Neuzeitarchäologie

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Die Neuzeitarchäologie befasst sich als eine archäologische Disziplin mit den materiellen Hinterlassenschaften der Neuzeit. Sie beginnt etwa mit dem 16. Jahrhundert und reicht bis in die jüngste Zeitgeschichte, zum Beispiel durch Untersuchungen in Konzentrationslagern oder an der ehemaligen innerdeutschen Grenze.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angesichts zunehmender Verfügbarkeit von Schriftquellen ist die Neuzeitarchäologie in Deutschland bisher kaum akzeptiert. Eine Ausnahme stellt die Industriearchäologie dar, die sich aber in der Neuzeit eher aus der Technikgeschichte als aus der archäologischen Forschung ableitet.

Methodisch ist die Archäologie der Neuzeit aufs engste mit der Mittelalterarchäologie verbunden. Diese dehnt ihre Forschungstätigkeit zunehmend in die Neuzeit aus.

Ein spezielles Feld der Neuzeitarchäologie ist die Archäologie der Gegenwart, die sich mit Hinterlassenschaft der jüngsten Vergangenheit aus den letzten Jahrzehnten beschäftigt. Laut einer 2014 durchgeführten Umfrage bei den Landesämtern für Denkmalpflege in Deutschland gab es zu dieser Zeit keine Projekte zur Archäologie der Gegenwart.[1] 2014 wurde mit dem Goldschatz von Oedeme ein Depotfund bei Lüneburg entdeckt und archäologisch untersucht, der in den Wirren am Ende des Zweiten Weltkriegs oder in der unmittelbaren Nachkriegszeit niedergelegt worden ist.

Von 2016 bis 2018 führt die Universität Hamburg mit der Ausgrabung der Republik Freies Wendland wissenschaftliche Forschungen zum früheren Protestdorf der „Republik Freies Wendland“ bei Gorleben durch, das im Jahr 1980 über vier Wochen bestand.[2] Es handelt sich im deutschsprachigen Raum um das erste Projekt zeitgeschichtlicher Archäologie zur Alltagskultur des späten 20. Jahrhunderts.[3]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stefan Fassbinder: Wallfahrt, Andacht und Magie. Religiöse Anhänger und Medaillen – Beiträge zur neuzeitlichen Frömmigkeitsgeschichte Südwestdeutschlands aus archäologischer Sicht. (= Zeitschrift für Archäologie des Mittelalters. Beiheft 18), Bonn 2003, Kapitel 18.
  • Günter P. Fehring: Die Archäologie des Mittelalters: Eine Einführung. 3., verbesserte und aktualisierte Auflage (Darmstadt, Stuttgart 2000).
  • Barbara Scholkmann: Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit heute. Eine Standortbestimmung im interdisziplinären Kontext. Zeitschr. Arch. Mittelalter 25/26, 1997/98, S. 7–18.
  • Rainer Schreg: Archäologie der frühen Neuzeit. Der Beitrag der Archäologie angesichts zunehmender Schriftquellen. Mitt. DGAMN 18, 2007, S. 9–20.
  • Ulrich Linse: Die Entdeckung der technischen Denkmäler. Über die Anfänge der “Industriearchäologie” in Deutschland. Technikgeschichte 53, 1986, S. 201–222.
  • Ulrich Linse: Die wiedergefundene Erinnerung. Zur Archäologie der Zeitgeschichte. In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht. 1988, S. 427–430.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Esther Widmann: Zeitgenössische Archäologie. Warum Sex-Pistols-Kritzeleien Forscher beschäftigen in Süddeutsche Zeitung vom 15. Juli 2017
  2. Carolin George: Was von der „Republik Freies Wendland“ übrig blieb in die Welt vom 6. November 2016
  3. Graben nach den Resten der Freien Republik Wendland bei wendland.net vom 5. Dezember 2016