Neuses (Wendelstein)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Neuses
Koordinaten: 49° 20′ 6″ N, 11° 5′ 19″ O
Höhe: 325 (318–330) m ü. NHN
Einwohner: 311 (2014)
Postleitzahl: 90530
Vorwahl: 09122
Neuses Ortsdurchfahrt
Neuses Ortsdurchfahrt
Verbreitung germanischer Stämme um 50 n. Chr.
Reichsstädtisches Landgebiet von Nürnberg 1505–1806
Trogbrücke Main-Donau-Kanal

Neuses (umgangssprachlich: Naises[1]) ist ein Gemeindeteil des Marktes Wendelstein im Landkreis Roth (Mittelfranken, Bayern).

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf liegt etwa 13 Kilometer südlich von Nürnberg und fünf Kilometer östlich von Schwabach an der Staatsstraße 2239 zwischen Kleinschwarzenlohe und Penzendorf an der Schwarzach. Diese unterquert im Westen des Ortes den Main-Donau-Kanal und mündet am nordwestlichen Rand des Gemeindegebietes in der Nähe von Schwabach in die Rednitz. Im Norden liegt das Flurgebiet Vogelherd, im Nordosten die Flurgebiete Grund und Espan und im Osten der Hohenrain.

Die Staatsstraße 2239 führt nach Kleinschwarzenlohe (2,2 km nordöstlich) bzw. zu einer Auffahrt auf die hier autobahnähnlich ausgebaute Bundesstraße 2 (1,3 km südwestlich), die 1 km weiter nördlich auf die Autobahn A 6 mündet (AS 57 Roth).[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schwarzachtal war bereits in der Steinzeit von Menschen besiedelt, wie einzelne Funde belegen. Einige bronzezeitliche Gräber befinden sich nur wenige Kilometer flussaufwärts. Diese datieren auf circa 1600 bis 1300 v. Chr. Im Gemeindegebiet Wendelsteins sind bisher etwa 20 Bodendenkmäler aus mesolithischer, neolithischer, sowie aus der Latènezeit qualifiziert.[3] Zur Zeitenwende galt das gesamte Flusssystem Regnitz als das Ausbreitungsgebiet der Narisker (siehe Karte 1). Um das Jahr 650 stießen boirische Siedler aus Südosten in das Schwarzachtal vor, wurden allerdings etwa 725 von den aus Westen kommenden Franken wieder zurückgedrängt.

Der Ort wurde 1299 als „Newsezze“ (=neuer Sitz) erstmals urkundlich erwähnt. Aus dem Ortsnamen kann geschlossen werden, dass es sich um eine Ausgründung handelt.[4] Neuses bestand ursprünglich aus einer Mühle und fünf Bauernhöfen. Das Kloster Ebrach hatte dort ursprünglich einen Hof, der aber bereits 1302 veräußert wurde.[5] Man kann aber von einer deutlich früheren verstreuten bäuerlichen Besiedelung ausgehen, da die Nachbarorte Schwabach 1117 und Königshammer 1200 bereits urkundlich erwähnt wurden. Neuses liegt auf deren geradliniger Verbindung und ohne bereits eingesessene Bauern hätte es dort keiner Schankstätte oder Mühle bedurft.

Von 1505 bis 1806 war Neuses einer der Grenzorte zwischen dem Fürstentum Ansbach und dem Gebiet der Reichsstadt Nürnberg (siehe Karte 2).

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Neuses 10 Anwesen und ein Gemeindehirtenhaus. Das Hochgericht nördlich der Schwarzach übte das brandenburg-ansbachische Richteramt Kornburg aus, südlich der Schwarzach das Richteramt Schwand. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte die Reichsstadt Nürnberg inne. Alle Anwesen hatten Nürnberger Eigenherren als Grundherrn (von Holzschuher: 2 Ganzhöfe, 1 Ganzhof mit Tafernwirtschaft, 1 Dreiviertelhof, 1 Halbhof, 1 Köblergut, 1 Gütlein; von Praun: 2 Gütlein, 1 Mahlmühle).[6] 1801 gab es im Ort weiterhin 10 Anwesen.[7]

Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1808 Neuses dem Steuerdistrikt Großschwarzenlohe (II. Sektion) und der 1818 gebildeten Ruralgemeinde Kleinschwarzenlohe zugeordnet.[8]

Die historische Mühle wurde mehrfach ausgebaut und überformt und befindet sich nach Angaben der Betreiber seit 1880 im Familienbesitz. Ein Mühlenbetrieb findet immer noch statt, jedoch nicht mehr mit einem klassischen Mühlrad. Stattdessen wird die Wasserkraft zur Elektrizitätserzeugung mittels zweier fischfreundlicher Kaplanturbinen genutzt.[9] Weiterhin wird ein Mühlenladen betrieben.

Am 1. Mai 1978 wurde Neuses im Zuge der Gebietsreform in Bayern nach Wendelstein eingegliedert.[8]

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • An der Mühle 5: Dazugehörige Fachwerkscheune
  • Hembacher Weg 4: Dazugehörige Fachwerkscheune
  • Penzendorfer Str.: Gemeindehaus
  • Penzendorfer Str. 1: Ehemaliges Bauernhaus
  • Penzendorfer Str. 2: Gasthaus Weißes Roß
  • Schäferstr. 1: Dazugehörige Fachwerkscheune

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 001818 001840 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987 002014
Einwohner 87 95 105 84 109 87 86 136 119 110 240 311
Häuser[10] 15 14 15 15 15 21 24 65
Quelle [11] [12] [13] [14] [15] [16] [17] [18] [19] [20] [21]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der Reformation ist der Ort überwiegend evangelisch-lutherisch. Die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession nördlich der Schwarzach waren ursprünglich nach Unsere Liebe Frau (Katzwang) gepfarrt, die Einwohner südlich der Schwarzach waren in die Stadtkirche St. Johannes und St. Martin (Schwabach) gepfarrt.[6][22] Heute gehört der gesamte Ort zur Pfarrei St. Nikolaus (Kornburg).

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Pfingstmontag findet das jährliche Mühlenfest statt. Die örtliche Freiwillige Feuerwehr veranstaltet ein Sommerfest; jeweils im September wird Kirchweih gefeiert.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unmittelbar westlich von Neuses verläuft der Rhein-Main-Donau-Kanal, der hier mit einer imposanten 219 Meter langen Stahltrogbrücke den Unterlauf der Schwarzach und die Staatsstraße 2239 überspannt. 1979, also noch vor der vollständigen Fertigstellung des in diesem Abschnitt bereits gefluteten Kanales kam es im 4 km nördlich gelegenen Nachbarort Katzwang zu einem Dammbruch. In weniger als drei Stunden lief die gesamte Haltung aus und richtete umfangreiche Verwüstungen an.[23] Ein Todesopfer sowie mehrere Verletzte waren zu beklagen. Nach der Reparatur und konstruktiven Verbesserungen ging der Kanal in diesem Abschnitt dann 1987 zunächst bis zur Lände Roth in den (Sack-)Betrieb. Seit 1992 ist er durchgängig vom Main bis zur Donau befahrbar. Seit 2008 sind der Kanal und die Schwarzach in Neuses mit einem Hochwasserentlastungskraftwerk verbunden, das bis zu 550 kW an elektrischer Energie erzeugen kann.[24]

Westlich direkt neben dem Kanal verläuft eine Gemeindeverbindungsstraße, die die Staatsstraße 2239 mit der Staatsstraße 2407 verbindet, ein ehemaliger Betriebsweg. Früher wurden dort mächtige Bausandvorkommen abgebaut. Die ausgebeuteten Sandgruben wurden in den Jahren 1950 bis 1975 als Rest- und Hausmülldeponie genutzt und verfüllt. Während der Bauphase des Main-Donau-Kanals wurden die Deponien geschlossen, versiegelt und mit Kanalaushub überdeckt. Das Gelände wurde anschließend zum Teil renaturiert. Heute wird dort vor allem Bauschutt recycelt. Allerdings kommt es gelegentlich zu Geruchsbelästigungen der Anwohner bis hin zu den Nachbarorten, wenn Deponiegas austritt, oder eine der Deponien zu Kontrollzwecken geöffnet werden muss.

Öffentlicher Nahverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Bedarfshaltestelle des öffentlichen Nahverkehrs, über die Schwabach, Wendelstein und Feucht erreicht werden können, wird wochentags von einer Buslinie bedient. An Samstagen, Sonn- und Feiertagen besteht keine Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Neuses (Wendelstein) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. E. Wagner, S. 52. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transskribiert: náisəs.
  2. Neuses im BayernAtlas
  3. Denkmalsliste Wendelstein Seiten 20–22.
  4. E. Wagner, S. 52.
  5. So F. Eigler, S. 314. Nach Neuses auf der Website wendelstein.de Ersterwähnung 1435.
  6. a b F. Eigler, S. 408.
  7. J. K. Bundschuh, Bd. 3, Sp. 775.
  8. a b F. Eigler, S. 475f.
  9. Beschreibung der Mühle in Neuses
  10. Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  11. Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 63 (Digitalisat).
  12. Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 236 (Digitalisat).
  13. Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1086, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  14. Kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. Adolf Ackermann, München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen vom 1. Dezember 1871, Viehzahlen von 1873), Sp. 1252, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  15. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1187 (Digitalisat).
  16. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1260 (Digitalisat).
  17. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1297 (Digitalisat).
  18. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, DNB 453660975, Abschnitt II, Sp. 1125 (Digitalisat).
  19. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, DNB 453660959, Abschnitt II, Sp. 824 (Digitalisat).
  20. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, DNB 740801384, S. 180 (Digitalisat).
  21. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, DNB 94240937X, S. 349 (Digitalisat).
  22. W. Eigler, S. 311.
  23. Bilder zum Dammbruch in Katzwang 1979
  24. Bebilderter Bericht zur Wasserkraftanlage Wendelstein (Memento des Originals vom 7. Januar 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.nodig-bau.de (PDF-Datei)