Nicola Sturgeon

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Nicola Sturgeon (2016)

Nicola Ferguson Sturgeon (* 19. Juli 1970 in Irvine, Schottland) ist eine schottische Politikerin (SNP). Sie ist Erste Ministerin Schottlands.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sturgeon wuchs mit zwei jüngeren Schwestern als Tochter von Robert Sturgeon, einem Ingenieur, und Joan Sturgeon, einer heutigen SNP-Politikerin auf.[1] Sie besuchte öffentliche Schulen in Dreghorn und Prestwick und studierte anschließend Recht an der University of Glasgow, an der sie 1992 einen Bachelor of Laws und 1993 ein Diploma in Legal Practice erwarb. [2] Sie gibt an, dass sie ohne gebührenfreies Studium ihre Ausbildung nicht hätte beenden können.[3] Danach arbeitete sie als Rechtsanwältin in einer Kanzlei und einer kostenlosen Rechtsberatung im Glasgower Stadtteil Drumchapel.[4]

Politische Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihr politisches Interesse erwachte mit 16 Jahren, nach eigenen Angaben motiviert durch die Politik Margaret Thatchers. Diese zeigte einerseits, dass eine machtbewusste Frau in der Politik bis an die Spitze gelangen konnte, auf der anderen Seite lehnte sie Thatchers konservative Inhalte entschieden ab[5]. Die damals in Schottland vorherrschende Labour Party war unfähig, Thatchers Politik zu stoppen. Deshalb trat sie im Alter von 16 Jahren, als sie bereits ein Mitglied der Campaign for Nuclear Disarmament war, der SNP bei[3].

Das Wahlkreisbüro Nicola Sturgeons in Glasgow

1992 kandidierte sie als Schottlands jüngste Bewerberin für die SNP bei der Unterhauswahl im Wahlkreis Glasgow-Shettleston. Die Kandidatur scheiterte. Erfolgreich war erst ihre Kandidatur bei der schottischen Parlamentswahl 1999, der ersten Wahl eines schottischen Parlaments nach der Devolution. Sie gewann ihren Wahlkreis Glasgow Govan zwar nicht direkt, zog aber über die Landesliste der SNP ins Parlament ein. Die SNP opponierte gegen eine Koalition aus Labour und Liberal Democrats, und sie amtierte als Sprecherin für Gesundheit, Recht und Bildung[1]. Als SNP-Chef John Swinney 2004 zurücktrat, spekulierte sie öffentlich auf eine Kandidatur für den Parteivorsitz, trat aber zugunsten von Alex Salmond zurück, der mit ihr als Stellvertreterin antrat und Parteivorsitzender wurde. Während dieser als Unterhausmitglied meist in London weilte, konnte Sturgeon sich im schottischen Parlament als Oppositionsführerin mit heftigen Attacken auf den Labour-Regierungschef Jack McConnell profilieren. 2007 gelang es ihr, der Labour-Party den Wahlkreis Glasgow-Govan abzunehmen und direkt ins schottische Parlament gewählt zu werden. Bei dieser Wahl wurde die SNP stärkste Partei und Sturgeon wurde stellvertretender Erster Minister und Gesundheitsminister.[5]

Das schottische Kabinett 2011, vorn rechts Nicola Sturgeon, links daneben Alex Salmond

2011 errang die SNP die absolute Mehrheit und Sturgeon konnte den neuen Wahlkreis Glasgow Southside direkt gewinnen. Sie blieb zunächst Gesundheitsministerin und wechselte nach einem Jahr ins Infrastrukturministerium. Beim Unabhängigkeitsreferendum 2014 nahm sie eine führende Rolle in der Kampagne der SNP für die schottische Unabhängigkeit (Yes!) ein [3]. Trotz der Niederlage schnitt das Yes!-Lager besser als erwartet ab, und Sturgeon wurde für ihre Kampagne gelobt. Nach der Niederlage beim Referendum trat Salmond zurück, und Nicola Sturgeon trat im November 2014 seine Nachfolge sowohl als Parteichefin als auch als Ministerpräsidentin an[5].

Bei den Unterhauswahlen von 2015 gelang der SNP ein Erdrutschsieg in Schottland, von 59 Wahlkreisen gewann die SNP 56 auf Kosten von Labour und den Liberal Democrats[6]. Sturgeon wurde erneut für ihre dynamische Kampagne gelobt. Bei der schottischen Parlamentswahl von 2016 blieb die SNP stärkste Partei, verlor aber die absolute Mehrheit. Sturgeon regiert an der Spitze eines SNP-Minderheitskabinetts weiter.[5]

Referendum über die EU-Mitgliedschaft 2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sturgeon mit Mitgliedern des Europäischen Parlaments nach dem Brexit-Referendum

Bei dem EU-Mitgliedschaftsreferendum 2016 votierten Schottland und Nordirland, anders als England und Wales, für den Verbleib in der EU; Schottland war der einzige Landesteil, in dem alle Wahlkreise ausnahmslos mit Remain (Verbleib in der EU) stimmten. Sturgeon erklärte, es sei demokratisch inakzeptabel, dass Schottland gegen seinen erklärten Willen aus der EU herausgenommen werde[7]. Ein zweites Unabhängigkeitsreferendum sei „auf dem Tisch“[8]. Sie berief ein Expertengremium ein, um über die Folgen des Brexit für Schottland zu beraten[9] Am 29. Juni traf sie in Brüssel mit Jean-Claude Juncker und Martin Schulz zusammen, der Präsident des Europäischen Rats, Donald Tusk, lehnte ein Treffen mit ihr jedoch ab.[10] Am 15. Juli 2016 traf sie mit der neuen britischen Premierministerin Theresa May zusammen, die das von Sturgeon ins Gespräch gebrachte neue Referendum über die schottische Unabhängigkeit klar ablehnte[11].

Politische Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Sturgeons ersten politischen Handlungen gehörten, neben dem Eintreten für die Unabhängigkeit Schottlands, die Unterstützung der Campaign for Nuclear Disarmament sowie die heftige Kritik an den sozialen Folgen von Margaret Thatchers konservativer Austeritätspolitik[3][12]. An beiden Positionen hält sie bis heute fest[13][14]. Sie bezeichnet sich als Feministin[15], nach ihrem Treffen mit Theresa May bezeichnete sie beide Politikerinnen als Vorbilder für junge Mädchen und Beweis, dass nichts unmöglich sei[16]. Sie hat Gleichberechtigung zu einem ihrer wichtigsten Anliegen gemacht, ihr Kabinett ist das erste im Vereinigten Königreich, das zu gleicher Zahl aus Männern und Frauen besteht[17].

Die von Sturgeon geführte schottische Regierung legte am 20. Oktober 2016 einen Gesetzentwurf für ein zweites Unabhängigkeitsreferendum vor[18].

Persönliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nicola Sturgeon ist seit 2010 mit Peter Murrell, dem Geschäftsführer der SNP, verheiratet und lebt in Glasgow. Sie ist ein Fan der Fernsehserien Borgen[19] und X-Factor und liest in ihrer Freizeit gerne[12].

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Nicola Sturgeon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Nicola Sturgeon: Leader on slow road to her stone of destiny, James Cusick, The Independent, 17. Oktober 2014
  2. Sturgeon auf der Seite des schottischen Parlaments
  3. a b c d Sturgeons Biographie auf der Seite der Scottish National Party
  4. Sturgeon auf der Seite der schottischen Regierung
  5. a b c d Nicola Sturgeon, Scottish Politician, Peter Kellner, Encyclopedia Britannica
  6. Election 2015: SNP wins 56 of 59 seats in Scots landslide, BBC News, 8. Mai 2015
  7. New Scotland independence referendum 'highly likely': Sturgeon, Elisabeth O'Leary, Reuters, 24. Juni 2016
  8. Brexit vote: Nicola Sturgeon statement in full, BBC, 24. Juni 2016
  9. Sturgeon sets up expert group to advise on aftermath of Brexit vote, BBC, 28. Juni 2016
  10. Brexit: Spain and France oppose Scotland EU talks, BBC, 29. Juni 2016
  11. Brexit: PM is 'willing to listen to options' on Scotland, BBC, 15. Juli 2016
  12. a b The Nicola Sturgeon story, Andrew Black, BBC Scotland, 19. November 2014
  13. Nicola Sturgeon signs ‘Rethink Trident’ pledge, The Scotsman, 22. August 2015
  14. Nicola Sturgeon attacks 'Westminster austerity economics' , BBC News, 11. Februar 2015
  15. Glasgow Guardian interviews Nicola Sturgeon, Gina Mete & Alastair Thomas, Glasgow Guardian, Issue 4, 6. Februar 2015
  16. Nicola Sturgeon posts touching feminist message after meeting with rival leader Theresa May, Sebastian Mann, Evening Standard, 15. Juli 2016
  17. Women of 2014: Nicola Sturgeon, Scotland’s first minister, Mure Dickie, Financial Times, 12. Dezember 2014
  18. New Scottish independence bill published (en), BBC News. 20. Oktober 2016. Abgerufen am 24. Oktober 2016. 
  19. Nicola Sturgeon: Who is she and what is the story behind politics' woman of the hour?, Ella Alexander, The Independent, 24. September 2014