Neumayer-Krugfrucht

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Neumayer-Krugfrucht
Neumayer-Krugfrucht (Amphoricarpos neumayerianus)

Neumayer-Krugfrucht (Amphoricarpos neumayerianus)

Systematik
Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Unterfamilie: Carduoideae
Tribus: Cynareae
Gattung: Krugfrucht (Amphoricarpos)
Art: Neumayer-Krugfrucht
Wissenschaftlicher Name
Amphoricarpos neumayerianus
(Vis.) Greuter

Die Neumayer-Krugfrucht[1] (Amphoricarpos neumayerianus) ist eine endemische Pflanzenart der westlichen und südlichen Balkanhalbinsel aus der Unterfamilie der Carduoideae in der Familie der Korbblütler (Asteraceae).

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blattrosette, hier am Wildstandort im Orjen

Die Neumayer-Krugfrucht ist, wie die beiden anderen Arten der Gattung, eine ausdauernde Pflanze. Sie bildet eine verholzende kurze Pfahlwurzel. Die (13-)20-50(-65) Zentimeter hohen Stängel sind aufrecht bis überhängend (bei Pflanzen, die in Steilwänden wachsen) und weißlich behaart.[2]

Die Blätter der Blattrosetten sind gegenständig, (0,15-)0,25-0,50(-0,65) mal so lang wie die Stängel, oberseits grün, kahl bis wenig behaart, unterseits weißwollig; sie sind lanzettlich bis eiförmig, elliptisch oder länglich-verkehrt eiförmig, am Grund verschmälert zu einem kurzen Stiel oder fast sitzend. (3-)5-25(-40) mal länger als breit, (5-)7-20(-23) Zentimeter lang und (5-)6-22(-32) Millimeter breit, ganzrandig, mit einem flachen oder bis 1,3 mm eingedrehten Rand und in einer Spitze endend.

Die (3-)4-7(-10) Stängelblätter sind alternierend, linear bis lanzettlich, selten lanzettlich-verkehrt eiförmig, ganz und kleiner; das unterste ist (1,5-)6-32(-40) mal länger als breit, (1,4-)4-17(-22) cm lang, (2-)4-14(-18) mm breit, ganz und mit einem flachen oder eingedrehten Rand und in einer Spitze endend; die Behaarung ist ähnlich dem der Blattrosetten-Blätter.

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blüte

Die Blütenkörbe stehen einzeln oder selten zu zweit oder zu viert. Sie weisen Durchmesser von 1,5-2(-2,5) Zentimeter auf. Die Hüllblätter sind zumeist länglich-eiförmig bis eiförmig-kugelförmig, in der Dritten Reihe (1-)1,2-2(-2,5) mal so lang wie breit, (4-)4,5-8(-9,5) Millimeter lang und (2,6-)3-4,5(-5) Millimeter breit, zumeist hakig gekrümmt, mit einer (0,2-)0,35-0,8(-0,95) Millimeter breiten Membran. Das Receptaculum ist konvex, mit ganzen oder gefransten Schuppen.

Die Blüten sind pink bis weißlich. Die Achänen sind (3,5-)4,5-7,5(-8,5) Millimeter lang, kaum bis dicht behaart, gerippt, die äußeren abgeflacht, die inneren zylindrisch. Die äußeren Achänen haben (0,1-)0,2-0,6(-0,8) Millimeter breite Flügel und (0,1-)0,2-1,1(-1,4) mm lange Öhrchen. Der Pappus ist (4,5-)6-10(-11) Millimeter lang.

Chromosomenzahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 24.[3]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Felspartien der oro-Mediterranen oder subalpinen Stufe ist die Neumayer-Krugfrucht Charakterart. In den subadriatischen Dinariden sind u. a. die Kupfer-Felsenbirne, Potentilla speciosa oder die Felsen-Moltkie mit vergesellschaftet

Das diskontinuierliche Areal umfasst die Bergregionen der Dinariden zwischen dem Vlašić in Bosnien und Herzegowina bis zum Tymfi im Pindus in Griechenland. Sie wird in Albanien, Bosnien und Herzegowina, Griechenland, Mazedonien, Montenegro und Serbien gefunden.

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein typisches Habitat sind Vorsprünge an Schichttreppen des Galziokarstes wie hier am Naturstandort in der Reovačka greda wo sie zusammen mit der Segge Carex kitaibelliana auftritt

Die Neumayer-Krugfrucht ist ein ausgesprochener Chasmophyt und Kalkfelsenart. Sie ist zugleich charakter- und namengebende Art der dinarischen subalpinen und oro-mediterranen Felsspaltenflur-Ordnung Amphoricarpetalia.

Pflanzensoziologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der diskontinuierlichen weiten Verbreitung und der zahlreichen lokalen Endemismen einzelner balkanischer Gebirgsgruppen ist die Neumayer-Krugfrucht in zahlreichen pflanzensoziologischen Assoziationen verbreitet. Dabei gehört die Ordnung Amphoricarpetalia Lkšić. zur Klasse der europäischen Felsvegetation Aspelnietea Rupestris Br. Bl. 1943 und ist hierin eine eigene Ordnung der Karbonatfelsfluren.

In den subadriatischen Südost-Dinariden wurde der Verband Amphoricarpion neumayeri Lkšić. ausgewiesen, der zwischen den Felsfluren der Ordnungen Amphoricarpetalia und Moltkeetalia überleitet in dem thermophile Arten mediterranen und submediterraner Ursprungs auftreten. Aus den kontinentaleren Hochdinariden wurden der Verband Amphoricarpion bertiscei Lkšić beschrieben. Diesem gehören zahlreiche illyrische kältetolerante Arten wie die Quendelblättrige Büschelglocke oder die Dinarische Akelei an.[4]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Čedomil Šilić 1990: Endemične biljke. Priroda Jugoslavije, Bd. 4, 3. Ausgabe, Svjetlost, Sarajevo. ISBN 86-01-02557-9. Hier S. 145
  2. Caković, Danka; Stešević, Danijela; Schönswetter, Peter; Frajman, Božo 2015: How many taxa? Spatiotemporal evolution and taxonomy of Amphoricarpos (Asteraceae, Carduoideae) on the Balkan Peninsula. Organisms Diversity & Evolution, 9/2015, Vol.15(3), pp.429-445 (Springer:PDF)
  3. Caković, Danka; Stešević, Danijela; Schönswetter, Peter; Frajman, Božo: S. 442
  4. Radomir Lakušić 1970: Die Vegetation der Südöstlichen Dinariden. Vegetatio, XXI, 4-6: 321-373, The Haag 1970 (online:JSTOR) Hier S. 338-342

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Neumayer-Krugfrucht (Amphoricarpos neumayerianus) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien