Nico Semsrott

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Nico Semsrott in seinem Erkennungszeichen – dem schwarzen Kapuzenpullover (2018)

Nico Semsrott (* 11. März 1986 in Hamburg) ist ein deutscher Kabarettist, Satiriker, Slam-Poet und Politiker (parteilos, bis Januar 2021 Die PARTEI). Seit Juli 2019 ist er Mitglied des Europäischen Parlaments.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während seiner Schulzeit an der Hamburger Sophie-Barat-Schule gehörte Semsrott zur Redaktion der Schülerzeitung Sophies Welt, die jedoch durch einen Beratungslehrer zensiert wurde. Nach einem Streit mit der Schulleitung gründete er gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder, dem heutigen Journalisten Arne Semsrott,[2] die eigenständige und später prämierte Schülerzeitung Sophies Unterwelt. Deren Verkauf auf dem Schulgelände wurde von der Schulleitung verboten, nach einer erfolgreichen Klage Semsrotts und seines Bruders jedoch außerhalb des Schulgeländes gestattet.[2][3]

Nach dem Abitur absolvierte Semsrott zwei journalistische Praktika sowie der Berliner Schaubühne und verbrachte ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Jungen Presse Hamburg. Da er zunächst abgewiesen worden war, klagte er sich anschließend an der Universität Hamburg für ein Studium der Soziologie und Geschichte ein, brach dieses jedoch nach sechs Wochen wieder ab.[4]

Semsrott tritt seit 2007 als depressiv erscheinende Kunstfigur auf Poetry Slams,[5] Kabarettbühnen und im Fernsehen auf. Er stellt sich dabei dem Publikum meist als „Demotivationstrainer“ vor. Auch auf dem Stimmzettel zur Europawahl 2019 stand dies als Beruf.[6] Sein erstes Soloprogramm mit dem Titel Freude ist nur ein Mangel an Information hatte am 14. Juni 2012 in Hamburg Premiere. Ab 2014 war Semsrott mit einer ständig aktualisierten Fassung des Programms auf Tour, wobei der Titel durch den Zusatz „Update“ und eine jährlich um 0.5 erhöhte Versionsnummer ergänzt wurde. Seit 2019 pausiert er aufgrund seines parteipolitischen Engagements.[7] 2017 bis 2019 gehörte er zum Ensemble der heute-show im ZDF.[8]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Semsrott führte zur Bundestagswahl 2017 als Spitzenkandidat die Berliner Landesliste der Partei Die PARTEI an,[2] die dort 2,1 % der Stimmen erreichte.[9]

Bei der Europawahl 2019 kandidierte er für Die PARTEI auf Listenplatz 2 hinter Martin Sonneborn.[10] Im Wahlkampf kritisierte er oft eine mangelhafte Auseinandersetzung älterer Politiker mit jüngeren Generationen, da diese weniger Gewicht hätten. So forderte er in einer satirischen Wahlwerbung ein „Höchstwahlalter“.[11] Bei der Wahl am 26. Mai 2019 erreichte Die PARTEI in Deutschland 2,4 % der Stimmen. Damit errang Semsrott neben Sonneborn ein Mandat im Europäischen Parlament. Während Sonneborn sich wie in der Legislaturperiode zuvor entschied, fraktionslos zu bleiben, gab Semsrott bekannt, der Fraktion Die Grünen/Europäische Freie Allianz beizutreten.[12][13] Für seine Fraktion ist er Mitglied im Haushaltskontrollausschuss sowie stellvertretendes Mitglied im Petitionsausschuss.[14]

Durch Semsrott wurde eine Diebstahlserie im Europäischen Parlament während der COVID-19-Pandemie bekannt.[15] Ein von ihm auf der Plattform YouTube veröffentlichtes Video, in dem er den Diebstahl und die Untätigkeit des zuständigen Sicherheitsdienstes thematisiert, fand internationale Resonanz.[16][17]

Am 13. Januar 2021 gab Semsrott seinen Austritt aus der Partei Die PARTEI öffentlich bekannt.[18] Sonneborn habe laut Semsrott seine „Verantwortung als Vorsitzender von Die PARTEI mit 50.000 Mitgliedern und zuletzt 900.000 Wähler*innen“ (Nico Semsrott)[18] nicht ausreichend wahrgenommen, als er wiederholt nicht ernsthaft auf die Kritik an ihm reagiert habe.[19] Der Medienjournalist Michael Hanfeld bewertete in der FAZ den Vorgang als das Ende des „Satireprojekts“ von Die PARTEI, und kritisierte, dass Semsrott trotz Austritt sein EU-Mandat behalte.[20]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Nico Semsrott – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bundeswahlleiter: Gewählte Europawahl 2019. In: bundeswahlleiter.de. Abgerufen am 27. Mai 2019.
  2. a b c Matthias Hanselmann: Nico und Arne Semsrott – Mal lustig, mal ernst – aber immer politisch. In: deutschlandfunkkultur.de. 20. Juli 2017, abgerufen am 2. Oktober 2017.
  3. Benedikt Mandl: Pressekrieg um „Sophies Unterwelt“. In: Spiegel-Online. 1. Juli 2005, abgerufen am 28. Mai 2019.
  4. Uni-Loser Felix Dachsel trifft Nico Semsrott. In: spiegel.de. 28. November 2013, abgerufen am 22. Juli 2019.
  5. Volkan Ağar: EU-Abgeordneter Nico Semsrott: Er meint das ernst. In: Die Tageszeitung: taz. 9. Juli 2019, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 5. August 2019]).
  6. Musterstimmzettel für die Wahl der Abgeordneten des Europäischen Parlaments am 26. Mai 2019 im Land Nordrhein-Westfalen In: im.nrw, abgerufen am 28. Mai 2019. (PDF; 1,9 MB)
  7. Warum ich aufhöre. In: facebook.com. Nico Semsrott, 5. November 2018, abgerufen am 6. November 2018.
  8. Daniel Sobolewski: „Heute Show“ im ZDF: Beliebter Satiriker geht – weil er jetzt einen besseren Job hat. In: derwesten.de. 27. Mai 2019, abgerufen am 27. Mai 2019.
  9. Vorläufiges Ergebnis der Bundestagswahl in Berlin. (PDF; 38,2 kB) In: wahlen-berlin.de. Die Landeswahlleiterin, 25. September 2017, abgerufen am 2. Oktober 2017.
  10. dpa: Mit Göbbels und Speer als Kandidaten. In: faz.net, 22. August 2018, abgerufen am 28. Mai 2019.
  11. Nico Semsrott: Wahlwerbung. In: www.youtube.com. Abgerufen am 31. Mai 2019.
  12. EU-Parlament: Sonneborns Satirepartei bekommt zwei Sitze. In: Spiegel.de. 26. Mai 2019, abgerufen am 26. Mai 2019.
  13. Greens in the EP: We are pleased to announce that a further 5 MEPs joined the @GreensEP Welcome to: @PiratKolaja, @MarketkaG, @vonpecka from @PiratskaStrana @echo_pbreyer from @Piratenpartei @nicosemsrott from @DiePARTEI. We are now 74 & talks with other parties are still ongoing pic.twitter.com/tbFZzLjgcV. In: @GreensEP. 4. Juni 2019, abgerufen am 4. Juni 2019 (englisch).
  14. Nico Semsrott | Abgeordnete | Europäisches Parlament. Abgerufen am 5. Juli 2019.
  15. EU-Parlament: Während Corona-Schließung kam es offenbar zu Diebstahlserie. In: Spiegel.de. Der Spiegel, 2. Juli 2020, abgerufen am 8. Juli 2020.
  16. Nico Semsrott: In meinem Abgeordnetenbüro in Brüssel wurde eingebrochen! YouTube, abgerufen am 8. Juli 2020.
  17. Nico Semsrott: Neues Sicherheitssystem im Parlament eingeführt. Abgerufen am 8. Juli 2020.
  18. a b Humorlose Erklärung, warum ich aus Die PARTEI austrete. In: nicosemsrott.eu. 13. Januar 2021, abgerufen am 13. Januar 2021.
  19. Nico Semsrott verlässt »Die Partei« nach Sonneborn-Eklat. 13. Januar 2021, abgerufen am 13. Januar 2021.
  20. Michael Hanfeld: Semsrotts „Die Partei“-Austritt: Satirepartei wird satirefrei. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 14. Januar 2021]).
  21. Melanie Wolfmeier: Das ist ... der Poetry-Slammer, der die Logik der AfD zerlegt. In: Jetzt.de. Süddeutsche Zeitung, 2. September 2016, abgerufen am 8. Oktober 2019.
  22. Nico gewinnt Finale (Memento vom 15. Oktober 2013 im Internet Archive), N-JOY.de
  23. Kulturbörsenpreis für fünf A-Cappella-Sängerinnen, Badische Zeitung, 27. Januar 2012