Neustädter Kirche (Erlangen)

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Die Neustädter Kirche von Osten aus aufgenommen.

Koordinaten: 49° 35′ 44″ N, 11° 0′ 20″ O

Die Neustädter Kirche ist das Kirchengebäude der evangelisch-lutherischen Gemeinde in der 1686 gegründeten Neustadt Erlangen sowie Universitätskirche der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Neben der evangelisch-reformierten Hugenottenkirche und der evangelisch-lutherischen Altstädter Dreifaltigkeitskirche ist sie eine der drei großen Kirchen der Innenstadt, deren Türme bis heute das Stadtbild prägen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Erlass zur Gemeindegründung wurde am 22. Januar 1703 von Markgraf Christian Ernst unterzeichnet.[1]

Der fränkisch-preußische Rechtsphilosoph und konservative Politiker Friedrich Julius Stahl, später Professor an der Erlanger Universität, trat am 6. November 1819 durch die Taufe in der Neustädter Kirche vom Judentum zum Protestantismus über.[2]

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neustädter Kirche vom Dach der Erlangen Arcaden

Die Kirchen im Plankonzept der Barockstadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Architektur der Kirche bildet mit der Altstädter Kirche und der Hugenottenkirche eine Einheit. Dies wird schon an der Lage deutlich. Obwohl alle drei Kirchen sich auf der typischen West-Ost-Achse befinden, sind nur die beiden lutherischen Kirchen (Altstädter Kirche, Neustädter Kirche) geostet, also mit dem Chor in Richtung Osten gebaut. Ihr Turm steht auf der Westseite der Kirche. Die Hugenottenkirche ist genau spiegelverkehrt angelegt. Die Achse dazu bildet die Hauptstraße. Dazu befinden sich die beiden lutherischen Kirchen etwa auf einer von Norden nach Süden gezogenen Achse, die in ihrem Zentrum das Schloss hat.

Die Fassade[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auffällig an der Fassade ist vor allem das Säulenkonzept, das alle drei großen Innenstadtkirchen verbindet. Betrachtet man den Turm, so stellt man fest, dass er viergeteilt ist. Es finden sich an seinen vier Ecken von unten nach oben: dorische Kapitelle, ionische Kapitelle und korinthische Kapitelle. Darüber ist dann jeweils eine Aussichtsplattform, in deren Mitte sich dann ein kleiner achteckiger Turmaufsatz befindet.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte der Orgeln der Neustädter Kirche reicht zurück auf das Jahr 1741, als der Orgelbauer Johann Glis (Nürnberg) das erste Instrument mit 31 Registern erbaute. Die Orgel wurde mehrfach umgebaut, u. a. durch Erweiterung des Manual- und Pedalumfangs, Neuintonation, Einbau elektropneumatischer Taschenladen, Ergänzung der Disposition, Erweiterung um ein drittes Werk. Von der ursprünglichen Glis-Orgel sind bis heute das barocke Gehäuse vorhanden, das von dem Bildhauer Antonius Merz gestaltet wurde, sowie drei Register. Sechs Register stammen aus den Jahren 1910 und 1919 (G. F. Steinmeyer & Co., Oettingen).[3]

Das heutige Orgelwerk wurde in den Jahren 2004 und 2005 von der Orgelbaufirma Goll (Luzern/Schweiz) geschaffen, unter Wiederverwendung vorhandener historischer Substanz. Das Instrument hat 45 Register und drei Transmissionen auf drei Manualen und Pedal. Die Disposition wurde in Anlehnung an das fränkisch-barocke Klangbild von Glis-Orgeln angelegt. Die Spieltrakturen sind mechanisch. Die mechanischen Registertrakturen sind mit Elektromagneten ausgestattet. Über das zweite Manual ist die Chororgel anspielbar, die sich hinter dem Hochaltar befindet. Dieses Instrument mit 20 Registern wurde von der Orgelbaufirma Steinmeyer (Oettingen) im Jahre 1919 errichtet.[4]

I Hauptwerk C–g3

1. Bordoun 16′ G
2. Principal 8′ HG
3. Human Gedackt 8′ S
4. Viola da Gamba 8′ G
5. Doppelflöte 8′ S
6. Octava 4′ G
7. Spitzflöte 4′
8. Quinta 223 G
9. Super Octava 2′ G
10. Terz 135
11. Cornett V 8′
12. Mixtura IV 113 G
13. Fagott 16′
14. Trompete 8′
II Oberwerk C–g3
15. Rohrflöte 8′ G
16. Quintatön 8′ G
17. Salicional 8′ G
18. Principal 4′ HG
19. Klein Gedackt 4′ G
20. Viola 4′ G
21. Nasat 223 G
22. Flageolet 2′
23. Terz 135 G
24. Mixtura IV 2′ G
25. Krummhorn 8′
26. Vox humana 8′ G
Tremulant
III Schwellwerk C–g3
27. Violon 16′
28. Cor de nuit 8′
29. Tibia 8′ S
30. Gambe 8′
31. Voix céleste 8’
32. Prestant 4′
33. Flûte octaviante 4′
34. Octavin 2′
35. Plein jeu II-V 2′
36. Trompette harm. 8’
37. Hautbois 8’
38. Clairon 4’
Tremulant
Pedal C–f1
39. Untersatz 32′ S
40. Violon Bass 16′ S
41. Sub Bass 16′ S
42. Principal Bass 8′ HG
43. Violoncello (Nr. 4) 8′
44. Gedackt (Nr. 3) 8’
45. Bassetto 4′ G
46. Posaunen Bass 16′ G
47. Fagott (Nr. 13) 16′
48. Trompeten Bass 8’
HG = Original erhaltenes Register von Glis
G = in Anlehnung an die originale Glis-Disposition rekonstruiertes Register
S = Register von Steinmeyer (1910, 1919)

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Neustadt-evangelisch
  2. Vgl. Gerhard Masur: Friedrich Julius Stahl, Geschichte seines Lebens. Aufstieg und Entfaltung 1802–1840, Berlin, 1930, S. 20ff.
  3. Nähere Informationen zur Geschichte der Goll-Orgel (PDF)
  4. Informationen zur Information zur Orgel (PDF)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Neustädter Pfarrkirche (Erlangen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Homepage der Neustädter Kirchengemeinde