Nezāmi

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Nezāmi

Nezāmi auch Nizami (persisch ‏نظامی گنجوی‎ - Neẓāmī-e Gandschawī; eigentlicher Name: Elyās ebn-e Yūsef, vollständiger Name: Neẓām ad-Dīn Abū Muhammad Elyās ibn Yusūf ibn Zakī ibn Mu'ayyid; * um 1141 in Gəncə (heutzutage Aserbaidschan); † 12. März 1209 / 4. Ramadan 605) war ein persischer Dichter.

Leben[Bearbeiten]

Nizami Ganjavi am Empfang des Schah. Miniature. 1570. Museum der Geschichte von Aserbaidschan
Bahram V. besucht den Dom von Piruza an Mittwoch. Seite aus Haft Paykar aus dem Manuscript von Nizami. Brooklyn Museum.

Nezamis Mutter Ra'isa war Kurdin[1][2]. Von seinem Vater Yusūf wird angenommen, dass dessen Familie aus Qom[2] stammte. Nezāmi verwaiste früh und wurde von seinem Onkel mütterlicherseits, Chwadscha Umar, aufgezogen. Nezāmi heiratete dreimal.

Nezāmi war ein Günstling der herrschenden Seldschukenfürsten. Über sein Leben, das er bis auf eine Reise in seiner Geburtsstadt Gəncə verbrachte, ist wenig bekannt. Neben der Literatur war Nezāmi auch in der Mathematik, Astronomie, Medizin, Rechtsprechung, Geschichte, Philosophie, Musik und den Künsten bewandert. Seine Schüler verliehen ihm den Beinamen Hakīm (deutsch Weiser, Arzt).

Werke[Bearbeiten]

Nezāmis Hauptwerk ist das Chamse („Fünf“) oder „die fünf Schätze“, das aus fünf Epen besteht:

  • Machzan ol-Asrār ( ‏مخزن الاسرار‎ )
    „Der Schatz der Geheimnisse“, ein didaktisches Gedicht.
  • Chosrou und Schirin ( ‏خسرو و شيرين‎ )
    Ein romantisches Epos, das die Liebe des persischen Königs Chosrou zu Schirin zum Gegenstand hat.
  • Laili und Madschnun ( ‏ليلى و مجنون‎ )
    Romantisches Epos die Liebe des Madschnun zur schönen Leila besingend.
  • Eskandar-Nāme ( ‏اسكندر نامه‎ )
    „Das Alexander-Buch“, eine sagenhaft ausgeschmückte Geschichte Alexanders des Großen in zwei Teilen, einem mehr epischen und einem didaktischen, in der u.a. auch die Weisheit des Eroberers gepriesen wird.
  • Haft Peykar ( ‏هفت پيكر‎ )
    „Die sieben Bildnisse“ oder „Die sieben Schönheiten“, eine Sammlung von sieben Novellen in poetischer Form, darunter die durch Gozzi und Schiller bekannte Erzählung von Turandot.

Daneben verfasste Nezāmi noch einen Diwan mit Oden und Gedichten, der 28000 Distiche enthalten soll.

Rezeption[Bearbeiten]

Erstübersetzungen in europäische Sprachen[Bearbeiten]

Der Name Nezāmis wurde in europäischen Sprachen durch den französischen Orientalisten Barthélemy d’Herbelot de Molainville bekannt gemacht, mit dem biografischen Eintrag ‹Nazami› in seinem Lebenswerk Bibliothèque orientale oder Dictionnaire universel contenant tout ce qui regarde la Connoissance des peuples de l'Orient, das 1697 postum durch Antoine Galland in Paris veröffentlicht wurde.[3]

Erst 1786 allerdings erschienen 20 Erzählungen aus Nezāmis Maẖzan ul-asrār (Schatzkammer der Geheimnisse), auf Englisch, durch William Jones[3], der seit 1783 Richter am Obersten Gericht in Kalkutta war.

Direkt aus dem Persischen ins Deutsche übertragen erschienen 1798 die ersten Nachdichtungen von Nezāmis Chosrau und Schirin in Christoph Martin Wielands Zeitschrift Neuer Teutscher Merkur, die ihr Übersetzer Joseph von Hammer-Purgstall, Absolvent der Wiener Orientalischen Akademie, 1809 in Leipzig als Buch herausgab.[4] Weitere als Buch erschienene (Teil)ausgaben von Nezāmis Werken in europäischen Sprachen sind: Layli and Majnún: a poem (London 1836) von James Atkinson, Behram-Gur und die Russische Fürstentochter (eine Teilausgabe der Sieben Schönheiten) in einer zweisprachigen persisch-deutschen Ausgabe von Franz von Erdmann (Kasan 1843) sowie Alexanders Zug zum Lebensquell im Land der Finsterniss von Hermann Ethe, publiziert 1871 in München.[3]

Heutige Rezeption weltweit[Bearbeiten]

Mit Skultpuren, die Nezami abbilden, wird dem Dichter in vielen Ländern der Welt gedacht, in Iran und in Aserbaidschan in vielen Städten sowie in Moskau, in Sankt Petersburg, in Kiew, in Peking, in Taschkent, in Marneuli, in Chişinău, in der Wolga-Republik Udmurtien sowie in Rom, wo 2012 in der Villa Borghese fuer den persischsprachigen Dichter ein Denkmal enthuellt wurde.[5]

Die UNESCO erklärte das Jahr 1991 zum Nezāmi-Jahr.

Musik
Theater
Film
  • Isa Guseinow und Eldar Kulijew (Drehbuch) / Eldar Kulijew (Regie): Nizami. Spielfilm (Aserbaidschan 1982; mit Müslüm Maqomayev in der Titelrolle)

Aktuelle Ausgaben[Bearbeiten]

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. V. Minorsky, Studies in Caucasian History, Cambridge University Press, 1957 S. 34: “The author of the collection of documents relating to Arran Mas’ud b. Namdar (c. 1100) claims Kurdish nationality. The mother of the poet Nizami of Ganja was Kurdish (see autobiographical digression in the introduction of Layli wa Majnun). In the 16th century there was a group of 24 septs of Kurds in Qarabagh, see Sharaf-nama, I, 323. Even now the Kurds of the USSR are chiefly grouped south of Ganja. Many place-names composed with Kurd are found on both banks of the Kur”
  2. a b V.Minorsky: "review of G. H. Darab translation of Makhzan al-Asrar" 1945 Minorsky, BSOAS 1948, xii/2, 441-5): "Whether Nizami was born in Qom or in Ganja is not quite clear. The verse (quoted on p. 14): “I am lost as a pearl in the sea of Ganja, yet I am from the Qohestan of the city of Qom “, does not expressly mean that he was born in Qom. On the other hand, Nizami’s mother was of Kurdish origin, and this might point to Ganja where the Kurdish dynasty of Shaddad ruled down to AH. 468; even now Kurds are found to the south of Ganja."
  3. a b c Renate Würsch (2005): Niẓāmīs Schatzkammer der Geheimnisse. Eine Untersuchung zu ‹Maẖzan ul-asrār›, Wiesbaden: Reichert, 2005, ISBN 3-89500-462-6, S. 25-29 und vor allem Fu-note 159.
  4. Shafiq Shamel (2013): "The Convergence: European Enlightenment and Persian Poetry", Chapter 4 in, ders.: Goethe and Hafiz. Poetry and ‹West-östlicher Divan›, Oxford et al., Peter Lang, S. 129–157. ISBN 978-3-0343-0881-6
  5. "Nizami Ganjavi 'one of most prominent figures in Azerbaijani culture'", news.az, 21. April 2012
  6. FAZ vom 20. Dezember 2010, Seite 26: Jesus, Maria und Joseph! oder Die persische Klassik als Glücksfall

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nezami – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien