Neutralisationstest

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Der Neutralisationstest (NT) ist eine Variante des Plaque-Assays, mit dem neutralisierende Antikörper gegen bestimmte Viren im Serum eines Patienten oder eines Impflings nachgewiesen werden können. Durch Bindung von Antikörpern an die Oberfläche des Virus wird seine Aufnahme in die Zelle verhindert, so dass es zu keiner Vermehrung mehr kommen kann und die Anzahl an Plaques in einer Zellkultur reduziert wird. Daher bezeichnet man den Neutralisationstest auch als Plaque-Reduktions-Assay.

Neutralisierende Antikörper sind Antikörper, welche die Aufnahme eines Virus in eine Zelle blockieren können. Im Neutralisationstest werden nur neutralisierende Antikörper erfasst.

Der NT kann auch zur Quantifizierung von Zellgiften (bakteriellen Toxinen) verwendet werden, gegen die funktionshemmende Antikörper gebildet werden.

Neutralisierende Antikörper, die gegen mehrere Virusstämme wirken, werden als breitneutralisierende Antikörper bezeichnet, z. B. breitneutralisierende Anti-HIV-Antikörper.

Ablauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Suche nach neutralisierenden Antikörpern gegen ein bestimmtes Virus wird wie folgt durchgeführt:

  • Eine bekannte Menge an Virionen wird zu einer Zellkultur gegeben. Es kommt auf Grund des zytopathischen Effekts des Virus zu einer Zellzerstörung.
  • In weiteren Ansätzen wird zu Viren und Zellkultur das Patientenserum oder Verdünnungen davon gegeben. Sind im Serum ausreichend neutralisierende Antikörper gegen dieses Virus vorhanden, so wird der zytopathische Effekt vermindert und die Zellen der Kultur bleiben intakt.
  • Zur Bestimmung des Antikörpertiters wird das Patientenserum in unterschiedlichen Kulturen mehr und mehr verdünnt (1:2, 1:4, 1:8 usw.). Als Titer wird die letzte Verdünnung bezeichnet, bei der mehr als 50 % des Zellrasens erhalten bleibt.

Stellenwert in der medizinischen Routine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Neutralisationstest ist ein sehr aufwändiges und langwieriges Verfahren, da Geräte für eine Zellkultur benötigt werden und der Test üblicherweise mehrere Tage dauert. Weiterhin bestehen bei pathogenen Viren erhöhte Anforderungen an die Sicherheitsstufe des Labors, da mit nativem Virus gearbeitet wird. Ebenso erfordern Zellkulturen ein weitaus größeres Maß an Arbeitsaufwand und Erfahrung als die Nutzung vorgefertigter Test-Kits.

Die Spezifität der NT-Reaktion wird jedoch von keinem automatisierten Immunassay erreicht, weshalb der NT vielfach als Referenztest für die Qualitätskontrolle Verwendung findet. Bei der Suche nach neutralisierenden Antikörpern ist der Neutralisationstest alternativlos.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • H. Hof, R. Dörries: Medizinische Mikrobiologie, 3. Auflage Stuttgart 2005 ISBN 3-13-125313-4 S. 42f.