemarks vom 10. bis 13. Jahrhundert, Köln 1979, erweckt durch seine Wortwahl wohl nicht zu Unrecht den Eindruck, dass es beim Kräftespiel bis etwa 1350 nur um ein schachspielhaftes Kräftemessen ging, nicht um blutige Entscheidungskämpfe.
  2. Gemeindeverzeichnis Deutschland 1900 – Landkreis Königsberg (Neumark)
  3. Ezechiel Zivier: Polen. Perthes, Gotha 1917, S. 10.
  4. Walter Kuhn: Kirchliche Siedlung als Grenzschutz 1200 bis 1250 (am Beispiel des mittleren Oderraumes). In: Walter Kuhn: Vergleichende Untersuchungen zur mittelalterlichen Ostsiedlung, Köln/Wien 1973, S. 369–417.
  5. Christian Gahlbeck: Zisterzienser und Zisterzienserinnen in der Neumark, 2002 (Diss.), S. 95-119 (Grundzüge der politischen Entwicklung im Raum zwischen Oder und Drage während des 13. und frühen 14. Jahrhunderts.)
  6. Die Neufassung beruht auf Felix Escher: Neumark. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 6, Artemis & Winkler, München/Zürich 1993, ISBN 3-7608-8906-9, Sp. 1101–1102.; Johannes Schultze (Historiker): Art. Neumark. In: Handbuch der historischen Stätten Deutschlands Bd X Berlin und Brandenburg, 1973, S. 411–418; Christian Gahlbeck:.Zisterzienser und Zisterzienserinnen in der Neumark, 2002 (Diss.), S. 95–119 (Grundzüge der politischen Entwicklung im Raum zwischen Oder und Drage während des 13. und frühen 14. Jahrhunderts.)
  7. Jörg Lüderitz: Die Neumark: Durch die alte Kulturlandschaft östlich der Oder, Berlin 2008, ISBN 978-3-89794-122-9