Newskoje (Kaliningrad, Nesterow)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Siedlung
Newskoje/Pillupönen (Schloßbach)
Невское
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Nesterow
Frühere Namen Pillupönen (bis 1938)
Schloßbach (1938–1946)
Bevölkerung 453 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+2
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 224 807 004
Geographische Lage
Koordinaten 54° 31′ N, 22° 39′ OKoordinaten: 54° 31′ 0″ N, 22° 39′ 0″ O
Newskoje (Kaliningrad, Nesterow) (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Newskoje (Kaliningrad, Nesterow) (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Kaliningrad‎

Newskoje (russisch Невское, deutsch Pillupönen, Kreis Stallupönen, 1938–1946 Schloßbach, Kreis Ebenrode) ist eine Siedlung in der russischen Oblast Kaliningrad und gehört zur Landgemeinde Prigorodnoje (Petrikatschen, 1938–1946 Schützenort) im Rajon Nesterow.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Newskoje liegt im Grenzgebiet zu Litauen im Tal der Pillup, die hier in die Dobup mündet.

Durch den Ort führt eine Straße, die von Nesterow (Stallupönen, 1938–1946 Ebenrode) kommend sich 34 Kilometer weiter südlich im Grenzgebiet zu Polen verläuft und bis 1945 eine Verbindungsstraße über Szittkehmen (Schittkehmen) (1938–1946 Wehrkirchen, russisch: Saslonowo, polnisch: Żytkiejmy) nach Goldap (polnisch: Gołdap) war. In Newskoje endet eine aus dem südwestlich gelegenen Kalinino (Mehlkehmen, 1938–1946 Birkenmühle) kommende Nebenstraße.

Vor 1945 war Pillupönen respk. Schloßbach Bahnstation an der Strecke von Stallupönen/Ebenrode über Tollmingkehmen/Tollmingen und Rominten/Hardteck nach Goldap, die eine Nebenstrecke der Preußischen Ostbahn von Berlin über Königsberg (Preußen) (Kaliningrad) nach Eydtkuhnen/Eydtkau und weiter bis Litauen war.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 24. Juni 1874 wurde der Amtsbezirk Pillupönen aus den Landgemeinden Ackmonienen, Daugelischken (1938–1946 Pfeifenberg), Norwieden, Pillupönen (1938–1946 Schloßbach), Sudeiken, Taschieten (1938–1946 Steinhalde), Wenzlowischken (1938–1946 Wenzbach, seit 1946 russisch: Wosnessenskoje) sowie dem Gutsbezirk Pillupönen gebildet. Die Gemeinde Ackmonienen wurde zum 1. Oktober 1937 nach Pillupönen eingemeindet. Die Umbenennung von vier der übrigen Gemeinden erfolgte zum 3. Juni 1938, wobei alle sechs Gemeinden bis 1945 beim - dann auch umbenannten - Amtsbezirk Schloßbach blieben. Er gehörte zum Landkreis Stallupönen (1938–1946 Landkreis Ebenrode) im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen.

In Pillupönen/Schloßbach stand ein Gutshaus aus dem 17./18. Jahrhundert mit Dachausbau aus dem 19. Jahrhundert. Letzte Besitzerin war die Familie Will.

Im Jahre 1910 zählte Pillupönen 774 Einwohner, deren Zahl bis 1933 auf 881 stieg und 1939 noch 792 betrug.

Seit 1946 heißt der Ort Newskoje und ist heute Teil der Landgemeinde Prigorodnoje (Prigorodnoje selskoje posselenije) im Rajon Nesterow in der Oblast Kaliningrad und war bis 2009 in den Pokryschinski sowjet (Dorfsowjet Pokryschkino (Dopönen, 1938–1946 Grünweide)) eingegliedert.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchengebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Dorfkirche im jetzigen Newskoje handelt es sich um einen Saalbau von 1778 auf den Fundamenten der Vorgängerkirche von 1565. Der Turmunterbau entstand 1686, der Oberbau von 1778. Der Turmabschluss von 1816 wurde 1914 nach Kriegszerstörungen erneuert.

Das Gotteshaus hielt den Kampfhandlungen der Jahre 1944/1945 stand. Allerdings wurde es zu Sowjetzeiten zur Lagerung von Kunstdünger verwendet und die Gebäudesubstanz verfiel. 1994 räumten die Einwohner des Dorfes das Gebäude aus und reinigten es. Mit finanzieller Unterstützung aus Deutschland konnte das Gebäude wieder instand gesetzt werden. Im August 1994 fand der erste Gottesdienst im nun wieder als Kirche genutzten Gebäude statt.

Kirchengemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pillupönen gehört mit seiner überwiegend evangelischen Bevölkerung bis 1725 zur Inspektion Insterburg (russisch: Tschernjachowsk), kam dann mit seinem Kirchspiel zum Kirchenkreis Stallupönen/Ebenrode in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Während der Zeit des sowjetischen Sozialismus kam das kirchliche Leben in Newskoje völlig zum Erliegen. Erst in den 1990er Jahren entstand auf Initiative angesiedelter Russlanddeutscher wieder eine evangelische Gemeinde, die sich mit dem Nachbarort Tschernjachowo (Erlenhagen) der neugebildeten Propstei Kaliningrad in der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER) angliederte. Das zuständige Pfarramt ist das der Salzburger Kirche in Gussew (Gumbinnen), in dem zwei Geistliche tätig sind.

Pfarrer 1557–1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1557 und 1945 waren in Pillupönen/Schloßbach 25 evangelische Geistliche tätig:

  • Nicolaus Blothno, 1557–1602
  • Michael Sappuhn, 1595–1622
  • Heinrich Sperber, bis 1655
  • Johann Bartholdi, 1655–1674
  • Johann Poll, 1675–1681
  • Christoph Poll, 1681–1692
  • Johann Friedrich Bartenwerfer, 1686–1701
  • Friedrich Reinh. Rosochatius, 1694–1695
  • Daniel Kewenick, ab 1695
  • Johann Schumacher, bis 1710
  • Christoph Perkuhn, 1701–1710
  • Heinrich Günther Plewe, 1710–1727
  • Georg Jacob Großjohann, 1727–1743
  • Martin Jagodzinski, 1743–1769
  • Friedrich Miachel Naugart, 1769–1793
  • Johann Friedrich Pöppel, 1794–1809
  • Carl Gottlieb Bauer, 1810–1817
  • Georg Samuel Fritz, 1817–1819
  • Karl Fleischmann, 1820–1844
  • Leopold Otto Loebel, 1844
  • Ludwig Johann Johannson, 1844–1850
  • Carl Eduard O. Strohmann, 1858–1883
  • Otto Friedrich Moritz Lehmann,
    1883–1898
  • Paul August Ludwig Schultze, 1898–1928
  • Paul Melzer, 1930–1945

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg 1968

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]