Neumarkter Lammsbräu

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Neumarkter Lammsbräu Gebr. Ehrnsperger KG
Rechtsform Kommanditgesellschaft
Gründung 1628[1]
Sitz Neumarkt in der Oberpfalz, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung Johannes Ehrnsperger
Mitarbeiterzahl 141 (2019)[2]
Umsatz 26,8 Mio. Euro (2018)[2]
Branche Getränkehersteller einschl. Brauerei, Mälzerei
Website lammsbraeu.de

Betriebsstätte (Teilansicht: Altbau)

Die Neumarkter Lammsbräu Gebr. Ehrnsperger KG ist eine deutsche Brauerei und Mälzerei in Neumarkt in der Oberpfalz (Bayern). Das Unternehmen stellt Getränke mit Rohstoffen aus ökologischem Anbau her.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 1628 gegründete Betrieb befindet sich seit 1800 im Besitz der Familie Ehrnsperger und stellt seit 1986 Biere mit Rohstoffen aus ökologischem Landbau her, später kamen auch andere Getränke hinzu. 1992 wurde sie als erste Brauerei in Europa nach der EG-Bio-Verordnung zertifiziert. Seit 1995 ist das gesamte Sortiment auf Bio-zertifizierte Produkte umgestellt. 2010 regte das Unternehmen mit der Qualitätsgemeinschaft Biomineralwasser e. V. an, dass es auch für Mineralwasser Bio-Kriterien geben sollte. Die Qualitätsgemeinschaft wurde von der Familie Ehrnsperger gegründet und vergibt gegen Lizenzgebühren das Qualitätssiegel „Bio-Mineralwasser“. Mitglieder des Vereins sind unter anderem die Bio-Anbauverbände Bioland, Demeter und Naturland.

Geschäftsdaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im August 2008 wurde Susanne Horn in die Geschäftsführung des Familienunternehmens berufen, sie trat die Nachfolge von Franz Ehrnsperger (Inhaber) an.[3] 2018 hat Johannes Ehrnsperger die Geschäftsführung übernommen.[2]

2016 erzielte das Unternehmen mit 119 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 23 Mio. Euro. Der Gesamtabsatz lag bei über 200.000 hl.; 86.000 hl davon entfielen auf Bier.[4]

2018 steigerte sich der Gesamtabsatz auf 239.687 hl.; 100.288 hl. davon entfielen auf Bier.[2]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen ist Mitglied im Bundesverband Naturkost Naturwaren Herstellung und Handel e. V., in der Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller, Partner der Bio-Verbände Naturland und Bioland sowie Mitglied der Freien Brauer.

Unternehmensphilosophie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachhaltigkeitsmanagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen betreibt ein Nachhaltigkeitsmanagement (EMAS[5], ISO 14001,[6] EFQM[7]). Alle Entwicklungen werden seit 1992 in jährlichen Nachhaltigkeitsberichten dokumentiert. Für dieses Engagement ist die Brauerei bereits mehrfach ausgezeichnet worden.[8][9]

Nachhaltigkeitspreis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um eine nachhaltige Gesellschaftsentwicklung zu fördern verleiht das Unternehmen seit 2002 jährlich einen Nachhaltigkeitspreis[10] in fünf Kategorien: Privatpersonen, Non-Profit-Organisationen, Medienschaffende, Unternehmen sowie Mitarbeiter. Die Preisträger müssen ökologische und soziale Verbesserungen erreicht haben und eine nachhaltige Wirtschaftskultur fördern. Das Preisgeld beträgt 10.000 Euro.

Aktion Bier ohne Gentechnik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September 2006 hat das Unternehmen mit der Brauerei S. Riegele und der Stralsunder Brauerei ein Manifest zur dauerhaften Sicherung des deutschen Reinheitsgebots veröffentlicht, mit dem Agro-Gentechnik im Bier ausgeschlossen werden soll.[11] Dem Manifest haben sich 420 Brauereien angeschlossen.

Ökologisches Reinheitsgebot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das sich durch das Unternehmen selbst auferlegte „ökologische Reinheitsgebot“[12] soll das Reinheitsgebot und die Bio-Kriterien mit zusätzlichen Regularien für die Herstellung von Bier erweitern; ausgeschlossen werden Pestizide, gentechnisch veränderte Pflanzen, chemisch-synthetische Dünger und künstliche Hilfsstoffe.

Auszeichnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für sein ökologisches Herstellungsverfahren und Umweltmanagement wurde der Inhaber Franz Ehrnsperger 2001 mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet.[13]

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bio-Biere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pilsner
  • Edelpils
  • Dunkel
  • Schankbier
  • Festbier
  • Urstoff
  • Dinkel
  • Leichte Weiße
  • Weiße (helles Hefeweizen)
  • Schwarze (dunkles Hefeweizen)
  • EdelHell
  • Radler
  • Neumarkter Lammsbräu Gourmetbier-Editionen[14]

Zudem braut Lammsbräu jedes Jahr ein Sommer- und ein Winterfestbier, mit denen auch einige regionale Volksfeste (z. B. in Neumarkt und Parsberg) beliefert werden.

Alkoholfreie Bio-Biere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • alkoholfrei
  • Weiße
  • Dunkle Weiße
  • Radler
  • Aktivmalz (Malzbier)

Sonderprodukte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • glutenfrei
  • glutenfrei alkoholfrei

Bio-Erfrischungsgetränke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erfrischungsgetränkemarke von Lammsbräu heißt Now.

  • Black Cola
  • Orange Cola
  • Sunny Orange
  • Fresh Lemon
  • Red Berry
  • Red Kiss
  • Sweet Mandarin
  • Grape Fruit
  • Holler Blüte
  • Golden Peach
  • Pure Zitrone
  • Pink Rhabarber

Bio-Mineralwasser und -Schorle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • BioKristall (still/classic)
  • BioKristall Apfel - Holunderschorle
  • BioKristall Apfelschorle

Das BioKristall hat als erstes Mineralwasser in Deutschland das Bio-Zertifikat der Qualitätsgemeinschaft Biomineralwasser e. V.[15] durch die Zertifizierungsstelle BCS Öko Garantie GmbH erhalten. Dies bedeutet, dass das Mineralwasser allerhöchste streng definierte Reinheitsansprüche erfüllt – auch dort, wo die deutsche Mineralwasserverordnung keine Grenzwerte vorsieht (z. B. Pestizidabbauprodukte, Uran); es wird umweltfreundlich abgefüllt und transportiert. Die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs hat 2010 gegen die Bezeichnung Bio-Mineralwasser geklagt. Der Bundesgerichtshof hat 2012 jedoch entschieden, dass Bio-Mineralwasser als Verkaufsbezeichnung zulässig ist.[16] Lammsbräu hat Danone im November 2018 wegen irreführender Vermarktung von Volvic als Bio-Mineralwasser abgemahnt. Lammsbräu stellte z. B. keinen genügenden Schutz der Umwelt fest und wirft dem Unternehmen greenwashing vor.[17] Am 9. Juli 2019 untersagte das Landgericht Hamburg der Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser zwar herablassende Äußerungen gegenüber Fresenius wie „Schein-Bio-Siegel“, erlaubte aber differenzierte Kritik an „einer Reihe von Defiziten“ des Siegels.[18] Vor dem Landgericht Frankfurt verlor Lammsbräu im September 2019 zunächst in allen Punkten,[19] ging jedoch in Berufung. Am 29. April 2021 entschied das Oberlandesgericht Frankfurt, dass Fresenius das Siegel nicht mehr vergeben darf und Danone seine Marke Volvic nicht als „Mineralwasser in Bio-Qualität“ oder „natürlich bio“ bezeichnen darf.[20] Fresenius hat angekündigt, dagegen Revision einzulegen.[21]

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rohstoffe haben Bio-Qualität und stammen überwiegend aus der Region. Das Unternehmen kooperiert mit rund 100 Landwirten, die 2012 gemeinsam eine 4.650 Hektar große Fläche bewirtschafteten.
  • Der Hopfen stammt aus dem Spalter und Hersbrucker Land. Im Gegensatz zu heute üblicherem Hopfenpulver oder Hopfenextrakt wird er in ganzen Dolden verarbeitet. So sollen keine Inhaltsstoffe verloren gehen.
  • Die Gesellschaft stellt ihr eigenes Malz her, wodurch den Braumeistern mehr Einfluss auf Geschmacksnuancen und Färbungen gegeben wird.

Vertrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Produkte sind im Naturkosthandel, in Getränkefachmärkten sowie in der Gastronomie erhältlich. Die Bio-Biere und Bio-Erfrischungsgetränke sind deutschlandweit und in einzelnen europäischen Ländern erhältlich.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um esoterische Bedenken[22] bestimmter Kunden zu mildern, wurden Strichcodes der Ware mit einer zusätzlichen horizontalen Linie versehen.[23] Die Linie wurde im Oktober 2018 durch den Umriss eines Lamms ersetzt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Neumarkter Lammsbräu – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geschichte von Lammsbräu nach Eigendarstellung
  2. a b c d Stefanie Roth: Neumarkter Lammsbräu zieht Bilanz. In: mittelbayerische.de. 10. April 2019, abgerufen am 16. April 2019.
  3. Nina-Anika Klotz: Brauerei: Mit alkoholfreiem Bio-Bier zum Marktführer. In: zeit.de. 7. Dezember 2013, abgerufen am 9. Dezember 2014.
  4. Neumarkter Lammsbräu kann Bierabsatz steigern, auf www.nordbayern.de, abgerufen am 14. Februar 2017
  5. Nachhaltigkeitsbericht 2017, S. 129 (PDF)
  6. https://www.lammsbraeu.de/ueber-uns/zertifizierungen
  7. https://www.brand-trust.de/de/artikel/2012/Markenstrategie-Lammsbraeu-Susanne-Horn-Interview.php
  8. www.ranking-nachhaltigkeitsberichte.de (Memento vom 20. November 2013 im Internet Archive)
  9. www.emas.de
  10. lammsbraeu.de; abgerufen am 24. November 2020
  11. bier-ohne-gentechnik.de
  12. www.lammsbraeu.de (Memento vom 8. September 2012 im Internet Archive)
  13. Der Bio-Brauer Dr. Franz Ehrnsperger – Umweltpreisträger
  14. Gourmetbier-Edition: Lammsbräu 1628 Oak Aged - HopfenLiene. In: HopfenLiebe. 19. Mai 2016, abgerufen am 22. Mai 2016.
  15. www.bio-mineralwasser.de
  16. juris.bundesgerichtshof.de
  17. Lammsbräu mahnt Danone ab. In: mittelbayerische.de. 13. November 2018, abgerufen am 13. November 2018.
  18. https://getraenke-news.de/sgs-label-kein-schein-bio-siegel/
  19. https://getraenke-news.de/gericht-bestaetigt-bio-siegel/
  20. https://getraenke-news.de/lammsbraeu-gewinnt-bio-streit/
  21. https://getraenke-news.de/fresenius-will-in-berufung-gehen/
  22. Strichcode-Verschwörung. Labelident GmbH. 25. März 2015. Abgerufen am 24. Juni 2017.
  23. Strich durch Barcode: Lammsbräu in der Kritik. Verlag Nürnberger Presse Druckhaus Nürnberg. 24. Juni 2016. Abgerufen am 24. Juni 2017.

Koordinaten: 49° 17′ 2,1″ N, 11° 27′ 39,8″ O