Nichtbundeseigene Eisenbahn

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Als nichtbundeseigene Eisenbahnen (NE-Bahnen) oder Privatbahnen werden in Deutschland alle Eisenbahngesellschaften bezeichnet, die sich nicht mehrheitlich im Besitz des Bundes befinden.

Allgemeines[Bearbeiten]

Bei den NE-Bahnen handelt es sich um Unternehmen, die von privaten Investoren oder auch von der öffentlichen Hand (Länder, Kreise, Städte usw.) gehalten werden. Es gibt aber auch Bahnen, die als Eigenbetriebe einer Kommune in öffentlich-rechtlicher Form existieren. Zahl, Umfang und Bedeutung der NE-Bahnen ist seit der Bahnreform der 1990er Jahre erheblich gestiegen. Die Liste deutscher Eisenbahngesellschaften gibt einen guten Überblick über den gegenwärtigen Stand.

Die Einstufung als nichtbundeseigene Eisenbahn hat vor allem rechtliche Konsequenzen. Für Eisenbahnen des Bundes (EdB) ist das Eisenbahn-Bundesamt als Aufsichtsbehörde zuständig, für die nichtbundeseigenen Eisenbahnen in der Regel das jeweilige Bundesland (wobei viele Bundesländer jedoch ihre Aufgaben – zumindest teilweise – dem Eisenbahn-Bundesamt übertragen haben).[1]

Bei Bahngesellschaften muss allgemein unterschieden werden zwischen:

EVU kaufen bei den EIU Fahrplantrassen und fahren die dementsprechenden Züge. Eine Überleitung von Subventionen zwischen beiden Bereichen ist nicht zulässig. Ist ein Unternehmen EIU und EVU gleichzeitig, so ist für beide Unternehmensbereiche nach EU-Recht eine getrennte wirtschaftliche Rechnung vorzunehmen.

Verkehrsarten[Bearbeiten]

Personennahverkehr[Bearbeiten]

Düsseldorf Hbf: Eurobahn und NordWestBahn neben einem Triebwagen der staatseigenen DB

Die meisten NE-Bahnen sind im öffentlichen Auftrag im sog. Schienenpersonennahverkehr (auch SPNV) tätig und werden dabei durch die öffentliche Hand subventioniert. Die EVU können sich im Rahmen öffentlicher Ausschreibungen darum bewerben, den Personennahverkehr auf einer bestimmten Strecke für einen in der Ausschreibung definierten Zeitraum zu übernehmen. Seit der Bahnreform im Jahr 1994 ist der Anteil der NE-Bahnen am SPNV kontinuierlich gestiegen. 2013 lag ihr Marktanteil an der Betriebsleistung (in Zugkilometern gemessen) in Deutschland bei 26,5% (verglichen mit 9,9 % im Jahr 2003).[2]

Personenfernverkehr[Bearbeiten]

Im Schienenpersonenfernverkehr bestehen keine öffentliche Subventionen und EVUs führen Personenfernverkehr in eigener Regie eigenwirtschaftlich durch. Die Unternehmen sind hier in der Preisbildung frei und stehen in freier Konkurrenz zur Deutschen Bahn. Private Betreiber konnten sich trotz Öffnung des Marktes für die Konkurrenz aber bislang kaum auf dem Fernverkehrsmarkt etablieren; ihr Marktanteil an der Verkehrsleistung (in Pkm) im SPFV lag 2012 unter 2 %.[2] Es verkehren nur einzelne eigenwirtschaftliche Züge privater Anbieter; der Preis liegt allerdings oft unter dem Fahrpreis der Deutschen Bahn mit BahnCard 50.

Güterverkehr[Bearbeiten]

Auch der Schienengüterverkehr ist heute in Deutschland liberalisiert und im Güterverkehr tätige private EVUs stehen in freier Konkurrenz zur Deutschen Bahn und führen den Güterverkehr in eigener Regie eigenwirtschaftlich durch. Der Marktanteil der NE-Eisenbahnen am Schienengüterverkehr an der Verkehrsleistung (gemessen in tkm) in Deutschland lag 2012 bei ca. 28,6 % (verglichen mit unter 2 % im Jahr 2000).[2]

Interessensvertretungen und Verbände[Bearbeiten]

Die NE-Bahnen waren bis 1990 im Verband Deutscher Nichtbundeseigener Eisenbahnen e. V. (VDNE) zusammengeschlossen. Im November 1990 schloss sich dieser mit dem Verband Öffentlicher Verkehrsbetriebe (VÖV) und dem VÖV der ehemaligen DDR zum Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) zusammen. Der Interessensverband Mofair e. V. wurde am 9. September 2005 in Berlin gegründet; Mitglieder sind die bedeutendsten in Deutschland im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) tätigen privaten, unabhängigen und wettbewerblichen Verkehrsunternehmen. Des Weiteren besteht das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen e. V.; es vertritt seit seiner Gründung im Herbst 2000 die Interessen von im Schienengüterverkehr tätigen Unternehmen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Für NE-Eisenbahninfrastrukturunternehmen, die nach § 7c AEG eine Sicherheitsgenehmigung benötigen, weil sie z. B. eine Strecke betreiben, die an das Ausland grenzt, ist das EBA zuständig (Beispiel: Deutsche Regionaleisenbahn).
  2. a b c Wettbewerber-Report Eisenbahn 2013/2014. mofair e. V. und Netzwerk Europäischer Eisenbahnen e. V., November 2013, abgerufen am 27. November 2013 (pdf; 9,5 MB).