Nicola Beer

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Nicola Beer 2016

Nicola Gertrud Ruth Beer (* 23. Januar 1970 in Wiesbaden) ist eine deutsche Politikerin (FDP) und Rechtsanwältin. Sie war Spitzenkandidatin ihrer Partei bei der Europawahl in Deutschland 2019 und wurde am 26. Mai 2019 ins Europäische Parlament und am 3. Juli zur Vizepräsidentin des Parlaments gewählt.[1]

Von 2009 bis 2012 war sie Staatssekretärin für Europaangelegenheiten im Hessischen Ministerium der Justiz, für Integration und Europa. Von 2012 bis 2014 war sie hessische Kultusministerin. Von Dezember 2013 bis April 2019 war sie Generalsekretärin der FDP und von Oktober 2017 bis Juni 2019 Bundestagsabgeordnete.[2]

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbildung und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem deutsch-französisch bilingualen Abitur an der Frankfurter Ziehenschule (1989) erfolgte von 1989 bis 1991 eine Ausbildung zur Bankkauffrau. Das anschließende Studium der Rechtswissenschaften an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main, wo sie sich in der Studentenschaft engagierte, beendete sie 1997 mit dem ersten juristischen Staatsexamen. 1999 legte sie das zweite juristische Staatsexamen ab. Beer war von 1999 bis 2009 und ist seit 2014 erneut in Frankfurt als selbständige Rechtsanwältin mit Schwerpunkt Verwaltungsrecht tätig.

Parteilaufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nicola Beer mit Michael Theurer beim Dreikönigstreffen 2015

Von 1988 bis 2006 war Beer Mitglied der Jungen Liberalen, davon im Zeitraum von 1994 bis 1998 Kreisvorsitzende der Jungen Liberalen Frankfurt.

Mitglied der FDP ist sie seit 1991. Seit 1992 ist sie Mitglied des Kreisvorstands der FDP Frankfurt. Seit 1995 ist sie Mitglied des Landesvorstands der FDP Hessen, seit 2007 Mitglied des Bundesvorstandes der FDP. Ferner ist sie Mitglied des Landesvorstands der Liberalen Frauen Hessen. Am 7. Dezember 2013 wurde Nicola Beer auf dem FDP-Bundesparteitag in Berlin mit 84,3 % zur Generalsekretärin der FDP gewählt.[3] Auf dem Bundesparteitag am 15. Mai 2015 wurde sie mit 88,4 % der Stimmen in diesem Amt bestätigt,[4] ebenso am 29. April 2017 auf dem 68. ordentlichen Bundesparteitag in Berlin, wo sie mit 79,54 % der Stimmen wiedergewählt wurde.[5]

Abgeordnetentätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zeitraum von April 1997 bis September 1999 war Beer Stadtverordnete in Frankfurt und im Jahr 1999 stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin.

Von April 1999 bis Februar 2009 war sie Abgeordnete im Hessischen Landtag. Sie kandidierte stets im Wahlkreis Frankfurt am Main III, wurde aber jeweils über die FDP-Landesliste gewählt. Im Landtag war sie wissenschaftspolitische, rechtspolitische und kulturpolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion. Von April 2003 bis April 2008 war sie zudem Parlamentarische Geschäftsführerin, seit April 2008 stellvertretende Fraktionsvorsitzende der FDP-Landtagsfraktion. Aufgrund der Unvereinbarkeit von Amt und Mandat musste Beer wegen ihrer Ernennung zur Staatssekretärin ihr Landtagsmandat 2009 niederlegen.[6] Für sie rückte Jochen Paulus in den Landtag nach. Bei der Landtagswahl 2013 wurde sie erneut über die Landesliste in den Landtag gewählt.

Beer war Mitglied der 12., 13., 14., 15. und der 16. Bundesversammlung in den Jahren 2004, 2009, 2010, 2012 und 2017. Von 2010 bis 2012 ist sie Mitglied im Ausschuss der Regionen der Europäischen Union gewesen.[7]

Auch bei der Landtagswahl in Hessen 2013 trat sie im Wahlkreis Frankfurt am Main III an. Über einen Listenplatz der Partei zog sie in den Landtag ein. Nach ihrer Wahl in den Bundestag legte sie zum 31. Oktober 2017 ihr Landtagsmandat nieder.

2019 war Nicola Beer Mitglied der Deutsch-Französischen Parlamentarischen Versammlung.

Ämter in Landesministerien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nicola Beer spricht auf einer Wahlkampfveranstaltung der FDP in Kassel

Im Februar 2009 wurde Beer Staatssekretärin für Europaangelegenheiten im Hessischen Ministerium der Justiz, für Integration und Europa. Am 31. Mai 2012 wurde sie als Nachfolgerin von Dorothea Henzler zur hessischen Kultusministerin ernannt.[8] Am 18. Januar 2014 folgte ihr Alexander Lorz als Hessischer Kultusminister im Kabinett Bouffier II.

Bundestagswahl 2017[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Bundestagswahl 2017 kandidierte sie für die FDP als Direktkandidatin im Bundestagswahlkreis Frankfurt am Main I, gewählt wurde der CDU-Bewerber. Über Platz 1 auf der Landesliste ihrer Partei wurde sie in den Bundestag gewählt. Der FDP-Parteivorsitzende Christian Lindner beließ sie auch während des Bundestagswahlkampfs in ihrer Aufgabe als Generalsekretärin.[9] Im 19. Deutschen Bundestag war Beer Mitglied im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung.[10] Am 30. Juni 2019 legte sie ihr Bundestagsmandat nieder, um zwei Tage später das Mandat als Abgeordnete des Europäischen Parlaments anzutreten. Für sie rückte Peter Heidt in den Bundestag nach.[11]

Europawahl 2019[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem FDP-Europaparteitag 2019 wurde sie am 27. Januar 2019 zur Spitzenkandidatin der FDP für die Europawahl 2019 gewählt. Am 26. Mai 2019 wurde sie ins Europaparlament gewählt.

Persönliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nicola Beer ist evangelisch, verheiratet und Mutter von Zwillingen. 2018 heiratete sie den Rechtsanwalt und früheren Geschäftsführer der Deutsch-Ungarischen Industrie- und Handelskammer Jürgen Illing. Die kirchliche Trauung erfolgte im September 2018 in Budapest und wurde von dem Pfarrer Zoltán Balog, einem früheren Minister im Kabinett Orbán, gehalten.[12]

Beer ist Mitglied des Kuratoriums des Max-Planck-Instituts für Europäische Rechtsgeschichte, des Kuratoriums des Museums für Weltkulturen, seit 2014 Mitglied im 19-köpfigen Stiftungsbeirat der Heraeus Bildungsstiftung, seit 2015 Mitglied im Kuratorium von World Vision Deutschland. Sie ist Kuratoriumsmitglied des Verbandes der Privaten Hochschulen und Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Beer ist außerdem Mitglied der überparteilichen Europa-Union Deutschland.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dezember 2013 wurde Beer von dem Verfassungsrechtler Hans Herbert von Arnim wegen „öffentlicher Verschwendung“ kritisiert. Als die CDU/FDP-Regierung in Hessen im September abgewählt worden war, beförderten oder verbeamteten Beer und Wirtschaftsminister Florian Rentsch (ebenfalls FDP) ihre Sprecher und Büroleiter. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hielt Beer deshalb „unverblümte Günstlingsversorgung“ vor.[13]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Nicola Beer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alphabetisches Verzeichnis aller Gewählten - Der Bundeswahlleiter. Abgerufen am 27. Mai 2019.
  2. Deutscher Bundestag - Biografien. Abgerufen am 22. August 2019.
  3. Persönliches (Memento vom 2. Februar 2016 im Internet Archive) auf ihrer Homepage
  4. http://www.rp-online.de/politik/fdp-basis-stimmt-partei-soli-zu-aid-1.5093250
  5. Wahlergebnisse Bundesparteitag 2017 Präsidium und Bundesvorstand auf www.liberale.de
  6. §§ 29–37 Hessisches Abgeordnetengesetz
  7. Pressemitteilung des Hessischen Landtags
  8. Neue Minister Rentsch und Beer ernannt. 31. Mai 2012. Abgerufen am 31. Mai 2012.@1@2Vorlage:Toter Link/www.echo-online.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  9. FDP Hessen: Nicola Beer. (fdp-hessen.de [abgerufen am 19. September 2017]).
  10. Pressemitteilung: Besetzung Bundestagsausschüsse. In: fdpbt.de. Fraktion der Freien Demokraten im Deutschen Bundestag, 14. Januar 2018, abgerufen am 25. Januar 2018.
  11. Deutscher Bundestag - Ausgeschiedene Abgeordnete der 19. Wahlperiode. Abgerufen am 30. Juni 2019.
  12. Jan Mainka: „In Ungarn fühle ich mich weiter daheim“. BZ-Interview mit dem ehemaligen DUIHK-Geschäftsführer Jürgen Illing. In: Budapester Zeitung vom 24. Oktober 2018 (abgerufen am 21. Januar 2019).
  13. Frankfurter Allgemeine Zeitung: Vertraute befördert: „Scheidende FDP-Minister verschwenden Steuergeld“, 11. Dezember 2013.