Nicholas Rescher

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Nicholas Rescher

Nicholas Rescher (* 15. Juli 1928 in Hagen) ist ein US-amerikanischer Philosoph deutscher Abstammung. Seine Schwerpunkte stellen die theoretische Philosophie, Moral- und Sozialphilosophie dar. Rescher ist zudem der prominenteste Vertreter der Kohärenztheorie der Wahrheit sowie der Prozessphilosophie.

Leben[Bearbeiten]

Reschers Vater praktizierte seit 1922 als Anwalt in Hagen. Nachdem er sich öffentlich gegen das System des Nationalsozialismus ausgesprochen hatte, schlossen Anfang der 30er-Jahre die Nationalsozialisten seine Kanzlei, worauf die Familie 1938 in die USA auswanderte.

Nach dem Schulabschluss studierte Rescher 1946 bis 1951 zunächst Mathematik und Philosophie am Queens College in Flushing, New York und an der Universität Princeton. 1949 erwarb er den Bachelor of Science in Mathematik, 1951 erhielt er in Princeton den philosophischen Doktorgrad (Ph. D.). Von 1954 bis 1956 arbeitete er in der Mathematikabteilung der RAND Corporation in Santa Monica.

1957 wurde Rescher auf eine Professur für Philosophie an der Lehigh-Universität in Bethlehem, Pennsylvania berufen. Seit 1961 lehrt er an der Universität Pittsburgh, wo er viele Jahre das weltbekannte „Center for Philosophy of Science“ leitete. Gleichzeitig ist der frühere Präsident der American Philosophical Association ständiger Gastprofessor in Oxford und lehrt regelmäßig an anderen Universitäten. Im Jahre 1977 wurde Rescher zum ständigen Mitglied des Corpus Christi College in Oxford ernannt.

In Deutschland wurde Rescher 1984 mit dem Alexander von Humboldt-Preis sowie der Ehrendoktorwürde der Universität Konstanz (Philosophie) und 2011 mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet.

Werk[Bearbeiten]

Der Ausgangspunkt Reschers stellt eine Auseinandersetzung mit dem Logischen Positivismus dar. Sein Ziel ist es, die Methodik der analytischen Philosophie mit traditionellen philosophischen Problemstellungen zu verknüpfen. Reschers Werk ist von großer systematischer und historischer Breite gekennzeichnet. Seine Philosophie vereinigt in sich kohärenztheoretische, pragmatische und idealistische Komponenten. Impulsgebend waren vor allem seine Arbeiten zur Kohärenztheorie der Wahrheit.

Kohärenztheorie der Wahrheit[Bearbeiten]

Reschers Kohärenztheorie ist eine Theorie zur Bestimmung der Kriterien von Wahrheit. Bei der Definition von Wahrheit schließt er sich der Korrespondenztheorie an: Wahrheit meine die Übereinstimmung einer Proposition mit einer Tatsache: „Zu behaupten, ‚P ist wahr‘, heißt behaupten, daß P der Fall ist.“ [1]

Rescher unterscheidet zwei Arten von Wahrheitskriterien: garantierende (guaranteeing) und legitimierende (authorizing) Kriterien. Erstere geben vollkommene Sicherheit in Bezug auf das Vorliegen von Wahrheit, während letztere lediglich einen stützenden Charakter haben. Nach Reschers Ansicht genügt es, wenn ein solches Kriterium das Vorliegen von Wahrheit wahrscheinlicher macht. Rescher schränkt dann die Geltung des Kohärenzbegriffs weiter auf die Explikation von Tatsachenaussagen – Rescher spricht von „Daten“ – ein, während für die Wahrheit von logisch-mathematischen Aussagen nach seiner Ansicht pragmatische Kriterien herangezogen werden müssen. Daten sind dabei von vornherein als sprachliche Entitäten konzipiert und nicht als reine Tatsachen. Die Akzeptierbarkeit von Daten wird dabei ebenfalls nach pragmatischen Kriterien gerechtfertigt. Eine Theorie oder Aussagensystem kann nach Rescher dann als kohärent bezeichnet werden, wenn sie folgende drei Aspekte erfüllt:

  • Umfassendheit (comprehensiveness): alle relevanten Sätze werden berücksichtigt; die Theorie ist logisch geschlossen.
  • Konsistenz (consistency): die Theorie enthält keine logisch-kontradiktorischen Sätze.
  • Zusammengefügtheit (cohesiveness): die Sätze der Theorie werden in ihren Beziehungen bzw. Kontexten zu den anderen Sätzen expliziert; die Beziehungen zwischen den Sätzen sind logisch einwandfrei.

Ausgewählte Werke[Bearbeiten]

  • The Coherence Theory of Truth, Oxford 1973.
  • Scientific Progress: A Philosophical Essay on the Economics of Research in Natural Science, Oxford 1978 (dt. Berlin 1981)
  • The Limits of Science, Berkeley 1984 (dt. Stuttgart 1985)
  • The Strife of Systems, Pittsburgh 1985
  • Rationality. A Philosophical Inquiry into the Nature and Rationale of Reason, Oxford 1988 (dt. Würzburg 1993)
  • Luck: The Brilliant Randomness of Everyday Life, New York 1995 (dt. Berlin 1996)
  • Process Metaphysics. An Introduction to Process Philosophy, Albany 1996
  • Process Philosophy: A Survey of Basic Issues, Pittsburg 2000

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Rescher: The Coherence Theory of Truth (Oxford 1973), S. 262; übersetzt nach Lorenz Bruno Puntel: Wahrheitstheorien in der neueren Philosophie. 3. Aufl., Darmstadt 1993, S. 183