Newsdesk

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Newsroom der New York Times (2008)
Newsroom der russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti (2009)

Newsdesk (engl. Begriff für „Nachrichtentisch“) auch Newsroom, zentrale Produktionseinheit oder umgangssprachlich Balken bezeichnet eigentlich den Arbeitsplatz, an dem aktuelle Meldungen eingehen. Davon abgeleitet bedeutet es eine neue Organisationsform in Redaktionen von Zeitungen, bei denen Ressortleiter aus verschiedenen Ressorts an einem gemeinsamen Tisch sitzen und die Themen und Nachrichten festlegen und platzieren, also die Zeitung produzieren. Oft werden mehrere Zeitungen des gleichen Verlagshauses und auch dessen digitale Medien wie Websites, TV- und Radio-Nachrichten durch den Newsroom abgedeckt. Davon getrennt sind zum Teil die Journalisten, die die Beiträge schreiben.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Newsrooms stammen aus den USA. Die Tageszeitung The Philadelphia Inquirer soll im Herbst 1994 einen der ersten eingerichtet haben.[1]

Vorteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Vorteil dieser Lösung, die von immer mehr Zeitungsredaktionen übernommen wird, ist eine bessere Koordination der Ressorts. Sie schränkt jedoch das selbständige Arbeiten der klassischen Ressorts ein und ermöglicht eine stärkere Kontrolle der Arbeitsabläufe und Beiträge. Voraussetzung für die Einrichtung von Newsdesks ist ein Redaktionssystem, das jederzeit einen Zugriff auf alle im Entstehen befindlichen Zeitungsseiten und digitalen Medien ermöglicht. Solche Redaktionssysteme wurden seit den 1990er-Jahren eingeführt. Immer mehr Tageszeitungen organisieren ihre Online- und Printausgaben von einem einzigen Newsroom aus, so etwa die Süddeutsche Zeitung und die Frankfurter Rundschau.[2] Im Newsroom des Axel-Springer-Hochhauses in Berlin werden seit 2002 Die Welt, Welt am Sonntag, Welt kompakt und bs Ende 2013 auch die Berliner Morgenpost von einem Newsroom mit zeitweilig bis zu rund 400 Mitarbeitern gestaltet.[1] Im Newsroom der Blick-Publikationen in Zürich arbeiten rund 200 Leute.[3]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Kritikpunkt am Newsroom-Konzept ist, dass damit Redakteurstellen eingespart werden. Die Artikel kommen immer häufiger von freien Mitarbeitern und nicht mehr von fest angestellten Reportern und Lokaljournalisten. So hat z.B. der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes Michael Konken zum Tag der Arbeit am 1. Mai 2008 die Bedrohung der unabhängigen Presse durch immer mehr Leiharbeit in den Redaktionen scharf kritisiert: „Einige Verleger setzen alles daran, Journalisten zu billigen Lohnschreibern zu degradieren“. Er verwies auf mehr als ein Dutzend Zeitungsverlage in Deutschland, die seinen Angaben zufolge qualifizierte Redakteursstellen ausschließlich dauerhaft mit Leiharbeitnehmern besetzen.

Redakteure, die an Newsdesks arbeiten, bemängeln zudem räumliche Enge und Störung ihrer Arbeit durch Geräuschbelästigung in einem Großraumbüro.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus Meier: Ressort, Sparte, Team. Dissertation, Konstanz 2002.
  • Carvajal, Miguel/García-Avilés, José/Meier, Klaus/Kaltenbrunner, Andy/Kraus, Daniela (2009): Newsroom Integration in Austria, Spain and Germany: Models of Media Convergence. In: Journalism Practice 3/2009.
  • Carvajal, Miguel/García-Avilés, José/Meier, Klaus/Kaltenbrunner, Andy/Kraus, Daniela (2009): Newsroom-Konvergenz in Tageszeitungen im internationalen Vergleich. In: Birgit Stark und Melanie Magin (Hrsg.): Die österreichische Medienlandschaft im Umbruch. Relation: Beiträge zur vergleichenden Kommunikationsforschung, N. F., Band 3. Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften. Wien S. 261-292.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Norbert Neininger-Schwarz: Der Journalist am Fliessband. Der Trend zum multimedialen Newsroom spiegelt die Industrialisierung der Medien. In: Neue Zürcher Zeitung, 5. Januar 2010.
  2. Verlinkt. In: Journalist 7/2009, S. 16ff.
  3. Einblick in den modernsten Newsroom Europas. Abgerufen am 12. März 2010.