Newskoje (Kaliningrad, Nesterow)

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Siedlung
Newskoje
Pillupönen (Schloßbach)

Невское
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Nesterow
Frühere Namen Pillupönen (bis 1938)
Schloßbach (1938–1946)
Bevölkerung 453 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+2
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 224 807 004
Geographische Lage
Koordinaten 54° 31′ N, 22° 39′ OKoordinaten: 54° 31′ 0″ N, 22° 39′ 0″ O
Newskoje (Kaliningrad, Nesterow) (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Newskoje (Kaliningrad, Nesterow) (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Kaliningrad

Newskoje (russisch Невское, deutsch Pillupönen, Kreis Stallupönen, 1938–1945 Schloßbach, Kreis Ebenrode) ist eine Siedlung in der russischen Oblast Kaliningrad. Sie gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Nesterow im Rajon Nesterow.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Newskoje liegt im Grenzgebiet zu Litauen im Tal der Pillup, die hier in die Dobup (russisch: Glubokaja) mündet.

Durch den Ort führt die Regionalstraße 27A-059, die von Nesterow (Stallupönen/Ebenrode) kommend 34 Kilometer weiter südlich im Grenzgebiet zu Polen endet und bis 1945 eine Verbindungsstraße über Szittkehmen (1938–1945 Wehrkirchen, polnisch: Żytkiejmy) nach Goldap (polnisch: Gołdap) war. In Newskoje endet die aus dem südwestlich gelegenen Kalinino (Mehlkehmen/Birkenmühle) kommende Kommunalstraße 27K-276.

Bis in die 1970er Jahre war Newskoje Bahnstation an der Bahnstrecke Gołdap–Nesterow, die nach 1945 nur noch im russischen Abschnitt betrieben wurde und dann eingestellt wurde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort Pillupönen, bestehend aus einem Dorf und einem adligen Gut, ist seit Mitte des 16. Jahrhunderts nachweisbar. Im Jahr 1874 wurde die Landgemeinde Pillupönen Sitz eines Amtsbezirks im Landkreis Stallupönen. 1928 wurde das Gut in die Landgemeinde integriert. Die Gemeinde Ackmonienen wurde zum 1. Oktober 1937 nach Pillupönen eingemeindet. Am 3. Juni 1938 wurde Pillupönen in Schloßbach umbenannt. Das ehemalige Ackmonienen wurde in der Folge als Kleinschloßbach bezeichnet.

In Pillupönen/Schloßbach stand ein Gutshaus aus dem 17./18. Jahrhundert mit Dachausbau aus dem 19. Jahrhundert. Letzte Besitzerin war die Familie Will.

Im Jahr 1945 kam der Ort zur Sowjetunion. 1947 erhielt er den russischen Namen Newskoje und wurde gleichzeitig Sitz eines Dorfsowjets im Rajon Nesterow.[2] 1954 gelangte Newskoje mit dem gesamten Dorfsowjet in den Pokryschkinski selski Sowet. Von 2008 bis 2018 gehörte der Ort zur Landgemeinde Prigorodnoje selskoje posselenije und seither zum Stadtkreis Nesterow.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner[3] Bemerkungen
1910 868 Davon 94 im Gutsbezirk Adlig Pillupönen
1933 881
1939 792 Einschließlich Kleinschloßbach
2002 516
2010 453

Amtsbezirk Pillupönen (Schloßbach) 1874–1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 24. Juni 1874 wurde der Amtsbezirk Pillupönen aus sieben Landgemeinden und einem Gutsbezirk im Landkreis Stallupönen (1938–1945 Landkreis Ebenrode) im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen gebildet.

Name (bis 1938) Name (1938–1945) Russischer Name
nach 1945
Landgemeinden:
Ackmonienen, 1937 zu Pillupönen als Kleinschloßbach zu Schloßbach
Daugelischken Pfeifenberg
Norwieden Norwieden
Pillupönen Schloßbach Newskoje
Sudeiken Sudeiken
Taschieten Steinhalde
Wenzlowischken Wenzbach Wosnessenskoje
Gutsbezirke:
Pillupönen, seit um 1900 Adlig Pillupönen, 1928 zur Landgemeinde Pillupönen

Newski selski Sowet 1947–1954[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Dorfsowjet Newski selski Sowet (ru. Невский сельский Совет) wurde im Juni 1947 im Rajon Nesterow eingerichtet.[2] Im Jahr 1954 wurde der Dorfsowjet wieder aufgelöst und an den Pokryschkinski selski Sowet angeschlossen.[4]

Ortsname Name bis 1947/50 Jahr der Umbenennung
Jagodnoje (Ягодное) Bredauen 1950
Newskoje (Невское) Pillupönen, 1938–1945: "Schloßbach" 1947
Panfilowo (Панфилово) Podszohnen, 1936–1938: Podschohnen, 1938–1945: "Buschfelde" 1947
Rybalkowo (Рыбалково) Matternischken, 1938–1945: "Matten" 1950
Tschernjachowo (Черняхово) Laukupönen, 1938–1945: "Erlenhagen" 1947
Wosnessenskoje (Вознесенское) Wenzlowischken, 1938–1945 "Wenzbach" 1947

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchengebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Dorfkirche im jetzigen Newskoje handelt es sich um einen Saalbau von 1778 auf den Fundamenten der Vorgängerkirche von 1565. Der Turmunterbau entstand 1686, der Oberbau von 1778. Der Turmabschluss von 1816 wurde 1914 nach Kriegszerstörungen erneuert.

Das Gotteshaus hielt den Kampfhandlungen der Jahre 1944/1945 stand. Allerdings wurde es zu Sowjetzeiten zur Lagerung von Kunstdünger verwendet und die Gebäudesubstanz verfiel. 1994 räumten die Einwohner des Dorfes das Gebäude aus und reinigten es. Mit finanzieller Unterstützung aus Deutschland konnte das Gebäude wieder instand gesetzt werden. Im August 1994 fand der erste Gottesdienst im nun wieder als Kirche genutzten Gebäude statt.

Kirchengemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pillupönen gehört mit seiner überwiegend evangelischen Bevölkerung bis 1725 zur Inspektion Insterburg (russisch: Tschernjachowsk), kam dann mit seinem Kirchspiel zum Kirchenkreis Stallupönen/Ebenrode in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Während der Zeit des sowjetischen Sozialismus kam das kirchliche Leben in Newskoje völlig zum Erliegen. Erst in den 1990er Jahren entstand auf Initiative angesiedelter Russlanddeutscher wieder eine evangelische Gemeinde, die sich mit dem Nachbarort Tschernjachowo (Erlenhagen) der neugebildeten Propstei Kaliningrad in der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER) angliederte. Das zuständige Pfarramt ist das der Salzburger Kirche in Gussew (Gumbinnen), in dem zwei Geistliche tätig sind.

Pfarrer 1557–1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1557 und 1945 waren in Pillupönen/Schloßbach 25 evangelische Geistliche tätig:

  • Nicolaus Blothno, 1557–1602
  • Michael Sappuhn, 1595–1622
  • Heinrich Sperber, bis 1655
  • Johann Bartholdi, 1655–1674
  • Johann Poll, 1675–1681
  • Christoph Poll, 1681–1692
  • Johann Friedrich Bartenwerfer, 1686–1701
  • Friedrich Reinh. Rosochatius, 1694–1695
  • Daniel Kewenick, ab 1695
  • Johann Schumacher, bis 1710
  • Christoph Perkuhn, 1701–1710
  • Heinrich Günther Plewe, 1710–1727
  • Georg Jacob Großjohann, 1727–1743
  • Martin Jagodzinski, 1743–1769
  • Friedrich Miachel Naugart, 1769–1793
  • Johann Friedrich Pöppel, 1794–1809
  • Carl Gottlieb Bauer, 1810–1817
  • Georg Samuel Fritz, 1817–1819
  • Karl Fleischmann, 1820–1844
  • Leopold Otto Loebell, 1844[5]
  • Ludwig Johann Johannesson, 1844–1850[5]
  • Carl Eduard O. Strohmann, 1858–1883[5]
  • Otto Friedrich Moritz Lehmann, 1883–1898
  • Paul August Ludwig Schultze, 1898–1928
  • Paul Melzer, 1930–1945

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg 1968

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. a b Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 июня 1947 г.«Об образовании сельских советов, городов и рабочих поселков в Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 17. Juni 1947: Über die Bildung von Dorfsowjets, Städten und Arbeitersiedlungen in der Oblast Kaliningrad)
  3. Volkszählungsdaten
  4. Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 16 июня 1954 г. № 744/54 «Об объединении сельских советов Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 16. Juni 1954, Nr. 744/54: Über die Vereinigung von Dorfsowjets der Oblast Kaliningrad)
  5. a b c Loebell († 1885), Johannesson († 1890) und Strohmann († 1893) waren Angehörige des Corps Littuania.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]