Nico Semsrott

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Nico Semsrott in seinem Erkennungszeichen – dem schwarzen Kapuzenpullover (2018)

Nico Semsrott (* 11. März 1986 in Hamburg) ist ein deutscher Kabarettist, Satiriker, Politiker (Die PARTEI) und Slam-Poet. Seit 2019 ist er Mitglied des Europäischen Parlaments.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seiner Schulzeit war er einer der Redakteure der Schülerzeitung Sophies Welt an der Hamburger Sophie-Barat-Schule, in der allerdings ein Beratungslehrer als Zensor eingesetzt wurde. Nach einem Streit mit der Schulleitung gründete er gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder, dem heutigen Journalisten Arne Semsrott,[2] die Zeitung Sophies Unterwelt, deren Verkauf auf dem Schulgelände von der Leitung verboten wurde.[3][4] Nach seinem Abitur absolviert er ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Kultur bei der Jungen Presse Hamburg. Anschließend klagte er sich an der Universität Hamburg für ein Studium der Soziologie und Geschichte ein und brach dieses jedoch nach sechs Wochen wieder ab.[5]

Nico Semsrott tritt seit 2007 als depressive Kunstfigur auf Poetry Slams,[6] Kabarettbühnen und im Fernsehen auf. Er stellt sich dabei dem Publikum meist als „Demotivationstrainer“ vor. Auch auf dem Stimmzettel zur Europawahl 2019 stand dies als Beruf.[7] Sein erstes Soloprogramm mit dem Titel Freude ist nur ein Mangel an Information hatte am 14. Juni 2012 in Hamburg Premiere. Ergänzt durch „Update“ und eine sich jährlich um 0.5 steigernde Versionsnummer ist Semsrott seit Herbst 2014 mit einer ständig aktualisierten Fassung auf Tour. Seit 2019 pausiert er zu Gunsten seines parteipolitischen Engagements.[8] Von 2017 bis 2019 gehörte er zum Team der ZDF-heute-show.[9]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nico Semsrott führte zur Bundestagswahl 2017 als Spitzenkandidat die Berliner Landesliste der Partei Die PARTEI an,[3] die dort 2,1 % der Stimmen erreichte.[10]

Er kandidierte bei der Europawahl 2019 für die Partei Die PARTEI auf Listenplatz zwei hinter Martin Sonneborn für einen Sitz im Europaparlament.[11] Im Wahlkampf kritisierte er oft eine mangelhafte Auseinandersetzung älterer Politiker mit jüngeren Generationen, da diese weniger Gewicht hätten. So forderte er in einer satirischen Wahlwerbung ein „Höchstwahlalter“.[12] Bei der Europawahl am 26. Mai 2019 erreichte die Partei Die PARTEI 2,4 Prozent der Stimmen in Deutschland. Damit errang Semsrott neben Sonneborn ein Mandat im Europäischen Parlament. Während Martin Sonneborn sich wie in der Legislaturperiode zuvor entschied, fraktionslos zu bleiben, gab Semsrott bekannt, der Fraktion Die Grünen/Europäische Freie Allianz beizutreten.[13][14] Für seine Fraktion ist er Mitglied im Haushaltskontrollausschuss sowie im Petitionsausschuss.[15]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Nico Semsrott – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bundeswahlleiter: Gewählte Europawahl 2019. Abgerufen am 27. Mai 2019.
  2. Nico und Arne Semsrott - Mal lustig, mal ernst – aber immer politisch. Abgerufen am 5. Juli 2019.
  3. a b Matthias Hanselmann: Nico und Arne Semsrott – Mal lustig, mal ernst – aber immer politisch. In: deutschlandfunkkultur.de. 20. Juli 2017, abgerufen am 2. Oktober 2017.
  4. Benedikt Mandl: Pressekrieg um „Sophies Unterwelt“. In: Spiegel-Online. 1. Juli 2005, abgerufen am 28. Mai 2019.
  5. Uni-Loser Felix Dachsel trifft Nico Semsrott. In: spiegel.de. 28. November 2013, abgerufen am 22. Juli 2019.
  6. Volkan Ağar: EU-Abgeordneter Nico Semsrott: Er meint das ernst. In: Die Tageszeitung: taz. 9. Juli 2019, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 5. August 2019]).
  7. Musterstimmzettel für die Wahl der Abgeordneten des Europäischen Parlaments am 26. Mai 2019 im Land Nordrhein-Westfalen In: im.nrw, abgerufen am 28. Mai 2019. (PDF; 1,9 MB)
  8. Warum ich aufhöre. In: facebook.com. Nico Semsrott, 5. November 2018, abgerufen am 6. November 2018.
  9. Daniel Sobolewski: „Heute Show“ im ZDF: Beliebter Satiriker geht – weil er jetzt einen besseren Job hat. In: derwesten.de. 27. Mai 2019, abgerufen am 27. Mai 2019.
  10. Vorläufiges Ergebnis der Bundestagswahl in Berlin. (PDF; 38,2 kB) In: wahlen-berlin.de. Die Landeswahlleiterin, 25. September 2017, abgerufen am 2. Oktober 2017.
  11. dpa: Mit Göbbels und Speer als Kandidaten. In: faz.net, 22. August 2018, abgerufen am 28. Mai 2019.
  12. Nico Semsrott: Wahlwerbung. In: www.youtube.com. Abgerufen am 31. Mai 2019.
  13. EU-Parlament: Sonneborns Satirepartei bekommt zwei Sitze. In: Spiegel Online. 26. Mai 2019 (spiegel.de [abgerufen am 26. Mai 2019]).
  14. Greens in the EP: We are pleased to announce that a further 5 MEPs joined the @GreensEP Welcome to: @PiratKolaja, @MarketkaG, @vonpecka from @PiratskaStrana @echo_pbreyer from @Piratenpartei @nicosemsrott from @DiePARTEI. We are now 74 & talks with other parties are still ongoing pic.twitter.com/tbFZzLjgcV. In: @GreensEP. 4. Juni 2019, abgerufen am 4. Juni 2019 (englisch).
  15. Home | Nico SEMSROTT | Abgeordnete | Europäisches Parlament. Abgerufen am 5. Juli 2019.
  16. Melanie Wolfmeier: Das ist ... der Poetry-Slammer, der die Logik der AfD zerlegt. In: Jetzt.de. Süddeutsche Zeitung, 2. September 2016, abgerufen am 8. Oktober 2019.
  17. Nico gewinnt Finale (Memento vom 15. Oktober 2013 im Internet Archive), N-JOY.de
  18. Kulturbörsenpreis für fünf A-Cappella-Sängerinnen, Badische Zeitung, 27. Januar 2012