Nez Percé

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Ehemaliges Stammesgebiet der Nez Percé und heutiges Reservat in Idaho

Die Nez Percé [ˌnepɛʀˈse] (franz.,durchbohrte Nase‘,[1] engl. Aussprache: ˌnɛzˈpɜrs), auch Nez Perce, sind ein Indianer-Volk des Columbia River Plateau des Pazifischen Nordwestens der Vereinigten Staaten. Ihre Sprache, das Niimiipuutímt, zählt neben dem Sahaptin zu den Sahaptian-Sprachen (auch Sahaptin, Shahaptian), einer Untergruppe der Plateau Penuti-Sprachfamilie. Die Nez Percé sind daher sprachlich und kulturell eng verwandt mit den Sahaptin-sprachigen Palus (Palouse), Walla Walla, Yakima, Umatilla und Wanapum (Wánapam).

Wohngebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Traditionell bewohnten sie ein Gebiet von ca. 69.000 km² im Westen des heutigen US-Bundesstaates Idaho sowie Teile des südöstlichen Washington, des nordöstlichen Oregon sowie nach Erwerb von Pferden Anfang 1700 auch die Plains im Westen Montanas. Ihr Stammesgebiet war von tiefen Canyons (teilweise tiefer als der Grand Canyon) und trockenen Grassteppen geprägt und umfasste die Flusstäler des Snake und Grande Ronde im Westen und Nordwesten, des Salmon River (und dessen zahlreiche Nebenflüsse) im Süden, des Clearwater Rivers im Zentrum und im Norden; im Osten reichte es bis zu den Bitterroot (dem Tor zu den Nordwestlichen Plains von Montana) sowie im Westen bis zu den Blue Mountains.

Um 1800 lebten die Nez Percé in über 70 dauerhaften Dörfern mit je 30 bis 200 Bewohnern, davon waren mindestens 27 ganzjährig bewohnt. Im Jahr 1805 waren die Nez Percé der größte Stamm im Columbia River Plateau mit ca. 6.000 Stammesangehörigen. Sie lassen sich entsprechend ihren Dialekten in zwei Gruppen einteilen: Untere (Lower) und Obere (Upper) Nez Percé. Kulturell sind die Nez Percé dem Plateau Kulturareal zuzurechnen, wobei die Oberen Nez Percé sich eher am Leben der Plains-Stämme orientierten, während die Unteren Nez Percé deutlichere Vertreter der Plateau-Kultur waren.

Namen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Berichten der Lewis-und-Clark-Expedition von 1805 wurden die Nez Percé als Chopunnish bezeichnet - eine Adaption des Begriffs cú·pʼnitpeľu (,das gepiercte Volk‘, abgel. von cú·pʼnit -,Piercing mit einem spitzen Gegenstand‘ und peľu -,Volk‘).[2] Da die Nez Percé keinerlei Nasenpiercings oder sonstige Schmuckstücke trugen, war der Name,durchbohrte Nasen‘ eine unzutreffende Bezeichnung und ist wahrscheinlich auf eine Verwechslung mit den am Unterlauf des Columbia River lebenden Chinook, zurückzuführen. Die verschiedenen Stämme der Chinook, die mit den Nez Percé Fischgründe und Handelsplätze teilten, waren insbesondere als große Händler berühmt - so dass basierend auf ihrer Sprache, sich das Chinook Wawa, als Lingua franca unter den Stämmen des Nordwestens etablierte.

Laut mündlicher Überlieferung der Nez Perce bezeichneten sie sich vor Einführung des Pferdes als Cuupn'itpel'uu oder Tsoop-Nit-Pa-Loo -,wir gingen aus dem Wald heraus‘ oder,wir gingen aus den Bergen heraus‘. Ihrem Schöpfungsmythus folgend ist auch die Bezeichnung als Iceyeeye Niim Mama’yac (,Kinder von Koyote‘) gebräuchlich.[3]

Heute nennen sie sich meist Nimi'ipuu oder Niimíipu (auch Nee-Me-Poo)- ‘Wahres Volk’ oder ‘Wir, das Volk’.[4]

Traditionelle Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachfolgend wird die Kultur der Nez Percé beschrieben, so wie sie sich bis zur Aufgabe der Selbstbestimmung und dem Einzug in das Reservat präsentiert hat. Ab diesem Zeitpunkt glich sie sich nach und nach der Kultur der europäischen Einwanderer an.

Politische Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Möglichkeit errichteten die Nez Percé ihre Dörfer entlang von Flüssen. Sie organisierten sich analog zum Flusssystem. Die einzelnen Dörfer an einem Seitenfluss fühlten sich als Gruppe zusammengehörig und vereinten sich bei Bedarf - zum Beispiel zur Bisonjagd - mit Gruppen des Hauptflusses. Ob sich sämtliche Nez Percé bereits vor dem ersten Kontakt mit den Europ-Amerikanern zusammengehörig fühlten, ist umstritten. Mit Sicherheit vereinten sie sich nach 1830 unter einem gemeinsamen Häuptling. Gemeinsam versuchten sie dem gewachsenen Druck stand zu halten.

Ein Dorf bestand aus mehreren Großfamilien und wurde von einem Mann - oft der älteste fähige Mann des Dorfes - geführt. Meist assistierte ein jüngerer Mann dem Anführer. Üblicherweise ging das Amt vom Vater auf den Sohn über; war dieser unfähig, wählte der Rat einen fähigeren Mann zum Anführer des Dorfes. In wenigen Fällen übernahm ein Medizinmann die Führung. Vom Anführer wurde erwartet, dass er ein Vorbild war, als offizieller Redner in Erscheinung trat, Streit schlichtete und bestrebt war, Entscheidungen zum Wohl der Dorfbewohner zu fällen. Die Familienführer waren im Rat vertreten, dessen Entschlüsse der Dorf-Anführer zu befolgen hatte. Normalerweise stand der Anführer des größten Dorfes der Gruppe vor. Die Bewohner der verschiedenen Dörfer schlossen sich vor allem zur Verteidigung zusammen, gelegentlich aber auch zu gemeinsamen Zeremonien oder zum Nahrungserwerb.

Trafen sich gar verschiedene Gruppen, vereinten sich die Gruppen-Anführer und herausragenden Krieger zu einem Rat. Ein Mann konnte vom Rat mit der Führung eines Unternehmens - Jagd oder Krieg - betraut werden. Selten hatte ein Mann auf dieser Ebene permanent die Führungsrolle inne, sondern bloß vorübergehend. Medizinmänner genossen teilweise großen politischen Einfluss. Obwohl Verbrechen meist in der Großfamilie geahndet wurden, schickte der übergeordnete Rat manchmal Stammesmitglieder ins Exil.

Nahrungserwerb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Nez Percé jagten große Tiere wie Wapitis, Hirsche, Elche, Bergschafe, Bergziegen, Schwarz- und Grizzly-Bären sowie kleinere wie Hasen, Hörnchen, Dachse und Murmeltiere. Das Großwild kreisten sie meist gemeinschaftlich ein oder trieben es in ein Gehege oder einen Fluss. Bevor sie über Pferde verfügten, war der Angriff aus dem Hinterhalt eine beliebte Jagdmethode, besonders bei Bisons. Zudem träufelten sie manchmal Klapperschlangen-Gift auf die Pfeilspitze. Weiter fingen sie Enten, Gänse, Moorhühner sowie andere Vögel für Zeremonien. Verschiedene Flüsse versorgten sie mit Fischen. Lachse fingen sie bei Frühlingsbeginn, meist mussten sie dazu noch mit Schneeschuhen durch den tiefen Schnee zum Fluss stapfen.

Sattelkissen, Nez Perce National Historical Park, um 1900

Nachdem sie nach 1700 zu Pferden gelangt waren, zogen sie einmal im Jahr in die Ebenen Montanas, jagten Bisons und tauschten mit den Prärie-Stämmen Waren aus. Dabei wurden sie oft von Kriegern befreundeter Stämme wie den Umatilla, Cayuse und Yakima begleitet.

Die Männer waren für die Jagd und das Fischen verantwortlich. Sie fischten mit Schnur und Haken, mit Speeren, Harpunen, Netzen und Wehren. Die großen Wehre wurden gemeinschaftlich errichtet. Ein Spezialist regulierte das Wehr und teilte den Fang unter den Familien auf. Die Frauen verarbeiteten die Beute. Fische wurden entweder frisch gegessen oder an der Sonne getrocknet und als Wintervorrat geräuchert.

Ergänzend sammelten die Frauen Wurzeln, wilde Rüben und Zwiebeln, verschiedene Beeren, Kiefernsamen und Sonnenblumenkerne. Wurzeln wurden zerrieben, als Laibe oder Biscuits aufbewahrt und später in Suppen und Eintöpfen verwendet. Die Vorräte wurden in Körben in rinden- oder grasbedeckten trockenen Gruben aufbewahrt.

Mann der Nez Percé, 1899

Materielle Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Alltagsgebrauch verfügten die Nez Percé über Gegenstände aus Materialien, die ihnen die Natur bot. Vieles war aus Holz, so zum Beispiel Löffel und Schalen. Löffel stellten sie teilweise auch aus Horn her, genau so wie Trinkbecher. Mörser waren entweder geflochten und mit einem Steinboden ergänzt oder aus Holz. Die Stößel meißelten sie aus Stein. Verwendung fanden die Mörser zum Mahlen und Zerkleinern von Fleisch und Wurzeln. Zum Kochen von Fleisch benutzten sie Körbe, zum Backen große Erdöfen. Geweihe nutzten die Nez Percé für Keile und zusammen mit Stein, Holz und Rohleder für Streitäxte und Keulen (Tomahawks). Bögen schufen sie aus Flieder, Eibenholz und Sehnen.

Die Nez Percé wohnten in den auf dem Plateau üblichen Matte-bedeckten Langhäusern. Die Länge der Häuser konnte über 30 Meter betragen. Nebst diesen permanenten Wohnsitzen verfügten die Nez Percé über konische Zelte, die sie bei Reisen, zum Beispiel auf Jagdzügen oder beim Fischen benutzten. Schwitzhütten wurden in allen permanenten Siedlungen der Nez Percé gefunden.

Die Kleidung der Nez Percé war mit langen Wildlederhemden, Leggings, Gürteln, Handschuhen, Stulpen und Mokassins typisch für die nördlichen Plains. Bei Männern beliebt war Kopfschmuck aus Federn. Frauen verzierten ihre Kleider mit Wapiti-Zähnen und Meeresmuscheln, die sie eintauschten. An der Kleidung konnte sowohl das Geschlecht als auch Alter und sozialer Status abgelesen werden. Beide Geschlechter bemalten sich die Gesichter zu speziellen Zwecken.

Nez Percés mit einem Appaloosa-Pferd (1895)

Die spanischen Einwanderer führten Pferde mit sich, die sich vom Gebiet des heutigen Mexiko aus rasch nach Norden verbreiteten und auch zu den Nez Percé kamen. Innerhalb kürzester Zeit wurden die Nez Percé zur berühmtesten Pferdenation auf dem Plateau. Männer, Frauen und Kinder ritten Pferde bei jeder Gelegenheit. Zogen sie von einem Lagerort zum nächsten, zogen Pferde ihr Hab und Gut auf einem Travois. Welche zentrale Bedeutung das Pferd im Leben der Nez Percé einnahm, zeigte die vielfältige materielle Kultur: Die Nez Percé schufen verschiedene Sättel je nach Verwendung sowie mit Stachelschweinborsten, Perlen und Pferdehaaren verzierte Pferdedecken und -geschirr. Die Anzahl Pferde machte den Unterschied zwischen Reich und Arm; einflussreiche Familien besaßen teilweise eine Herde von Tausenden Pferden. Als Züchter von starken und ausdauernden Pferden waren die Nez Percé weitherum bekannt; gelegentlich erwarben die Nez Percé zusätzlich Pferde durch Raubzüge.

Lebenszyklus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geburt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baby der Nez Percé, Edward Curtis, 1911

War eine Frau schwanger, erhielt sie von ihren älteren weiblichen Verwandten Ratschläge, wie sie ihre Gesundheit und diejenige ihres Kindes, erhalten konnte. Dazu gehörten heiße wie kalte Bäder sowie die Verwendung verschiedener Kräuter. Es galt als Tabu für Schwangere, deformierte Tiere oder Menschen zu betrachten, berühren oder zu verhöhnen. Die Nez Percé glaubten, dass das Kind ebenfalls deformiert werden würde, hielt sich die werdende Mutter nicht an das Tabu. Weitere Tabus schränkten sie in ihrem Handeln ein.

Zur Geburt begab sie sich in eine separate Hütte, wo ihr weibliche Verwandte halfen. Nur bei ernsteren Komplikationen wurde ein männlicher Medizinmann beigezogen, der mit Kräutern, Ritualen und physischen Handlungen half. Nach der Geburt wurde die Nabelschnur in einem kleinen Behälter verstaut, der an der Baby-Trage (Cradleboard) befestigt wurde. Gemäß dem Glauben der Nez Percé würde der Verlust der Nabelschnur Unglück bringen.

Kinder erhielten meist Namen von bedeutenden Vorfahren, in der Hoffnung, dass sich dies positiv auf die Entwicklung des Kindes auswirken würde. Eine formelle Namensfeier fand aber erst im Jugendalter statt. Namen konnten jederzeit geändert werden.

Kindheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kinder wurden so lange in das Wiegenbrett gelegt, bis sie gehen konnten und wurden so lange wie möglich gestillt, oft einige Jahre. Starb die Mutter, wurde das Kind von einer anderen Frau des Vaters oder von einer Verwandten der Verstorbenen adoptiert.

Nach Möglichkeit kümmerten sich die Großeltern um das Kind, sobald dieses entwöhnt war. Den Eltern gegenüber mussten sich die Kinder sehr respektvoll benehmen, mit den Großeltern durften sie hingegen herumalbern. Der Großvater brachte seinem Enkel das Jagen, Reiten und Schwitzen bei. Die Großmutter unterrichtete ihre Enkelin. Außerdem brachten die Großeltern viel Zeit damit zu, ihren Enkelkindern die Mythen des Stammes zu erzählen. Unterstützt wurden die Großeltern durch andere ältere Verwandte. Onkel und Tanten holten Kinder üblicherweise vor Tagesanbruch zu einem Bad in einem nahegelegenen Gewässer.

Mit etwa drei Jahren wurden die Kinder in den Alltag einbezogen. Sie waren beim Wurzelnausgraben oder beim Beerensammeln dabei und wurden auch schon mal hinter einem Reiter aufs Pferd gebunden und zur Jagd mitgenommen. Etwa mit sechs Jahren halfen die Kinder erstmals bei der Arbeit mit, gruben selbst eine Wurzel aus oder erlegten mit einem Spielzeugbogen ein Tier. Dieses Ereignis wurde mit einer Übergangszeremonie gefeiert. Aß ein erfahrener Jäger oder Fischer das erste Wild oder den ersten Fisch, so glaubten die Nez Percé, dass der Knabe ein begabter Fischer oder Jäger werden würde. Ebenso sollte eine erfolgreiche Sammlerin die erste Wurzel oder die erste Beere eines Mädchens essen, damit dieses später eine Familie ausreichend mit diesen Produkten versorgen konnte.

In der Jugendzeit wurden die Jungen und Mädchen zur Visionssuche ausgeschickt. Waren sie nicht erfolgreich, wurden sie oft weitere Male ausgeschickt. Trat bei einem Mädchen die erste Blutung ein, wurde es für etwa eine Woche in eine dafür vorgesehen Hütte separiert. Dort sollte es nicht untätig sein und stets positive Gedanken pflegen. Nach dieser Zeit kehrte das Mädchen wieder unter ihr Volk zurück und wurde als junge Frau willkommen geheißen, die nun bereit war zu heiraten. Von Freunden und Verwandten erhielt sie Geschenke.

Tänze, Spiele, Wettkämpfe und Pferderennen nahmen einen wichtigen Stellenwert ein - sowohl bei Kindern wie auch bei Erwachsenen.

Heirat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Familien-Führer bestimmten die Partner ihrer Kinder, teilweise bereits während deren Kindheit, oftmals aber erst auf Wunsch der Kinder selbst. Heiraten zwischen Verwandten - auch zwischen weiter entfernten Verwandten - war tabuisiert. Gerne gesehen war hingegen, wenn mehrere Kinder in dieselbe Familie einheirateten. Verwandte des Bräutigams und der Braut trafen sich und tauschten Geschenke aus. Je höher die soziale Stellung der Familien war, desto mehr Personen nahmen an diesem Treffen teil. Die Heirat erfolgte in einem zweiten Treffen. Anschließend zog das junge Paar entweder zu den Eltern der Frau, öfter aber zu denjenigen des Mannes. Ein Mann durfte mehrere Frauen haben. Weibliche Sklaven, die im Krieg gefangen genommen worden waren, oder Schwestern der Frau waren beliebte Zweitfrauen. Starb die Frau oder der Mann, heiratete der Witwer oder die Witwe nach Möglichkeit einen Bruder oder eine Schwester der oder des Verstorbenen.

Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ahnte eine Person ihren Tod, bestimmte sie, wer nach ihrem Tod ihre Habseligkeiten erhalten und wer ihre Ämter übernehmen sollte. Starb jemand, machte dies der Herold im ganzen Dorf bekannt. Verwandte und Freunde des Toten sammelten sich zur Trauer um seine Leiche und wuschen und schmückten diese. In einen Mantel gehüllt wurde die Leiche begraben. In manchen Fällen wurde das Lieblingspferd des Toten erschossen und mit ins Grab gelegt. Zuletzt hielt der Medizinmann eine Zeremonie ab, um die Seele des Verstorbenen davon abzuhalten zurückzukehren. Künftig wurden Erinnerungen an den Toten so gut wie möglich vermieden. Sein Name wurde beispielsweise nicht mehr erwähnt und manchmal sogar seine Hütte verbrannt. Nach Ablauf eines Jahres wurde der Witwer oder die Witwe aus der Trauer entlassen. Nun durfte er oder sie wieder heiraten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ältesten Funde im traditionellen Gebiet des Stammes werden auf 8000 Jahre geschätzt. Es handelt sich um die Weis Rockshelter site rund 13 km südlich von Cottonwood. Sie wurde von einem Laien-Archäologen um 1960 ausgegraben, die Artefakte befinden sich an der University of Idaho.[5] Ähnlich alt ist Lenore (S’uuley), das rund 40 km östlich von Lewiston liegt.[6] Die Camas Prairie mit dem Tolo Lake (Tepahlewam - „gespaltene Felsen“; auch ’Alwan’iwetem genannt), wo die Nez Percé mehrere Jahrtausende lang Camas, also Essbare Prärielilien ernteten, steht heute unter Schutz, genauso wie die Grabungsstätte. Die von den Nez Perce Sa-w'ees-ne-ma / Séewi’snime genannte und heute als Musselshell Meadow bekannte weitere frühe Fundstätte befindet sich im Clearwater National Forest 16 km östlich von Weippe (’Oyayp - „Platz der vielen Bären“). Auf bis zu 2500 v. Chr. werden die Petroglyphen von der Buffalo Eddy site datiert, die sich rund 30 km südlich von Lewiston befinden.[7][8]

James Mooney schätzte für die Zeit um 1780 die Zahl der Nez Percé auf 4.000. Es bestanden mindestens 27 Dörfer, von denen elf am Snake River - das größte war Hasotino Village (Hesutiin) -, zwischen der Mündung des Clearwater und des Imnaha River lagen. Drei weitere permanente Siedlungen lagen am Salmon River und seinen Nebenflüssen, sechs lagen im Gebiet des Wallowa-Tals, drei Dörfer lagen im östlichen Washington, zwischen Grande Ronde und Snake River.

Die Nez Percé betätigten sich als Zwischenhändler im Pazifischen Nordwesten zwischen den Flathead im Nordosten und den Gruppen am Columbia River (Xuyelp - „Großer Fluss“) im Süden und Westen, bis zu den Küsten-Salish am Pazifik (’Eteyekuus - „Großes Wasser“). Hingegen waren die Beziehungen zu Bannock und Shoshone im Süden sowie den Blackfeet im Nordosten weniger freundlich. Da sie um 1720 begannen, Pferde zu züchten, die ihnen weit ausgreifende Jagdzüge auf Bisons ermöglichten, dürfte in der daraus resultierenden Konkurrenz eine Konfliktursache mit den Blackfeet gelegen haben. Dies galt umso mehr, als die Bisons sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus der Heimat der Nez Percé zurückzogen und die oftmals mit anderen Stämmen verbündeten Indianer ihnen über die Rocky Mountains auf die Nördlichen Plains in das “Büffelland” (Khoo-sayn / Kuseyn) folgten, das war jedoch größtenteils Stammesland der Blackfoot und anderer feindlicher Plainsstämme.

Zugleich war dies die Ursache dafür, dass ein Teil des Stammes seine Lebensweise derjenigen der Plainsstämme annäherte, während die übrigen weiterhin überwiegend von Fisch (insbesondere Lachs) lebten. Neben diesen kulturellen Veränderungen änderte sich auch die Binnenorganisation. So war nun nicht mehr das jeweilige Dorf ein Machtzentrum für sich, sondern eine Versammlung von verdienstvollen Männern stimmte politische Entscheidungen nach dem Konsensprinzip ab. Die Grenze zwischen den verschieden lebenden Bands lag etwa am Lapwai Creek. Die Büffeljäger (Khoo-say-hu-tot-iqan / Kuseyhutotiqan) folgten meistens dem rund 160 km langen Lolo Trail (Khoo-say-ne-ise-kit) durch die Bitterroot Mountains (heute Highway 12).[9]

Pferde- und Pelzhandel, Briten und Amerikaner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kriegskeule aus dem 19. Jahrhundert

Diese Route benutzte auch die Expedition unter Leitung von Lewis und Clark (1804–1806). Sie schätzten die Nez Percé auf 6.000 Personen, womit sie die größte Gruppierung auf dem Plateau darstellten. Außerdem bemerkten sie bei ihnen britische und spanische Handelsgüter von der Pazifikküste. Prophezeiungen der Nez Percé hatten die Ankunft der Weißen angekündigt und betont, welch starke Auswirkungen dies auf ihre Kultur haben würde.

Ab 1811 standen sie in Kontakt mit weißen Händlern, ab 1813 besuchten sie regelmäßig den Handelsposten der North West Company am Oberen Columbia River. Im September 1812 hatte Donald Mackenzie für die konkurrierende Pacific Fur Company einen Handelsposten rund 12 km nördlich des späteren Lewiston gegründet. Doch gab es kaum Biber in der Region, der „Krieg von 1812“ zwischen den USA und Großbritannien behinderte seinen Handel und so gab er im Mai 1813 auf.

Pferde- und Pelzhandel ließen die Nez Percé in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zwar relativ wohlhabend werden; Epidemien dezimierten sie aber auf etwa 1800 Personen. 1827 schätzte sie ein Angestellter der Hudson’s Bay Company schon nur noch auf 1.450, doch hielt sich ihre Zahl nun weitgehend konstant, da sie ihre relativ isolierte Lage vor den schweren Pockenepidemien, wie etwa der von 1862 schützte. Auch vermischten sie sich erheblich weniger mit der weißen Bevölkerung, so dass noch 1950 608 „Vollblut“-Nez Percé existierten.

Missionare, William Craig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1831 reiste eine Delegation nach St. Louis, um das „Buch des weißen Mannes vom Himmel“ zu erlangen. Sie wandten sich dazu an Clark, einen der beiden Leiter der über 25 Jahre zurückliegenden Expedition. Der American Board of Commissioners for Foreign Missions reagierte sofort und entsandte 1832 einen ersten Missionar, einen Presbyterianer. Vom 29. November 1836 bis 1847 wohnten Presbyterianer-Missionare ständig bei Lapwai, ihr führender Kopf war Henry Harmon Spalding.[10] Am Rande kam es zu Kontakten mit katholischen Missionaren. Eine erste Schule entstand bereits zwei Monate nach Ankunft der Missionare. Sie wurde von der Ehefrau Spaldings Eliza Spalding geleitet.

Im Dezember 1842 verhandelten die Stammesführer mit dem Indianeragenten Elijah White. Die Regierung zwang den Indianern die Gesetze der USA auf und untersagte Polygynie, Spielen, Heilrituale, Krieg, Raubritte sowie die meisten Zeremonien. Stattdessen führten sie die westliche Medizin ein, legten Gärten und Mühlen an, um die Nez Percé in der Nähe der Mission anzusiedeln, und sie zu Bauern zu machen. Sie brachten ihnen Lesen und Schreiben bei und erwarben eine Druckerpresse. 1839 entstand eine zweite Mission in Kamiah durch Asa Bower Smith, der vom 10. Mai 1839 bis zum 19. April 1841 blieb.[11] Einer der ersten, die getauft wurden, war Old Joseph, der 1870 starb.[12] Er war der Vater von Chief Joseph, der 1877 versuchte, seinen Stamm über die kanadische Grenze in Sicherheit zu bringen. Erst nach 1842 taucht erstmals ein Häuptling (chief headman) auf, der alle Nez Percé führte.

Der Einfluss der Presbyterianer fand mit dem Whitman-Massaker, bei dem 1847 Missionare im Walla Walla Valley ermordet wurden, ein abruptes Ende; erst Ende der 1850er Jahre nahmen sie ihre Arbeit bei den Nez Percé wieder auf. Spalding kehrte im September 1859 zurück und ging 1862 nach Lapwai. 1871 gründete er eine internatartige Schule, starb allerdings bereits am 3. August 1874. Er soll 900 Indianer getauft haben. Die Presbyterianer blieben bis 1940 die dominante Religion und eine wichtige politische Kraft.

1874 errichtete die katholische Konkurrenz eine Kirche, die Saint Joseph’s Mission (auch Slickpoo Mission genannt). Seit 1867 war hier der Jesuit Joseph M. Cataldo tätig. Er gründete später die Gonzaga University in Spokane. 1868 entstand eine Kapelle am Mission Creek, doch bestand sie nicht lange.

William Craig war der erste Weiße, der unter den Nez Perce leben durfte. Er war seit 1829 im Pelzhandel tätig, heiratete 1838 eine Nez-Perce-Frau und lebte ab 1840 bei der Lapwai-Gruppe. Als 1850 der Oregon Donation Land Act verabschiedet wurde, mit dem die Zwangsumsiedlung der küstennahen Indianer im seinerzeitigen Oregon Country begann, zu dem auch das Gebiet der Nez Percé gehörte, beantragte Craig Farmland im Umfang von 640 Acre, das ihm die Regierung zugestand. Obwohl innerhalb des Reservats, vertrauten die Indianer dem Siedler und gestatteten ihm, zu bleiben.

Goldsucher, Siedler und Missionare, Gebietsabtretungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um 1850 waren die Biber auf dem Plateau beinahe ausgerottet, so dass der Pelzhandel zum Erliegen kam. Stattdessen kamen ab 1860 Prospektoren in die Region, nachdem Gold im Reservat gefunden worden war. Die Stadt Lewiston entstand. Dabei kam es zu Auseinandersetzungen zwischen den Nez Percé und weißen Goldsuchern sowie Siedlern, die sich permanent dort niederließen. Die Indianer sahen sich gezwungen, in Verträgen von 1855 (dessen Inhalt sie in ihrer Sprache schriftlich festhielten), 1863 und 1868 beinahe ihr ganzes Land den Weißen zu überlassen. Ihr ausgedehntes traditionelles Gebiet wurde 1855 im Vertrag von Walla Walla von rund 11 Millionen auf 7.694.270 Acre reduziert.

Zugleich ging ein tiefer Riss durch die Gesellschaft, denn anti-amerikanische Traditionalisten und christlich-pro-amerikanische standen sich gegenüber. Erstere unterstützten Aufständische während der 1850er Jahre. Im Vertrag von Walla Walla sicherte die US-Regierung den Nez Percé 1855 das Land in einem definierten Gebiet als Reservat zu. Gemäß dem Vertrag durften sie sich aber auch außerhalb der Reservatsgrenzen aufhalten und dort nach Belieben jagen und fischen. Am 10. April 1861 reduzierte die Regierung jedoch die Reservatsfläche, indem sie den Nordteil, also das Gebiet nördlich des Snake und Clearwater River, auch für Weiße öffnete. In das Gebiet südlich dieser Linie wurde eine Armeeeinheit abkommandiert. Sie blieb von 1862 bis 1885 stationiert, Fort Lapwai steht heute unter Denkmalschutz im Rahmen des Nez Perce National Historical Park. Im Reservat entstand zugleich eine Indianeragentur, die Northern Idaho Indian Agency, die in Spalding saß und 1904 nach Fort Lapwai verlegt wurde.[13]

Am 9. Juni 1863, ratifiziert am 17. April 1867, wurde das Reservat drastisch auf 1.182,76 Quadratmeilen reduziert, also auf rund 760.000 Acre. Spätestens ab diesem Zeitpunkt vertiefte sich der Graben zwischen christlichen Nez Percé im Reservat und den nicht-christlichen außerhalb. Der Stamm gab das vom Indianeragenten aufgedrängte System des headman auf.

Ende der 1860er Jahre besaßen die Nez Percé einzig das stark verkleinerte Reservat im Wallowa Valley, und auch dieses Land wurde von weißen Siedlern begehrt. 1870 kehrten Missionare nach über zwanzig Jahren Abwesenheit zurück und reorganisierten die presbyterianische Mission gegen die Traditionalisten und die katholische Mission. Sie erhielten die Oberaufsicht über das Reservat. Old Joseph zerriss nach dreißig Jahren sein Neues Testament.

Am 16. Juni 1873 wurde ein Reservat im Wallowa Country eingerichtet, doch bereits am 10. Juni 1875 wieder aufgelöst. Dies verbitterte Old Josephs Sohn Young Joseph, der als Chief Joseph bekannt wurde.

Widerstand, Chief Joseph[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chief Joseph, White Bird, Looking Glass und andere Häuptlinge waren bereit nachzugeben, doch junge Krieger waren nicht einverstanden und überfielen weiße Rancher. General Howard wurde beauftragt, die Nez Percé dafür zu bestrafen. Es kam zum Nez-Percé-Krieg mit einem ersten Gefecht am 17. Juni 1877 auf dem White Bird Battlefield, knapp 25 km südlich von Grangeville. Angeführt von Chief Joseph zogen sich die Indianer durch das Gebiet des heutigen Yellowstone-Nationalparks in Richtung kanadischer Grenze zurück; von der Armee hart bedrängt. Auf dem rund 2900 km langen Marsch lieferten sie sich mehrere Gefechte mit der Armee.[14] Kurz vor der Grenze mussten sich die letzten verbliebenen Nez Percé ergeben. 375 der 450 wurden nach Oklahoma deportiert (siehe auch Nez-Percé-Krieg). Die übrigen konnten nach Kanada fliehen. 1885 erhielten 118 Erwachsene Zugang zu einem Reservat im Bundesstaat Washington, dem Colville-Reservat. Einige von ihnen konvertierten zum Christentum und kehrten nach Idaho zurück.

Die christianisierten Nez Percé in Idaho passten sich deutlich der euro-amerikanischen Kultur an. Sie lancierten verschiedene Ökonomie- und Bildungsprogramme, die von der presbyterianischen Kirche unterstützt wurden.

1885 lag die offizielle Zahl der Stammesangehörigen bei 1.437. 1906 zählten die Nez Percé im Lapwai-Reservat 1.534 und jene im Colville-Reservat 83.

1895 trat der Dawes Act in Kraft, der das Reservatsland parzellierte und auf die Bewohner verteilte. Die Größe der einzelnen Parzellen wurde so festgelegt, dass über die Hälfte des Reservatslandes frei an Weiße verteilt wurde. Von der ursprünglichen Stammesfläche um 1800 von rund 50.000 km² blieben den Nez Percé bis 1975 gut 320 km² (80.000 Acre). Allein am 1. Mai 1893 waren von den 762.000 Acre 549.559 verloren gegangen.

Heutige Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verfassung und Kompensationsklagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Nez Perce Tribe of Idaho, Nez Perce Reservation, Idaho gab sich 1948 eine Verfassung, die am 2. und 30. April des Jahres von der Bundesregierung und dem Stamm ratifiziert wurde. Dabei wählt der General Council die Mitglieder in das führende Gremium, das Nez Perce Tribal Executive Committee.

Im Juli 1951 klagte der Stamm vor der Indian Claims Commission. Docket 175 rang um Wiedergutmachung für die Reduzierung des Stammesgebiets im Jahr 1855. Gleichzeitig klagten die Chief Joseph, Nez Percés of the Colville Reservation um Kompensationen aus demselben Anlass (Docket 180). Am 27. Februar 1953 wurden die Klagen als Docket 175 zusammengelegt. Am 25. August 1971 erhielten die beiden Gruppen eine Kompensation von 3.550.000 Dollar, wobei genau 86,5854 % an die Idaho-Kläger gingen. In einer weiteren Klage vom Juli 1951 (Docket 179) wandten sich die Confederated Tribes of the Colville im Namen der Colville Nez Percés gegen das Missmanagement des Bureau of Indian Affairs. Am 5. November 1968 klagte die Joseph-Gruppe in Idaho. Am 29. April 1970 bot das Gericht 119.071,78 Dollar an, wovon die Colville-Gruppe zwei Drittel, die Idaho-Gruppe ein Drittel erhielt. Letztere klagte im Alleingang wegen Missmanagements seit dem 30. Juni 1951. Als die Indian Claims Commission am 30. September 1978 aufgelöst wurde, ging der Fall an den Court of Claims. Schließlich war seit 1941 gegen die Auflösung des Gebiets im Wallowa Country, und damit die Zerstörung der Joseph-Gruppe geklagt worden. Zunächst abgewiesen, erhielten die beiden Gruppen am 31. Oktober 1974 einen Ausgleich. Von den 725.000 Dollar gingen 406.542,07 Dollar an die Colville-Gruppe, 318.457,93 an die in Idaho.

Docket 175-A wurde von Docket 175 abgetrennt und separat geurteilt. Für die knapp 7 Millionen Acre, die der Stamm 1863 hatte abtreten müssen, erhielten die Nez Percé am 17. Juni 1960[15] eine Entschädigung von 4.157.605,06 Dollar. Um die drastische Verkleinerung des Reservats von 1894 klagte der Stamm gleichfalls, ebenso wie um das von ihrem Land gestohlene Gold und die Verluste der Fischfangrechte.

1977, hundert Jahre nach der Niederlage Chief Josephs, erinnerte der Stamm in einer Feier auf dem Schlachtfeld von White Bird in Idaho an das Ereignis.

Nez Perce National Historical Park[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1965 wurde der Nez Perce National Historical Park eingerichtet. Dazu gehörten 24 historische Stätten, die sich im Norden von Zentral-Idaho befinden. Vier von ihnen wurden vom National Park Service verwaltet. 1992 kamen weitere 14 Stätten in den benachbarten Bundesstaaten Oregon, Washington und Montana hinzu.

Rückkauf von Stammesgebieten und Wiederbelebung der Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1980 versuchen die Nez Percé, Land zurückzukaufen. Bis 1998 stieg ihre Landfläche deshalb auf knapp 450 km² (110.000 Acres). 2005 kauften sie für 278.865 Dollar weitere rund 3,9 km² (962 Acre) ihres einstigen Landes im Wallowa Valley, im Nordosten von Oregon zurück. Der US-Census von 2000 wies 6.535 Stammesangehörige aus, wovon bei 3.983 beide Elternteile Nez Percé waren.

Basierend auf den Vertrag von 1855 dürfen die Nez Percé noch immer außerhalb ihres Reservats jagen und fischen und zwar zwischen dem Columbia River im Westen, dem oberen Salmon River im Süden und der Grenze zu Montana im Osten. Ebenfalls haben sie ein Mitbestimmungsrecht an Bodenschätzen, Wasser und Waldwirtschaft in dem Gebiet, das sie zwischen 1855 und 1863 vertraglich abgetreten hatten.

Noch immer ist der Konflikt zwischen christlichen und nicht-christlichen Nez Percé spürbar. Seit den 1930er Jahren nimmt der Einfluss der Presbyterianer ab, stattdessen steigt der Einfluss der nicht-christlichen Nez Percé in der Reservation. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden alte Zeremonien wieder eingeführt, die 50 Jahre lang verboten waren.

Ihre traditionelle Stammessprache, das Niimiipuutímt, wurde 1997 noch von 100 bis 300 Personen gesprochen. Bis 1980 entwickelte der Linguist Haruo Aoki ein Wörterbuch und eine Grammatik der Sprache.

1985 wurden 2.015 Stammesangehörige gezählt, 1989 waren es bereits 2.455.[16]

Häuptlinge und Krieger der Nez Percé[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peo Peo Tholekt (Landender Vogel), ein Krieger der Nez Percé

Alpowna (Alpowai) oder Alpowe'ma (Alpoweyma / Alpowamino) Band[17][18]

  • Chief Timothy (Tamootsin, ca. * 1808 - † 1891), Führer der treaty-Fraktion der Alpowai (oder Alpowa) Band, war der erste christliche Konvertit der Nez Percé, war mit Tamer, einer Schwester von Old Chief Joseph verheiratet, der am gleichen Tag getauft wurde wie er.[19]
  • Looking Glass (Ippakness Wayhayken - ‘Looking Glass Around Neck’, auch Allalimya Takanin, ca. * 1832 - † 1877), Häuptling und Kriegshäuptling der non-treaty Alpowai Band, war militärischer Führer aller Bands während der erkämpften Flucht, wurde während der Battle of Bear Paw am Snake Creek, der letzten Schlacht mit der US-Armee getötet.
  • Red Owl (Koolkool Snehee), Häuptling einer Lokalgruppe der non-treaty Alpowai Band.
  • Peo Peo Tholekt (piyopyóot’alikt - ‘Bird Alightning’), ein Nez Percè-Krieger, der mit Auszeichnung in jeder Schlacht des Nez-Percé-Krieges kämpfte, wurde später Häuptling der Alpowai Band.

Kămiăhpu (Kimmooenim) Band

  • Chief Lawyer (Hallalhotsoot, Halalhot'suut, ca. * 1796 - † 3. Januar 1876), Sohn einer Salish-sprachigen Flathead und Wala-mot-tinin (‘Twisted Hair’), dem Nez Percé, der Lewis und Clark im Herbst 1805 willkommen hieß und Freundschaft schloss, diese positive Erfahrung seines Vaters beeinflusste ihn stark, Führer der treaty-Fraktion der Nez Percé, unterzeichnete den Walla Walla Treaty von 1855.

Lamtáma (Lamátta) oder Lamatama Band

  • Eagle from the Light,[20] (Tipiyelehne Ka Awpo, Tipyahlanah Ka-ou-pu - ‘Eagle of the Morning Light’ oder ‘Eagle of the Dawn’, von den Weißen jedoch meist ‘Eagle of the Light’, ‘Eagle from the Light’, ‘Eagle of Delight’),[21] Häuptling der non-treaty Lamátta Band, zog oft zusammen mit Looking Glass’ Alpowai Band zur Büffeljagd ostwärts über die Bitterroot Mountains, nahm 1855 am Walla Walla Council teil und unterstützte die non-treaty-Fraktion während des Lapwai Council, weigerte sich die Verträge von 1855 und 1866 zu unterzeichnen, verließ 1875 mit einem Teil der Lamátta Band seine Heimat und schloss sich den Shoshone unter Häuptling Eagle’s Eye im Weiser County (Montana) an, die Führung der am Snake River zurückgebliebenen Lamátta übernahm der alte Häuptling White Bird. Wegen der zu großen Entfernung nahm Eagle From the Light nicht am Krieg von 1877 teil.
  • Piyóopiyo x̣ayx̣áyx̣ / Piyoop’yoo xayxayx (oder: Peo-peo-hix-hiix / Peopeokiskiok Hihih - „Weiße Gans“, besser bekannt als White Bird, im Englischen auch als White Pelican - „Weißer Pelikan“ bezeichnet, *? - ermordet 1892), Häuptling, Kriegshäuptling und tooat (Medizinmann und Prophet) von der non-treaty Lamátta (Lamtáama, Lam'tama) Band (‘area with litte snow’),[22] entkam mit ca. 120 Nez Percé noch vor der Kapitulation nach Kanada, schlug sein Lager bei den Lakota Sitting Bulls auf. Einige wenige Familien, darunter White Bird, blieben in Kanada, selbst dann, als Sitting Bull sowie die meisten Nez Percé wieder in die USA zurückgekehrt waren.
  • Yellow Bull (Chuslum Moxmox, Cúuɫim maqsmáqs), Kriegshäuptling der non-treaty Lamátta (Lamtáama, Lam'tama) Band.
  • Rainbow (Wahchumyus), Kriegshäuptling der non-treaty Lamátta (Lamtáama, Lam'tama) Band, während der Battle of Big Hole getötet.
  • Five Wounds (Pahkatos Owyeen), berühmter Nez-Percé-Krieger.

Wallowa (Willewah) Band oder Walwáma (Walwáama) Band

  • Old Chief Joseph (Ta-weet Tu-eka-kas - ‘Ältester Grizzly’, auch Joseph the Elder, ca. * 1785 - † 1871), Häuptling der Wallowa Band und einer der ersten Konvertiten zum Christentum der Nez Percé sowie ein Verfechter des frühen Friedens mit den Weißen, Vater von Chief Joseph (daher wurde dieser auch bekannt als Young Joseph).
  • Chief Joseph (Hin-mah-too-yah-lat-kekt, Hinmatóoyalahtq'it - ‘Thunder traveling to higher areas’, * 3. März 1840 – † 21. September 1904), bekanntester Häuptling der Nez Percé, folgte seinem Vater Old Chief Joseph als Häuptling der Wallowa Band (wurde daher auch Young Joseph genannt), führte zusammen unter der militärischen Führung seines jüngeren Bruders Ollokot, mehrere non-treaty Nez Percé sowie zwei Gruppen der Palus (auch Palouse genannt) im Nez-Percé-Krieg.
  • Ollokot (Ollikut, ’álok'at - ‘Frosch’, ca. * 1840 – † 4. Oktober 1877), jüngerer Bruder von Chief Joseph, Kriegshäuptling der non-treaty Wallowa Band, wurde während der Battle of Bear Paw am Snake Creek, der letzten Schlacht mit der US-Armee getötet.
  • Himíin maqsmáqs / Hîmiin maqs maqs (oder: He–Mene Mox Mox / Hemene Moxmox, besser bekannt als Yellow Wolf; wollte jedoch Heinmot Hihhih / In-mat-hia-hia - „Weißer Blitz“ genannt werden, ca. * 1855 - † August 1935), Cousin von Chief Joseph und Nez-Percé-Krieger der non-treaty Wallowa Band, kämpfte im Nez-Percé-Krieg von 1877.

Pikunan (Pikunin) oder Pikhininmu Band

  • Toohoolhoolzote (Too-hul-hul-sote, ca. * 1820er - † 1877), Häuptling und tooat (Medizinmann und Prophet) von der non-treaty Pikunan Band, diese könnte als Büffeljäger eingestuft werden, jedoch waren sie zugleich gleichfalls auch wahre Bergbewohner, streiften in der weiten Bergwildnis zwischen dem Snake River und Salmon River, obwohl er zuerst für Frieden eintrat, kämpfte er später im Nez-Percé-Krieg, starb während der Battle of Bear Paw.

weitere bekannte Krieger

  • Wrapped in the Wind (’elelímyeté’qenin’/ háatyata’qanin’), berühmter Nez-Percé-Krieger
  • Poker Joe (oder Hototo, auch bekannt als Lean Elk oder Little Tobacco, * ca. 18?? - † 1877), Krieger und Unterhäuptling von franko-kanadischer und Nez Perce-Herkunft, wurde nach der verlustreichen Battle of the Big Hole zum Führer und Kundschafter gewählt, wurde für einen Cheyenne- oder Lakota-Scout gehalten und wurde in der Battle of Bear Paw in Montana versehentlich von einem Nez Percé getötet.

Bands der Nez Percé[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als immer mehr Siedler ins Territorium der Nez Percé im frühen 19. Jahrhundert vordrangen, hatten diese sich zur besseren Verteidigung gegen feindliche Plains- und Great Basin-Stämme sowie zur Organisation der jährlichen Bisonjagd im Feindesland in vier regionale Großgruppen organisiert; die Bands entlang des Clearwater River (Koos-Koos-Kai-Kai - “clear water”) hatten ihr Zentrum im Gebiet des heutigen Kamiah im Kamiah Valley, große Bands wiederum südlich rund um das heutige Lapwai, weitere entlang des Lower Snake River sowie mehr isolierte Bands im Salmon-Wallowa River-Gebiet.[23] (Manchmal werden abweichend auch folgende Zentren genannt: Kamiah, Lapwai, am Zusammenfluss von Grand Ronde River und Snake River sowie die Alpoway Region südlich der heutigen Städte Lewiston und Clarkston entlang des Snake River.)[24] Diese Großgruppen hatten keine gemeinsame politische Organisation oder Führung, zudem kannten die Nez Percé keinen Oberhäuptling an. Die Bands (Gruppen) bestanden aus mehreren Siedlungen und waren meist nach der größten oder politisch-kulturell einflussreichsten Siedlung benannt.

Jede Band bestand wiederum aus mehreren Siedlungen, deren Obleute in den Stammesrat der Band entsandt wurden, der die politische Verantwortung trug. Langsam entwickelten sich aus dem Stammesrat heraus durch persönliche Überzeugung, Prestige, Wohlstand und Kriegsglück mächtige Häuptlinge (Band leaders), die gegenüber Außenstehenden die politischen Interessen der Band vertraten. Da üblicherweise die Amerikaner immer einen Ansprechpartner (am besten einen Oberhäuptling für alle Nez Percé) suchten, begannen sie die einzelnen Bands nach den bekanntesten Anführern zu benennen (ohne Rücksicht auf Gewohnheiten der Indianer, die ihre Bands und Dörfer meist nach Plätzen oder mythischen bzw. geschichtlichen Ereignissen benannten.) So kam es, dass die Weißen die Bands folgendermaßen bezeichneten: White Bird’s band (sprich: Lamtáma (Lamátta) Band), Joseph’s band (sprich: Wallowa Band), Looking Glass’ band (sprich: non-treaty Alpowna (Alpowai) Band) oder Timothy’s band (sprich: treaty Alpowna (Alpowai) Band), usw.

Almotipu Band[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie lebten entlang des Snake River im Hells Canyon bis ca. 130 km (80 Meilen) südlich des heutigen Lewiston (Simiinekem - „Zusammenfluss von zwei Flüssen“, da hier der Clearwater in den Snake River mündete), in den Wallowa Mountains sowie in den Seven Devils Mountains in Oregon und Idaho - zu ihr werden mehrere kleinere Bands gezählt: die Nuksiwepu Band, die Palótpu Band (ihr Dorf Palót - ca. 2 bis 3 Meilen oberhalb Sáhatp - lag am Nordufer des Snake River), die Pinewewewixpu (Pinăwăwipu) Band (ihr Dorf Pinăwăwi befand sich am Penawawa Creek), die Sahatpu (Sáhatpu) Band (ihr Dorf Sáhatp lag am Nordufer des Snake River, oberhalb von Wawáwih), die Siminekempu (Shimínĕkĕmpu) Band (ihr Dorf Shimínĕkĕm - „Zusammenfluss“, manchmal jedoch als „Flussgabelung“ wiedergegeben, lag im Gebiet des heutigen Lewiston), die Tokalatoinu (Tukálatuinu) Band (entlang des Tucannon River (Took-kahl-la-toin), einem Nebenfluss des Snake River) und die Wawawipu Band (ihr Dorf Wawáwih lag am Wawawai Creek, einem Nebenfluss des Snake River). Ihre Fisch- und Jagdgründe wurden auch von den direkt im Westen wohnenden Palus (eigentliche) Palus Band sowie der Wawawai Band der Upper Palus (Palouse) genutzt, die auf Grund vieler Mischehen zweisprachige Palus-Nez-Percé Bands bildeten.

Alpowna (Alpowai) oder Alpowe'ma (Alpoweyma/Alpowamino) Band[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie lebten entlang des South und Middle Fork des Clearwater River flussabwärts bis zur heutigen Stadt Lewiston (und südlich davon) im Osten von Washington und im Idaho Panhandle. Sie hatten mehrere namentlich bekannte Siedlungen bzw. kleinere Bands: die größte und bedeutendste unter ihnen war die Alpowa Band (entlang des Alpaha (Alpowa) Creek, einem kleinen Nebenfluss des Clearwater), westlich von Clarkston, Washington (’Al’pawawaii = „Ort einer Pflanze namens Ahl-pa-ha“), die Tsokolaikiinma Band (zwischen Lewiston und Alpowa Creek), die Hasotino (Hăsotōinu) Band (ihre Siedlung Hasutin / Hăsotōin war ein wichtiger Fischgrund am Asotin Creek (Héesutine - „Aalfluss“) am Snake River im Nez Perce County, Idaho, direkt gegenüber der heutigen Stadt Asotin im gleichnamigen County, Washington) sowie zwei Lokalgruppen der Hasotino (Hăsotōinu) Band - die Heswéiwewipu/Hăsweiwăwihpu (ihr Dorf Hăsweiwăwih lag ebenfalls gegenüber Asotin, entlang eines kleinen Bachs, dessen Oberlauf Heswé/Hăsiwĕ genannt wurde) und die Anatōinnu (ihr Dorf Ánatōin lag an der Einmündung des Mill Creek in den Snake River). Weitere Bands waren die Sapachesap Band, die Witkispu Band (ca. 5 km (3 Meilen) unterhalb des Alpowa Creek, entlang des östlichen Ufers des Snake River) und die Sálwepu Band (am Middle Fork des Clearwater River, ca. 8 km (5 Meilen) oberhalb des heutigen Kooskia, Idaho, Häuptling Looking Glass Gruppe); ihre Fisch- und Jagdgründe wurden auch von der direkt westlich wohnenden Wawawai Band der Upper Palus (Palouse) genutzt, die auf Grund vieler Mischehen eine zweisprachige Palus-Nez-Percé Band bildeten. Die Alpowna (Alpowai) Band verbrachte jedoch auch viel Zeit östlich der Bitterroot Mountains und lagerte entlang des Yellowstone River. Sie waren die drittgrößte Nez Percé Band. Ihr Stammesgebiet stellte eines der vier Zentren für die regionalen Großgruppen der Nez Percé dar, und ihr Hauptversammlungsort sowie einer der wichtigsten Fischgründe war das Gebiet des heutigen Kooskia (Leewikees) in Idaho.

Assuti Band[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie lebten entlang des gleichnamigen Assuti Creek in Idaho, schlossen sich Joseph 1877 im Krieg an.

Atskaaiwawipu (Asahkaiowaipu) Band[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie lebten von Ahsahka (auch: ’Asaqa - „Flussmündung“ oder „Zusammenfluss“ - ihrer Wintersiedlung; ihr Bandname wird daher mit „Volk an der Flussmündung bzw. am Zusammenfluss“ wiedergegeben) bis zur Salmon Ridge entlang des Northern Fork bis zu dessen Mündung in den Clearwater River, waren enge Verwandte der benachbarten Tewepu Band. Die Atskaaiwawipu (Asahkaiowaipu) jagten manchmal nahe Peck im Territorium der Painima Band, jedoch war das Land entlang des Northern Fork ihr alleiniges Jagdgebiet. Ein wichtiger Fischgrund war Bruce Eddy im Clearwater County, Idaho, er gehörte traditionell den Atskaaiwawipu (Asahkaiowaipu), wurde jedoch auf Einladung von benachbarten Bands gemeinsam genutzt: der Tewepu Band, der Ilasotino (Hasotino) Band, der Nipihama (Nipĕhĕmă) Band, der Alpowna (Alpowai) Band sowie der Matalaimo („Leute weiter flussaufwärts“, ein Sammelbegriff für Bands, die rund um Kamiah ihr Zentrum hatten).

Hatweme (Hatwēme) Band oder Hatwai (Héetwey) Band[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie lebten entlang des Hatweh Creek, einem Nebenfluss des Clearwater River, ca. vier bis fünf Meilen östlich von Lewiston.

Hinsepu Band[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie lebten in der Nähe des heutigen Hansen’s Ferry entlang des Grande Ronde River in Oregon.

Kămiăhpu (Kimmooenim) Band[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihr Hauptdorf Kămiăhp befand sich an der Südseite des Clearwater River und der Einmündung des Lawyer’s Creek in der Nähe des heutigen Kamiah (“many rope litters”)[25] im Kamiah Valley. Die Kămiăhpu (Kimmooenim) Band war die größte und bedeutendste Band in diesem Gebiet, zusammen mit weiteren kleineren benachbarten Bands - wie der Tewepu Band (an der Mündung des Orofino Creek in den Clearwater River) an der Stelle der Stadt Orofino (Téewe), der Tuke'liklikespu (Tukē'lĭklĭkespu) Band (in der Nähe von Big Eddy am Nordufer des Clearwater River, einige Meilen flussaufwärts von Orofino), der Pipu'inimu Band (am Big Canyon Creek in der Camas Prairie, der nördlich des heutigen Peck in den Clearwater River mündet; sie waren daher direkte Nachbarn der südlichen Painima Band), der Painima Band (nahe dem heutigen Peck (Pipyuuninma) im Nez Perce County, am Clearwater River in Idaho) - wurden oftmals unter der Sammelbezeichnung Uyame oder Uyămă zusammengefasst. Die eng verwandte und benachbarten Atskaaiwawipu (Asahkaiowaipu) Band bezeichnete alle Bands rund um Kamiah als Matalaimo („Leute weiter flussaufwärts“). Die Kămiăhpu (Kimmooenim) Band nutzte gemeinsam mit der Atskaaiwawipu (Asahkaiowaipu) Band die wichtigen Fischgründe bei Bruce Eddy im Clearwater County, Idaho; ihr Stammesgebiet stellte eines der vier Zentren für die regionalen Großgruppen der Nez Percé dar.

Kannah Band[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie lebten in der Nähe der heutigen gleichnamigen Stadt am Clearwater River in Idaho.

Lamtáma (Lamátta) oder Lamatama Band[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Norden von ihnen lebte die Alpowai Band und flussabwärts im Nordwesten die Pikunan (Pikunin) Band. Ihr Stammesgebiet im Idaho Panhandle erstreckte sich im Norden entlang des Upper Salmon River sowie einem seiner Nebenflüsse, dem White Bird Creek, bis zum Snake River im Südwesten, zudem zählte der White Bird Canyon (tiefer als der Grand Canyon) im Südwesten der Clearwater Mountains und südöstlich der Camas Prairie ebenfalls dazu. Sie zählten mehrere kleinere Bands: z. B. die Esnime (Iyăsnimă) Band (entlang des Slate Creek (’Iyeesnime) und Upper Salmon River[26]), die Nipihama (Nipĕhĕmă) Band (vom Lower Salmon River bis zum White Bird Creek) und die Tamanmu Band (ihre Siedlung Tamanma befand sich an der Mündung des Salmon River (Naco’x kuus - „Lachs-Fluss“) in Idaho). Ihr Stammesgebiet sowie der Bandname leitet sich von Lamtáma (Lamátta) ab, bedeutet „Gebiet mit wenig Schnee“ und bezieht sich auf dessen hervorragenden klimatischen Verhältnisse, die besonders für die Pferdezucht geeignet waren. Sie waren die zweitgrößte Nez Percé Band, die Band des Häuptlings White Bird (‘Peo-peo-hix-hiix’).

Lapwai (Lapwēme) Band[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie lebten entlang des Sweetwater Creek sowie entlang des Lapwai Creek bis zu dessen Mündung in den Clearwater River beim heutigen Spalding, Idaho. Eine ihrer traditionellen Siedlungen (sowie ein wichtiger Versammlungsplatz für benachbarte Bands) war an der Stelle des heutigen Lapwai (Thlap-Thlap, auch: Lé�epwey - „Platz der Schmetterlinge“), dem Stammes-und Verwaltungszentrum des Nez Percé Tribe of Idaho. Ihr Stammesgebiet stellte eines der vier Zentren für die regionalen Großgruppen der Nez Percé dar.

Mákapu Band[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihr Dorf Máka / Maaqa lag am Cottonwood Creek (vormals: Maka Creek) im Nez Perce County, einem Nebenfluss des Clearwater River, Idaho.

Pikunan (Pikunin) oder Pikhininmu Band[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie streiften in der weiten Bergwildnis zwischen dem Snake River im Süden und dem Lower Salmon River im Norden bis zu dessen Mündung in den Snake River, waren direkte Nachbarn der Wallowa (Willewah) Band am gegenüberliegenden Ufer des Snake River im Westen sowie der weiter südöstlich von ihnen lebenden Lamtáma (Lamátta) Band. Sie könnten als Büffeljäger eingestuft werden, jedoch waren sie zugleich wahre Bergbewohner, manchmal auch als Snake River tribe bezeichnet.

Saiksaikinpu Band[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie lebten entlang des Oberlaufs des Southern Forks des Clearwater River; ihre direkten Nachbarn flussabwärts war die Tukpame Band.

Saxsano Band[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie lebten ca. 6 km (4 Meilen) oberhalb des heutigen Asotin City, Washington, entlang des Ostufers des Snake River.

Taksehepu Band[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie lebten in der Nähe der heutigen Geisterstadt Agatha (tukeespe / tu-kehs-pa APS) am Nordufer des Clearwater River, einige Meilen östlich von Big Eddy.

Tukpame Band[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie lebten entlang des Unterlaufs des South Fork des Clearwater River; ihre direkten Nachbarn flussaufwärts war die Saiksaikinpu Band.

Wallowa (Willewah) Band oder Walwáma (Walwáama) Band[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie lebten im Nordosten Oregons und Nordwesten Idahos. Ihr Stammesgebiet reichte im Westen bis zu den Blue Mountains (bereits von den Cayuse beansprucht), im Südwesten bis zu den Wallowa Mountains, im Norden beiderseits des Grande Ronde River (Waliwa oder Willewah genannt) und dessen Mündung in den Snake River sowie im Osten fast bis zum Snake River. Das Stammeszentrum lag jedoch in den Flusstälern des Imnaha River, des Minam River und des Wallowa River (Wal’awa - „der sich windende Fluss“). Sie hatten mehrere namentlich bekannte Siedlungen bzw. kleinere Bands: die größte war die Wallowa (Willewah) Band (mehrere Lokalgruppen, im Wallowa River Valley und der Zumwalt Prairie), dann die isoliert lebende Imnáma (Imnámma) Band (mehrere Lokalgruppen im Imnaha River Valley), die Weliwe (Wewi'me) Band (ihre Siedlung Williwewix lag an der Mündung des Grande Ronde River), die Inantoinu Band (im Joseph Canyon - als Saqánma („langer, wilder Canyon“) bekannt - und entlang des Lower Joseph Creek bis zu dessen Mündung in den Grande Ronde River), die Toiknimapu Band (oberhalb des Joseph Creek und entlang des Nordufers des Grande Ronde River),[27] manchmal wird auch die Isäwisnemepu (Isawisnemepu) Band (nahe dem heutigen Zindel, am Grande Ronde River in Oregon) dazugezählt[28] sowie die Sakánma Band (bestand aus mehreren Lokalgruppen entlang des Snake River zwischen der Mündung des Salmon River im Süden und des Grande Ronde River im Norden, der Name ihres Hauptdorfes Sakán sowie der Bandname Sakánma verweist auf ein Gebiet, wo die Klippen nahe ans Wasser heranragen - dies könnte der Joseph Canyon (Saqánma) sein). Ihr Gebiet war ein weithin als hervorragend bekanntes Weidegebiet für die großen Pferdeherden und wurde daher auch von den benachbarten und verwandten Cayuse (Weyiiletpuu) oftmals benutzt. Sie wurden oftmals unter der Sammelbezeichnung Kămúinnu oder Qéemuynu („Volk des Indian Hemp“) zusammengefasst und waren die größte Nez Percé Band. Ihr Stammesgebiet stellte eines der vier Zentren für die regionalen Großgruppen der Nez Percé dar; einst Chief Josephs Band – nun größtenteils Teil der Confederated Tribes of the Colville Reservation in Washington.[29]

Yakama (Yăkámă) Band[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie bestand aus mehreren Bands entlang des Potlatch River (der oberhalb seiner Mündung in den Clearwater River Yăká genannt wurde) in Idaho: der Yakto'inu (Yaktōinu) Band (ihr Dorf Yaktōin lag an der Mündung des Potlatch River in den Clearwater River), der Yatóinu Band (lebten entlang des Pine Creek, einem kleinen rechten Nebenfluss des Potlatch River), der Iwatoinu (Iwatōinu) Band (ihr Dorf Iwatōin lag am Nordufer des Potlatch River nahe dem heutigen Kendrick im Latah County) und die Tunèhepu (Tunĕhĕpu) Band (ihr Dorf Tunĕhĕ lag an der Mündung des Middle Potlatch Creek in den Potlatch River, in der Nähe von Juliaetta (Yeqe)).[30]

Früher wurden zudem noch folgende Bands zu den Nez Percé gezählt, die heute jedoch als zwar sprachlich-kulturell sowie auf Grund vieler Mischehen als eng verwandte, jedoch eigene Ethnien angesehen werden:

Pelloatpallah Band[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dies bezeichnete eigentlich nur die Upper Palus Band - zusammen mit den Middle Palus und Lower Palus bildeten sie eine der drei regionalen Stammesgruppen der Palus (Palouse), die ihre Stammesgebiete entlang der Columbia, Snake und Palouse River im Nordwesten der Nez Percé hatten. Heute ist die Mehrheit Teil der Confederated Tribes and Bands of the Yakama Nation, und eine Minderheit ist Teil der Confederated Tribes of the Colville Reservation.

Weyiiletpuu (Wailetpu) oder Yeletpo Band[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dies bezeichnet die Cayuse, die den Dialekt der Lower Nez Percé übernommen hatten und sich daher gegenüber Außenstehenden unter ihrem Nez-Percé-Namen als Weyiiletpuu vorstellten. Sie lebten im Westen der Nez Percé entlang der Oberläufe des Walla Walla River, Umatilla River und Grande Ronde River sowie von den Blue Mountains westwärts bis zum Deschutes River in Washington and Oregon; heute Teil der Confederated Tribes of the Umatilla Indian Reservation (CTUIR).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Werner J. Egli: Als die Feuer erloschen. Der Untergang der Nez Percé Indianer. Roman. Bertelsmann, München 1977, ISBN 3-570-00025-7.[31]
  • Elmar Engel: Chief Joseph, Häuptling der Nez Percé (= Lamuv-Taschenbuch. 235). Lamuv, Göttingen 1998, ISBN 3-88977-505-5.
  • Steven Ross Evans: Voice of the Old Wolf. Lucullus Virgil McWhorter and the Nez Perce Indians. Washington State University Press, Pullman WA 1996, ISBN 0-87422-129-3.[32]
  • Jerome A. Greene: Nez Perce Summer, 1877. The US Army and the Nee-Me-Poo Crisis. Montana Historical Society Press, Helena MT 2000, ISBN 0-917298-68-3.
  • Will Henry: From Where the Sun now stands. Bantam Books, New York NY 1976, ISBN 0-553-02581-3.
  • Theodore Mathieson: The Nez Percé Indian War. Monarch, Derby CT 1964.
  • Robert H. Ruby, John A. Brown: A Guide to the Indian Tribes of the Pacific Northwest (= The Civilization of the American Indian Series. 173). Revised edition. University of Oklahoma Press, Norman OK u. a. 1992, ISBN 0-8061-1967-5, S. 144–149.
  • William C. Sturtevant (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Band 12: Deward E. Walker Jr. (Hrsg.): Plateau. Smithsonian Institution Press, Washington DC u. a. 1998, ISBN 0-16-049514-8.
  • John R. Swanton: The Indian Tribes of North America (= Smithsonian Institution. Bureau of American Ethnology. Bulletin. 145, ZDB-ID 799398-5). Smithsonian Institution Press, Washington DC u. a. 1969.
  • Der Fernsehfilm Ich kämpfe niemals wieder (Originaltitel: I Will Fight No More Forever) von 1975, der nach eigener Beurteilung einem authentischen Drehbuch folgt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Nez Percé – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ruby und Brown (S. 144) geben flat nose -,flache, platte Nase‘ an.
  2. William C. Sturtevant: Plateau: Handbook of North American Indians: 12, Verlag: Govt Printing Office, 1999, ISBN 978-0-16-049514-4
  3. Candy Vyvey Moulton: Chief Joseph: Guardian of the People, Verlag: Forge, 2005, ISBN 978-0-7653-1063-7
  4. The Nez Perce Tribe
  5. Weis Rockshelter
  6. Lenore
  7. Buffalo Eddy
  8. Nimipuutimt (Volume 3) - Name Places (PDF)
  9. Lolo Trail
  10. Missionaries Come to Nez Perce Country, Nez Perce National Historic Park, Spalding site
  11. Asa Smith Mission and Lewis and Clark Long Camp sites
  12. Seine Grabstätte, die Old Chief Joseph Gravesite, steht heute unter Schutz.
  13. Im Fort entstand später eine Indian school, aus der ein Tuberkulose-Sanatorium, ein Krankenhaus, Schlafräume für Jungen und Mädchen sowie eine Schule entstanden.
  14. So etwa am 4. Juli 1877 an der Cottonwood Skirmishes Site, am 12. Juli auf dem Clearwater Battlefield.
  15. Robert H. Ruby, John Arthur Brown: A guide to the Indian tribes of the Pacific Northwest, Seite 148. ISBN 0-8061-2479-2 (englisch), abgefragt am 16. Juni 2010
  16. Ruby/Brown, S. 146.
  17. die Namen der Häuptlinge und Krieger wurden folgendermaßen geändert bzw. aktualisiert: zuerst der indigene Name, zweitens die übliche englische Transkription, drittens (falls bekannt) die Übersetzung/Deutung des Namens sowie manchmal viertens bzw. drittens der Name unter dem die Person am bekanntesten ist sowie ergänzend noch weitere Namen unter der diese bekannt waren
  18. Nimipuutímt Volume 1 - Niimiipuu Chiefs, Warriors and Women (PDF)
  19. Treaty Trail
  20. Robert R. McCoy: Chief Joseph, Yellow Wolf and the Creation of Nez Perce History in the Pacific Northwest (Indigenous Peoples and Politics), Verlag: Routledge Chapman & Hall (März 2004), ISBN 978-0-415-94889-0
  21. Alvin M. Josephy, Jr.: The Nez Perce Indians and the Opening of the Northwest, Verlag: Mariner Books, 5. November 1997, ISBN 978-0-395-85011-4
  22. die Bezeichnung area with little snow, bezieht sich auf die hervorragenden klimatischen Verhältnisse dieses Teils des Stammesgebietes, der besonders für die Pferdezucht geeignet war
  23. Idaho State Historical Society Reference Series - Lawyer and the 1863 Nez Perce Treaty (PDF)
  24. William C. Sturtevant: Handbook of North American Indians, V. 12, Plateau, Band 8, Government Printing Office, 1978, ISBN 0-16-049514-8, 800 Seiten
  25. Der Name für das Kamiah Valley leitet sich lt. der Überlieferung daher ab, dass in diesem Gebiet viele Netze und Seile für den Fang der Regenbogenforelle gefertigt wurden und zudem die ersten Appaloosa hier gezüchtet wurden
  26. Im Englischen daher oftmals einfach als Slate Creek Band bzw. Upper Salmon River Indians bezeichnet
  27. Wallowa Valley, Oregon, to Kooskia, Idaho - Discover the Nez Perce Trail (PDF)
  28. Thomas E. Churchill: INNER BARK UTILIZATION: A NEZ PERCE EXAMPLE, Oregon State University, Commencement June 1984 (PDF)
  29. Website des Wallowa Band Nez Perce Trail Interpretive Center
  30. The North American Indian. Volume 8 - The Nez Perces. Wallawalla. Umatilla. Cayuse. The Chinookan tribes, Verlag: Classic Books Company, ISBN 978-0-7426-9808-6, Seite 158 bis 160 (als Quelle für die Gruppierung der kleineren Bands in regionale Bands sowie deren einzelne Dörfer)
  31. Mit Landkarten und Quellennachweisen, die auch als Bibliographie dienen, rund 70 Titel, Abb. von Protagonisten.
  32. Grundlegend für die Geschichte der Nez Perce zwischen den 1880er und den 1940er Jahren.

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