Kolonie Neu-Werben

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Kolonie Neu-Werben
Koordinaten: 52° 52′ 28″ N, 12° 1′ 36″ O
Höhe: 24 m ü. NHN
Einwohner: 129 (31. Dez. 2019)[1]
Postleitzahl: 39539
Vorwahl: 039387
Kolonie Neu-Werben (Sachsen-Anhalt)
Kolonie Neu-Werben

Lage in Sachsen-Anhalt

Elbe am Einlasswehr Neuwerben
Elbe am Einlasswehr Neuwerben

Kolonie Neu-Werben ist ein Ortsteil der Hansestadt Werben (Elbe) im Landkreis Stendal im Norden des Landes Sachsen-Anhalt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kolonie Neu-Werben, auch Neuwerben oder Neu Werben geschrieben, ist eine kleine Siedlung östlich der Elbe auf dem Mitteldeich, der Elbe und Havel voneinander trennt. Sie liegt 4 Kilometer nordöstlich von Werben und 1½ Kilometer westlich von Nitzow. Eine Route des Elberadweges führt über die Schleuse am Havelberger Mühlenholz durch den Ort und über die Havelwehre weiter nach Norden.[2]

Nördlich am gegenüberliegenden Havelufer liegt das Flurstück Sühre, heute eine Wiese, die ein mutmaßlicher Standort der Burg Prizlava gewesen sein könnte.

Nachbarorte sind Werben (Elbe) im Westsüdwesten, Quitzöbel und das Wehrwärterhaus im Nordwesten und Nitzow im Osten.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus der Schmettauschen Karte von 1772 im Brandenburg-Viewer[3] geht hervor, dass Werben gegenüber am östlichen Elbufer das „Werbensche Hayn Holtz“ lag, aber noch keine Siedlung. August Heinrich von Borgstede beschreibt 1788 das „Hainholz“ als „eine Kämmerei- und Bürgerheide, sie ist mittelmäßig und hat Eichen“. Sie umfasste eine Fläche von 400 Morgen.[4] 1772 erfolgte die Verlängerung des östlichen Elbdeiches nördlich bis nach Quitzöbel zur alten Havelmündung zur Tieferlegung der mittleren Wasserstände der Havel.[5]

Durch diese Verlegung der Havelmündung war die Entstehung der Kolonie Neu Werben möglich. Die ersten Bewohner wurden als Deichwärter sesshaft gemacht.[1] Von 1785 bis 1786 wurden die Buhnenwerke an der Elbe unterhalb von Neu-Werben instand gesetzt.[4]

1804 bestand die Kolonie Neu-Werben aus 8 Einliegerwohnungen und einem Holzwärter.[6] Der Pfarrer Ernst Wollesen berichtete 1898: Die Kolonie Neu Werben wurde von Friedrich dem Großen angelegt. Sie zählte im Jahre 1838 sieben Wohnhäuser mit 36 Einwohnern.[7] Südöstlich von Neuwerben auf Havelberger Gebiet lag noch 1855 das Nitzowsche Hain Holz.[8]

In den Fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurden die Lebensbedingungen der Bewohner durch bauliche Aufwendungen der Stadt Werben verbessert. Der Deich erhielt ein Straßenpflaster und von besonderer Bedeutung war der Anschluss an das Stromnetz. Diese Ereignisse wurden in einem Fest gewürdigt. Aus den Deichwärterstellen entwickelten sich im Laufe der Zeit kleinbäuerliche Betriebe, die sich 1960 zu einer LPG zusammenschlossen.[1]

Die Stadt führt die Kolonie seit 2010[9] als eigenen Ortsteil.[1] Das Statistische Landesamt Sachsen-Anhalt führte die Kolonie Neuwerben noch im Jahre 2013 nur als Wohnplatz der Stadt Werben.[10]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner[11]
1885 31
1895 38
1905 34

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelischen Christen aus Neuwerben sind in die Kirchengemeinde Werben eingepfarrt, die früher zur Pfarrei Stadt Werben an der Elbe gehörte.[12] Sie gehören heute zum Kirchspiel Werben und werden seit dem 1. Juli 2018 betreut vom Pfarrbereich Seehausen-Werben[13] im Kirchenkreis Stendal im Propstsprengel Stendal-Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

Sage aus Werben und Neuwerben – „Die Jungfer Hain“ oder „Das Hainholz“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Werbener Pfarrer Ernst Wollesen und ein alter Flessauer Einwohner übermittelten an Alfred Pohlmann folgende Sage über die Jungfer Hain, die er 1901 veröffentlichte.[14] Zwischen Nitzow und der Stadt Werben befand sich ein großes herrliches Schloss, das wurde bewohnt von einer frommen Jungfrau namens Hain. Außer dem Schloss besaß sie auch noch den Eichenwald, der sich zwischen Elbe und der ehemaligen Havelmündung nordwestlich von Werben befand. Aus unbekannten Gründen verließ die Jungfrau ihren Wohnsitz und wollte sich in Nitzow niederlassen, wurde dort aber abgewiesen. Ähnlich ging es ihr in Quitzöbel. Die Stadt Werben nahm sie auf. Zum Dank schenkte sie der Stadt den ihr gehörigen Eichenwald und sie setzte, weil sie begütert war, eine große Summe Geldes aus, mit der Bedingung, dass von den Zinsen alljährlich zu Ostern Geistliche, Lehrer und Schulkinder mit Papier und Bretzeln beschenkt werden sollten. Nach dem Tod der Jungfer vergaß man die Wohltäterin und ihre Bedingungen. Es gab keine Geschenke mehr. Da fing es in der Kirche in schrecklicher Weise an zu spuken. Das ging über mehrere Jahre besonders zu Ostern. Da riet ein bejahrter Bürger der Stadt, man solle doch die unterlassene Osterspende wieder einführen. So kam es und der Spuk verschwand. An das Schloss erinnert nur noch ein an dieser Stelle liegender Haufen Steine.

Hanns H. F. Schmidt erzählte die Sage 1994 unter dem Titel „Das Hainholz“. Bei ihm hatten räuberische Soldaten das Schloss zerstört.[15]

Das Hainholz gibt es heute nicht mehr. Im Jahre 2015 fand in Erinnerung an den Brauch ein von Vereinen der Stadt Werben organisiertes „Jungfer Hain-Fest“ für die Kinder in Werben statt.[16]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-2235-5, S. 2409–2410 (Open Access beim Verlag).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Ulrich Haase: Ortsteil Kolonie Neu Werben. In: werben-elbe.de. 2017, abgerufen am 3. April 2020.
  2. a b Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)
  3. Schmettausches Kartenwerk im Brandenburg-Viewer der Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg. (auf geobasis-bb.de [abgerufen am 5. April 2020]).
  4. a b August Heinrich von Borgstede: Statistisch-Topographische Beschreibung der Kurmark Brandenburg. Band 1. Berlin 1788, S. 363, 241 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10000707~SZ%3D00387~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  5. Holger Ellmann: Kulturtechnische Erschließung des Elb-Havel-Winkels und der Niederung an der Unteren Havel. 4. Dezember 2014 (auf altes-schoepfwerk-vehlgast.info [PDF]).
  6. Friedrich Wilhelm August Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. Für Statistiker, Geschäftsmänner, besonders für Kameralisten. Band 1. Berlin 1804, S. 322 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10000735~SZ%3D00344~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  7. Ernst Heinrich Wollesen: Chronik der altmärkischen Stadt Werben und ihrer ehemaligen Johanniter-Komturei. Werben an der Elbe 1898, S. 208 (Digitalisat auf slub-dresden.de).
  8. Albrecht Platt, Kartograf: Platts reduzierte Elbstromkarte, 5,14: Hansestadt Werben (Elbe). 1855, abgerufen am 5. April 2020.
  9. Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-2235-5, S. 2400 (Open Access beim Verlag).
  10. Verzeichnis Gemeinden und Gemeindeteile. Gebietsstand: 1. April 2013 (= Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt [Hrsg.]: Verzeichnisse / 003. Nr. 2013). Halle (Saale) Mai 2013, S. 120 (destatis.de [PDF; 1,6 MB; abgerufen am 24. August 2019]).
  11. Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-2235-5, S. 2409–2410 (Open Access beim Verlag).
  12. Pfarr-Almanach oder die evangelischen Geistlichen und Kirchen der Provinz Sachsen der Grafschaften Wernigerode, Rossla und Stolberg. 19. Jahrgang, 1903, ZDB-ID 551010-7, S. 126 (wiki-de.genealogy.net [abgerufen am 4. April 2020]).
  13. Evangelische Kirche Werben. In: werben-elbe.de. Abgerufen am 10. April 2020.
  14. Alfred Pohlmann: Sagen aus der Wiege Preußens und des Deutschen Reiches, der Altmark. Franzen & Große, Stendal 1901, S. 172–173, 7. Die Jungfrau Hain zu Werben a.d. Elbe.
  15. Hanns H. F. Schmidt: Das große Sagenbuch der Altmark. Teil 2 von K wie Kleinau bis Z wie Zichtau. dr. ziethen verlag, Oschersleben 1994, ISBN 3-928703-42-0, S. 255, Das Hainholz.
  16. Hansestadt Werben (Elbe): Eine Sage lebte wieder auf – 1. Jungfer Hain-Fest in Werben. 15. März 2015, abgerufen am 5. April 2020.