Neustadt an der Waldnaab

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Neustadt an der Waldnaab
Neustadt an der Waldnaab
Deutschlandkarte, Position der Stadt Neustadt an der Waldnaab hervorgehoben
Koordinaten: 49° 44′ N, 12° 10′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberpfalz
Landkreis: Neustadt an der Waldnaab
Höhe: 419 m ü. NHN
Fläche: 9,94 km²
Einwohner: 5747 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 578 Einwohner je km²
Postleitzahl: 92660
Vorwahl: 09602
Kfz-Kennzeichen: NEW, ESB, VOH
Gemeindeschlüssel: 09 3 74 139
Stadtgliederung: 4 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Stadtplatz 2
92660 Neustadt an der Waldnaab
Webpräsenz: www.neustadt-waldnaab.de
Bürgermeister: Rupert Troppmann (CSU)
Lage der Stadt Neustadt an der Waldnaab im Landkreis Neustadt an der Waldnaab
Landkreis Bayreuth Landkreis Schwandorf Weiden in der Oberpfalz Landkreis Tirschenreuth Landkreis Amberg-Sulzbach Georgenberg Neustadt am Kulm Pressath Trabitz Eschenbach in der Oberpfalz Bechtsrieth Windischeschenbach Weiherhammer Waldthurn Waidhaus Vohenstrauß Theisseil Tännesberg Störnstein Schwarzenbach (Oberpfalz) Schlammersdorf Schirmitz Püchersreuth Pirk Parkstein Neustadt an der Waldnaab Mantel (Markt) Luhe-Wildenau Leuchtenberg Kohlberg (Oberpfalz) Kirchenthumbach Kirchendemenreuth Irchenrieth Grafenwöhr Flossenbürg Floß (Oberpfalz) Etzenricht Eslarn Altenstadt an der Waldnaab Speinsharter Forst Manteler Forst Vohenstrauß Heinersreuther Forst (Oberpfalz) Tschechien Vorbach Speinshart Moosbach (Oberpfalz)Karte
Über dieses Bild
Neustadt/WN – neues Schloss
Neustadt/WN – Stadtplatz
Neustadt/WN – altes Schloss

Neustadt an der Waldnaab (amtlich: Neustadt a.d.Waldnaab) ist die Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises im bayerischen Regierungsbezirk Oberpfalz.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt im Oberpfälzer Wald im Herzen des Naturparks Nördlicher Oberpfälzer Wald an der Mündung der Floß in die Waldnaab.

Ausdehnung des Stadtgebietes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Neustadt an der Waldnaab hat vier Ortsteile[2]:

Auf 9,6 km² wird das Gebiet der flächenmäßig kleinsten Kreisstadt Bayerns von der Waldnaab und der Floß zerschnitten. Die historische Altstadt liegt auf einem Gneisrücken zwischen den beiden Flussläufen; die neueren Wohngebiete haben sich halbkreisförmig ausgebreitet. Die Ortsteile Mühlberg und Radschinmühle sind neben der Kernstadt die einzigen nur jeweils 500 m entfernten selbständigen Gemeindeteile. Die Ortsteile Bergmühle und St. Felix sind längst mit der Stadt verwachsen.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Süden ist die kreisfreie Stadt Weiden in der Oberpfalz Nachbar ebenso die Gemeinde Altenstadt an der Waldnaab, die Gemeinden Kirchendemenreuth im Westen, Theisseil im Südosten und Störnstein im Nordosten sind weitere Nachbarn.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus dem Frühjahr 2012 liegen Funde (Lyditkernsteine und Silexartefakte) vor, die die Anwesenheit von Menschen im südwestlichen Stadtgebiet bereits im Endpaläolithikum (12.000–10.000 v. Chr) und im Mesolithikum (10.000–ca. 5000 v. Chr.) belegen.

Ersterwähnung, Spätmittelalter und Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neustadt wurde 1217 anlässlich der Verpfändung der nova civitas an Heinrich von Ortenburg zum ersten Mal urkundlich erwähnt. 1329 kam es bei der Landesteilung an die wittelsbachischen Pfalzgrafen bei Rhein, die es 1353 dem böhmischen König und römischen Kaiser Karl IV. (des Kaisers Land in Bayern) verkauften. Danach hatte es wechselnde Lehensträger. 1575 wurde Neustadt an die Lobkowitzer verkauft. Diese erhielten damit ein außerböhmisches Territorium (dort unterstanden Sie der böhmischen Krone) im Reich, welches, zwar als Exklave und Erblehen Lobkowitzer, weiterhin zum bayerischen Reichskreis gehörte und später die Reichsunmittelbarkeit des Hauses Lobkowitz ermöglichte.

1641 wurde aus den Herrschaften Neustadt und Störnstein die reichsunmittelbare Gefürstete Grafschaft Störnstein mit Sitz und Stimme im Regensburger Reichstag. Der Rheinbund führte zur Auflösung der kleineren Territorien in Deutschland und damit auch zum Ende des Fürstentums. 1807 wurden die verbliebenen Herrschaftsrechte von Fürst Lobkowitz an das Königreich Bayern verkauft.[3]

Der Unternehmer und Geheime Kommerzienrat Zacharias Frank verlegte 1898 aufgrund des existierenden Bahnanschlusses einen Teil seiner Glashütte vom Bayerischen Wald nach Neustadt. Damit legte er den Grundstein für die Bleiglasindustrie der Stadt, die noch 1984 mit zwei Fabriken in Neustadt, zwei Fabriken in der Nachbargemeinde Altenstadt und einer fünften in Windischeschenbach in der Region ansässig war.[4]

1945 und 1946 kam es zu einem erheblichen Zustrom von Heimatvertriebenen aus dem benachbarten Sudetenland. Die wirtschaftliche Lage des gesamten Landkreises Neustadt im Vergleich zu Gesamt-Westdeutschland - nahe an der Grenze zur Tschechoslowakei im Osten, einem amerikanischen Truppenübungsplatz im Westen und ohne namhaften Fremdenverkehr - entwickelte sich bis in die 1980er Jahre insgesamt negativ.

Aufgrund von Schadstoffemissionen, ungenügend gesicherten Deponien, Leckagen und einer unzulässigen Bleikonzentration im Trinkwasser fanden 1983 Ermittlungen des Gesundheitsamts und der Staatsanwaltschaft in Weiden gegen vier ansässige Bleiglasfabriken und den ehemaligen Landrat Christian Kreuzer statt. Im darauffolgenden Jahr kam es ab April zu breiten Protesten in der Bevölkerung Neustadts gegen die Umweltverschmutzungen speziell der Fabrik Nachtmann.[4]

Namensführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Laufe der Jahrhunderte gab es unzählige Namensformen; einige seien hier erwähnt:[5]

  • 1232 Nova civitas
  • 1339 Neustat vor dem Wald
  • 1353 Neuenstatt
  • 1463 Neustädtlein
  • 1514 Niuwenstat an der Waldnab
  • 1557 Neuenstätlein
  • 1575 Neustedl
  • 1603 Neustädlein an der Waldnab [6]
  • 1792 Neustadt a. d. Waldnaab

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Volkszählung waren 1987 87,2 % der Bevölkerung römisch-katholisch, 10,3 % evangelisch-lutherisch und 2,5 % mit anderer oder ohne Konfession.

Nach dem Zensus von 2011 waren 74,7 % römisch-katholisch und 13,9 % evangelisch-lutherisch.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Ortsteil Mühlberg wurde auf Antrag seiner Einwohner mit Entscheidung der Regierung der Oberpfalz vom 30. Januar 1972 aus der Gemeinde Altenstadt an der Waldnaab zum 1. April 1972 in die Stadt Neustadt eingegliedert.
  • Im Rahmen der Gemeindegebietsreform in Bayern (von 1972 bis 1978) gab es keine Änderungen im Gemeindegebiet.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung Neustadts seit 1840
Bev NEW WN.svg 1. Dezember 1840 1392
1. Dezember 1871 1496
1. Dezember 1900 1801
16. Juni 1925 3016
17. Mai 1939 3614
6. Juni 1961 5481
27. Mai 1970 5953
25. Mai 1987 5537
30. Juni 1992 5669
30. Juni 1997 6207
30. Juni 2002 6191
30. Juni 2007 5987

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadtrat besteht aus dem Ersten Bürgermeister und 20 Stadtratsmitgliedern, wovon seit der Kommunalwahl am 16. März 2014 die CSU neun (− 1), die SPD sieben und die Freien Wähler (FW) vier (+ 1) Mitglieder stellen. (In Klammern: Veränderung zur Wahl 2008)

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erster (hauptamtlicher) Bürgermeister ist Rupert Troppmann (CSU). Seine Vorgänger waren Gerd Werner (SPD), Anton Binner (CSU) und Hans Trottmann (SPD). Zweiter (ehrenamtlicher) Bürgermeister ist Heinrich Maier (CSU).

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heraldische Wappenbeschreibung: In Rot auf silbernem Ross der golden gerüstete und golden nimbierte heilige Martin, der mit silbernem Schwert den blauen Mantel mit dem auf grünem Boden knienden nackten Bettler teilt.
  • Wappengeschichte: Wappenführung seit 1812, 1819, erneuert 1927. Das Wappen ist aus dem Siegelbild abgeleitet; die Siegelführung ist seit dem 14. Jahrhundert belegt.[7]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arbeitsgemeinschaft Neustadt in Europa
  • DeutschlandDeutschland OsterreichÖsterreich PolenPolen TschechienTschechien UngarnUngarn SlowakeiSlowakei NiederlandeNiederlande Neustadt an der Waldnaab ist Gründungsmitglied der internationalen Städtefreundschaft Neustadt in Europa mit weiteren 36 Städten und Gemeinden namens Neustadt in Deutschland, Österreich, Polen, der Tschechischen Republik, Ungarn, der Slowakei und den Niederlanden (Stand: März 2014). Jährlich einmal kommen seit 1979 jeweils weit über tausend Vertreter aus den Mitgliedsstädten zu einem großen Neustadt-Treffen zusammen; so 2015 in Neustadt am Rübenberge und 2016 in Neustadt an der Weinstraße.
  • UngarnUngarn Seit dem Jahr 1991 besteht zwischen dem Gymnasium Neustadt an der Waldnaab und dem Töröc-Ignac-Gymnasium in Gödöllő (etwa 30 km von Budapest entfernt) eine Schulpartnerschaft. Im Herbst eines jeden Schuljahres besuchen etwa 25 Neustädter Gymnasiasten der 10. Jahrgangsstufe die Schule in Ungarn und sind bei Gastfamilien untergebracht. Im Frühjahr kommen die ungarischen Schülerinnen und Schüler nach Neustadt, wo sie ebenfalls bei Gastfamilien wohnen. Während des Aufenthalts werden den Schülern sowohl in Ungarn als auch in Bayern zahlreiche schulische und kulturelle Aktivitäten angeboten.
Stadtpanorama

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtpfarrkirche St. Georg
Wallfahrtskirche St. Felix

Bauwerke und Denkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Altes Schloss der Heidecker (erbaut 1532–1620)
  • Neues Schloss der Lobkowitzer (erbaut 1698–1720)
  • Barockgarten
  • Katholische Stadtpfarrkirche St. Georg (erbaut um 1689)
  • Katholische Wallfahrtskirche St. Felix (1735–1746) mit Kloster der Franziskaner-Minoriten (1925)
  • Katholische St.-Anna-Kirche (Mutter-Anna-Kirche) in Mühlberg
  • Katholische Friedhofskirche Zur heiligen Dreifaltigkeit (1662)
  • Evangelisch-lutherische Martin-Luther-Kirche (1975)
  • Denkmalschutz-Ensemble Stadtplatz im Charakter des 17. Jahrhunderts. Die Schmalseiten der Häuser mit hohen Giebeln wenden sich zur Straße.
  • In einer Grünanlage im Süden der Stadt an der Waldnaab stehen zwei große Gedenksteine mit den Inschriften „Den Opfern der Weltkriege 1914–1918 und 1939–1945“ und „Den Toten in der Heimat“ (Sudetenland).

Liste der Baudenkmäler in Neustadt an der Waldnaab

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Neustädter Stadtmuseum ist in vier Abteilungen gegliedert: Glas, Handwerk und Gewerbe, Kostbarkeiten aus Bürgerhäusern, Kirchen und Klöstern und Stadtgeschichte. Eine Rauchkuchel, eine Weihnachtskrippe und Wandvitrinen mit verschiedenen Ausstellungsstücken runden das Angebot ab. Gleich neben dem Eingang können die Museumsbesucher sehen, weshalb Neustadt a. d. Waldnaab Die Stadt des Bleikristalls genannt wird. Kunstwerke aus Glas vermitteln einen Eindruck von der Geschicklichkeit und Kunstfertigkeit der Neustädter Glasmacher und -schleifer. Prunkstück der Sammlung ist eine ca. einen Meter große Überfangvase in Goldrubin. Auch das Muster einer Schale, die weltweit nur dreimal existiert (Die Erben von Franz Josef Strauß, König Hussein von Jordanien und die Familie Frank sind die Besitzer) zeugt von meisterlicher Kunst. Daneben werden regelmäßig Sonderausstellungen zu ortsgeschichtlich bedeutenden Themen geboten.

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hausmusik und Volksmusik haben Tradition und werden intensiv gepflegt. Typisches Instrument der Glasmacher-Familien in Neustadt ist die Zither.

  • Band für moderne christliche Musik Carpe Diem
  • Blaskapelle und Show-Band Die Waldnaabtaler
  • Ensemble CantArt: Neue geistliche Lieder
  • Stadtkapelle der Musikschule Neustadt an der Waldnaab
  • Kirchenchor der Kath. Stadtpfarrkirche St. Georg
  • Männergesangverein Sängerbund Neustadt an der Waldnaab
  • Zitherclub Neustadt an der Waldnaab mit großem Zither-Orchester und Stubn-Musi
  • Salonorchester

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sportverein DJK Neustadt mit Sportheim und Sportanlage einschließlich fünf Tennisplätzen
  • Sportverein ASV Neustadt mit Sportheim und Sportanlage einschließlich drei Tennisplätzen
  • Schützenverein Eichenlaub Neustadt mit Schützenheim und Schießständen
  • Eisstockfreunde ESF Neustadt mit Sportheim, Sommer- und Winterschießanlagen
  • Schachvereinigung SV Neustadt-Altenstadt e. V.

Freizeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hallenbad
  • Freizeitanlage mit Kinderplantschbecken und Grillplätzen
  • Jugendtreff Freiheit der Stadt Neustadt in einem Gebäude der Freizeitanlage
  • Kinderferienclub des Pfarrgemeinderates
  • Radwandern auf dem Waldnaab-Radweg oder auf einer ehemaligen Bahntrasse: Der Bocklradweg beginnt in Neustadt und ist mit 52 Kilometern der längste Bahntrassenradweg Bayerns. Zugleich ist er Teilstück des „Internationalen Pan-Europa-Radweg Nürnberg-Prag“.

Brauchtum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Weit über die Grenzen der Stadt hinaus ist die Historische Bürgerwehr (früher "Königlich-Bayerische Bürgerwehr") bekannt.
  • Der Neustädter Trachtenverein bemüht sich um die Pflege der volkstümlichen Traditionen.
  • Die Laienspielgruppe Schabernak lässt die alte Tradition des Bauerntheaters wieder aufleben.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bürgerfest jährlich am dritten Samstag im Juli
  • Georgsmarkt am 23. April bzw. vorausgehenden Sonntag
  • Kirchweihmarkt am Stadtplatz jährlich am Sonntag vor dem Volkstrauertag im November
  • Traditioneller Faschingszug am Faschingssonntag

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Dotsch, bei dem Teig platt gedrückt und dann weiterverarbeitet wird, leitet sich wohl von datschen, zusammendatschen ab. Zur Kirchweih (Dotschkirwa) gibt es den Kirwa-Dotsch oder Kirwa-Kuchen, einen runden, flachen Schmierkuchen mit Rosinen. Seit dem 18. Jahrhundert ist zusätzlich der Dotsch oder Reiberdatschi aus rohen Kartoffeln (Kartoffelpuffer) ein wichtiges und beliebtes Gericht.
  • Fische, vor allem Karpfen und Forellen aus den zahlreichen Weihern um Neustadt sowie der fischreichen Waldnaab sind fester Bestandteil der regionalen Küche.
  • Die Geschichte des Bieres in Neustadt wird vom Zoigl geprägt. Über viele Jahrhunderte brauten die brauberechtigten Bürger der Stadt ihr eigenes Bier im Kommunbrauhaus. So gab es nach einer Aufzeichnung im Stadtarchiv im Jahre 1865 57 brauberechtigte Hausbesitzer. Das Bier wurde in ihrer eigenen Zoigl-Stube ausgeschenkt. Das Wort Zoigl kommt vom Zeigl, dem Anzeiger. Dieses Schild in Form des Brauersterns, dem Zunftzeichen der Mälzer und Brauer entspricht einem Hexagramm oder Davidstern. Es wurde von den Brauberechtigten als Hinweis auf den Haustrunk ausgehängt. Das Kommunbrauhaus besteht nicht mehr; drei Zoigl-Wirtschaften beziehen ihr Bier von auswärts.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fernstraßen
Neustadt liegt an der Bundesautobahn 93 (HofWeiden-Regensburg-Dreieck Holledau), an die die Stadt über die Ausfahrt 21b (Altenstadt) und über die Nord- und Ostumgehung mit der Anschlussstelle 21a (Neustadt) doppelt angebunden ist.
  • Eisenbahn
Neustadt liegt an den Bahnstrecken Bahnstrecke Regensburg–Oberkotzau(–Hof) (Naabtalbahn) und Neustadt (Waldnaab)–Eslarn. Der Bahnhof Neustadt (Waldnaab) an der Naabtalbahn, der jedoch auf dem Gebiet der Gemeinde Altenstadt an der Waldnaab lag, wurde zum 9. Dezember 2007 für den Personenverkehr geschlossen und durch einen stadtnäheren Haltepunkt an der Bahnstrecke Neustadt (Waldnaab)–Eslarn ersetzt, die dafür auf dem kurzen Abschnitt wieder reaktiviert wurde. Die Haltestelle wird von der Bahnverbindung Nürnberg–Weiden (Oberpfalz)–Neustadt (Waldnaab) (Kursbuchstrecke 870) bedient. An der Naabtalbahn wurde 2007 der neue Haltepunkt Altenstadt (Waldnaab) eingerichtet.
  • Fernradwege
Neustadt liegt am Waldnaabtal-/Naabtal-Radweg von Bärnau nach Regensburg. Von ihm zweigt in Neustadt der Bocklradweg ab, mit über 50 Kilometer Länge der längste Bahntrassen-Radweg Bayerns. Auf diesem gelangt man auf der ehemaligen Trasse der Bahnstrecke Neustadt–Eslarn über Pleystein und den Grenzübergang Tillyschanz bei Eslarn bis ins tschechische Pilsen. Der Bocklradweg ist Bestandteil des internationalen Paneuropa-Radwegs von Paris nach Prag.

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der neue Tag ist die einzige regionale Tageszeitung mit Sitz in Weiden.

Arbeitsplätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Neustadt ist von 1857 im Jahr 2000 über 1552 im Jahr 2003 auf 1349 im Jahr 2013 zurückgegangen. Dies hat das Pendlersaldo von −179 im Jahr 2000 über −453 im Jahr 2003 auf nun −743 im Jahr 2013 verschlechtert. Diese Zahlen enthalten weder Selbständige noch Beamte. Aufgrund der zahlreichen öffentlichen Einrichtungen in Neustadt (Landratsamt, Schulen, Polizei und Kommunalverwaltungen) bietet die Stadt deutlich mehr Arbeitsplätze.
  • 214 Personen waren im Jahresmittel 2008 arbeitslos gemeldet. Im Jahr 2005 waren noch 383 Arbeitslose zu verzeichnen.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neustadt ist leistungsfähiges Schulzentrum und zugleich der bedeutendste Bildungsstandort im Landkreis. In den staatlichen und kommunalen Schulen der Kreisstadt werden im Schuljahr 2013/2014 insgesamt 2537 Schüler unterrichtet.

  • Kindertagesstätte St. Joseph (städtische Trägerschaft)
  • Kindergarten St. Martin (kirchliche Trägerschaft)
  • Grund- und Mittelschule (455 Schüler)
  • Sonderpädagogisches Förderzentrum St.-Felix-Schule (123)
  • Lobkowitz-Realschule (719)
  • Gymnasium mit sprachlichem, naturwissenschaftlichem-technologischem und musischem Zweig (614)
  • Berufliches Schulzentrum (BSZ) mit den drei Berufsfachschulen für Hauswirtschaft, Kinderpflege und Sozialpflege (493) sowie einer Berufsschule mit den drei Ausbildungsrichtungen Hauswirtschaft, Landwirtschaft und Gastronomie (112)
  • „NEW Life“ Akademie für Gesundheit Nordoberpfalz (21 Schüler)
  • Musikschule Neustadt e. V.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgenden Personen wurde die Ehrenbürgerwürde Neustadts verliehen:[8]

Verleihung am Ehrenbürger Funktion
12. Juli 1853 Freiherr von Lichtenstern Oberstleutnant und königlicher Landrichter
1881 Josef Greiner pensionierter Lehrer und Chorregent
1890 Johann Zrenner Paris-Vincennes, Rue Lejemtel 5 (früher Neustadt)
30. August 1900 Pfr. Daubenmerkl Pfarrer der Pfarrei Altenstadt/Neustadt
1. Oktober 1906 Eduard Geiger Oberlandesgerichtsrat, Neustadt
26. September 1929 Zacharias Frank Geheimrat und Fabrikbesitzer, Neustadt
21. Juni 1927 Adelgundis Benker Oberin der Armen Schulschwestern, Neustadt
18. Dezember 1928 Josef Hauer Bezirksamtssekretär, Neustadt
19. Juni 1933 Georg Knorr Oberbürgermeister, München
19. April 1958 Josef Ulrich Regierungspräsident, Regensburg
19. Juni 1962 Pfr. Max Vetter Geistlicher Rat, Stadtpfarrer, Neustadt
23. Januar 1968 Anton Frank Dipl.-Wirtschafter und Fabrikbesitzer, Neustadt
24. Oktober 1968 Christian Kreuzer Landrat, Neustadt
3. Mai 1983 Heinrich Ascherl Sparkassendirektor und Chronist, Neustadt
3. Dezember 1990 Anton Binner Landrat, Neustadt

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Gleißner (* 6. April 1761 in Neustadt; † 14. September 1818 in München), Komponist, Hofmusiker am Münchner Hof und Musikwissenschaftler. Er entwickelte mit Alois Senefelder den lithografischen Notendruck; beide gründeten gemeinsam die Steindruckereifirma Gleißner & Senefelder. Gleißner war auch im Auftrag des Verlegers André in Offenbach Verfasser des ersten Werkverzeichnisses Mozartscher Kompositionen, Grundlage für das spätere Köchelverzeichnis.
  • Oswald Hafner (* 1806; † 28. August 1882), in Neustadt geborener Sohn des Drechslers Anton Hafner und im Armenhaus verstorbener Heimatdichter, ehemaliger Schul-Präbarand in Kohlberg, im Obermainkreis des Königreichs Bayern. Im Alter von zwei Jahren verlor er ein Auge, mit sieben Jahren wurde er Vollwaise und schlug sich unter anderem als Hirte in Buch bei Parkstein und Ilsenbach und als Gärtner in Goldbach (Böhmen) durch. Er veröffentlichte 1823 das Lyrik-Bändchen Vermischte Gedichte mit 30 Werken zu religiösen und jahreszeitlichen Themen (Druck der J. E. v. Seidel'schen Offizin, Sulzbach) sowie 1838 den Band Poetische Versuche (Neuauflage 2006 durch den Museumsverein Neustadt). Er starb im Neustädter Spital (Armenhaus). 1984 brachte der Neustädter Chronist Heinrich Ascherl im Eigenverlag der Stadt Neustadt einen um weitere Werke Hafners erweiterten Neudruck der Vermischten Gedichte, ergänzt mit Hafners ausführlichem Lebenslauf, heraus.
  • Adolf Klughardt (* 26. September 1886 in Neustadt; † 1950 in Jena), Zahnmediziner, Hochschullehrer in Jena
  • Johann Leonhard Mayer (* 1672; † 1741), Kirchenbaumeister. Er errichtete u. a. die Kirchen auf dem Eixlberg bei Pfreimd (1701), in Thumsenreuth (1715), die Felixkapelle in Neustadt (1735) und die Pfarrkirche St. Georg in Neustadt (1689). Den bereits begonnenen Erweiterungsbau der Felixkirche führte nach seinem Tod 1741 sein Sohn fort.
  • Thaddäus Rabusky (* 9. Mai 1776 in Neustadt; † 15. Juni 1862 ebenda), Neustädter Kirchenmaler, Schnitzer und Restaurator.
  • Heiko Smazal (* 6. Januar 1974 in Neustadt), deutscher Eishockeyspieler. Smazal spielte von 1992 bis 2007 in der 1. Bundesliga/DEL. 2001 und 2004 stand er im Aufgebot der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft.

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joseph Piehler (* 25. November 1883 in Wernberg; † 27. November 1947 in Neustadt), ehemals Regierungsoberinspektor am Bezirksamt Neustadt, bedeutender Heimatforscher und Chronist Neustadts. Auf seiner Arbeit baute dessen Schwiegersohn Heinrich Ascherl (siehe oben) die weitere Chronistenarbeit auf. 1939 wurde er von der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns zum Archivpfleger ernannt; 1942 erhielt er die Medaille für deutsche Volkspflege. Piehler war daneben mehrere Jahre Stadtratsmitglied, von 1934 bis 1947 zudem als Kirchenpfleger der Kirchenstiftung St. Georg tätig.
  • Rudolf Ismayr (* 14. Oktober 1908 in Landshut; † 9. Mai 1998 in Marquartstein), war nach dem Zweiten Weltkrieg juristischer Staatsbeamter beim Landratsamt Neustadt. Er war mehrfacher Weltmeister im Gewichtheben, gewann Gold- und Silbermedaillen bei den Olympischen Spielen 1928 und 1932 und durfte bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin die Eidesformel der Sportler sprechen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernhard Knauer: Neustadt a. d. Waldnaab. Eine Stadt zum (Er)Leben., 1993
  • Jörg Krämer: Die Confessio Augustana in Neustadt/WN – Ein Beitrag zur Reformationsgeschichte von Stadt und Herrschaft Neustadt an der Waldnaab, 2007
  • Felix Mader: Die Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern, Zweiter Band Oberpfalz und Regensburg, Heft IX Bezirksamt Neustadt a. W.-N., 1907
  • Josef Piehler: Chronik der Stadt Neustadt a. d. Waldnaab, Naab-Zeitung 1922–1924
  • Aloysia Rebl: Neustadt an der Waldnaab – Heimatbildband mit Notizen, 1982
  • Heribert Sturm: Neustadt/Waldnaab – Weiden, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 47, 1978
  • Wilhelm Volkert: Neustadt an der Waldnaab und die Fürsten Lobkowitz in Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg, Band 100, S. 175

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Neustadt an der Waldnaab – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Oktober 2015 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?val=980&attr=OBJ&modus=automat&tempus=20111107/160522&hodie=20111107/160527
  3. Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Band Bayern V.
  4. a b Michael Wolf, Klaus Imbeck: Neustadt: Inventur eines Kreises. In: GEO Magazin, März 1985, S. 112-130
  5. Ascherl, Geschichte der Stadt …, S. 798
  6. Bayerisches Hauptstaatsarchiv, GU Störnstein Nr. 13 und Nr. 36
  7. Eintrag Neustadts im Haus der Bayerischen Geschichte
  8. Archiv der Stadt Neustadt