Neustetten (Flachslanden)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Neustetten
Koordinaten: 49° 24′ 56″ N, 10° 31′ 29″ O
Höhe: 484 (475–488) m ü. NHN
Einwohner: 147 (1. Jan. 2017)[1]
Eingemeindung: 1. Januar 1972
Postleitzahl: 91604
Vorwahl: 09829
St. Jakob

Neustetten (umgangssprachlich: Naischdḗdn bzw. Eïbənaischdēdn[2]) ist ein Gemeindeteil des Marktes Flachslanden im Landkreis Ansbach in Mittelfranken.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

0,5 km westlich des Kirchdorfs entspringt der Mettlachbach, ein rechter Zufluss der Bibert. Unmittelbar südlich des Orts mündet der Wegfeldgraben als rechter Zufluss in den Mettlachbach. Im Süden liegt die Neustettener Höhe, 0,5 km südöstlich die Kronleiten, im Osten erhebt sich der Steinbühl (489 m ü. NHN).

Die Kreisstraße AN 21 führt nach Flachslanden zur Staatsstraße 2253 (1,8 km südlich) bzw. die Staatsstraße 2245 kreuzend nach Virnsberg (1,2 km nordwestlich). Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Schmalnbühl (1,3 km nordöstlich) und nach Rosenberg zur Staatsstraße 2255 (5,5 km östlich). Ein Anliegerweg führt zur Lockenmühle (1,7 km südöstlich).[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wurde erstmals 1169 als „Niwenstat“ urkundlich erwähnt. Aus dem Ortsnamen kann man schließen, dass es sich um eine Ausgründung handelt, wobei unklar bleibt, von welchem Ort aus dies geschehen ist. Weil das in der Nähe liegende Moratneustetten oft einfach nur als Neustetten bezeichnet wurde, hatte sich zeitweise zur besseren Unterscheidung auch der Name „Oberneustetten“ eingebürgert.[2]

1333 erwarb das Kloster Heilsbronn dort durch Tausch zwei Güter, 1347 durch Schenkung eine Wiese. Im Ganzen erwarb das Kloster dort zwölf Anwesen, von denen neun während des Dreißigjährigen Kriegs verödeten und erst ab 1688 wieder an den Mann gebracht werden konnten.[4]

Neustetten unterstand dem Deutschen Orden bis zu dessen Auflösung im Jahre 1806 mit dem Reichsdeputationshauptschluss. Von der Herrschaft zeugen noch der Hochaltar in der im 16. Jahrhundert errichteten St.-Jakobs-Kirche, das östliche barocke Portal des Friedhofs und die ehemalige Zehntscheune, die später als Schule benutzt wurde.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Neustetten 28 Anwesen. Das Hochgericht übte das Obervogteiamt Virnsberg des Deutschen Ordens aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Deutschordenskommende Virnsberg inne. Grundherren waren die Deutschordenskommende Nürnberg (15 Anwesen: 2 Höfe, 8 Güter, 2 Tropfhäuser, 2 Häuser, 1 Gemeindehirtenhaus) und die Deutschordenskommende Virnsberg (13 Anwesen: 1 Hof, 9 Güter, 2 Tropfhäuser, 1 Mühle).[5]

1806 kam Neustetten an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde Neustetten dem 1808 gebildeten Steuerdistrikt Virnsberg zugeordnet. Es gehörte auch der 1811 gegründeten Ruralgemeinde Virnsberg an.[6] Am 12. Juni 1824 wurde die Bildung der Ruralgemeinde Neustetten genehmigt, zu der die Orte Berglein, Dörflein, Hainklingen, Lockenmühle und Schmalnbühl gehörten.[7] Die Gemeinde war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Ansbach zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Ansbach (1920 in Finanzamt Ansbach umbenannt).

1844 stellten Berglein und Dörflein einen Antrag zur Bildung einer eigenen Gemeinde. Dies wurde jedoch abgelehnt, weil beide Orte nicht die Mindestzahl von 20 Familien erreichten.[8] Von 1862 an gehörte Neustetten zum Bezirksamt Ansbach (1938 in Landkreis Ansbach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb bis 1870 beim Landgericht Ansbach, von 1870 bis 1879 war das Stadt- und Landgericht Ansbach zuständig, seit 1880 ist es das Amtsgericht Ansbach.[9] Am 30. August 1923 wurde die Umgemeindung von Berglein und Dörflein nach Mitteldachstetten genehmigt.[8] Dadurch verringerte sich die Gebietsfläche der Gemeinde von 7,964 km²[10] auf 5,102 km².[11] Im Zuge der Gebietsreform wurde die Gemeinde Neustetten am 1. Januar 1972 in Flachslanden eingegliedert.[12]

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Römisch-katholische Filialkirche St. Jakob (Pfarrei Virnsberg)
  • Friedhofsbefestigung durch eine starke hohe Mauer, im Süden ein Spitzbogenportal über eine steile Treppe, im Norden zwei Portale, das östliche barock mit Deutschordenswappen
  • Haus Nr. 19½: von der ehemaligen Zehntscheune (später Schulhaus, stark verändert) Deutschordenswappen aus Sandstein mit Trophäen, 18. Jahrhundert, hierher verbracht und in der Nordwand eingemauert

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinde Neustetten

Jahr 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970
Einwohner 390 385 403 396 416 426 419 439 405 394 409 420 423 396 393 298 296 283 427 402 376 308 302
Häuser[13] 67 76 74 82 59 60 62
Quelle [14] [15] [15] [16] [17] [18] [19] [20] [21] [15] [15] [10] [15] [15] [15] [11] [15] [15] [15] [22] [15] [23] [24]

Gemeindeteil Neustetten

Jahr 001818 001840 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987 002011 002017
Einwohner 163 178 167 188 177 193 187 258 203 195 182 168 147
Häuser[13] 28 31 35 36 38 39 42 43
Quelle [25] [14] [16] [18] [21] [10] [11] [22] [23] [24] [26] [1]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort ist auch nach der Reformation katholisch geblieben. Die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession sind nach St. Laurentius (Flachslanden) gepfarrt, die Einwohner römisch-katholischer Konfession nach St. Dionysius (Virnsberg).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Neustetten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b www.flachslanden.de
  2. a b E. Fechter, S. 142.
  3. Neustetten im BayernAtlas
  4. G. Muck, Bd. 2, S. 357.
  5. H. H. Hofmann, S. 116.
  6. Staatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren, Abgabe 1952, 3850: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Ansbach 1808–17. Zitiert nach M. Jehle, Bd. 2, S. 961.
  7. M. Jehle, Bd. 2, S. 949.
  8. a b M. Jehle, Bd. 2, S. 948.
  9. M. Jehle, Bd. 2, S. 1003f.
  10. a b c K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1155 (Digitalisat).
  11. a b c Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1191 (Digitalisat).
  12. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 420.
  13. a b Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahr 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  14. a b Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 43–44 (Digitalisat). Laut Historischen Gemeindeverzeichnis hatte die Gemeinde 378 Einwohner.
  15. a b c d e f g h i j k Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis : Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952 (= Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192). München 1954, DNB 451478568, S. 165, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  16. a b Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 985–986, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  17. Kgl. statistisches Bureau (Hrsg.): Verzeichniß der Gemeinden des Königreichs Bayern nach dem Stande der Bevölkerung im Dezember 1867. XXI. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Ackermann, München 1869, S. 152 (Digitalisat).
  18. a b Kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. Adolf Ackermann, München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871, Viehzahlen von 1873), Sp. 1150, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  19. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Gemeinde-Verzeichniss für das Königreich Bayern. Hergestellt auf Grund der neuen Organisation der Regierungsbezirke, Bezirksämter und Gerichtsbezirke. Nachtrag zum Heft 36 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1879, S. 60 (Digitalisat).
  20. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Gemeinde-Verzeichniss für das Königreich Bayern. Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1880. Heft 35 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1882, S. 173 (Digitalisat).
  21. a b K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1091 (Digitalisat).
  22. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, DNB 453660975, Abschnitt II, Sp. 1029 (Digitalisat).
  23. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, DNB 453660959, Abschnitt II, Sp. 757 (Digitalisat).
  24. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, DNB 740801384, S. 169 (Digitalisat).
  25. Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 68 (Digitalisat).
  26. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, DNB 94240937X, S. 327 (Digitalisat).