Nickern

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Nickern
Stadtteil der Landeshauptstadt Dresden
Koordinaten: 50° 59′ 45″ N, 13° 47′ 19″ O
Höhe: 140–160 m ü. NN
Einwohner: 1700 (2011)
Eingemeindung: 1923
Eingemeindet nach: Lockwitz
Postleitzahl: 01239
Vorwahl: 0351
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Lage der Gemarkung Nickern in Dresden

Nickern ist ein Ortsteil von Dresden und gehört zum Stadtbezirk Prohlis.

Die Ortschaft liegt stadtauswärts, südlich der S 172 in Richtung Heidenau/Pirna am Geberbach. Die S 172 trennt ab dem Waldstreifen des Nickerner Abzugsgrabens (hinter dem Selgros-Großhandelsmarkt) das Prohliser Neubaugebiet und größere Gewerbeansiedlungen auf Nickerner Flur. Der Geberbach verbindet beide Orte und umfließt dabei eine Erhebung (wichtig für die ersten Siedler) des Plauen-Nickerner Löß-Hügelgebietes.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Nickern
Nickern und seine Nachbardörfer auf einer Karte aus dem 19. Jahrhundert

Die ehemaligen Kreisgrabenanlagen aus dem 5. Jahrtausend v. Chr. sind vermutlich das Zentrum der ersten Besiedlung des Dresdner Elbtals gewesen.[1][2]

Aus der frühen Bronzezeit (Aunjetitzer Kultur) sind Grabfunde gemacht worden.[3]

Ein Männergrab (um 550) und ein Frauengrab (letztes Drittel 6. Jahrhundert) wurden 1897 entdeckt und den Langobarden zugeordnet.[4] Die lange Langobardenstraße hat daher ihren Namen.[5]

Der Ort wird 1288 erstmals als Nicur[6] erwähnt, was als „Ort des Nikur“ gedeutet aber auch vom urslawischen Kuriti („nicht räuchern“) abgeleitet werden kann. 1923 wurde Nickern nach Lockwitz eingemeindet und mit diesem gemeinsam am 1. Januar 1930 nach Dresden.

Nickern unterteilt sich in Altnickern, einen sehr gut erhaltenen Dorfkern mit der alteingesessenen Bäckerei als Mittelpunkt, und Neunickern, einer in den 1930er Jahren entstandenen Siedlung. In den letzten Jahren sind die als Luftwaffenkaserne entstandenen Gebäude saniert und bewohnbar gemacht worden. Von diesen Kasernen aus sind russische Panzer im Jahr 1968 zur Niederschlagung des Prager Frühlings losgezogen. Außerdem ist es in den letzten Jahren von einem Neubaugebiet erweitert worden, dass sich bis nach Lockwitz erstreckt.[7]

Bemerkenswert ist auch das Schloss Nickern, welches nach der Wiedervereinigung lange Jahre als Kulturzentrum diente. Im Zuge von Kürzungen für soziale Projekte musste der Verein Schloss Nickern e. V. den Betrieb einstellen. Das Schloss befindet sich heute im Privatbesitz und wird schrittweise rekonstruiert. Darin ist auch die Heimatstube Nickern.[8]

Der Kinder- und Jugendbauernhof Nickern[9] organisiert seit einigen Jahren mit Erfolg soziale Projekte für Kinder und Jugendliche.

Auf dem neugestalteten Sportplatz der ehemaligen Kaserne spielt seit 2011 der Verein Gebergrund Goppeln[10] Fußball.

Seit Anfang 2020 wird in Nickern und Prohlis auf elf Info-Stelen über jeweilige archäologische Funde bzw. lokale Geschehnisse informiert.[11][12] Dazu wurde eine Broschüre Nickern und Prohlis – Archäologie und Geschichte am Geberbach in Dresden vom Landesamt für Archäologie Sachsen herausgegeben.[13]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Richard Funke, Margit Georgi, Bettina Heger, Florian Innerhofer, Anja Kaltofen, Peter Neukirch, Thomas Westphalen: Archaeonaut 13. Nickern und Prohlis – Archäologie und Geschichte am Geberbach in Dresden. Dresden 2020, ISBN 978-3-943770-51-3.
  • Gustav Adolf Poenicke (Wikisource): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. (Wikisource) II. Section: Meissner Kreis. Leipzig 1856, S. 35ff (Werkansicht der SLUB)
  • Matthias Daberstiel: Geschichte von Lockwitz und Nickern – Ortsfamilienbuch für zwei Dresdner Stadtteile 1757 bis 1907. Cardamina Verlag, Koblenz 2021.[14]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Nickern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Franziska Viebach: - „Das Erbe unter unseren Füßen“ - Kreisgrabenanlagen in Nickern – DNN - Dresdner Neueste Nachrichten. In: dnn.de. 9. September 2015, abgerufen am 8. März 2022.
  2. Via Neolithica Dresdensis – der Weg der Neolithen in Dresden : Bündnis Freie Bürger (Memento vom 3. Dezember 2013 im Internet Archive)
  3. Jacqueline Klemet: Aunjetitzer Grabfunde von Dresden-Nickern. In: Arbeits- und Forschungsberichte zur Sächsischen Bodendenkmalpflege. Nr. 44. Theiss, 2002, S. 51–73.
  4. Cornelia Rupp: Langobarden in Dresden? Hrsg.: Judith Oexle. Landesamt für Archäologie Dresden, Dresden 2006, S. 51–54.
  5. Straßen Nickern. In: dresdner-stadtteile.de. Abgerufen am 8. März 2022.
  6. die Urkunde, auf der auch Prohlis und Lockwitz erstmals auftauchen, hängt stark vergrößert im Palitzsch-Museum; dort steht eindeutig Nycur
  7. Sanierungsgebiet Nickern. In: dresden.de. Abgerufen am 8. März 2022.
  8. Schloss Nickern, Mieten, Party, Feiern, Kultur - Schloss Nickern Dresden. In: schloss-nickern.jimdofree.com. Abgerufen am 8. März 2022.
  9. Kinder- und Jugendbauernhof Nickern. In: kjb-nickern.de. Abgerufen am 8. März 2022.
  10. SG Gebergrund Goppeln – Die Webseite der SG Gebergrund Goppeln e.V. In: gebergrund-goppeln.de. Abgerufen am 8. März 2022.
  11. Prohlis: Am 16. Mai wird der Archaeo-Pfad Dresden eröffnet (Memento vom 24. Oktober 2020 im Internet Archive)
  12. Archaeo-Pfad Dresden. Kulturhistorischer Rundwanderweg am Geberbach. (PDF; 1,7 MB) In: dresden.de. Landeshauptstadt Dresden, Dezember 2019, abgerufen am 8. März 2022.
  13. Richard Funke, Margit Georgi, Bettina Heger, Florian Innerhofer, Anja Kaltofen, Peter Neukirch, Thomas Westphalen: Nickern und Prohlis – Archäologie und Geschichte am Geberbach in Dresden. In: Archaeonaut. Nr. 13. Dresden 2020, ISBN 978-3-943770-51-3.
  14. Erstes Ortsfamilienbuch für zwei Dresdner Stadtteile erschienen. In: dresdner-verein-fuer-genealogie.de. Abgerufen am 8. März 2022.