Neustadt an der Rems

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48.84749.323288Koordinaten: 48° 50′ 51″ N, 9° 19′ 23″ O

Neustadt
Wappen von Neustadt
Höhe: 288 m
Einwohner: 5698 (2005)
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Eingemeindet nach: Waiblingen
Postleitzahl: 71336
Vorwahl: 07151

Neustadt (Waiblingen-Neustadt) ist ein Teilort der Kreisstadt Waiblingen im Rems-Murr-Kreis, Baden-Württemberg, mit 5.698 Einwohnern (2005).

Neustadt 1899

Geschichte[Bearbeiten]

Neustadt wurde im Jahr 1298 zum ersten Mal urkundlich erwähnt als „daz Stättel, doz niuwe Waibelingen heizzet“. Die Gründung war sicher schon längere Zeit vorher, denn bei Ausgrabungen kamen Mauerreste einer Burg zutage, die wesentlich älter sind. König Albrecht I. bestätigte in dieser Urkunde Graf Eberhard dem Erlauchten von Württemberg die Schenkung des Städtleins, das im Krieg König Rudolfs gegen den Grafen auf württembergischen Gebiet als Stützpunkt bei der Belagerung Waiblingens wohl durch den Schwager Rudolfs I., den Landvogt Graf Albrecht von Hohenberg, angelegt worden war. Kern der Siedlung war eine Burg, von der 1494 noch Reste vorhanden waren. Neustadt war ummauert und hatte 3 Tore. Nach der Übergabe an Württemberg verlor Neustadt den Charakter einer Konkurrenzsiedlung zu Waiblingen[1].

Noch um das Jahr 1350 wurde Neustadt als „diu niuwe Stat ze Waybelingen“ bezeichnet. Doch dann entwickelte sich Neustadt letztlich zu einem Dorf. Im Jahr 1481 wird Neustadt, bisher eine Filiale der Michaelskirche in Waiblingen eine selbständige Pfarrei. Die Einwohnerzahl betrug damals 245. Lange war Neustadt ausschließlich landwirtschaftlich strukturiert. Dabei ist vor allem der Weinbau zu erwähnen, der am Söhrenberg heute noch betrieben wird. Einziges Gewerbe in der früheren Zeit war die Gewinnung von Gips, der als Dünger bis in die Gegend von Ellwangen vertrieben wurde.

Im Jahr 1682 wurden bei Umbauarbeiten an der Mühle drei Mineralquellen entdeckt. Die Blütezeit dieses „Bad Neustädtle“ begann aber erst 1819 mit der Erbauung eines Badgebäudes. Berühmte Gäste gingen ein und aus, so die Dichter Nikolaus Lenau und Karl Mayer, der Philosoph David Friedrich Strauß und Graf Alexander von Württemberg. Doch die Blütezeit war kurz.

Ende des 19. Jahrhunderts ging die Zahl der Kurgäste laufend zurück, bald war das Bad nur noch Luftkurort und von 1895 bis 1920 Erholungsheim der Ortskrankenkasse Stuttgart.

Im Jahr 1876 wurde die Murrtalbahn eröffnet; Neustadt bekam einen eigenen Bahnhof. Trotzdem blieb bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs die Landwirtschaft der wichtigste Erwerbszweig. Erst in den 1950er und 1960er Jahren wandelte sich die Ortschaft, nicht zuletzt durch den Aufstieg der Firma Stihl, die hier ihren Stammsitz hat, zu einer bedeutenden Industriegemeinde.

Dank einer guten Infrastruktur hat Neustadt aber auch als Wohngemeinde an Attraktivität gewonnen. Dazu trug auch der Anschluss an das S-Bahn-Netz im Jahr 1981 bei, durch den der Ort eine gute Verbindung in den gesamten Großraum Stuttgart bekommen hat. Die beiden zu Neustadt gehörenden Ortsteile Erbachhof und Klein-Hegnach haben noch am ehesten ihr ursprünglich landwirtschaftlich geprägtes Erscheinungsbild bewahrt.

Obwohl bei zwei Bürgerbefragungen jeweils weit über 90 % für die Erhaltung der Selbständigkeit gestimmt hatten, wurde am 1. Januar 1975 im Rahmen der Gemeindereform Neustadt in die Stadt Waiblingen eingegliedert. Doch eine selbstbewusste Bürgerschaft und ein reges Vereinsleben tragen dazu bei, dass Neustadt seine gewachsene Eigenständigkeit auch in der Zukunft bewahrt.

Wappen[Bearbeiten]

Wappen Neustadt

Das Wappen zeigt unter schwarzem Schildhaupt, darin eine goldene Traube mit goldenem Stiel und Blatt, in Rot ein liegendes, silbernes Fass mit schwarzen Reifen und links angebrachtem silbernen Zapfhahn.

Geografie[Bearbeiten]

Blick zum Remstalviadukt
Kirche
Detail

Der alte Ortsteil liegt etwa 270 m ü. NN auf einem Bergsporn, der nach Westen steil zum Remstal (ca. 220 m ü. NN) abfällt. Gegen Osten erstreckt sich eine Letten-und Gipskeuperfläche, aus der sich als höchste Erhebung der Söhrenberg (369 m ü. NN) erhebt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Historischer Ortskern mit den Resten der alten Befestigungsanlagen
  • Evangelische Martinskirche mit den im Jahr 1955 freigelegten kunsthistorisch bedeutenden Fresken aus dem 14. Jahrhundert
  • Katholische Kirche St. Maria, ein nach den Plänen von Prof. Kammerer im Jahr 1963 erstellter Kirchenbau in moderner und eigenwilliger Form. Die Marienkirche erhielt 1974 eine Orgel der Firma Haupt und Stahlgut in Luxemburg, die schon 1865 in der Pfarrkirche St. Jan Molenbeek in Belgien aufgebaut wurde. Das genaue Alter der Orgel ist nicht bekannt[2].
  • Standbild des „Zwetschgenklopfers“ von Fritz Nuss, in Anlehnung an den Spottnamen der Neustädter, die früher in schlechten Zeiten ihre unreifen Zwetschgen mit dem Hammer solange geklopft haben sollen, bis sie blau und weich wurden
  • Historische Gipsmühle bei der Neuen Kelter
  • Alter Römerweg in Richtung Sörenberg
  • Ehemalige Weinberganlagen sowie auch teilweise Wiederherstellung der Rebflächen im Remstal bei Neustadt

Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Straßenfest im Unterdorf findet derzeit alle zwei Jahre (in den ungeraden Jahren) statt

Touristikrouten[Bearbeiten]

  • Waiblinger Mühlenweg – von der Geheimen Mühle in Beinstein, über die Hahnsche Mühle und die Häckermühle bis zur Hegnacher Mühle
  • Remstal-Route – Touristikverband mit Rad- und Wanderwegen sowie gastronomischen und kulturellen Angeboten
  • Remstalradweg – 90 km lange Radfahrer-Strecke
  • Deutsche Fachwerkstraße
  • Württemberger Weinstraße

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Arbeitsgemeinschaft Neustadt in Europa

Neustadt an der Rems ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Neustadt in Europa, der 36 Städte in sechs Staaten angehören.

Literatur[Bearbeiten]

  • Simone Meyder: Große Individualität trotz Verdichtung. Reihen- und Terrassenhäuser der Siedlung „Im Schneider“ in Waiblingen-Neustadt. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 40. Jg. 2011, Heft 3, S. 164 f. (PDF)

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. [1]
  2. Beschreibung der Orgel auf der Homepage der katholischen Kirchengemeinde St. Maria http://www.stmaria.de/marienkirche/orgel/index.html