Nicholas J. Conard

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Nicholas J. Conard, 2013

Nicholas John Conard (* 23. Juli 1961 in Cincinnati, Ohio) ist ein US-amerikanisch-deutscher[1] Prähistorischer Archäologe, der durch die Entdeckung der weltweit ältesten Kunst in den Höhlen der Schwäbischen Alb bekannt wurde (Venus vom Hohlen Fels).

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Conard studierte 1980, 1981 und 1983 an der University of Rochester, New York, wo er 1983 den Bachelor of Arts with highest distinction in Anthropologie und in Chemie erlangte. 1982 studierte er an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Ethnologie und Chemie und zwischen 1984 und 1989 Ur- und Frühgeschichte an der Universität zu Köln. Von 1985 bis 1986 betrieb er interdisziplinäre Studien in Physik, Geologie und Anthropologie an der University of Rochester, wo er 1986 den Master of Science ablegte. Von 1987 bis 1990 studierte Conard an der Yale University, New Haven (Connecticut), wo er 1988 den Master of Philosophy und 1990 den Doctor of Philosophy ablegte.

Von 1991 bis 1993 war Conard Assistenzprofessor an der University of Connecticut. Er ist seit 1995 Professor und heute Direktor der Abteilung Ältere Urgeschichte und Quartärökologie am Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters der Eberhard Karls Universität Tübingen und leitete von 1996 bis 2001 den Sonderforschungsbereich 275 der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Seit 1995 ist er wissenschaftlicher Direktor des Urgeschichtlichen Museums Blaubeuren.

Conard beschäftigt sich mit der frühen Menschheitsentwicklung im eurasischen und südafrikanischen Raum sowie den Anfängen von Ackerbau und Viehzucht. Zu diesen Fragenkomplexen führte er zahlreiche Ausgrabungen und Geländearbeiten unter anderem in Syrien (Ain Dabbour, Kaus Kozah), Südafrika (Geelbek Dunes und Sibudu-Höhle) und dem Iran (Gahr-i-Boof) durch. Sein Hauptforschungsgebiet in Deutschland umfasst insbesondere urgeschichtliche Ausgrabungen in Höhlen auf der Schwäbischen Alb (Hohler Fels, Vogelherdhöhle, Geißenklösterle, Hohlenstein-Stadel), bei denen er auf die ältesten plastischen Kunstwerke der Welt stieß. Zu den jüngsten sensationellen Funden zählen das Mammut vom Vogelherd[2] und die im September 2008 entdeckte Venus von Schelklingen (Alb-Donau-Kreis) aus dem Aurignacien.

Conard lebt in Tübingen. Am 8. Mai 2010 wurde er von Ministerpräsident Stefan Mappus mit dem Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet. 2011 wurde er als ordentliches Mitglied in die Heidelberger Akademie der Wissenschaften aufgenommen.

Conard hat die wissenschaftliche Leitung des Urgeschichtlichen Museums Blaubeuren inne.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit Harald Floss: Neue Eiszeit-Kunstwerke von der Schwäbischen Alb. Begleitheft zur Sonderausstellung im Schloßmuseum Hohentübingen, 16. Februar 2001 bis 1. Juli 2001 (= Museumsheft. H. 4). Stadt Blaubeuren, Blaubeuren 2001.
  • mit Jürgen Wertheimer: Die Venus aus dem Eis. Wie vor 40 000 Jahren unsere Kultur entstand. Albrecht Knaus, München 2010, ISBN 978-3-8135-0376-0.
  • mit Michael Bolus, Ewa Dutkiewicz, Sibylle Wolf: Eiszeitarchäologie auf der Schwäbischen Alb. Die Fundstellen im Ach- und Lonetal und in ihrer Umgebung. Kerns, Tübingen 2015, ISBN 978-3-935751-24-7.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Curriculum Vitae bei Universität Tübingen
  2. Ausgrabungen am Vogelherd liefern spektakuläre neue Kunstwerke aus der Eiszeit: Forscher aus Tübingen entdecken erste vollständig erhaltene Elfenbeinfigur. 20. Juni 2007 auf der Webseite der Universität Tübingen